- Präsentiert von
- WordPress
-
Wissenschaftliche Revolution im Kern eine pragmatische Wende
Die „wissenschaftliche Revolution“ gilt gemeinhin als der Übergang zu harter und sicherer Wissenschaft, die strenge Messung und Logik an die Stelle hypothetischer Argumentation und allgemeinen Aberglaubens stellt. In ihrem Buch Rules zeigt Lorraine Daston jedoch, dass diese Wende eher pragmatisch war: By the mid-eighteenth century, the sciences had adopted and refined empirical practices originally developed…
-
Rezension: Neongrau von Aikia Mira
In dem Roman Neongrau zeigt Aiki Mira eine faszinierende Zukunftswelt, die einige aktuelle Trends konsequent weitergeht: Mittlerweile ist nicht nur die Jugendkultur, sondern die gesamte Gesellschaft bestimmt von der Gaming-Kultur. Profi-Gamer sind globale Mega-Stars, die ganze Stadien füllen, wenn sie in Tanks mit Neuro-Substrat in virtuellen Welten gegeneinander antreten. VR spielt auch im Alltag der…
-
Rassismus entstand um Sklaverei zu rechtfertigen
Ein zentrales Element der westlichen Ideengeschichte sind die Spannungen zwischen positiven menschlichen Werten wie göttlich geforderter „Moral“ oder menschlich inhärenter „Vernunft“ und dem Streben danach, nicht nur die Natur, sondern auch andere Menschen zu unterwerfen. Für Phillip Blom in seinem Buch Unterwerfung ist es gar die zentrale Aufgabe der westlichen Philosophie gewesen, diese Widersprüche aufzulösen.…
-
Algorithmen ersetzen Paradigmen als dominante Form von „Regeln“
Auf den ersten Blick scheint uns der Begriff „Regel“ relativ klar zu sein. Doch in ihrem Buch Rules: A Short History of What We Live By zeigt die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston auf, dass wir hier mindestens drei Bedeutungen unterscheiden müssen. Zudem hat sich auch die Gewichtung dieser drei Ebenen verändert: Die erste Ebene kommt im…
-
Kanon-Philosophen konnten Neues einbauen ohne Altes zu zerstören
Ein grundlegendes Problem bei unserem Verständnis von Geschichte ist, dass wir sie nur im Rückblick verstehen können und dazu neigen, die heutige Situation als notwendiges Produkt dieser Geschichte zu verstehen und alles andere als ebenso notwendige Zwischenschritte. Dasselbe gilt auch für die Ideengeschichte. Deswegen lohnt sich ein Blick auf die Philosophen (leider fast keine *innen),…
-
Aufklärung löst Trennung zwischen Mensch und Natur nicht auf
Im Gegensatz zur gängigen Interpretation führte die Aufklärung nicht zu einer Ablösung religiöser Ideale und Weltvorstellungen. Sie nahm lediglich das etablierte christliche Weltbild und änderte das rechtfertigende Narrativ. Es blieb bei der scharfen Trennung zwischen „Mensch“ und „Natur“, nur dass das entscheidende Kriterium nicht länger die Seele war, sondern die Vernunft. Auch der Konflikt zwischen…
-
Rezension: Civil Unity von Shola Richards
In seinem Buch Civil Unity stellt Shola Richards dar, wie Höflichkeit und Anstand in der Kommunikation ein wichtiges Mittel sein können, um unsere gesellschaftlichen Spannungen zu reduzieren. Das heißt jedoch nicht, dass Missstände dadurch nicht mehr klar angesprochen und Konflikte auf der Sachebene nicht mit harten Bandagen ausgetragen werden dürften. Er kommt dabei in erster…
-
Rezension: Zeitzuflucht von Georgi Gospodinov
In seinem Roman Zeitzuflucht entwickelt der bulgarische Autor Georgi Gospodinov eine sehr spannende Idee: Seine Hauptfigur Gustín entwickelt eine Möglichkeit, Menschen in gewisser Weise in der Zeit zurückreisen zu lassen, indem man ihnen einen Wohnraum bietet, der einer vergangenen Zeit angepasst ist – mit Möbeln, Produkten, Zeitungen und auch Nachrichten aus dieser Zeit. Anfangs als…
