Vergangenheit, Zukunft und die verrückte Zeit dazwischen

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  • Kollektives Denken braucht Sprache

    Während mir die Darstel­lun­gen von Erik Hoel zur intrin­sis­chen Per­spek­tive dur­chaus plau­si­bel erscheinen, klin­gen sie doch auch sehr nach der mit­tler­weile wider­legten Sapir-Whorf-Hypothese, dass wir nur die Dinge denken und fühlen kön­nen, für die wir auch eine Sprache haben. Eine Lösung für diesen Wider­spruch kön­nte darin zu find­en sein, zwis­chen einem indi­vidu­ellen Denken und einem…

  • KI wird den Fachkräftemangel nicht beheben

    Den Tag gestern (07.12.2023) durfte ich wegen mein­er Arbeit in dem Pro­jekt Zukun­ft­szen­trum pulsnetz.de Men­sch und Tech­nik im Gemein­we­sen auf der inter­es­san­ten arbeit­spoli­tis­chen Tagung der Zukun­ft­szen­tren in Berlin ver­brin­gen. Dabei sprach u.a. Bun­de­sar­beitsmin­is­ter Huber­tus Heil darüber, „kün­stliche Intel­li­genz“ sein ein Baustein dabei, den Fachkräfte­man­gel in eini­gen Branchen zu bekämpfen. Dabei sind mir einige inter­es­sante Dinge…

  • Die intrinsische Perspektive entwickelte sich mit dem Roman

    Die Geschichte des men­schlichen Denkens lässt sich ent­lang der Entwick­lung ein­er exter­nen und ein­er inter­nen Per­spek­tive nachze­ich­nen. Mit Blick auf die interne Per­spek­tive stellt Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Con­scious­ness, Free Will, and the Lim­its of Sci­ence eine steile These vor, für die es in meinen Augen mehr Belege braucht,…

  • Der menschliche Blick hat zwei spezifische Perspektiven

    Auch wenn wir die grundle­gende Fähigkeit zu Intel­li­genz und Kog­ni­tion nicht men­schen­zen­tri­ert betra­cht­en soll­ten, ist doch auch unstre­it­ig, dass wir Men­schen beson­dere Arten und Wege entwick­elt haben, über die Welt, aber auch uns selb­st nachzu­denken. Erik Hoel beschreibt im ersten Kapi­tel seines Buchs The World Behind the World: Con­scious­ness, Free Will, and the Lim­its of…

  • Bürgerräte als Boost für politische Beteiligung

    Bürg­er­räte wer­den immer mal wieder disku­tiert, wenn es darum geht, die Bürger*innen stärk­er in die Poli­tik einzu­binden und Poli­tik in Bere­ichen zu machen, die im klas­sis­chen poli­tis­chen Geschäft nur schw­er zu bear­beit­en sind – etwa der Kli­maschutz. Dawn Nak­a­gawa und Mar­jan Ehsas­si zeigen in ihrem Essay Putting The Pub­lic Back In Pub­lic Pol­i­cy am Beispiel…

  • Ehemals als absurd verschmähte Ideen kehren leicht verändert zurück

    Wis­senschaft liefert keineswegs dauer­hafte und gesicherte Erken­nt­nisse. Sie muss stattdessen als dauer­hafter sozialer Aushand­lung­sprozess darüber ver­standen wer­den, welch­es Wis­sen wir für gut genug abgesichert hal­ten, um es zur Grund­lage weit­er­er Forschung oder gar unseres Han­delns zu machen. Diese Aushand­lung unter­liegt dabei densel­ben Verz­er­run­gen und Fehlschlüssen wie andere soziale Prozesse auch – wenn auch im Ver­gle­ich…

  • Bewusstsein ensteht am Übergang zwischen konzeptionellem und belebtem Denken

    Let­zte Woche habe ich über die unter­schiedlichen Maßstäbe geschrieben, die ich an tierisches und maschinelles Denken anlege. Statt hier kat­e­go­ri­ale Unter­schiede zu sehen, kön­nte eine Lösung darin beste­hen, Denken als dif­feren­ziertes Phänomen mit unter­schiedlichen Dimen­sio­nen zu begreifen. Auf der Grund­lage ein­er weit­eren Lek­türe von John Sear­le bin ich jet­zt bei der Dif­feren­zierung für mich noch…

