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Kollektives Denken braucht Sprache
Während mir die Darstellungen von Erik Hoel zur intrinsischen Perspektive durchaus plausibel erscheinen, klingen sie doch auch sehr nach der mittlerweile widerlegten Sapir-Whorf-Hypothese, dass wir nur die Dinge denken und fühlen können, für die wir auch eine Sprache haben. Eine Lösung für diesen Widerspruch könnte darin zu finden sein, zwischen einem individuellen Denken und einem…
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KI wird den Fachkräftemangel nicht beheben
Den Tag gestern (07.12.2023) durfte ich wegen meiner Arbeit in dem Projekt Zukunftszentrum pulsnetz.de Mensch und Technik im Gemeinwesen auf der interessanten arbeitspolitischen Tagung der Zukunftszentren in Berlin verbringen. Dabei sprach u.a. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil darüber, „künstliche Intelligenz“ sein ein Baustein dabei, den Fachkräftemangel in einigen Branchen zu bekämpfen. Dabei sind mir einige interessante Dinge…
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Die intrinsische Perspektive entwickelte sich mit dem Roman
Die Geschichte des menschlichen Denkens lässt sich entlang der Entwicklung einer externen und einer internen Perspektive nachzeichnen. Mit Blick auf die interne Perspektive stellt Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Consciousness, Free Will, and the Limits of Science eine steile These vor, für die es in meinen Augen mehr Belege braucht,…
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Der menschliche Blick hat zwei spezifische Perspektiven
Auch wenn wir die grundlegende Fähigkeit zu Intelligenz und Kognition nicht menschenzentriert betrachten sollten, ist doch auch unstreitig, dass wir Menschen besondere Arten und Wege entwickelt haben, über die Welt, aber auch uns selbst nachzudenken. Erik Hoel beschreibt im ersten Kapitel seines Buchs The World Behind the World: Consciousness, Free Will, and the Limits of…
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Bürgerräte als Boost für politische Beteiligung
Bürgerräte werden immer mal wieder diskutiert, wenn es darum geht, die Bürger*innen stärker in die Politik einzubinden und Politik in Bereichen zu machen, die im klassischen politischen Geschäft nur schwer zu bearbeiten sind – etwa der Klimaschutz. Dawn Nakagawa und Marjan Ehsassi zeigen in ihrem Essay Putting The Public Back In Public Policy am Beispiel…
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Ehemals als absurd verschmähte Ideen kehren leicht verändert zurück
Wissenschaft liefert keineswegs dauerhafte und gesicherte Erkenntnisse. Sie muss stattdessen als dauerhafter sozialer Aushandlungsprozess darüber verstanden werden, welches Wissen wir für gut genug abgesichert halten, um es zur Grundlage weiterer Forschung oder gar unseres Handelns zu machen. Diese Aushandlung unterliegt dabei denselben Verzerrungen und Fehlschlüssen wie andere soziale Prozesse auch – wenn auch im Vergleich…
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Bewusstsein ensteht am Übergang zwischen konzeptionellem und belebtem Denken
Letzte Woche habe ich über die unterschiedlichen Maßstäbe geschrieben, die ich an tierisches und maschinelles Denken anlege. Statt hier kategoriale Unterschiede zu sehen, könnte eine Lösung darin bestehen, Denken als differenziertes Phänomen mit unterschiedlichen Dimensionen zu begreifen. Auf der Grundlage einer weiteren Lektüre von John Searle bin ich jetzt bei der Differenzierung für mich noch…
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Man kann Geld anders denken
Geld ist vermutlich die Illusion mit dem stärksten Einfluss auf das Wohl und Wehe unserer Gesellschaften. Es ist ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Welt und wird im Alltag nur selten systematisch hinterfragt. Zinssätze werden diskutiert oder Steuern, aber das Konzept des Geldes selbst scheint in Stein gemeißelt. Jacob Baynham stellt in seinem Artikel What If Money…
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Lassen sich Wälder als emergent-intelligente Systeme verstehen?