-
Klassische Ökonomie ist eng mit Religion verwandt
In seinem Buch Unterwerfung skizziert Phillip Blom den kapitalistischen Markt als die aktuell dominierende Form, mit deren Hilfe wir Menschen rechtfertigen, uns die Welt zu unterwerfen. Er sieht dabei insbesondere die neoliberale Ökonomie in der besten Tradition der westlichen Kanon-Philosophie – geübt darin, fundamentale Widersprüche rhetorisch zu überdecken: Nach den Apologeten der Religion kamen die…
-
Unterwerfung unter die Maschinen ist logische Konsequenz des westlichen Weltbildes
Wenn wir auf die Entwicklung des westlichen Weltbildes der letzten 2000 Jahre blicken, ist es letztlich nur folgerichtig, dass wir Menschen uns in den letzten rund 250 Jahren immer mehr den Maschinen untergeordnet haben. Und es überrascht auch nicht, dass es mittlerweile en vogue ist, die Zukunft der Menschheit in einer Art Symbiose mit den…
-
Fokuspunkte der Unterwerfung
In seinem Buch „Unterwerfung“ arbeitet Phillip Blom heraus, wie sich die Idee der Unterwerfung durch die westliche Ideengeschichte zieht. Dabei beschreibt er unterschiedliche Kristallisationspunkte dieser Ideologie, die sich historisch gegenseitig abgelöst haben. Sie boten eine Rechtfertigung für die Unterwerfungsprojekte der entsprechenden Epoche. Religion: Hier sieht Blom den Ursprung dieser Ideologie, uns zwar im ersten Schritt…
-
Unsere technologische Infrastruktur ist fragil
Im Sommer 2024 setzte ein Bug in der Software Crowd Strike weltweit unzählige Server außer Gefecht und legte damit unter anderem den globalen Flugverkehr lahm. Für Ed Zitron ist dieses Ereignis ein weiteres Zeichen für den grundlegenden Denkfehler, dem die Technologiebranche insbesondere im Silicon Valley unterliegt: Every problem you see is a result of a…
-
Der Kapitalismus braucht Bullshit Jobs um Umverteilung zu legitimieren
Letztens habe ich hier noch über Mittelmaß im Kapitalismus geschrieben und bin dabei irgendwann auf das Thema Bullshit Jobs gekommen – einen Begriff, den der Anthropologe und Aktivist John Graeber geprägt hat. Wenn man akzeptiert, dass (zu) viele Jobs heutzutage im Kern unnötig sind, stellt sich doch die Frage, warum es dann jemanden gibt, der…
-
Notizen: Rules von Lorraine Daston
Regeln durchziehen nicht unsere modernen Gesellschaften, sondern sind schon immer eine Grundlage menschlichen Zusammenlebens. Doch ihr historische Bedeutung und Interpretation hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Diesem Wandel geht Lorraine Daston in ihrem Buch Rules – A Short History of What We Live By nach: Sie schildert unterschiedliche Arten von Regeln – dicke und…
-
KI verhindert Lernen und zerstört Kompetenz
Die Kunst ist ein Bereich, in dem man besonders gut über die Unterschiede zwischen menschengemachten und maschinell generierten Artefakten nachdenken kann. Dies tut Ted Chiang mal wieder auf seine unnachahmlich pointierte Weise in seinem relativ neuen Artikel Why A.I. Isn’t Going to Make Art. Er schließt dabei unmittelbar an die Argumente an, die ich hier…
-
Gespielt: Trails in the Sky SC von Nihon Falcom
Es kommt nicht wirklich oft vor, dass ich ein Spiel tatsächlich von Anfang bis zum Ende durchspiele. Oft fehlen mir Geduld und/oder Zeit. Doch schon das erste Trails in the Sky FC habe ich entsprechend abgeschlossen und jetzt war auch die Fortsetzung SC dran – mit knapp 50 Stunden Spielzeit auch nicht wirklich kurz. Besonders…
-
Dem Kapitalismus reicht Mittelmaß
