Vergangenheit, Zukunft und die verrückte Zeit dazwischen

[
[
[

]
]
]

Präsentiert von
WordPress
  • Journalismus ist Medium, nicht Spiegel

    Woher kommt eigentlich das Selb­st­bild von Journalist*innen, dass die Medi­en in erster Lin­ie öffentliche Debat­ten abbilden? Diese Vertei­di­gung kommt immer wieder auf, wenn Kri­tik laut wird, dass das Play­book der Faschist*innen wieder mal funk­tion­iert hat und sie es mit kon­trol­liert­er Pro­voka­tion geschafft haben, Aufmerk­samkeit zu erre­gen und die Gren­zen des Sag­baren ein wenig weit­er zu…

  • Rationales Denken entfremdet uns von der Welt

    Die west­liche Philoso­phie und der auf ihr aufge­baute „mod­erne“ Blick auf die Welt rühmt sich des ratio­nalen Denkens, der Ver­nun­ft und der konzep­tionellen Fähigkeit­en der Men­schen: Berech­nun­gen, Entwürfe, The­o­rien und Maschi­nen machen uns zu dem, was wir sind, und erheben uns über die „ein­fache“ Natur. Mit der Hil­fe der Sprache, der Math­e­matik und der exper­i­mentellen…

  • Der Westen denkt es falsch herum

    Die Beiträge zu dem Buch, mit dem ich heute beginne, schiebe ich schon ein paar Wochen vor mir her. Das liegt keineswegs daran, dass mir The Web of Mean­ing von Jere­my Lent keine Denkanstöße gegeben hätte. Ganz im Gegen­teil: In den let­zten Jahren hat ver­mut­lich kein Buch so sehr mit mir gesprochen und all die…

  • Der Kampf gegen die Klimakatastrophe braucht einen kollektiven „Oh Shit“-Moment

    Im Zusam­men­hang mit der Kli­makatas­tro­phe ist immer wieder von Kipp-Punk­ten die Rede, die wir bess­er nicht erre­ichen bzw. reißen soll­ten. Wenn wir es doch tun – ich befürchte, da ist nicht mehr viel mit „falls“ – wird sich die Verän­derung des Kli­mas noch weit­er beschle­u­ni­gen und möglicher­weise eine selb­stver­stärk­ende Dynamik entwick­eln, die uns abso­lut keine…

  • Airlines sind eigentlich Zentralbanken

    In immer weniger Wirtschaft­szweigen geht es tat­säch­lich darum, ein Pro­dukt oder eine Dien­stleis­tung zu verkaufen und damit Geld zu ver­di­enen. Immer häu­figer geht es stattdessen um Finanzgeschäfte, wie Kred­ite oder daraus abgeleit­ete Anlage­for­men, die am Kap­i­tal­markt verkauft wer­den kön­nen. Genau diese Kon­struk­tion wurde 2008 dem US-amerikanis­chen Finanz­markt zum Ver­häng­nis. Eine etwas anders gelagerte Form von…

  • Wir müssen unsere Infrastruktur zumindest in Grundzügen verstehen

    Es ist mit­tler­weile glück­licher­weise nicht mehr umstrit­ten, dass die tech­nol­o­gis­chen Entwick­lun­gen der let­zten Jahrzehnte – darunter ins­beson­dere Com­put­er und das Inter­net – einen gewalti­gen Ein­fluss auf unser Leben haben. Gle­ich­es gilt auch für ver­gle­ich­bar unschein­bare Infra­struk­tur, wie z. B. die Wasserver­sorgung. Doch ger­ade, wenn es um neuere Tech­nolo­gien geht, lei­det die Qual­ität der öffentlichen Debat­te…

  • Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht verstehen

    Als Reak­tion auf meine Über­legun­gen zu Kom­plex­ität und Kon­trol­lver­lust kam im Fedi­verse die Frage auf, ob wir Men­schen über­haupt in der Lage sind, kom­plexe Sys­teme zu ver­ste­hen. Ich tue mich schw­er, darauf defin­i­tiv zu antworten, weil wir Men­schen immer ganz gut darin waren, unsere geglaubten „natür­lichen“ Gren­zen zu über­winden. Aber selb­st wenn es möglich sein…