Wenn wir Intelligenz als emergentes Phänomen verstehen, müssen wir immer zwei Ebenen bedenken: eine „Mikro“-Ebene, auf der viele unterschiedliche Elemente miteinander verbunden sind und interagieren und eine „Makro“-Ebene, auf der wir das Phänomen beobachten können, das wir dann als „intelligent“ bezeichnen. Dabei ist die „Intelligenz“ nicht scharf definiert, steht aber sicherlich eng verbunden mit der…
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Historische Wissenschaftler werden kulturell überformt
Nicht nur wissenschaftliche Ideen, auch die historischen Forschenden selbst verlieren im Rückblick ihre Realität und entwickeln sich zu Projektionsflächen und zur Grundlage von Erzählungen und Mythen, die nicht mehr viel mit ihnen selbst zu tun haben müssen. Das führt zuerst dazu, dass wir historische Forschende, aber auch andere Personen nicht mehr als Menschen sehen, sondern…
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Die „wissenschaftliche Methode“ ist eine moderne Erfindung
Nicht nur historische Figuren, über die es kaum schriftliche Aufzeichnungen gibt, werden im Laufe der Geschichte zu Projektionsflächen für politische Interessen und Interpretationen, die mehr über die Jetztzeit verraten, als über die Vergangenheit. Dies gilt genauso für andere Ideen und Personen, auch in der Wissenschaft. Gerade in unserer modernen Welt, die vorgeblich viel auf die…
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Intelligenz bei Tieren und Maschinen
Was die vorgebliche „Intelligenz“ von Maschinen angeht, bin ich bisher sehr skeptisch gewesen, was man auch in diesem Blog mehrfach nachlesen kann. Im Hinblick auf die Intelligenz bei Tieren hingegen finde ich die Argumente von Frans de Waal sehr überzeugend. Je mehr ich mich mit grundlegenderen Theorien von Intelligenz und Bewusstsein beschäftige, desto mehr schleicht…
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Geschichte steht im politischen Interesse
In der Geschichtwissenschaft ist es fast schon eine Binsenweisheit, in der allgemeinen Wahrnehmung der Geschichte wird es aber nicht immer angemessen berücksichtigt: Es gibt nicht die eine wahre Geschichte, sondern immer nur den Blick zurück von einem gewissen Standpunkt aus und auf der Grundlage vorhandener Quellen. Ein schönes Beispiel hierfür liefert J. Draper auf ihrem…
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Monopole der Aufmerksamkeit brauchen eigene Regulierung
Wenn Online-Plattformen zwischen Nachfrage und Angebot vermitteln, übernehmen sie eine Funktion, die sonst oft ein Markt erfüllt. Mit ausreichender Zentralisierung können sie ein regelrechtes Monopol auf die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer*innen errichten, das sie dann in ihrem Interesse ausnutzen. Auch gerechtfertigten Gewinnen aus einer marktförmigen Tätigkeit werden dann Monopolrenditen aus der Kontrolle über einen knappen Produktionsfaktor.…
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Online-Plattformen erzielen Renditen, nicht Gewinne
Beim Blick auf die dysfunktionale Rolle, die die großen Online-Plattformen spielen, geht es gerade in Deutschland meist um das Thema Datenschutz und Datenmissbrauch. Der Kerngedanke dahinter ist, dass die Plattformen unangemessen viele Daten über ihre Nutzer*innen sammeln und daraus einen unfairen Marktvorteil gewinnen. In ihrem Paper Algorithmic Attention Rents: A theory of digital platform market…
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Notizen: Are We Smart Enough To Know How Smart Animals Are? von Frans de Waal
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Tiere lernen im hohen Maße sozial
Das wissenschaftliche Vorgehen bei der Messung von Intelligenz und Lernfähigkeit bei nicht-menschlichen Tieren hat ein grundlegendes Problem: Es setzt darauf, dass Tiere von Menschen lernen, während diese in ihrem eigentlichen Lebensraum im Normalfall von Artgenossen lernen. Dabei geht es nicht nur darum, dass der Lernprozess an sich besser funktioniert, sondern auch darum, dass das Lernen…
