Vergangenheit, Zukunft und die verrückte Zeit dazwischen

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  • Wir müssen unsere Infrastruktur zumindest in Grundzügen verstehen

    Es ist mit­tler­weile glück­licher­weise nicht mehr umstrit­ten, dass die tech­nol­o­gis­chen Entwick­lun­gen der let­zten Jahrzehnte – darunter ins­beson­dere Com­put­er und das Inter­net – einen gewalti­gen Ein­fluss auf unser Leben haben. Gle­ich­es gilt auch für ver­gle­ich­bar unschein­bare Infra­struk­tur, wie z. B. die Wasserver­sorgung. Doch ger­ade, wenn es um neuere Tech­nolo­gien geht, lei­det die Qual­ität der öffentlichen Debat­te…

  • Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht verstehen

    Als Reak­tion auf meine Über­legun­gen zu Kom­plex­ität und Kon­trol­lver­lust kam im Fedi­verse die Frage auf, ob wir Men­schen über­haupt in der Lage sind, kom­plexe Sys­teme zu ver­ste­hen. Ich tue mich schw­er, darauf defin­i­tiv zu antworten, weil wir Men­schen immer ganz gut darin waren, unsere geglaubten „natür­lichen“ Gren­zen zu über­winden. Aber selb­st wenn es möglich sein…

  • Versuchte Kontrolle über Komplexität erzeugt einen instabilen Teufelskreis

    Das große Pro­jekt der Men­schheit in den let­zten zwei bis drei­hun­dert Jahren war die immer stärkere Kon­trolle über die Welt. Ganz im – klis­chee­haften – bib­lis­chen Sinne hat­ten wir uns vorgenom­men, sie uns unter­tan zu machen und unser Leben auf ihr bis auf den let­zten Aspekt zu opti­mieren. Immer wenn wir einen Schritt genom­men hat­ten,…

  • Komplexität annehmen, heißt Kontrollverlust zu akzeptieren

    Ein angemessen­er Umgang mit Kom­plex­ität bedeutet einen grundle­gen­den Par­a­dig­men­wech­sel für das west­liche, vorge­blich ratio­nale Denke. Diese basiert auf der Annahme, dass Kausal­ität lin­ear funk­tion­iert und sich für jedes Phänomen eine oder mehrere Ursachen iden­ti­fizieren lassen und unmit­tel­bar das zu erk­lärende Phänomen aus­lösen. Gle­ichzeit­ig erlaubt es uns das Wis­sen um diese Ursachen, ein hohes Maß an…

  • Luhmanns Systemtheorie schaut auf Systemerhalt, nicht Handlungsfähigkeit

    Nach meinem Beitrag von gestern über den angemesse­nen Umgang mit Kom­plex­ität kam die berechtigte Frage auf, wie das denn mit Luh­manns Sys­temthe­o­rie zu vere­in­baren sei, bei der genau die kri­tisierte ein­seit­ige Brille als zen­traler Mech­a­nis­mus der Bewäl­ti­gung von Kom­plex­ität gilt. In Luh­manns The­o­rie ste­hen soziale Sys­teme im Mit­telpunkt, deren vorder­stes Ziel der eigene Selb­ster­halt ist.…

  • Wir müssen Komplexität annehmen

    Dass unsere Welt in den let­zten Jahren und Jahrzehn­ten immer kom­plex­er gewor­den ist, ist mit­tler­weile zu ein­er Bin­sen­weisheit gewor­den. Im Umgang mit dieser Kom­plex­ität tun wir uns jedoch oft schw­er, weshalb es ein Ziel gewor­den ist, Kom­plex­ität zu „reduzieren“. Einige „Wis­senschaften“, wie z. B. die Rechtswis­senschaften oder die Wirtschaftswis­senschaften ver­suchen diese Reduk­tion, indem sie ihren…

  • Nicht-lineare Notizen können Entropie stabil halten

    Nicht-lin­eare und nicht-sta­tis­che Notiz- und Pub­lika­tionsver­fahren wie Zettelkästen und dig­i­tale Gärten erlauben ein beson­deres Vorge­hen in der Entwick­lung der Entropie zwis­chen Lesen und Schreiben: Sie machen es möglich, ein „mit­tleres“ Maß der Entropie zeitlich sta­bil zu hal­ten. Sie fassen die dif­fusen Gedanken im Kopf in eine konkrete und man­i­feste Form und ver­hin­dern dadurch, dass sie…