  • Versuchte Kontrolle über Komplexität erzeugt einen instabilen Teufelskreis

    Das große Pro­jekt der Men­schheit in den let­zten zwei bis drei­hun­dert Jahren war die immer stärkere Kon­trolle über die Welt. Ganz im – klis­chee­haften – bib­lis­chen Sinne hat­ten wir uns vorgenom­men, sie uns unter­tan zu machen und unser Leben auf ihr bis auf den let­zten Aspekt zu opti­mieren. Immer wenn wir einen Schritt genom­men hat­ten,…

  • Komplexität annehmen, heißt Kontrollverlust zu akzeptieren

    Ein angemessen­er Umgang mit Kom­plex­ität bedeutet einen grundle­gen­den Par­a­dig­men­wech­sel für das west­liche, vorge­blich ratio­nale Denke. Diese basiert auf der Annahme, dass Kausal­ität lin­ear funk­tion­iert und sich für jedes Phänomen eine oder mehrere Ursachen iden­ti­fizieren lassen und unmit­tel­bar das zu erk­lärende Phänomen aus­lösen. Gle­ichzeit­ig erlaubt es uns das Wis­sen um diese Ursachen, ein hohes Maß an…

  • Luhmanns Systemtheorie schaut auf Systemerhalt, nicht Handlungsfähigkeit

    Nach meinem Beitrag von gestern über den angemesse­nen Umgang mit Kom­plex­ität kam die berechtigte Frage auf, wie das denn mit Luh­manns Sys­temthe­o­rie zu vere­in­baren sei, bei der genau die kri­tisierte ein­seit­ige Brille als zen­traler Mech­a­nis­mus der Bewäl­ti­gung von Kom­plex­ität gilt. In Luh­manns The­o­rie ste­hen soziale Sys­teme im Mit­telpunkt, deren vorder­stes Ziel der eigene Selb­ster­halt ist.…

  • Wir müssen Komplexität annehmen

    Dass unsere Welt in den let­zten Jahren und Jahrzehn­ten immer kom­plex­er gewor­den ist, ist mit­tler­weile zu ein­er Bin­sen­weisheit gewor­den. Im Umgang mit dieser Kom­plex­ität tun wir uns jedoch oft schw­er, weshalb es ein Ziel gewor­den ist, Kom­plex­ität zu „reduzieren“. Einige „Wis­senschaften“, wie z. B. die Rechtswis­senschaften oder die Wirtschaftswis­senschaften ver­suchen diese Reduk­tion, indem sie ihren…

  • Nicht-lineare Notizen können Entropie stabil halten

    Nicht-lin­eare und nicht-sta­tis­che Notiz- und Pub­lika­tionsver­fahren wie Zettelkästen und dig­i­tale Gärten erlauben ein beson­deres Vorge­hen in der Entwick­lung der Entropie zwis­chen Lesen und Schreiben: Sie machen es möglich, ein „mit­tleres“ Maß der Entropie zeitlich sta­bil zu hal­ten. Sie fassen die dif­fusen Gedanken im Kopf in eine konkrete und man­i­feste Form und ver­hin­dern dadurch, dass sie…

  • Amerikanische Wirtschaftspolitik zerstörte mexikanische Landwirtschaft

    Die Geschicht­en Mexikos und der Vere­inigten Staat­en sind eng miteinan­der ver­woben. Dabei sind es meist die USA, deren (Wirtschafts-)Politik zu gewalti­gen Umwälzun­gen in ihrem südlichen Nach­bar­land führt. Lei­der fast immer zu dessen Nachteil. Zwei Beispiele find­en sich in dem Artikel Göt­ter­spei­se von Alain Amariglio in der Aus­gabe August 2023 der ohne­hin immer extrem lesenswerten deutschsprachi­gen…

  • Freiheit braucht Freiraum und Reflexion

    In vie­len Bere­ichen gilt es heute noch immer als eine Zier, eine Ausze­ich­nung, möglichst beschäftigt zu sein. Immer etwas zu tun, immer unter­wegs. Keine Pause und kein Müßig­gang. Es ist aber auch so ver­lock­end, das meiste aus unser­er immer knap­pen Zeit her­aus­holen zu wollen. Die Optio­nen sind unüber­schaubar und dann ist da auch noch der…