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Wir wissen wenig über die Intelligenz von Elefanten
Bei Oktopussen haben wir mittlerweile erkannt, dass sie über ein gehöriges Maß an Intelligenz verfügen, auch wenn uns die Funktionsweise dieser Intelligenz grundlegend fremd erscheint. Gleichzeitig gibt es jedoch auch einige Tierarten, bei denen wir das wahre Maß ihrer Intelligenz bislang bestenfalls erahnen. Ein Beispiel hierfür sind Elefanten, über die Frans de Waal in seinem…
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Tiere müssen sich selbst bewusst sein, egal was der Spiegeltest sagt
Bei der Frage nach dem Bewusstsein von nicht-menschlichen Tieren ist der sogenannte Spiegeltest sehr bekannt geworden: Hier wird einem Tier eine Markierung im Gesicht platziert, die es nur im Spiegel erkennen kann. Dann wird dem Tier sein eigenes Spiegelbild gezeigt. Die Frage ist nun, ob das Tier die Markierung im Spiegel auf seinen eigenen Körper…
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Tiere leben in der Vergangenheit, dem Jetzt und der Zukunft
Ein weiterer Punkt, der oft ins Feld geführt wird, um die Intelligenz von Menschen von der nicht-menschlicher Tiere abzugrenzen, ist die zeitliche Orientierung und Planung ihres Denkens. Das Argument geht dabei so, dass nur Menschen in der Lage seien, Pläne zu treffen, die weit in die Zukunft wirken und dafür auch unmittelbare Belohnungen aufzuschieben. Dieses…
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Affen verfügen über komplexe soziale Fähigkeiten
Mach wir mal weiter mit all den Punkten, in denen wir den Mensch gerne für besonders kompetent halten, die sich bei genauerem Hinsehen aber auch bei anderen Tieren wie zum Beispiel – aber bei weitem nicht nur – Menschenaffen zeigen. Diesmal geht es in Frans de Waals Buch Are We Smart Enough To Know How…
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KI lindert Symptome, löst aber keine Probleme
Der Einsatz von „künstlicher Intelligenz“ in zahlreichen Bereichen dient oft in erster Linie dazu, Symptome abzuschwächen, um nicht die eigentlichen Probleme lösen zu müssen. KI in der Kommunikation Ein solches Beispiel sind generative KI-Modelle, die aus Stichpunkten längere Texte machen –beispielsweise bei der Erstellung von Projektbeschreibungen oder in E‑Mails. Das Problem dabei ist: Wenn es…
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Symbolische Sprache ist nicht notwendig für „Intelligenz“
Neben der „Theory of Mind“ gibt es einen weiteren Aspekt, der bei der Bewertung nicht-menschlicher Intelligenz oft herangezogen wird, der beim näheren Hinsehen aber in erster Linie auf eine übermäßige Menschzentrierung hinweist – und möglicherweise sogar auf eine schon beim Menschen unangemessene: die Sprache. Frans de Waal formuliert in seinem Buch Are We Smart Enough…
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Empathie ist relevanter als eine „Theory of Mind“
Ein zentraler Maßstab darin, die Intelligenz nicht-menschlicher Tiere zu messen und zu bewerten, ist die sogenannte Theory of Mind, also die Fähigkeit zu wissen, dass andere Wesen andere Dinge wissen, als man selbst. Bei kleinen Kindern kann man das Fehlen einer solchen Theory schön beobachten, wenn sie sich beim Verstecken-Spielen einfach die Hände vor die…
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Kognition sollte als universelles Phänomen untersucht werden
Als Konsequenz aus unserer mensch-zentrierten Herangehensweise an die Themen Intelligenz und Kognition fordert Frans de Waal ein Moratorium auf sämtliche Behauptungen menschlicher Überlegenheit. Statt das Denken vom Mensch her zu denken, sollten wir es wie jedes andere biologische Phänomen als genau solches verstehen: Als eigenständiges Element, das eine bestimmte Funktion erfüllt und sich auf die…