  • Amerikanische Wirtschaftspolitik zerstörte mexikanische Landwirtschaft

    Die Geschicht­en Mexikos und der Vere­inigten Staat­en sind eng miteinan­der ver­woben. Dabei sind es meist die USA, deren (Wirtschafts-)Politik zu gewalti­gen Umwälzun­gen in ihrem südlichen Nach­bar­land führt. Lei­der fast immer zu dessen Nachteil. Zwei Beispiele find­en sich in dem Artikel Göt­ter­spei­se von Alain Amariglio in der Aus­gabe August 2023 der ohne­hin immer extrem lesenswerten deutschsprachi­gen…

  • Freiheit braucht Freiraum und Reflexion

    In vie­len Bere­ichen gilt es heute noch immer als eine Zier, eine Ausze­ich­nung, möglichst beschäftigt zu sein. Immer etwas zu tun, immer unter­wegs. Keine Pause und kein Müßig­gang. Es ist aber auch so ver­lock­end, das meiste aus unser­er immer knap­pen Zeit her­aus­holen zu wollen. Die Optio­nen sind unüber­schaubar und dann ist da auch noch der…

  • Rezension: Nomad Century von Gaia Vince

    Die Tem­per­a­turen steigen weit­er und die poli­tis­che Diskus­sion wird immer hitziger: Es gibt diejeni­gen, denen es mit der Klimapoli­tik nicht schnell genug gehen kann und diejeni­gen, denen es schon jet­zt zu schnell geht. Dazwis­chen immer wieder neue Hor­rormel­dun­gen von der Front der Kli­maforschung, neue tech­nol­o­gis­che Heilsver­sprechen, neue Abwiegelungsver­suche oder fatal­is­tis­ches „Es ist eh zu spät“.…

  • Migration ist ein Bestandteil des Umgangs mit dem Klimawandel

    In eini­gen Jahrzehn­ten kön­nten weite Teile unseres Plan­eten für Men­schen fak­tisch unbe­wohn­bar sein. Nimmt man diese Erwartung ernst, stellt sich schnell die Frage, was denn mit den Men­schen passiert, die heute in diesen Regio­nen leben. Da es hier um rund die Hälfte der Welt­bevölkerung geht, ste­hen wir vor gewalti­gen Umwälzun­gen. So schreibt Gaia Vince in…

  • Menschen können bald nicht mehr auf dem gesamten Planeten leben

    Eine ganz zen­trale Kon­se­quenz der Kli­makatas­tro­phe ist mein­er Wahrnehmung nach noch zu den wenig­sten wirk­lich durchge­drun­gen: Durch die steigen­den Tem­per­a­turen und die verän­derten Wet­ter­dy­namiken wer­den große Teile des Plan­eten in abse­hbar­er Zeit für Men­schen unbe­wohn­bar(!). Feuer, Hitze, Dürre und Über­schwem­mungen wer­den es unmöglich machen, dass Men­schen in diesen Gebi­eten langfristig über­leben. Und das bet­rifft eben…

  • Die Klimakatastrophe verläuft beispiellos aber nicht unvorhergesehen

    Vor einiger Zeit hat­te ich schon darüber geschrieben, wie wir uns sta­tis­tisch fast schon auf einem neuen, unbekan­nten Plan­eten befind­en. David Wal­lace-Wells hat in seinem Newslet­ter dankenswert­er Weise ein paar plas­tis­che Beispiele zusam­mengestellt: Die Tem­per­a­turen im Nor­dat­lantik liegen aktuell mehr als vier Stan­dard­ab­we­ichun­gen vom langfristi­gen Mit­tel­w­ert ent­fer­nt und bei der Aus­dehnung den antark­tis­chen Meereis­es sind…

  • China betreibt geopolitischen „Chokepoint Capitalism“

    Ehrlich gesagt, habe ich nie groß über Chi­na und seine Posi­tion in der Welt nachgedacht, auch wenn seine Bedeu­tung schon seit Jahrzehn­ten nicht mehr wegzud­isku­tieren ist. Ein wirk­lich lesenswert­er Artikel im grund­sät­zlich eben­falls sehr lesenswerten Noe­ma Mag­a­zin hat jet­zt ein wenig Bewe­gung in mein Denken gebracht: Europe Can Be A Pow­er­ful Medi­a­tor In The U.S.-China…