In der Diskussion um die Qualität der Ergebnisse von Large Language Models ist eines der zentralen Argumente der Kritiker die unzureichende Zuverlässigkeit, die fehlende Qualität und die Gleichförmigkeit der Ergebnisse. An dieser Stelle kann und will ich auch gar nicht widersprechen – das grundlegende Funktionsprinzip dieser Algorithmen ist es, Muster aus alten Daten auf neue…
-
Ständiger Krieg und Zersplitterung trieben Innovation in Europa
Den Entwicklungsschub, den Europa in der frühen Neuzeit nahm, erklärt Philipp Blom mit der spezifischen politischen Landschaft auf dem Kontinent. Durch die Zersplitterung in viele unterschiedliche Reiche, standen die Herrschenden unter dem kontinuierlichen Druck, auf neue Entwicklungen zu reagieren und sich weiterzuentwickeln – im Gegensatz z. B. zu China: Der Reformdruck war durch die Krise…
-
Bei Konsumgütern gibt es keinen gemeinsamen europäischen Markt
Es ist gefühlt schon ein halbes Leben her, dass ich meine Zeit damit verbracht habe, mir die Europäische Integration im Alltagsleben der Menschen wissenschaftlich anzuschauen. In seinem Krautreporter-Artikel Warum Produkte in anderen Ländern oft besser sind macht Gabriel Yoran jetzt noch eine spannende Perspektive auf, die unmittelbar an die Gedanken in meiner Diss anschließt. Yoran…
-
Europa wurde mächtig, weil es im entscheidenden Moment keine Konkurrenz gab
Beim Blick auf die globale Geschichte stellt sich immer wieder die Frage, warum gerade dieser kleine Wurmfortsatz im westlichen Asien es in kurzer Zeit schaffte, sich einen großen Teil der Welt zu unterwerfen und in den eigenen Dienst zu stellen. Philipp Blom bietet hierfür in seinem Buch „Unterwerfung“ eine einfache Erklärung, die wenig mit irgendeiner…
-
Zwischen Rechtfertigung des Alten und Heterodoxie im Umgang mit dem Wandel
Ein Thema, das sich besonders durch den zweiten Teil des Buches zieht, ist der Umgang mit der Widersprüchlichkeit zwischen neuen, empirisch-basierten wissenschaftlichen Ideen und dem weiterhin vorherrschenden Christentum. Auf der einen Seite gab es einen „moderaten Mainstream“, wie ihn Jonathan Israel nennt, der heute als philosophischer Kanon der wissenschaftlichen Revolution gilt. Autoren wie Renè Descartes…
-
Kapitalismus sorgt nicht für Qualität von Konsumgütern
In seinem Krautreporter-Artikel „Warum Produkte in anderen Ländern oft besser sind“ wirft Gabriel Yoran nicht nur interessante Gedanken zu einem Europäschen Konsumerlebnis auf, sondern formuliert auch pointiert allgemeine Beobachtungen zur Qualität von Konsumgütern in den verschiedenen Ländern. Er beginnt dabei mit dem Punkt, dass die Dynamiken und Anreize der entsprechenden Märkte nicht dazu führen, dass…
-
Deutsche Identität verlangt Unterwerfung unter die Wirtschaft
In einer großen Umfrage zum „Stolz auf das eigene Land“ zeigt sich in Deutschland eine Besonderheit. Hier sind es nicht die Demokratie oder die Kultur, die die meisten Stimmen auf sich vereinen, sondern die Wirtschaft. Extremismusforscher Oliver Decker leitet daraus im Interview mit der taz eine interessante Erklärung für den aktuellen Rechtsrutsch in Deutschland und…
-
Rezension: Angel of Storms von Trudi Canavan
Eine spannende Fortsetzung des ersten Bandes Thief‘sMagic, der einen komplett neuen Blick auf die Welt bietet.Dabei entwickelt Canavan ihre Figuren glaubwürdig weiter und erzählt eine kosmische Geschichte über Macht, Moral und Entscheidungen, die mich als Leser gefesselt hält und zu keinem Zeitpunkt gelangweilt hat. Epische Fantasy, wie sie sein soll.