  • Man kann Geld anders denken

    Geld ist ver­mut­lich die Illu­sion mit dem stärk­sten Ein­fluss auf das Wohl und Wehe unser­er Gesellschaften. Es ist ein selb­stver­ständlich­er Bestandteil unser­er Welt und wird im All­t­ag nur sel­ten sys­tem­a­tisch hin­ter­fragt. Zinssätze wer­den disku­tiert oder Steuern, aber das Konzept des Geldes selb­st scheint in Stein gemeißelt. Jacob Bayn­ham stellt in seinem Artikel What If Mon­ey…

  • Lassen sich Wälder als emergent-intelligente Systeme verstehen?

    Wenn wir Intel­li­genz als emer­gentes Phänomen ver­ste­hen, müssen wir immer zwei Ebe­nen bedenken: eine „Mikro“-Ebene, auf der viele unter­schiedliche Ele­mente miteinan­der ver­bun­den sind und inter­agieren und eine „Makro“-Ebene, auf der wir das Phänomen beobacht­en kön­nen, das wir dann als „intel­li­gent“ beze­ich­nen. Dabei ist die „Intel­li­genz“ nicht scharf definiert, ste­ht aber sicher­lich eng ver­bun­den mit der…

  • Historische Wissenschaftler werden kulturell überformt

    Nicht nur wis­senschaftliche Ideen, auch die his­torischen Forschen­den selb­st ver­lieren im Rück­blick ihre Real­ität und entwick­eln sich zu Pro­jek­tions­flächen und zur Grund­lage von Erzäh­lun­gen und Mythen, die nicht mehr viel mit ihnen selb­st zu tun haben müssen. Das führt zuerst dazu, dass wir his­torische Forschende, aber auch andere Per­so­n­en nicht mehr als Men­schen sehen, son­dern…

  • Die „wissenschaftliche Methode“ ist eine moderne Erfindung

    Nicht nur his­torische Fig­uren, über die es kaum schriftliche Aufze­ich­nun­gen gibt, wer­den im Laufe der Geschichte zu Pro­jek­tions­flächen für poli­tis­che Inter­essen und Inter­pre­ta­tio­nen, die mehr über die Jet­ztzeit ver­rat­en, als über die Ver­gan­gen­heit. Dies gilt genau­so für andere Ideen und Per­so­n­en, auch in der Wis­senschaft. Ger­ade in unser­er mod­er­nen Welt, die vorge­blich viel auf die…

  • Intelligenz bei Tieren und Maschinen

    Was die vorge­bliche „Intel­li­genz“ von Maschi­nen ange­ht, bin ich bish­er sehr skep­tisch gewe­sen, was man auch in diesem Blog mehrfach nach­le­sen kann. Im Hin­blick auf die Intel­li­genz bei Tieren hinge­gen finde ich die Argu­mente von Frans de Waal sehr überzeu­gend. Je mehr ich mich mit grundle­gen­deren The­o­rien von Intel­li­genz und Bewusst­sein beschäftige, desto mehr schle­icht…

  • Geschichte steht im politischen Interesse

    In der Geschichtwissenschaft ist es fast schon eine Bin­sen­weisheit, in der all­ge­meinen Wahrnehmung der Geschichte wird es aber nicht immer angemessen berück­sichtigt: Es gibt nicht die eine wahre Geschichte, son­dern immer nur den Blick zurück von einem gewis­sen Stand­punkt aus und auf der Grund­lage vorhan­den­er Quellen. Ein schönes Beispiel hier­für liefert J. Drap­er auf ihrem…

  • Monopole der Aufmerksamkeit brauchen eigene Regulierung

    Wenn Online-Plat­tfor­men zwis­chen Nach­frage und Ange­bot ver­mit­teln, übernehmen sie eine Funk­tion, die son­st oft ein Markt erfüllt. Mit aus­re­ichen­der Zen­tral­isierung kön­nen sie ein regel­recht­es Monopol auf die Aufmerk­samkeit ihrer Nutzer*innen erricht­en, das sie dann in ihrem Inter­esse aus­nutzen. Auch gerecht­fer­tigten Gewin­nen aus ein­er mark­t­för­mi­gen Tätigkeit wer­den dann Monopol­ren­diten aus der Kon­trolle über einen knap­pen Pro­duk­tions­fak­tor.…