  • Die Spannung zwischen Freiheit und Verbindlichkeit

    Der Umgang mit Frei­heit will gel­ernt sein. Unsere Zeit ist – aus­re­ichend ökonomis­che Priv­i­legien voraus­ge­set­zt – durch eine unüber­schaubare Zahl an Möglichkeit­en geprägt: Wir kön­nen jed­erzeit in jedes Land reisen, haben zehn­tausende Büch­er inner­halb eines Tages in unserem Briefkas­ten und es gibt so viele Arten wie noch nie zuvor, sein Geld zu ver­di­enen. Ins­beson­dere sind…

  • Wissenschaft basiert nicht auf zwingender Logik, sondern auf verlässlichen Vorhersagen

    Die all­ge­mein akzep­tierte Erzäh­lung über die wis­senschaftliche Meth­ode geht immer noch davon aus, dass das durch sie gewonnenes Wis­sen in irgen­dein­er Form zwangsläu­fig oder logisch notwendig sei; dass es gar nicht anders sein könne. Doch der Blick auf die tat­säch­liche wis­senschaftliche Forschung zeigt, dass dies keines­falls der Fall ist: Hier wer­den nur sel­ten zwin­gende logis­che…

  • Wir müssen schon wieder überdenken, wie wir mit Waldbränden umgehen

    Ein Beispiel für den grundle­gen­den Wan­del, den die Kli­makatas­tro­phe mit sich bringt, ist die Frage danach, wie wir am besten mit Wald­brän­den umge­hen. David Wal­lace-Wells rekon­stru­iert diesen Kon­flikt in seinem ohne­hin sehr lesenswerten Newslet­ter (€): Im 20. Jahrhun­dert wur­den Wald­brände möglichst sofort unter­drückt, sobald sie erkan­nt wur­den. Egal wann, egal wo, wenn der Wald anf­ing…

  • Wir leben auf einem neuen Planeten

    Die Kli­makatas­tro­phe ist mit­tler­weile so weit fort­geschrit­ten, dass wir immer weniger in der Lage sind einzuschätzen, was in Zukun­ft mit welch­er Geschwindigkeit passieren wird. Wis­senschaftliche Mod­elle und Prog­nosen nutzen Dat­en aus der Ver­gan­gen­heit, um Aus­sagen über die Zukun­ft zu tre­f­fen. Dafür sind sie allerd­ings darauf angewiesen, dass sich die Geset­zmäßigkeit­en, die diese Zukun­ft bes­tim­men nicht…

  • Technofeudalismus in der Automobilindustrie

    Für die Auswüchse des tech­nol­o­gisch basierten Kap­i­tal­is­mus gibt es aktuell ver­mut­lich keine bessere Lek­türe als den täglichen(!) Blog von Cory Doc­torow. In einem aktuellen Beitrag über die Autoen­shit­ti­fi­ca­tion wid­met er sich der Frage, warum die Auto­her­steller ihre Pro­duk­te immer weit­er dig­i­tal­isieren, auch wenn genau diese Verän­derun­gen bei den Kund*innen zu großen Frust führen. Neben seinem…

  • Jungen finden kaum Vorbilder emotional vielschichtiger Männlichkeit

    Ein Rück­blick auf ein gut 20 Jahre altes Com­put­er­spiel ist nicht unbe­d­ingt der Ort, an dem man tiefe Gedanken über Gen­deri­den­tität und ‑aus­druck erwarten würde. Doch der Artikel Bar­bie Horse Adven­tures Rid­ing Camp helped me nav­i­gate the dread­ed Pink Aisle von Amelia Zoll­ner hat mich genau dazu gebracht. Die Autorin beschreibt ihr 7‑jähriges Ich als…

  • Gesellschaftliche Hacks können auf sehr unterschiedlichen Ebenen ansetzen

    Sys­teme von Regeln, die sich hack­en lassen ste­hen nicht isoliert für sich, son­dern sind in ein kom­plex­es Geflecht von anderen Sys­te­men einge­bet­tet – sei es in einem benach­barten Gebi­et oder auch in Beziehung zu über­ge­ord­neten und unter­ge­ord­neten Sys­te­men. Auf jed­er dieser Ebe­nen kann ein Hack anset­zen. So schreibt Bruce Schneier in seinem Buch „A Hacker’s…