-
Rezension: Ketzer von Leonardo Padura
Ketzer ist eine ausschweifende Geschichte über den Weg eines Bildes aus der Werkstatt des Malers Rembrandt aus Amsterdam über Polen nach Kuba. Es bietet spannende Einblicke in die jüdischen Gemeinden in Kuba nach dem zweiten Weltkrieg und in Amsterdam Mitte des 17. Jahrhunderts sowie in das Kuba der frühen 2000er Jahre. Dabei ist die Geschichte…
-
Rezension: Thief’s Magic von Trudi Canavan
In ihrem Fantasy-Roman erzählt Trudi Canavan zwei Geschichten aus zwei Welten, in denen Magie eine sehr unterschiedliche Rolle spielt. Wir verfolgen die Flucht des Magieschülers Tyen und begleiten die magiebegabte Rielle in einer Welt, in der nur Priester Magie ausüben dürfen. Dabei widmet sich Canavan in erster Linie der Frage nach dem verbotenen und dem…
-
Notizen: Die Unterwerfung von Philipp Blom
In seinem Buch „Die Unterwerfung“ zeichnet Phillip Blom die Geschichte der Idee nach, es sei die zentrale Aufgabe des Menschen, sich die Welt zu unterwerfen. Die Grundlagen dieses Narrativs sieht Blom in der Entstehung des Judentums, von wo aus es besonders über das Christentum, Aufklärung, Kolonialismus und wissenschaftliche Revolution in den gegenwärtigen Kapitalismus getragen wurde.…
-
Von Luftpumpen und Vögeln
Ein bestimmtes Gemälde von Joseph Wright of Derby zeigt das Verhältnis der Menschen zur beginnenden Industrialisierung und der wissenschaftlichen Revolution: „Das Experiment mit dem Vogel und der Luftpumpe“, das heute in London zu sehen ist. Im Mittelpunkt steht der Vogel in der Glaskugel, aus der rot gekleidete Experimentator nach und nach die Luft heraus lässt.…
-
KI-Kunst ohne Intention
In einem aktuellen Essay beschäftigt sich Cory Doctorow (@pluralistic) damit, warum „Kunst“, die von künstlicher „Intelligenz“ erzeugt wird, sich für ihn seltsam, merkwürdig oder, auf Englisch treffend, eerie anfühlt. Er zitiert hier maßgeblich Henry Farrell bzw. Mark Fisher: „Eeriness“ here is defined as „when there is something present where there should be nothing, or is…
-
Schreiben kann helfen, bessere Entscheidungen zu treffen
Seit ich mich intensiver mit dem Schreiben beschäftige, ist mir klar, dass es beim Denken helfen kann. Bislang habe ich dabei aber in erster Linie an akademisches oder zumindest professionelles Schreiben gedacht. Hier geht es um die Qualität des Arguments auf der sachlichen Ebene – zumindest in erster Linie. Privates Schreiben hatte ich hier in…
-
: Wie Gefühle entstehen von Lisa Feldman Barrett
-
Das Hirn reagiert nicht, es denkt voraus
Es gibt ein klassisches Bild von unserer Wahrnehmung: Danach lösen Impulse von Außen in unseren Sinnesorganen – also z. B. Augen oder Ohren – bestimmte Signale aus, die dann an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet werden. Ein bestimmtes Muster wird dann dort interpretiert und zum Beispiel als Hund oder als Musik interpretiert. In ihrem…
-
Online-Publikationen brauchen Gewicht, um sie zu monetarisieren
Mit der Schwäche von X/Twitter und anderen großen Online-Plattformen sowie journalistischen Angeboten stellt sich die Frage nach einer Neu-Organisation oder zumindest Weiterentwicklung der Landschaft für professionelles und bezahltes Publizieren im Netz. Dabei haben sich in den letzten Jahren zwei Formate gerade für kleinere Angebote als (vorerst) nachhaltig erwiesen: Podcasts und Newsletter. Während Podcasts außerhalb der…