  • Online-Plattformen erzielen Renditen, nicht Gewinne

    Beim Blick auf die dys­funk­tionale Rolle, die die großen Online-Plat­tfor­men spie­len, geht es ger­ade in Deutsch­land meist um das The­ma Daten­schutz und Daten­miss­brauch. Der Kerngedanke dahin­ter ist, dass die Plat­tfor­men unangemessen viele Dat­en über ihre Nutzer*innen sam­meln und daraus einen unfairen Mark­tvorteil gewin­nen. In ihrem Paper Algo­rith­mic Atten­tion Rents: A the­o­ry of dig­i­tal plat­form mar­ket…

  • Notizen: Are We Smart Enough To Know How Smart Animals Are? von Frans de Waal

  • Tiere lernen im hohen Maße sozial

    Das wis­senschaftliche Vorge­hen bei der Mes­sung von Intel­li­genz und Lern­fähigkeit bei nicht-men­schlichen Tieren hat ein grundle­gen­des Prob­lem: Es set­zt darauf, dass Tiere von Men­schen ler­nen, während diese in ihrem eigentlichen Leben­sraum im Nor­mal­fall von Artgenossen ler­nen. Dabei geht es nicht nur darum, dass der Lern­prozess an sich bess­er funk­tion­iert, son­dern auch darum, dass das Ler­nen…

  • Wir wissen wenig über die Intelligenz von Elefanten

    Bei Okto­pussen haben wir mit­tler­weile erkan­nt, dass sie über ein gehöriges Maß an Intel­li­genz ver­fü­gen, auch wenn uns die Funk­tion­sweise dieser Intel­li­genz grundle­gend fremd erscheint. Gle­ichzeit­ig gibt es jedoch auch einige Tier­arten, bei denen wir das wahre Maß ihrer Intel­li­genz bis­lang besten­falls erah­nen. Ein Beispiel hier­für sind Ele­fan­ten, über die Frans de Waal in seinem…

  • Tiere müssen sich selbst bewusst sein, egal was der Spiegeltest sagt

    Bei der Frage nach dem Bewusst­sein von nicht-men­schlichen Tieren ist der soge­nan­nte Spiegel­test sehr bekan­nt gewor­den: Hier wird einem Tier eine Markierung im Gesicht platziert, die es nur im Spiegel erken­nen kann. Dann wird dem Tier sein eigenes Spiegel­bild gezeigt. Die Frage ist nun, ob das Tier die Markierung im Spiegel auf seinen eige­nen Kör­p­er…

  • Tiere leben in der Vergangenheit, dem Jetzt und der Zukunft

    Ein weit­er­er Punkt, der oft ins Feld geführt wird, um die Intel­li­genz von Men­schen von der nicht-men­schlich­er Tiere abzu­gren­zen, ist die zeitliche Ori­en­tierung und Pla­nung ihres Denkens. Das Argu­ment geht dabei so, dass nur Men­schen in der Lage seien, Pläne zu tre­f­fen, die weit in die Zukun­ft wirken und dafür auch unmit­tel­bare Beloh­nun­gen aufzuschieben. Dieses…

  • Affen verfügen über komplexe soziale Fähigkeiten

    Mach wir mal weit­er mit all den Punk­ten, in denen wir den Men­sch gerne für beson­ders kom­pe­tent hal­ten, die sich bei genauerem Hin­se­hen aber auch bei anderen Tieren wie zum Beispiel – aber bei weit­em nicht nur – Men­schenaf­fen zeigen. Dies­mal geht es in Frans de Waals Buch Are We Smart Enough To Know How…