  • Hacking ist ein Mittel, um Machtstrukturen zu verfestigen

    Das Klis­chee des Hack­ers ist der junge Mann im Hood­ie, der im Keller sein­er Eltern sitzt und sich mit den Starken und Mächti­gen dieser Welt anlegt. Das macht ein­drucksvolle Bilder und entspricht zumin­d­est im let­zten Punkt auf dem Selb­st­bild eines Teils der klas­sis­chen Hack­er-Bewe­gung. Fasst man den Begriff des Hack­ens aber etwas weit­er, bleibt nicht…

  • Auch gesellschaftliche Systeme können gehackt werden

    In seinem neuen Buch „A Hacker’s Mind“ nimmt sich IT-Sicher­heit­sex­perte und Aktivist Bruce Schnei­der dem Begriff und der Bedeu­tung des Hack­ens an. Beson­ders inter­es­sant ist seine Herange­hensweise, weil er das Hack­en nicht in erster Lin­ie als ein Gefahr für elek­tro­n­is­che Infor­ma­tion­ssys­teme ver­ste­ht, son­dern eine wesentlich weit­eres Ver­ständ­nis entwick­elt: Hack­ing tar­gets a sys­tem and turns it…

  • Unser verqueres Verhältnis zu Haustieren

    Wir Men­schen machen einen klaren Gegen­satz zwis­chen „uns“ und der Natur. Das ist nicht nur aus unter­schiedlichen Grün­den gefährlich, son­dern macht es uns auch schw­er, angemessen mit unseren Haustieren umzuge­hen, wie Julian Bag­gi­ni in sein­er Reflex­ion über den Tod seines Hun­des schreibt. Wenn wir nur die zwei Kat­e­gorien „Men­sch“ und „Natur“ ken­nen, müssen wir uns…

  • Die Vorstellung einer „unberührten Natur“ im Gegensatz zur „menschlichen Zivilisation“ ist gefährlich

    Das Bild der „unberührten Natur, in der der Men­sch zu sich selb­st find­en kann“ ist in hohem Maße durch das roman­tis­che Ide­al der Natur verk­lärt und damit in erster Lin­ie eine Reak­tion auf die Äng­ste und Unsicher­heit­en der Indus­tri­al­isierung und der Urban­isierung im 19. Jahrhun­dert: Human soci­ety is stale, pre­dictable, effete. It lacks pow­er­ful sources…

  • Gesundheit in der Akte und der Realität

    Ger­ade wird die Kranken­haus­re­form groß disku­tiert und auch Hen­drik Streeck kann es nicht lassen, auf den medi­alen Zug aufzus­prin­gen. Er schlägt vor, im Gesund­heitssys­tem nicht länger die in erster Lin­ie Pauschalen für bes­timmte Krankheit­en oder gar tat­säch­lich voll­brachte Arbeit zu vergüten, son­dern in erster Lin­ie auf den Behand­lungser­folg und die Gesun­dung der Patient*innen abzustellen. Die…

  • Wir Menschen haben auch eine Verantwortung für Tiere in der „unberührten Natur“

    Daraus, dass der Men­sch im Grunde die Kon­trolle über die gesamte Welt über­nom­men hat, ergibt sich eine beson­dere Ver­ant­wor­tung ihr gegenüber, die sich auch mit einem roman­tis­chen Bild der „unberührten“ Natur nicht able­gen lässt. Denn auch diese ist – erstens – durch den Men­schen geprägt und – zweit­ens – keineswegs auf das Gle­ichgewicht oder ein…

  • Rezension: Blaupause von Theresia Enzensberger

    Auf den Roman „Blau­pause“ war bin ich in erster Lin­ie aufmerk­sam gewor­den, weil ich vor ein paar Wochen erst einen aktuelleren Roman von There­sia Enzens­berg­er gele­sen hat­te, „Auf See“. Auch hier begleit­en wir eine junge Frau – Yada –, die dies­mal die Wahrheit hin­ter einem großen Pro­jekt ihres Vaters ent­deckt, das ihre ganze Welt gewor­den…