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Kognition darf nicht menschzentriert definiert werden
Selbst bei Schimpansen, die immer noch als Spitze der nicht-menschlichen Intelligenz gelten – egal ob berechtigt oder nicht – tut sich die Wissenschaft schwer damit, ihre Intelligenz angemessen zu erheben. Das grundlegende Problem dabei ist, dass wir Kognition und Intelligenz gleich doppelt mensch-zentriert denken und damit nicht in der Lage sind, ein für nicht-menschliche Tiere…
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Schimpansen gelten als Spitze der nicht-menschlichen Intelligenz
In der Welt der nicht-menschlichen Tiere gelten Schimpansen als die Spitze der Evolution im Hinblick auf ihre Intelligenz. Parallel zu der Abgrenzung zwischen Menschen und nicht-menschlichen Tieren führt dies auch zu einer besonderen Position der Schimpansen in der Erforschung nicht-menschlicher Intelligenz. Dabei gibt es neben den Schimpansen mindestens drei weitere Arten von Primaten, die in…
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Tiere haben politische Interessen
Wenn wir davon ausgehen, dass Tiere über ein beträchtliches Maß an Intelligenz verfügen, stellt sich auch bald die Frage nach der Kommunikation zwischen Menschen und anderen Tieren. An Versuchen in eine Richtung hat es dabei bislang nicht gemangelt. So schreibt Michelle Nijhuis in ihrem Artikel Buzz Buzz Buzz (€): Humans have spent decades trying to…
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Forschung tierischer Kognition als Reaktion auf Behaviorismus
Das Verhalten und die Intelligenz von Tieren werden seit dem 19. Jahrhundert systematisch untersucht – insb. im Anschluss an die Forschungen Charles Darwins. Dessen wissenschaftlicher Blick auf die Tiere und den Menschen erlaubte ihm eine differenzierte und fundierte Auseinandersetzung mit deren Ähnlichkeiten und Unterschieden. Sein Protegé und auch Nachfolger George Romanes nahm es mit der…
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Podcast: The Web of Meaning von Jeremy Lent
Podcast-Episode zu dem Buch
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Belebte Intelligenz braucht Lücken in formalen Regelungen
Heute habe ich für meinen Podcast Zwischen zwei Deckeln die Folge zu dem Buch The Web of Meaning von Jeremy Lent aufgenommen, das ja auch hier im Blog schon das eine oder andere Mal eine Rolle gespielt hat. In dem Gespräch mit meiner Mit-Podcasterin Amanda sind wir danach auf die Frage gekommen, warum das, was…
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Wissenschaft war lange schlecht darin, Intelligenz von Tieren zu messen
Kaum einer der Texte, die ich aktuell über Intelligenz bei Tieren lese, kommt ohne ein spezifisches Zitat von Werner Heisenberg aus: What we observe is not nature in itself, but nature exposed to our method of questioning. So auf Frans de Waals Buch Are We Smart Enough to Know How Smart Animals Are, der dieses…
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Westen hermetisiert im 18. Jhdt. Denken gegenüber Kritik der First Nations
Der Westen sichert das Gefühl der eigenen Überlegenheit nicht nur gegenüber der vorgeblich nicht-beseelten und nicht-intelligenten Natur. Auch in den absoluten Grundlagen unserer modernen Philosophie steckt ein Akt der Arzneimittel m Abgrenzung und Täuschung – diesmal gegenüber den Denkern der amerikanischen First Nations. Ideen wie Freiheit und Gleichheit sind nämlich keine genuin europäischen Ideen und…
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Kapitalismus ist auf Abgrenzung zur Natur angewiesen
Wir Westler*innen haben ein ziemlich komplexes Denksystem aufgebaut, das es uns ermöglicht, uns von der Natur abzugrenzen und uns über sie zu erhöhen. Auch eine Veränderung dieses Denksystems fällt uns trotz aller widersprüchlichen Fakten überraschend(?) schwer. Einer der Gründe dafür könnte auch sein, dass unser aktuelles Gesellschaftssystem und insbesondere unser Wirtschaftssystem in einem hohen Maße…