  • KI lindert Symptome, löst aber keine Probleme

    Der Ein­satz von „kün­stlich­er Intel­li­genz“ in zahlre­ichen Bere­ichen dient oft in erster Lin­ie dazu, Symp­tome abzuschwächen, um nicht die eigentlichen Prob­leme lösen zu müssen. KI in der Kommunikation Ein solch­es Beispiel sind gen­er­a­tive KI-Mod­elle, die aus Stich­punk­ten län­gere Texte machen –beispiel­sweise bei der Erstel­lung von Pro­jek­tbeschrei­bun­gen oder in E‑Mails. Das Prob­lem dabei ist: Wenn es…

  • Symbolische Sprache ist nicht notwendig für „Intelligenz“

    Neben der „The­o­ry of Mind“ gibt es einen weit­eren Aspekt, der bei der Bew­er­tung nicht-men­schlich­er Intel­li­genz oft herange­zo­gen wird, der beim näheren Hin­se­hen aber in erster Lin­ie auf eine über­mäßige Men­schzen­trierung hin­weist – und möglicher­weise sog­ar auf eine schon beim Men­schen unangemessene: die Sprache. Frans de Waal for­muliert in seinem Buch Are We Smart Enough…

  • Empathie ist relevanter als eine „Theory of Mind“

    Ein zen­traler Maßstab darin, die Intel­li­genz nicht-men­schlich­er Tiere zu messen und zu bew­erten, ist die soge­nan­nte The­o­ry of Mind, also die Fähigkeit zu wis­sen, dass andere Wesen andere Dinge wis­sen, als man selb­st. Bei kleinen Kindern kann man das Fehlen ein­er solchen The­o­ry schön beobacht­en, wenn sie sich beim Ver­steck­en-Spie­len ein­fach die Hände vor die…

  • Kognition sollte als universelles Phänomen untersucht werden

    Als Kon­se­quenz aus unser­er men­sch-zen­tri­erten Herange­hensweise an die The­men Intel­li­genz und Kog­ni­tion fordert Frans de Waal ein Mora­to­ri­um auf sämtliche Behaup­tun­gen men­schlich­er Über­legen­heit. Statt das Denken vom Men­sch her zu denken, soll­ten wir es wie jedes andere biol­o­gis­che Phänomen als genau solch­es ver­ste­hen: Als eigen­ständi­ges Ele­ment, das eine bes­timmte Funk­tion erfüllt und sich auf die…

  • Kognition darf nicht menschzentriert definiert werden

    Selb­st bei Schim­pansen, die immer noch als Spitze der nicht-men­schlichen Intel­li­genz gel­ten – egal ob berechtigt oder nicht – tut sich die Wis­senschaft schw­er damit, ihre Intel­li­genz angemessen zu erheben. Das grundle­gende Prob­lem dabei ist, dass wir Kog­ni­tion und Intel­li­genz gle­ich dop­pelt men­sch-zen­tri­ert denken und damit nicht in der Lage sind, ein für nicht-men­schliche Tiere…

  • Schimpansen gelten als Spitze der nicht-menschlichen Intelligenz

    In der Welt der nicht-men­schlichen Tiere gel­ten Schim­pansen als die Spitze der Evo­lu­tion im Hin­blick auf ihre Intel­li­genz. Par­al­lel zu der Abgren­zung zwis­chen Men­schen und nicht-men­schlichen Tieren führt dies auch zu ein­er beson­deren Posi­tion der Schim­pansen in der Erforschung nicht-men­schlich­er Intel­li­genz. Dabei gibt es neben den Schim­pansen min­destens drei weit­ere Arten von Pri­mat­en, die in…

  • Tiere haben politische Interessen

    Wenn wir davon aus­ge­hen, dass Tiere über ein beträchtlich­es Maß an Intel­li­genz ver­fü­gen, stellt sich auch bald die Frage nach der Kom­mu­nika­tion zwis­chen Men­schen und anderen Tieren. An Ver­suchen in eine Rich­tung hat es dabei bis­lang nicht geman­gelt. So schreibt Michelle Nijhuis in ihrem Artikel Buzz Buzz Buzz (€): Humans have spent decades try­ing to…