  • Rezension: Nomad Century von Gaia Vince

    Die Tem­per­a­turen steigen weit­er und die poli­tis­che Diskus­sion wird immer hitziger: Es gibt diejeni­gen, denen es mit der Klimapoli­tik nicht schnell genug gehen kann und diejeni­gen, denen es schon jet­zt zu schnell geht. Dazwis­chen immer wieder neue Hor­rormel­dun­gen von der Front der Kli­maforschung, neue tech­nol­o­gis­che Heilsver­sprechen, neue Abwiegelungsver­suche oder fatal­is­tis­ches „Es ist eh zu spät“.…

  • Migration ist ein Bestandteil des Umgangs mit dem Klimawandel

    In eini­gen Jahrzehn­ten kön­nten weite Teile unseres Plan­eten für Men­schen fak­tisch unbe­wohn­bar sein. Nimmt man diese Erwartung ernst, stellt sich schnell die Frage, was denn mit den Men­schen passiert, die heute in diesen Regio­nen leben. Da es hier um rund die Hälfte der Welt­bevölkerung geht, ste­hen wir vor gewalti­gen Umwälzun­gen. So schreibt Gaia Vince in…

  • Menschen können bald nicht mehr auf dem gesamten Planeten leben

    Eine ganz zen­trale Kon­se­quenz der Kli­makatas­tro­phe ist mein­er Wahrnehmung nach noch zu den wenig­sten wirk­lich durchge­drun­gen: Durch die steigen­den Tem­per­a­turen und die verän­derten Wet­ter­dy­namiken wer­den große Teile des Plan­eten in abse­hbar­er Zeit für Men­schen unbe­wohn­bar(!). Feuer, Hitze, Dürre und Über­schwem­mungen wer­den es unmöglich machen, dass Men­schen in diesen Gebi­eten langfristig über­leben. Und das bet­rifft eben…

  • Die Klimakatastrophe verläuft beispiellos aber nicht unvorhergesehen

    Vor einiger Zeit hat­te ich schon darüber geschrieben, wie wir uns sta­tis­tisch fast schon auf einem neuen, unbekan­nten Plan­eten befind­en. David Wal­lace-Wells hat in seinem Newslet­ter dankenswert­er Weise ein paar plas­tis­che Beispiele zusam­mengestellt: Die Tem­per­a­turen im Nor­dat­lantik liegen aktuell mehr als vier Stan­dard­ab­we­ichun­gen vom langfristi­gen Mit­tel­w­ert ent­fer­nt und bei der Aus­dehnung den antark­tis­chen Meereis­es sind…

  • China betreibt geopolitischen „Chokepoint Capitalism“

    Ehrlich gesagt, habe ich nie groß über Chi­na und seine Posi­tion in der Welt nachgedacht, auch wenn seine Bedeu­tung schon seit Jahrzehn­ten nicht mehr wegzud­isku­tieren ist. Ein wirk­lich lesenswert­er Artikel im grund­sät­zlich eben­falls sehr lesenswerten Noe­ma Mag­a­zin hat jet­zt ein wenig Bewe­gung in mein Denken gebracht: Europe Can Be A Pow­er­ful Medi­a­tor In The U.S.-China…

  • Die Spannung zwischen Freiheit und Verbindlichkeit

    Der Umgang mit Frei­heit will gel­ernt sein. Unsere Zeit ist – aus­re­ichend ökonomis­che Priv­i­legien voraus­ge­set­zt – durch eine unüber­schaubare Zahl an Möglichkeit­en geprägt: Wir kön­nen jed­erzeit in jedes Land reisen, haben zehn­tausende Büch­er inner­halb eines Tages in unserem Briefkas­ten und es gibt so viele Arten wie noch nie zuvor, sein Geld zu ver­di­enen. Ins­beson­dere sind…

  • Wissenschaft basiert nicht auf zwingender Logik, sondern auf verlässlichen Vorhersagen

    Die all­ge­mein akzep­tierte Erzäh­lung über die wis­senschaftliche Meth­ode geht immer noch davon aus, dass das durch sie gewonnenes Wis­sen in irgen­dein­er Form zwangsläu­fig oder logisch notwendig sei; dass es gar nicht anders sein könne. Doch der Blick auf die tat­säch­liche wis­senschaftliche Forschung zeigt, dass dies keines­falls der Fall ist: Hier wer­den nur sel­ten zwin­gende logis­che…