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Die Intelligenz von Oktopussen ist uns grundlegend fremd
Während wir Menschen fast schon träumerisch-verklärend die Frage nach außerirdischer Intelligenz stellen, tun wir uns praktisch schon schwer damit, irdische Intelligenzen zu erkennen, anzuerkennen oder gar zu verstehen, wenn sie anders funktionieren als unsere. Ein besonders deutliches Beispiel schildert Sy Montgomery in ihrem Buch The Soul of an Octopus – wie der Titel schon vermuten…
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Attraktoren als Ordnungsprinzip emergenter Systeme
Um über emergente Systeme sprechen zu können, brauchen wir neue Begrifflichkeiten. Diese helfen uns, Phänomene zu beschreiben, die daraus entstehen, dass zahllose kleine Komponenten miteinander interagieren und damit etwas „Neues“ auf der übergeordneten Ebene entsteht. Diese Begriffe beschrieben dabei nicht die Komponenten an sich (im Taoismus qi), sondern deren Beziehung und Interaktion miteinander (li). Wenn…
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Menschliches und nicht-menschliches Denken sind stark emergent
In den letzten Wochen habe ich immer wieder über die menschliche Intelligenz geschrieben und darüber, wie sie sich von tierischer und auch künstlicher unterscheidet – oder eben nicht. Dieses Thema lässt mich gerade nicht los, sodass ich mich in den nächsten Monaten etwas tiefer darein versenken werde. Das wird sich natürlich auch auf die Themen…
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Secessionen brachten den Alltag in die deutsche Kunst
Die Ausstellung in der dritten Etage der Alten Nationalgalerie macht deutlich, wovon die deutsche Kunst im 19. Jahrhundert geprägt war: auf der einen Seite die Idealisierung von Macht und Adel sowie auf der anderen imposante und romantisch geprägte Naturgemälde à la Caspar David Friedrich oder Karl Friedrich Schinkel. Hier eine kleine Auswahl entsprechender Gemälde aus…
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Westlicher Reduktionismus übersieht das Wesentliche
Neben dem konfliktbehafteten Verhältnis zwischen Ich und Selbst ist unser westliches Weltbild von einer zweiten Grundannahme geprägt, die bei genauerem Hinsehen unzulässig vereinfacht und uns nur einen beschränkten Ausschnitt der Welt zugänglich macht: dem wissenschaftlichen Reduktionismus. Dieser geht im Kern davon aus, dass ich das Verhalten eines Systems dadurch verstehen bzw. erklären kann, dass ich…
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Ich und Selbst im Zusammenspiel
Den Konflikt zwischen Ich und Selbst können wir nur dann beilegen, wenn wir ein neues Verständnis für die Interaktion dieser beiden Aspekte entwickeln. Einen spezifischen Ansatz verfolgt hier Antonio Damasio, der dem rationalen Teil unseres Denkens Emotionen an die Seite stellt, die in seinen Augen eng mit dem Selbst verbunden sind. Neben die Fakten und…
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Der Konflikt zwischen Ich und Selbst
Das westliche Denken ist in hohem Maße geprägt von einem klaren Dualismus zwischen der „natürlichen“ Dimension unseres Denkens und einer spezifisch menschlichen „rationalen“ Dimension. Platon unterschied zwischen einem sterblichen Körper und einer unsterblichen Seele, was dann durch das Christentum aufgegriffen und moralisch aufgeladen werden konnte: Die göttliche Seele strebt nach dem Guten, muss dafür aber…
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Belebte Intelligenz ist gleichwertige Intelligenz
Es ist nicht ganz einfach, sich auf den Gedanken einzulassen, dass der Mensch sich nicht in erster Linie durch das Ausmaß seiner Intelligenz aus der „Natur“ heraushebt, sondern nur durch deren spezifische Form und unsere Spezialisierung auf konzeptionelles Denken und symbolische Kommunikation. Ein Grund dafür könnte die (im Kern berechtigte) Warnung sein, anderen Tieren oder…