  • Forschung tierischer Kognition als Reaktion auf Behaviorismus

    Das Ver­hal­ten und die Intel­li­genz von Tieren wer­den seit dem 19. Jahrhun­dert sys­tem­a­tisch unter­sucht – insb. im Anschluss an die Forschun­gen Charles Dar­wins. Dessen wis­senschaftlich­er Blick auf die Tiere und den Men­schen erlaubte ihm eine dif­feren­zierte und fundierte Auseinan­der­set­zung mit deren Ähn­lichkeit­en und Unter­schieden. Sein Pro­tegé und auch Nach­fol­ger George Romanes nahm es mit der…

  • Podcast: The Web of Meaning von Jeremy Lent

    Podcast-Episode zu dem Buch

  • Belebte Intelligenz braucht Lücken in formalen Regelungen

    Heute habe ich für meinen Pod­cast Zwis­chen zwei Deck­eln die Folge zu dem Buch The Web of Mean­ing von Jere­my Lent aufgenom­men, das ja auch hier im Blog schon das eine oder andere Mal eine Rolle gespielt hat. In dem Gespräch mit mein­er Mit-Pod­cas­t­erin Aman­da sind wir danach auf die Frage gekom­men, warum das, was…

  • Wissenschaft war lange schlecht darin, Intelligenz von Tieren zu messen

    Kaum ein­er der Texte, die ich aktuell über Intel­li­genz bei Tieren lese, kommt ohne ein spez­i­fis­ches Zitat von Wern­er Heisen­berg aus: What we observe is not nature in itself, but nature exposed to our method of ques­tion­ing. So auf Frans de Waals Buch Are We Smart Enough to Know How Smart Ani­mals Are, der dieses…

  • Westen hermetisiert im 18. Jhdt. Denken gegenüber Kritik der First Nations

    Der West­en sichert das Gefühl der eige­nen Über­legen­heit nicht nur gegenüber der vorge­blich nicht-beseel­ten und nicht-intel­li­gen­ten Natur. Auch in den absoluten Grund­la­gen unser­er mod­er­nen Philoso­phie steckt ein Akt der Arzneimit­tel m Abgren­zung und Täuschung – dies­mal gegenüber den Denkern der amerikanis­chen First Nations. Ideen wie Frei­heit und Gle­ich­heit sind näm­lich keine gen­uin europäis­chen Ideen und…

  • Kapitalismus ist auf Abgrenzung zur Natur angewiesen

    Wir Westler*innen haben ein ziem­lich kom­plex­es Denksys­tem aufge­baut, das es uns ermöglicht, uns von der Natur abzu­gren­zen und uns über sie zu erhöhen. Auch eine Verän­derung dieses Denksys­tems fällt uns trotz aller wider­sprüch­lichen Fak­ten über­raschend(?) schw­er. Ein­er der Gründe dafür kön­nte auch sein, dass unser aktuelles Gesellschaftssys­tem und ins­beson­dere unser Wirtschaftssys­tem in einem hohen Maße…

  • Die Intelligenz von Oktopussen ist uns grundlegend fremd

    Während wir Men­schen fast schon träumerisch-verk­lärend die Frage nach außerirdis­ch­er Intel­li­genz stellen, tun wir uns prak­tisch schon schw­er damit, irdis­che Intel­li­gen­zen zu erken­nen, anzuerken­nen oder gar zu ver­ste­hen, wenn sie anders funk­tion­ieren als unsere. Ein beson­ders deut­lich­es Beispiel schildert Sy Mont­gomery in ihrem Buch The Soul of an Octo­pus – wie der Titel schon ver­muten…

  • Attraktoren als Ordnungsprinzip emergenter Systeme

    Um über emer­gente Sys­teme sprechen zu kön­nen, brauchen wir neue Begrif­flichkeit­en. Diese helfen uns, Phänomene zu beschreiben, die daraus entste­hen, dass zahllose kleine Kom­po­nen­ten miteinan­der inter­agieren und damit etwas „Neues“ auf der über­ge­ord­neten Ebene entste­ht. Diese Begriffe beschrieben dabei nicht die Kom­po­nen­ten an sich (im Tao­is­mus qi), son­dern deren Beziehung und Inter­ak­tion miteinan­der (li). Wenn…