-
Koloniale Vergangenheit ist tief in Gesellschaft verankert
Als jemand, der im „Globalen Norden“ aufgewachsen ist und den Kolonialismus daher in erster Linie aus der Täterperspektive kennt, fällt es mir ein wenig schwer, über das Thema zu schreiben. Gleichzeitig ist unser Umgang mit der kolonialen Vergangenheit fundamental wichtig, wenn wir es ernst damit meinen, eine faire Welt ohne Ausbeutung zu gestalten. Ein sehr…
-
Big Tech hat die Innovation zerstört
Gerade die großen Technologie-Unternehmen brüsten sich ja gerne mit ihrer Innovationsfähigkeit. Doch schon seit gut einem Jahrzehnt zeigt, sich dass die Unternehmen selbst kaum innovative Produkte entwickeln, sondern bestenfalls hinzukaufen. Noch deutlicher wird dies, wenn wir auf die sogenannten „disruptiven“ Innovationen schauen, also solche Entwicklungen, die einen Markt oder eine Branche grundsätzlich umkrempeln. Auch hier…
-
Es gibt keine Fingerabdrücke von Emotionen
Die Idee, dass Emotionen menschlich-universell sind und möglicherweise sogar biologisch determiniert, war eng mit einem bestimmten Ansatz der Erforschung von Emotionen verbunden: der Suche nach ihrem „Fingerabdruck“. Das Ziel war es, einen körperlichen Ausdruck zu finden, der eindeutig mit einer Emotion in Verbindung gebracht werden kann: Ist er vorhanden, liegt immer die Emotion vor, und…
-
Emotionen sind nicht global-universell
Im Gegensatz zu der Untersuchung des menschlichen Bewusstseins war sich die Forschung beim Thema Emotionen lange Zeit ihres Untersuchungsobjektes sehr sicher: Emotionen galten als klar definierte Reaktionen auf die Dinge, die um uns herum geschehen. Untersuchungen mithilfe von Fotos und Listen von Emotionen legten dabei sogar nahe, dass Emotionen menschlich universell sind und unabhängig von…
-
Menschheit als Zwischenschritt zu digitalem Leben
Das naive, technoutopische Weltbild unser Techno-Milliardäre hat nicht nur fragwürdige Grundlagen, sondern propagiert auch ein sehr spezifisches Bild der Zukunft, in der es nicht unbedingt darum geht, das Leben der Menschen zu verbessern. Die Autor*innen Timnit Gebru und Émile P. Torres haben dafür das etwas unhandliche, aber umfassende Kürzel TESCREAL geprägt, das alle problematischen Aspekte…
-
Klassische Science Fiction prägt die Vision der Zukunft
Die Science Fiction ist das einzige Medien-Genre mit einem expliziten Fokus auf die Zukunft – meist die Zukunft der Menschheit. Und so sind insb. ab der Mitte des 20. Jahrhunderts zahlreiche Bilder der Zukunft beschrieben und gezeigt worden, die bis heute unseren Blick auf mögliche Zukünfte prägen. Besonders deutlich wird dieser Einfluss bei einer sehr…
-
Emergenz als Fokusebene einer Erklärung
In dem Spannungsverhältnis zwischen starker und schwacher Emergenz macht Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Consciousness, Free Will, and the Limits of Science einen sehr spannenden Vorschlag, den ich für mich extrem anschlussfähig finde: kausale Emergenz. Der Kerngedanke ist dabei, dass ein System auf der Makroebene zwar auf einer gewissen Ebene…
-
Kann das Ganze mehr sein, als die Summe seiner Teile?