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Intelligenz ist eine tautologische Abgrenzung zwischen Mensch und Natur
Wir Menschen haben uns zu großen Teilen halbwegs damit abgefunden, dass wir gemeinsame Vorfahren mit den heute lebenden Affen haben und im Kern dann auch doch nur eine spezifische Art Tier in einem komplexen Stammbaum. Trotzdem ziehen wir eine sehr scharfe Grenze zwischen „uns“ und der „Natur“. Gerade in der Abgrenzung gegenüber anderen Tieren ist…
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Der Kampf gegen den Klimawandel ist gegendert
Auf den ersten Blick mag es absurd klingen, aber selbst der Kampf gegen die Klimakatastrophe wird maßgeblich von Erwartungen an geschlechtliche Identität geprägt. Und durch klassische Bilder von „Männlichkeit“ erschwert. Aufmerksam geworden bin ich darauf in dem sehr sehenswerten Video von Gittemary Johansen: how environmentalism became „women’s work“ // toxic masculinity and the eco gender…
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Kapitalismus im Journalismus verzerrt die öffentliche Debatte
Journalistische Medien verstehen sich gerne als „Korrektiv“ gegenüber den Mächtigen in einer Gesellschaft. Gleichzeitig geben sie sich als objektive „Chronisten“ einer externen „öffentlichen Debatte“. Sie verkennen dabei oft jedoch nicht nur ihre eigene Rolle, sondern stützen auch strukturell die ohnehin schon Mächtigen: diejenigen mit genug Kapital, um die öffentliche Debatte in ihrem Sinne zu beeinflussen.…
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Journalismus ist Medium, nicht Spiegel
Woher kommt eigentlich das Selbstbild von Journalist*innen, dass die Medien in erster Linie öffentliche Debatten abbilden? Diese Verteidigung kommt immer wieder auf, wenn Kritik laut wird, dass das Playbook der Faschist*innen wieder mal funktioniert hat und sie es mit kontrollierter Provokation geschafft haben, Aufmerksamkeit zu erregen und die Grenzen des Sagbaren ein wenig weiter zu…
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Rationales Denken entfremdet uns von der Welt
Die westliche Philosophie und der auf ihr aufgebaute „moderne“ Blick auf die Welt rühmt sich des rationalen Denkens, der Vernunft und der konzeptionellen Fähigkeiten der Menschen: Berechnungen, Entwürfe, Theorien und Maschinen machen uns zu dem, was wir sind, und erheben uns über die „einfache“ Natur. Mit der Hilfe der Sprache, der Mathematik und der experimentellen…
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Der Westen denkt es falsch herum
Die Beiträge zu dem Buch, mit dem ich heute beginne, schiebe ich schon ein paar Wochen vor mir her. Das liegt keineswegs daran, dass mir The Web of Meaning von Jeremy Lent keine Denkanstöße gegeben hätte. Ganz im Gegenteil: In den letzten Jahren hat vermutlich kein Buch so sehr mit mir gesprochen und all die…
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Der Kampf gegen die Klimakatastrophe braucht einen kollektiven „Oh Shit“-Moment
Im Zusammenhang mit der Klimakatastrophe ist immer wieder von Kipp-Punkten die Rede, die wir besser nicht erreichen bzw. reißen sollten. Wenn wir es doch tun – ich befürchte, da ist nicht mehr viel mit „falls“ – wird sich die Veränderung des Klimas noch weiter beschleunigen und möglicherweise eine selbstverstärkende Dynamik entwickeln, die uns absolut keine…
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Airlines sind eigentlich Zentralbanken
In immer weniger Wirtschaftszweigen geht es tatsächlich darum, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen und damit Geld zu verdienen. Immer häufiger geht es stattdessen um Finanzgeschäfte, wie Kredite oder daraus abgeleitete Anlageformen, die am Kapitalmarkt verkauft werden können. Genau diese Konstruktion wurde 2008 dem US-amerikanischen Finanzmarkt zum Verhängnis. Eine etwas anders gelagerte Form von…