  • Menschliches und nicht-menschliches Denken sind stark emergent

    In den let­zten Wochen habe ich immer wieder über die men­schliche Intel­li­genz geschrieben und darüber, wie sie sich von tierisch­er und auch kün­stlich­er unter­schei­det – oder eben nicht. Dieses The­ma lässt mich ger­ade nicht los, sodass ich mich in den näch­sten Monat­en etwas tiefer darein versenken werde. Das wird sich natür­lich auch auf die The­men…

  • Secessionen brachten den Alltag in die deutsche Kunst

    Die Ausstel­lung in der drit­ten Etage der Alten Nation­al­ga­lerie macht deut­lich, wovon die deutsche Kun­st im 19. Jahrhun­dert geprägt war: auf der einen Seite die Ide­al­isierung von Macht und Adel sowie auf der anderen imposante und roman­tisch geprägte Naturgemälde à la Cas­par David Friedrich oder Karl Friedrich Schinkel. Hier eine kleine Auswahl entsprechen­der Gemälde aus…

  • Westlicher Reduktionismus übersieht das Wesentliche

    Neben dem kon­flik­t­be­hafteten Ver­hält­nis zwis­chen Ich und Selb­st ist unser west­lich­es Welt­bild von ein­er zweit­en Grun­dan­nahme geprägt, die bei genauerem Hin­se­hen unzuläs­sig vere­in­facht und uns nur einen beschränk­ten Auss­chnitt der Welt zugänglich macht: dem wis­senschaftlichen Reduk­tion­is­mus. Dieser geht im Kern davon aus, dass ich das Ver­hal­ten eines Sys­tems dadurch ver­ste­hen bzw. erk­lären kann, dass ich…

  • Ich und Selbst im Zusammenspiel

    Den Kon­flikt zwis­chen Ich und Selb­st kön­nen wir nur dann bei­le­gen, wenn wir ein neues Ver­ständ­nis für die Inter­ak­tion dieser bei­den Aspek­te entwick­eln. Einen spez­i­fis­chen Ansatz ver­fol­gt hier Anto­nio Dama­sio, der dem ratio­nalen Teil unseres Denkens Emo­tio­nen an die Seite stellt, die in seinen Augen eng mit dem Selb­st ver­bun­den sind. Neben die Fak­ten und…

  • Der Konflikt zwischen Ich und Selbst

    Das west­liche Denken ist in hohem Maße geprägt von einem klaren Dual­is­mus zwis­chen der „natür­lichen“ Dimen­sion unseres Denkens und ein­er spez­i­fisch men­schlichen „ratio­nalen“ Dimen­sion. Pla­ton unter­schied zwis­chen einem sterblichen Kör­p­er und ein­er unsterblichen Seele, was dann durch das Chris­ten­tum aufge­grif­f­en und moralisch aufge­laden wer­den kon­nte: Die göt­tliche Seele strebt nach dem Guten, muss dafür aber…

  • Belebte Intelligenz ist gleichwertige Intelligenz

    Es ist nicht ganz ein­fach, sich auf den Gedanken einzu­lassen, dass der Men­sch sich nicht in erster Lin­ie durch das Aus­maß sein­er Intel­li­genz aus der „Natur“ her­aushebt, son­dern nur durch deren spez­i­fis­che Form und unsere Spezial­isierung auf konzep­tionelles Denken und sym­bol­is­che Kom­mu­nika­tion. Ein Grund dafür kön­nte die (im Kern berechtigte) War­nung sein, anderen Tieren oder…

  • Intelligenz ist eine tautologische Abgrenzung zwischen Mensch und Natur

    Wir Men­schen haben uns zu großen Teilen halb­wegs damit abge­fun­den, dass wir gemein­same Vor­fahren mit den heute leben­den Affen haben und im Kern dann auch doch nur eine spez­i­fis­che Art Tier in einem kom­plex­en Stamm­baum. Trotz­dem ziehen wir eine sehr scharfe Gren­ze zwis­chen „uns“ und der „Natur“. Ger­ade in der Abgren­zung gegenüber anderen Tieren ist…