  • Die Macht der Erinnerungen (Strange New Worlds, S02E04)

    Wenn ich hier schon die Möglichkeit habe, regelmäßige meine Gedanken zu notieren, sollte ich das vielle­icht auch zu den span­nen­den Ideen und The­men tun, die mir in den fik­tiv­en Geschicht­en, die ich so kon­sum­iere über den Weg laufen. Den Anfang macht heute die vierte Episode der zweit­en Staffel der sehenswerten neuen Star-Trek-Serie „Strange New Worlds“.…

  • Notizen: Gefangen in der Titotalitätsmaschine von Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer

    Nach­dem ich das Buch, dessen zen­trale Ideen ich bere­its vorgestellt habe, nun endlich abgeschlossen habe, möchte ich euch meinen Gesamtein­druck natür­lich nicht voren­thal­ten: In ihrer Biogra­phie nehmen sich die bei­den Autoren Friedrich von Bor­ries und Jens-Uwe Fis­ch­er den weniger bekan­nten Bauhaus-Schüler Franz Ehrlich vor und rekon­stru­ieren sein Leben, natür­lich nicht ohne auch die eine oder…

  • Wie die DDR das Bauhaus vereinnahmt

    Ok, ich sollte vielle­icht doch erst das ganze Buch zu Ende lesen, bevor ich ver­suche, seinen Inhalt zusam­men­z­u­fassen. Die Beobach­tung, dass sich die DDR in der Architek­tur und der Gestal­tung von dem Mod­ernismus abwandte und auf his­torische Stilmit­tel zurück­griff galt näm­lich nur bis zur Entstal­in­isierung von UdSSR und DDR. Diese führte näm­lich zu ein­er Kehrtwende,…

  • Struktur kann bei der Autorin oder dem Leser entstehen

    Meine Über­legun­gen zur Rolle der Entropie beim Lesen und Schreiben brin­gen mich zu einem weit­eren inter­es­san­ten Punk­te: der Frage danach, wer eigentlich die Energie auf­bringt, die Entropie in einem Ideen- und Gedanken­sys­tem zu reduzieren, also ihm eine sta­bile Struk­tur zu geben: die Autorin oder der Leser? In der klas­sis­chen Kom­mu­nika­tions­forschung gibt es daran keinen Zweifel:…

  • Wölfe leben in Familien

    Das Ver­hält­nis von uns Men­schen zur Natur ist kom­plex und vielschichtig. Das klas­sisch-roman­tis­che Bild von der unberührten Natur, die der Men­sch nicht durch seine Tech­nolo­gie und seinen Schmutz entwei­ht hat, ist heutzu­tage auf jeden Fall nicht mehr aufrecht zu erhal­ten. Stattdessen find­en wir immer häu­figer her­aus, dass das, was wir für natür­lich hal­ten, eben­falls in…

  • Google Reader war Google zu klein

    Dass große Unternehmen wie Google, Face­book und Ama­zon kein echt­es Inter­esse an einem Wet­tbe­werb haben, son­dern in erster Lin­ie Mono­pole etablieren wollen, zeigt sich auch sehr schön am Beispiel des 2013 eingestell­ten Google Read­er – einem Rück­grat der damals noch sehr aktiv­en Blog­ging-Szene. In seinem Artikel „How Google Read­er died“ rekon­stru­iert David Pierce die Abschal­tung…

  • Architektur und Gewalt

    In den let­zten Tagen habe ich hier schon mehrfach über Architek­tur geschrieben, ihre Beziehung zur sozialen Welt und auch die Möglichkeit­en der Kon­trolle, die sich aus ihr ergeben. Jet­zt bin ich passender­weise über einen weit­eren Artikel gestolpert, der ger­ade den let­zten Aspekt noch ein wenig ver­tieft und Architek­tur auch als Medi­um oder Mit­tel der Gewalt…

  • Ein Monat tägliches Schreiben

    Fast genau einen Monat ist es hier, dass ich meinen Vor­satz for­muliert habe, hier jeden Tag min­destens einen kurzen Artikel zu schreiben und zu posten. Erfahrungs­gemäß bin ich nicht wirk­lich gut darin, solche Vorsätze einzuhal­ten, doch dies­mal hat es tat­säch­lich fast per­fekt funk­tion­iert: Seit dem 1. Juni habe ich 29 Artikel veröf­fentlicht und damit nur…