  • Wir müssen schon wieder überdenken, wie wir mit Waldbränden umgehen

    Ein Beispiel für den grundle­gen­den Wan­del, den die Kli­makatas­tro­phe mit sich bringt, ist die Frage danach, wie wir am besten mit Wald­brän­den umge­hen. David Wal­lace-Wells rekon­stru­iert diesen Kon­flikt in seinem ohne­hin sehr lesenswerten Newslet­ter (€): Im 20. Jahrhun­dert wur­den Wald­brände möglichst sofort unter­drückt, sobald sie erkan­nt wur­den. Egal wann, egal wo, wenn der Wald anf­ing…

  • Wir leben auf einem neuen Planeten

    Die Kli­makatas­tro­phe ist mit­tler­weile so weit fort­geschrit­ten, dass wir immer weniger in der Lage sind einzuschätzen, was in Zukun­ft mit welch­er Geschwindigkeit passieren wird. Wis­senschaftliche Mod­elle und Prog­nosen nutzen Dat­en aus der Ver­gan­gen­heit, um Aus­sagen über die Zukun­ft zu tre­f­fen. Dafür sind sie allerd­ings darauf angewiesen, dass sich die Geset­zmäßigkeit­en, die diese Zukun­ft bes­tim­men nicht…

  • Technofeudalismus in der Automobilindustrie

    Für die Auswüchse des tech­nol­o­gisch basierten Kap­i­tal­is­mus gibt es aktuell ver­mut­lich keine bessere Lek­türe als den täglichen(!) Blog von Cory Doc­torow. In einem aktuellen Beitrag über die Autoen­shit­ti­fi­ca­tion wid­met er sich der Frage, warum die Auto­her­steller ihre Pro­duk­te immer weit­er dig­i­tal­isieren, auch wenn genau diese Verän­derun­gen bei den Kund*innen zu großen Frust führen. Neben seinem…

  • Jungen finden kaum Vorbilder emotional vielschichtiger Männlichkeit

    Ein Rück­blick auf ein gut 20 Jahre altes Com­put­er­spiel ist nicht unbe­d­ingt der Ort, an dem man tiefe Gedanken über Gen­deri­den­tität und ‑aus­druck erwarten würde. Doch der Artikel Bar­bie Horse Adven­tures Rid­ing Camp helped me nav­i­gate the dread­ed Pink Aisle von Amelia Zoll­ner hat mich genau dazu gebracht. Die Autorin beschreibt ihr 7‑jähriges Ich als…

  • Gesellschaftliche Hacks können auf sehr unterschiedlichen Ebenen ansetzen

    Sys­teme von Regeln, die sich hack­en lassen ste­hen nicht isoliert für sich, son­dern sind in ein kom­plex­es Geflecht von anderen Sys­te­men einge­bet­tet – sei es in einem benach­barten Gebi­et oder auch in Beziehung zu über­ge­ord­neten und unter­ge­ord­neten Sys­te­men. Auf jed­er dieser Ebe­nen kann ein Hack anset­zen. So schreibt Bruce Schneier in seinem Buch „A Hacker’s…

  • Hacking ist ein Mittel, um Machtstrukturen zu verfestigen

    Das Klis­chee des Hack­ers ist der junge Mann im Hood­ie, der im Keller sein­er Eltern sitzt und sich mit den Starken und Mächti­gen dieser Welt anlegt. Das macht ein­drucksvolle Bilder und entspricht zumin­d­est im let­zten Punkt auf dem Selb­st­bild eines Teils der klas­sis­chen Hack­er-Bewe­gung. Fasst man den Begriff des Hack­ens aber etwas weit­er, bleibt nicht…

  • Auch gesellschaftliche Systeme können gehackt werden

    In seinem neuen Buch „A Hacker’s Mind“ nimmt sich IT-Sicher­heit­sex­perte und Aktivist Bruce Schnei­der dem Begriff und der Bedeu­tung des Hack­ens an. Beson­ders inter­es­sant ist seine Herange­hensweise, weil er das Hack­en nicht in erster Lin­ie als ein Gefahr für elek­tro­n­is­che Infor­ma­tion­ssys­teme ver­ste­ht, son­dern eine wesentlich weit­eres Ver­ständ­nis entwick­elt: Hack­ing tar­gets a sys­tem and turns it…