  • Der Kampf gegen den Klimawandel ist gegendert

    Auf den ersten Blick mag es absurd klin­gen, aber selb­st der Kampf gegen die Kli­makatas­tro­phe wird maßge­blich von Erwartun­gen an geschlechtliche Iden­tität geprägt. Und durch klas­sis­che Bilder von „Männlichkeit“ erschw­ert. Aufmerk­sam gewor­den bin ich darauf in dem sehr sehenswerten Video von Git­temary Johansen: how envi­ron­men­tal­ism became „women’s work“ // tox­ic mas­culin­i­ty and the eco gen­der…

  • Kapitalismus im Journalismus verzerrt die öffentliche Debatte

    Jour­nal­is­tis­che Medi­en ver­ste­hen sich gerne als „Kor­rek­tiv“ gegenüber den Mächti­gen in ein­er Gesellschaft. Gle­ichzeit­ig geben sie sich als objek­tive „Chro­nis­ten“ ein­er exter­nen „öffentlichen Debat­te“. Sie verken­nen dabei oft jedoch nicht nur ihre eigene Rolle, son­dern stützen auch struk­turell die ohne­hin schon Mächti­gen: diejeni­gen mit genug Kap­i­tal, um die öffentliche Debat­te in ihrem Sinne zu bee­in­flussen.…

  • Journalismus ist Medium, nicht Spiegel

    Woher kommt eigentlich das Selb­st­bild von Journalist*innen, dass die Medi­en in erster Lin­ie öffentliche Debat­ten abbilden? Diese Vertei­di­gung kommt immer wieder auf, wenn Kri­tik laut wird, dass das Play­book der Faschist*innen wieder mal funk­tion­iert hat und sie es mit kon­trol­liert­er Pro­voka­tion geschafft haben, Aufmerk­samkeit zu erre­gen und die Gren­zen des Sag­baren ein wenig weit­er zu…

  • Rationales Denken entfremdet uns von der Welt

    Die west­liche Philoso­phie und der auf ihr aufge­baute „mod­erne“ Blick auf die Welt rühmt sich des ratio­nalen Denkens, der Ver­nun­ft und der konzep­tionellen Fähigkeit­en der Men­schen: Berech­nun­gen, Entwürfe, The­o­rien und Maschi­nen machen uns zu dem, was wir sind, und erheben uns über die „ein­fache“ Natur. Mit der Hil­fe der Sprache, der Math­e­matik und der exper­i­mentellen…

  • Der Westen denkt es falsch herum

    Die Beiträge zu dem Buch, mit dem ich heute beginne, schiebe ich schon ein paar Wochen vor mir her. Das liegt keineswegs daran, dass mir The Web of Mean­ing von Jere­my Lent keine Denkanstöße gegeben hätte. Ganz im Gegen­teil: In den let­zten Jahren hat ver­mut­lich kein Buch so sehr mit mir gesprochen und all die…

  • Der Kampf gegen die Klimakatastrophe braucht einen kollektiven „Oh Shit“-Moment

    Im Zusam­men­hang mit der Kli­makatas­tro­phe ist immer wieder von Kipp-Punk­ten die Rede, die wir bess­er nicht erre­ichen bzw. reißen soll­ten. Wenn wir es doch tun – ich befürchte, da ist nicht mehr viel mit „falls“ – wird sich die Verän­derung des Kli­mas noch weit­er beschle­u­ni­gen und möglicher­weise eine selb­stver­stärk­ende Dynamik entwick­eln, die uns abso­lut keine…

  • Airlines sind eigentlich Zentralbanken

    In immer weniger Wirtschaft­szweigen geht es tat­säch­lich darum, ein Pro­dukt oder eine Dien­stleis­tung zu verkaufen und damit Geld zu ver­di­enen. Immer häu­figer geht es stattdessen um Finanzgeschäfte, wie Kred­ite oder daraus abgeleit­ete Anlage­for­men, die am Kap­i­tal­markt verkauft wer­den kön­nen. Genau diese Kon­struk­tion wurde 2008 dem US-amerikanis­chen Finanz­markt zum Ver­häng­nis. Eine etwas anders gelagerte Form von…