  • Von Volksbedarf und Volksgeschichte

    Eines der Mot­tos der Bauhaus-Gestal­tung war der kurze Satz „Volks­be­darf statt Luxus­be­darf“. Zufäl­liger­weise klingt dieses Mot­to auch wie eine sozial­is­tis­che Parole, sodass es kein Wun­der ist, dass das Bauhaus die Pla­nun­gen zum Wieder­auf­bau in der Sow­jetis­chen Besatzungszone (SBZ) bzw. der frühen DDR prägte. An zen­tralen Stellen in den Min­is­te­rien in Berlin eben­so wie in den…

  • Gefährlicher Technikglaube

    Gestern schrieb ich von der gefährlichen Verquick­ung zwis­chen dem Glauben in die Tech­nolo­gie und ihre Fähigkeit, Gesellschaft zu gestal­ten auf der einen Seite und dem fanatis­chen Willen, die Welt nach den eige­nen Vorstel­lun­gen gestal­ten zu müssen. Dieses Phänomen ist jedoch (lei­der) nicht nur his­torisch – zum Beispiel in der Span­nung zwis­chen Bauhaus und Nation­al­sozial­is­mus –…

  • Glauben an die Moderne im Bauhaus und im Nationalsozialismus

    Ein paar Jahre lang war ich regelmäßig in Weimar und jedes Mal auch ein paar Stun­den im dor­ti­gen – mit­tler­weile umge­zo­ge­nen – Bauhaus-Muse­um. Die Ausstel­lung und der her­vor­ra­gende Audio­gu­ide ver­mit­tel­ten mir eine tiefe Fasz­i­na­tion mit der Kom­bi­na­tion aus kün­st­lerisch­er Frei­heit und handw­erk­lich­er Strenge, die gle­ichzeit­ig sehr prag­ma­tisch auf die Nüt­zlichkeit der gestal­teten Objek­te aus­gerichtet war.…

  • Lieblingsfragen geben Wissen und Gedanken Struktur

    Ich lese viel, denke viel und schreibe seit eini­gen Wochen auch wieder ein biss­chen mehr. Ich habe aber gle­ichzeit­ig nicht das eine The­ma, die eine Diszi­plin, in der ich mich bewege, son­dern füh­le mich schon immer zwis­chen den fach­lichen Stühlen am wohlsten gefühlt – an den Schnittstellen, den Bruchkan­ten, den wech­sel­seit­i­gen blind­en Fleck­en. Wie bekommt…

  • Open Source in der Architektur

    Auch wenn ich eigentlich keinen direk­ten Bezug zur Architek­tur habe, stoße ich doch immer wieder auf diese Diszi­plin, wenn ich mich durch meine The­men bewege. Das liegt ver­mut­lich in erster Lin­ie daran, dass die Architek­tur let­z­tendlich eine Man­i­fes­ta­tion sozialer Prax­is und sozialer Beziehun­gen ist, die wiederum im Kern mein­er Herzens­diszi­plin, der Sozi­olo­gie, ste­hen. Die Sozi­olo­gie…

  • Vom Wissen zum Handeln [Essay]

    Was ist eigentlich dieses ominöse „Wis­sen“? Wer mit Holz arbeit­et, sollte wis­sen, welche Arten von Holz es gibt, welche Eigen­schaften es besitzt und wie man am besten mit ihm arbeit­et. Wis­sen wir das über das Wis­sen als das Mate­r­i­al, mit dem wir arbeit­en? Eine Annäherung an das Wis­sen stellt die Frage, ob es „objek­tiv“ und…

  • Zur Realität sozialer Konstruktionen

    Eine der großen Errun­gen­schaften der Philoso­phie und vor allem der Sozi­olo­gie, ist die Erken­nt­nis, dass viele Dinge in unserem Leben und unser­er Welt nicht „ein­fach so“ sind, son­dern in einem his­torischen – wie Luh­mann sagen würde, „kontin­gen­ten“ – Prozess ent­standen sind. Sich also keineswegs zwangsläu­fig aus irgen­dein­er Art sozialem Naturge­setz ergeben haben, son­dern sich auch…