  • Unser verqueres Verhältnis zu Haustieren

    Wir Men­schen machen einen klaren Gegen­satz zwis­chen „uns“ und der Natur. Das ist nicht nur aus unter­schiedlichen Grün­den gefährlich, son­dern macht es uns auch schw­er, angemessen mit unseren Haustieren umzuge­hen, wie Julian Bag­gi­ni in sein­er Reflex­ion über den Tod seines Hun­des schreibt. Wenn wir nur die zwei Kat­e­gorien „Men­sch“ und „Natur“ ken­nen, müssen wir uns…

  • Die Vorstellung einer „unberührten Natur“ im Gegensatz zur „menschlichen Zivilisation“ ist gefährlich

    Das Bild der „unberührten Natur, in der der Men­sch zu sich selb­st find­en kann“ ist in hohem Maße durch das roman­tis­che Ide­al der Natur verk­lärt und damit in erster Lin­ie eine Reak­tion auf die Äng­ste und Unsicher­heit­en der Indus­tri­al­isierung und der Urban­isierung im 19. Jahrhun­dert: Human soci­ety is stale, pre­dictable, effete. It lacks pow­er­ful sources…

  • Gesundheit in der Akte und der Realität

    Ger­ade wird die Kranken­haus­re­form groß disku­tiert und auch Hen­drik Streeck kann es nicht lassen, auf den medi­alen Zug aufzus­prin­gen. Er schlägt vor, im Gesund­heitssys­tem nicht länger die in erster Lin­ie Pauschalen für bes­timmte Krankheit­en oder gar tat­säch­lich voll­brachte Arbeit zu vergüten, son­dern in erster Lin­ie auf den Behand­lungser­folg und die Gesun­dung der Patient*innen abzustellen. Die…

  • Wir Menschen haben auch eine Verantwortung für Tiere in der „unberührten Natur“

    Daraus, dass der Men­sch im Grunde die Kon­trolle über die gesamte Welt über­nom­men hat, ergibt sich eine beson­dere Ver­ant­wor­tung ihr gegenüber, die sich auch mit einem roman­tis­chen Bild der „unberührten“ Natur nicht able­gen lässt. Denn auch diese ist – erstens – durch den Men­schen geprägt und – zweit­ens – keineswegs auf das Gle­ichgewicht oder ein…

  • Rezension: Blaupause von Theresia Enzensberger

    Auf den Roman „Blau­pause“ war bin ich in erster Lin­ie aufmerk­sam gewor­den, weil ich vor ein paar Wochen erst einen aktuelleren Roman von There­sia Enzens­berg­er gele­sen hat­te, „Auf See“. Auch hier begleit­en wir eine junge Frau – Yada –, die dies­mal die Wahrheit hin­ter einem großen Pro­jekt ihres Vaters ent­deckt, das ihre ganze Welt gewor­den…

  • Die Macht der Erinnerungen (Strange New Worlds, S02E04)

    Wenn ich hier schon die Möglichkeit habe, regelmäßige meine Gedanken zu notieren, sollte ich das vielle­icht auch zu den span­nen­den Ideen und The­men tun, die mir in den fik­tiv­en Geschicht­en, die ich so kon­sum­iere über den Weg laufen. Den Anfang macht heute die vierte Episode der zweit­en Staffel der sehenswerten neuen Star-Trek-Serie „Strange New Worlds“.…

  • Notizen: Gefangen in der Titotalitätsmaschine von Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer

    Nach­dem ich das Buch, dessen zen­trale Ideen ich bere­its vorgestellt habe, nun endlich abgeschlossen habe, möchte ich euch meinen Gesamtein­druck natür­lich nicht voren­thal­ten: In ihrer Biogra­phie nehmen sich die bei­den Autoren Friedrich von Bor­ries und Jens-Uwe Fis­ch­er den weniger bekan­nten Bauhaus-Schüler Franz Ehrlich vor und rekon­stru­ieren sein Leben, natür­lich nicht ohne auch die eine oder…