Eine zentrale Grundlage der modernen westlichen Wissenschaft ist der Reduktionismus. Er besagt im Kern, dass ich ein System dadurch verstehen kann, dass ich seine Bestandteile beschreibe. Deshalb untersuchen wir Atome, um Materialien zu verstehen, wir untersuchen Zellen, um Organe zu verstehen und wir blicken auf einzelne Personen, um Gesellschaft zu verstehen. Dieser Perspektive liegt erstmal…
-
Bewusstseinsforschung deutet auf grundlegende Unvollständigkeit der Wissenschaft
Die Schwierigkeiten der Neurowissenschaften, das Bewusstsein zu isolieren und experimentell zu untersuchen, bieten ein weiteres Indiz dafür, dass das grundlegende Versprechen der Wissenschaft, die Welt verstehbar und kontrollierbar zu machen, letztlich nicht einzuhalten ist. So schreibt Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Consciousness, Free Will, and the Limits of Science: I…
-
Bewusstsein lässt sich nicht isolieren
Die wissenschaftliche Erforschung des Bewusstseins hat nicht nur methodische und theoretische Schwierigkeiten, sondern stößt auf ein grundlegendes Problem, bei dem nach wie vor offen ist, ob es sich überhaupt lösen lässt: Wissenschaftliche Untersuchungen und Experimente sind darauf angewiesen, spezifisch definierte Phänomene von all ihren Umgebungsvariablen zu isolieren und dann kontrolliert zu manipulieren. Das Bewusstsein scheint…
-
Podcast: The Knowledge Machine von Michael Strevens
Podcast-Episode zu dem Buch:
-
Videospiele prägen, wie wir andere Weltregionen wahrnehmen
Auch wenn Fernreisen mittlerweile oft erschwinglich sind und schon fast zum guten Ton gehören, gibt es doch viele Menschen, die andere Länder und Weltregionen nur aus den Medien kennen. Und eine Medienform, die in den letzten Jahrzehnten immer relevanter geworden ist und mittlerweile ähnlich wichtig ist wie Filme oder Bücher, sind Videospiele. Entsprechend haben auch…
-
Gute Software kostet mehr
„Billiges“ Geld und die Möglichkeit, Daten und Werbeplätze zu vermarkten, verzerren den Markt für Software. Sie ermöglichen es, Programme anzubieten, die für die Benutzer*innen auf den ersten Blick kostenlos erscheinen, deren Nachteile sich aber erst im Laufe der Zeit zeigen. Und dies meist nicht direkt, sondern – wie Cory Doctorow es so schön beschreibt –…
-
Bewusstseinsforschung hat kein verlässliches Messverfahren
Die Probleme der neurowissenschaftlichen Erforschung des Bewusstseins, ein paradigmatisches Fundament zu finden, ergeben sich auch aus einer grundsätzlichen Schwierigkeit, Bewusstseinsinhalte zuverlässig und jenseits subjektiv gefärbter Wahrnehmung zu messen. Damit fehlt ein grundlegender Schritt in der etablierten wissenschaftlichen Erkenntniskette. Diese setzt darauf, eine Theorie zu nutzen, um konkrete Vorhersagen zu machen, die im Anschluss durch eine…
-
Neurowissenschaft noch prä-paradigmatisch
Die Erforschung des Bewusstseins rückte erst wieder in den Rahmen akzeptierter wissenschaftlicher Arbeit, als sich zwei Wissenschaftler, die zuvor in anderen Disziplinen einen Nobelpreis gewonnen hatten, ihrer annahmen: Francis Crick und Gerald Edelman. Während Crick in erster Linie auf die Korrelation zwischen neuronaler Bildgebung und Bewusstseinsinhalten schaut(e), ging es Edelman in erster Linie um eine…
-
Intelligenz und Bewusstsein sind getrennte Phänomene
An anderer Stelle hatte ich schon mal über die unterschiedliche Ausprägung des Denkens bei Menschen, nicht-menschlichen Tieren und Maschinen nachgedacht. In eine ähnliche Richtung denkt auch Erik Hoel in seinem Artikel The risk of another consciousness winter. Er macht dies an der Trennung zwischen Bewusstsein und Intelligenz fest, wobei er den Grad der Intelligenz von…
-
(Neuro-)Wissenschaft hat Probleme mit der Erforschung von Bewusstsein
Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts galt die Erforschung des Bewusstseins als unwissenschaftlich. Aufgrund seiner Eigenheiten war es der dominierenden externen Perspektive nicht zugänglich. Gerade Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts führten diese Schwierigkeiten dazu, dass faktisch kaum Forschung zu diesem Thema stattfand und vorsichtige Versuche gleichzeitig als unwissenschaftlich abgewertet wurden. So schreibt Erik Hoel…