  • Die Entropie von Lesen, Denken und Schreiben

    Seit einiger Zeit schwirren mir ein paar Gedanken zum Ver­hält­nis zwis­chen dem Schreiben, dem Lesen, dem Denken und dem Noti­zen-Machen im Kopf herum und welche Rolle die physikalis­che Idee der Entropie spie­len kön­nte, um diese Prozesse und ihre Wech­sel­wirkun­gen bess­er zu ver­ste­hen. Anlass dazu ist der wirk­lich großar­tige Roman Maxwell’s Demon von Steven Hall, um…

  • Auch Kritik kann einen Hype verstärken

    Der Wert von Unternehmen und in gewis­sem Maße auch ihr Umsatz hängt nicht unbe­d­ingt davon ab, welche Leis­tung sie tat­säch­lich erbrin­gen. Er hängt vielmehr in einem hohen Maße davon ab, welche Erwartun­gen ihnen zugeschrieben wer­den. Ein aktuelles Beispiel, das Lee Vin­sel schon 2021 beschreibt, ist die Erzäh­lung von Googles und Face­books gigan­tis­chem Daten­schatz, der es…

  • Notizen: Chokepoint Capitalism von Cory Doctorow, Rebecca Giblin

    Mit ihrem Buch „Choke­point Cap­i­tal­ism“ weisen Rebec­ca Gib­lin und Cory Doc­torow auf eine Eigen­heit des Plat­tformkap­i­tal­is­mus à la Ama­zon oder Google hin, die bish­er mein­er Wahrnehmung nach nicht so klar ange­sprochen wurde: Plat­tfor­men sind bewusst darauf hinen­twick­elt, nicht nur Monop­o­list (also einziger Anbi­eter für ihre Kun­den) zu sein, son­dern gle­ichzeit­ig Monop­son­ist (also einziger Nach­frager für…

  • Neurowissenschaft „übersieht“ PoC

    Natur­wis­senschaften geben sich gerne objek­tiv und von jed­er men­schlichen Verz­er­rung frei. Dabei ist schon lange klar, dass dies keineswegs der Fall ist, son­dern sich auch hier immer und immer wieder Struk­turen find­en, die dafür sor­gen, dass wis­senschaftliche Erken­nt­nisse – ins­beson­dere über den Men­schen – tat­säch­lich nur für eine kleine Gruppe von Men­schen gel­ten; meis­tens weiße…

  • Warum Spotify will, dass wir Playlisten hören

    Die Musikin­dus­trie hat sich in den let­zten Jahrzehn­ten mehrfach grundle­gend gewan­delt: vom Verkauf vom CDs, über den Verkauf von MP3-Dateien hin zum all­ge­gen­wär­ti­gen Stream­ing via Spo­ti­fy und Co. Auch die fun­da­men­tale Ein­heit der Musik hat sich gewan­delt: Auf Schallplat­ten und CDs wur­den in erster Lin­ie ganze Alben verkauft, bevor iTunes den (Ver-)Kauf von einzel­nen Stück­en…

  • Wissensarbeiter sollten ihr Werkzeug ernst nehmen

    Im Ver­gle­ich zwis­chen Wis­sensar­beit und klas­sis­chem Handw­erk, gilt das klas­sis­che Handw­erk oft als weniger „wert“ oder weniger ange­se­hen. Es wird sel­tener in den Medi­en the­ma­tisiert und oft als Selb­stver­ständlichkeit, die zu funk­tion­ieren hat, wahrgenom­men. Daraus resul­tiert dann aber auch, dass Wissensarbeiter:innen die Arbeitsmeth­o­d­en des klas­sis­chen Handw­erks ger­ing schätzen und davon aus­ge­hen, hier wenig für die…

  • Form, Inhalt und „KI“

    Die Diskus­sion um „kün­stliche Intel­li­genz“ hat ger­ade erst wirk­lich ange­fan­gen. Mit der Zuschrei­bung von Intel­li­genz und der Frage nach der aggres­siv­en Grund­hal­tung gegenüber der Welt habe ich zwei Aspek­te bere­its ange­sprochen, ein drit­ter Aspekt ist der Vor­rang von Form gegenüber Inhalt: Die beson­dere Stärke von „Large Lan­guage Mod­els“ liegt darin, einen vorgegebe­nen Inhalt – entwed­er…