  • Wie die DDR das Bauhaus vereinnahmt

    Ok, ich sollte vielle­icht doch erst das ganze Buch zu Ende lesen, bevor ich ver­suche, seinen Inhalt zusam­men­z­u­fassen. Die Beobach­tung, dass sich die DDR in der Architek­tur und der Gestal­tung von dem Mod­ernismus abwandte und auf his­torische Stilmit­tel zurück­griff galt näm­lich nur bis zur Entstal­in­isierung von UdSSR und DDR. Diese führte näm­lich zu ein­er Kehrtwende,…

  • Struktur kann bei der Autorin oder dem Leser entstehen

    Meine Über­legun­gen zur Rolle der Entropie beim Lesen und Schreiben brin­gen mich zu einem weit­eren inter­es­san­ten Punk­te: der Frage danach, wer eigentlich die Energie auf­bringt, die Entropie in einem Ideen- und Gedanken­sys­tem zu reduzieren, also ihm eine sta­bile Struk­tur zu geben: die Autorin oder der Leser? In der klas­sis­chen Kom­mu­nika­tions­forschung gibt es daran keinen Zweifel:…

  • Wölfe leben in Familien

    Das Ver­hält­nis von uns Men­schen zur Natur ist kom­plex und vielschichtig. Das klas­sisch-roman­tis­che Bild von der unberührten Natur, die der Men­sch nicht durch seine Tech­nolo­gie und seinen Schmutz entwei­ht hat, ist heutzu­tage auf jeden Fall nicht mehr aufrecht zu erhal­ten. Stattdessen find­en wir immer häu­figer her­aus, dass das, was wir für natür­lich hal­ten, eben­falls in…

  • Google Reader war Google zu klein

    Dass große Unternehmen wie Google, Face­book und Ama­zon kein echt­es Inter­esse an einem Wet­tbe­werb haben, son­dern in erster Lin­ie Mono­pole etablieren wollen, zeigt sich auch sehr schön am Beispiel des 2013 eingestell­ten Google Read­er – einem Rück­grat der damals noch sehr aktiv­en Blog­ging-Szene. In seinem Artikel „How Google Read­er died“ rekon­stru­iert David Pierce die Abschal­tung…

  • Architektur und Gewalt

    In den let­zten Tagen habe ich hier schon mehrfach über Architek­tur geschrieben, ihre Beziehung zur sozialen Welt und auch die Möglichkeit­en der Kon­trolle, die sich aus ihr ergeben. Jet­zt bin ich passender­weise über einen weit­eren Artikel gestolpert, der ger­ade den let­zten Aspekt noch ein wenig ver­tieft und Architek­tur auch als Medi­um oder Mit­tel der Gewalt…

  • Ein Monat tägliches Schreiben

    Fast genau einen Monat ist es hier, dass ich meinen Vor­satz for­muliert habe, hier jeden Tag min­destens einen kurzen Artikel zu schreiben und zu posten. Erfahrungs­gemäß bin ich nicht wirk­lich gut darin, solche Vorsätze einzuhal­ten, doch dies­mal hat es tat­säch­lich fast per­fekt funk­tion­iert: Seit dem 1. Juni habe ich 29 Artikel veröf­fentlicht und damit nur…

  • Von Volksbedarf und Volksgeschichte

    Eines der Mot­tos der Bauhaus-Gestal­tung war der kurze Satz „Volks­be­darf statt Luxus­be­darf“. Zufäl­liger­weise klingt dieses Mot­to auch wie eine sozial­is­tis­che Parole, sodass es kein Wun­der ist, dass das Bauhaus die Pla­nun­gen zum Wieder­auf­bau in der Sow­jetis­chen Besatzungszone (SBZ) bzw. der frühen DDR prägte. An zen­tralen Stellen in den Min­is­te­rien in Berlin eben­so wie in den…

  • Gefährlicher Technikglaube

    Gestern schrieb ich von der gefährlichen Verquick­ung zwis­chen dem Glauben in die Tech­nolo­gie und ihre Fähigkeit, Gesellschaft zu gestal­ten auf der einen Seite und dem fanatis­chen Willen, die Welt nach den eige­nen Vorstel­lun­gen gestal­ten zu müssen. Dieses Phänomen ist jedoch (lei­der) nicht nur his­torisch – zum Beispiel in der Span­nung zwis­chen Bauhaus und Nation­al­sozial­is­mus –…

  • Glauben an die Moderne im Bauhaus und im Nationalsozialismus

    Ein paar Jahre lang war ich regelmäßig in Weimar und jedes Mal auch ein paar Stun­den im dor­ti­gen – mit­tler­weile umge­zo­ge­nen – Bauhaus-Muse­um. Die Ausstel­lung und der her­vor­ra­gende Audio­gu­ide ver­mit­tel­ten mir eine tiefe Fasz­i­na­tion mit der Kom­bi­na­tion aus kün­st­lerisch­er Frei­heit und handw­erk­lich­er Strenge, die gle­ichzeit­ig sehr prag­ma­tisch auf die Nüt­zlichkeit der gestal­teten Objek­te aus­gerichtet war.…

  • Lieblingsfragen geben Wissen und Gedanken Struktur

    Ich lese viel, denke viel und schreibe seit eini­gen Wochen auch wieder ein biss­chen mehr. Ich habe aber gle­ichzeit­ig nicht das eine The­ma, die eine Diszi­plin, in der ich mich bewege, son­dern füh­le mich schon immer zwis­chen den fach­lichen Stühlen am wohlsten gefühlt – an den Schnittstellen, den Bruchkan­ten, den wech­sel­seit­i­gen blind­en Fleck­en. Wie bekommt…

  • Open Source in der Architektur

    Auch wenn ich eigentlich keinen direk­ten Bezug zur Architek­tur habe, stoße ich doch immer wieder auf diese Diszi­plin, wenn ich mich durch meine The­men bewege. Das liegt ver­mut­lich in erster Lin­ie daran, dass die Architek­tur let­z­tendlich eine Man­i­fes­ta­tion sozialer Prax­is und sozialer Beziehun­gen ist, die wiederum im Kern mein­er Herzens­diszi­plin, der Sozi­olo­gie, ste­hen. Die Sozi­olo­gie…

  • Vom Wissen zum Handeln [Essay]

    Was ist eigentlich dieses ominöse „Wis­sen“? Wer mit Holz arbeit­et, sollte wis­sen, welche Arten von Holz es gibt, welche Eigen­schaften es besitzt und wie man am besten mit ihm arbeit­et. Wis­sen wir das über das Wis­sen als das Mate­r­i­al, mit dem wir arbeit­en? Eine Annäherung an das Wis­sen stellt die Frage, ob es „objek­tiv“ und…

  • Zur Realität sozialer Konstruktionen

    Eine der großen Errun­gen­schaften der Philoso­phie und vor allem der Sozi­olo­gie, ist die Erken­nt­nis, dass viele Dinge in unserem Leben und unser­er Welt nicht „ein­fach so“ sind, son­dern in einem his­torischen – wie Luh­mann sagen würde, „kontin­gen­ten“ – Prozess ent­standen sind. Sich also keineswegs zwangsläu­fig aus irgen­dein­er Art sozialem Naturge­setz ergeben haben, son­dern sich auch…

  • Die Entropie von Lesen, Denken und Schreiben

    Seit einiger Zeit schwirren mir ein paar Gedanken zum Ver­hält­nis zwis­chen dem Schreiben, dem Lesen, dem Denken und dem Noti­zen-Machen im Kopf herum und welche Rolle die physikalis­che Idee der Entropie spie­len kön­nte, um diese Prozesse und ihre Wech­sel­wirkun­gen bess­er zu ver­ste­hen. Anlass dazu ist der wirk­lich großar­tige Roman Maxwell’s Demon von Steven Hall, um…

  • Auch Kritik kann einen Hype verstärken

    Der Wert von Unternehmen und in gewis­sem Maße auch ihr Umsatz hängt nicht unbe­d­ingt davon ab, welche Leis­tung sie tat­säch­lich erbrin­gen. Er hängt vielmehr in einem hohen Maße davon ab, welche Erwartun­gen ihnen zugeschrieben wer­den. Ein aktuelles Beispiel, das Lee Vin­sel schon 2021 beschreibt, ist die Erzäh­lung von Googles und Face­books gigan­tis­chem Daten­schatz, der es…