Vergangenheit, Zukunft und die verrückte Zeit dazwischen

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  • Wissenschaftliche Revolution im Kern eine pragmatische Wende

    Die „wis­senschaftliche Rev­o­lu­tion“ gilt gemein­hin als der Über­gang zu har­ter und sicher­er Wis­senschaft, die strenge Mes­sung und Logik an die Stelle hypo­thetis­ch­er Argu­men­ta­tion und all­ge­meinen Aber­glaubens stellt. In ihrem Buch Rules zeigt Lor­raine Das­ton jedoch, dass diese Wende eher prag­ma­tisch war: By the mid-eigh­teenth cen­tu­ry, the sci­ences had adopt­ed and refined empir­i­cal prac­tices orig­i­nal­ly devel­oped…

  • Rezension: Neongrau von Aikia Mira

    In dem Roman Neon­grau zeigt Aiki Mira eine faszinierende Zukun­ftswelt, die einige aktuelle Trends kon­se­quent weit­erge­ht: Mit­tler­weile ist nicht nur die Jugend­kul­tur, son­dern die gesamte Gesellschaft bes­timmt von der Gam­ing-Kul­tur. Profi-Gamer sind glob­ale Mega-Stars, die ganze Sta­di­en füllen, wenn sie in Tanks mit Neu­ro-Sub­strat in virtuellen Wel­ten gegeneinan­der antreten. VR spielt auch im All­t­ag der…

  • Rassismus entstand um Sklaverei zu rechtfertigen

    Ein zen­trales Ele­ment der west­lichen Ideengeschichte sind die Span­nun­gen zwis­chen pos­i­tiv­en men­schlichen Werten wie göt­tlich gefordert­er „Moral“ oder men­schlich inhärenter „Ver­nun­ft“ und dem Streben danach, nicht nur die Natur, son­dern auch andere Men­schen zu unter­w­er­fen. Für Phillip Blom in seinem Buch Unter­w­er­fung ist es gar die zen­trale Auf­gabe der west­lichen Philoso­phie gewe­sen, diese Wider­sprüche aufzulösen.…

  • Algorithmen ersetzen Paradigmen als dominante Form von „Regeln“

    Auf den ersten Blick scheint uns der Begriff „Regel“ rel­a­tiv klar zu sein. Doch in ihrem Buch Rules: A Short His­to­ry of What We Live By zeigt die Wis­senschaft­shis­torik­erin Lor­raine Das­ton auf, dass wir hier min­destens drei Bedeu­tun­gen unter­schei­den müssen. Zudem hat sich auch die Gewich­tung dieser drei Ebe­nen verän­dert: Die erste Ebene kommt im…

  • Kanon-Philosophen konnten Neues einbauen ohne Altes zu zerstören

    Ein grundle­gen­des Prob­lem bei unserem Ver­ständ­nis von Geschichte ist, dass wir sie nur im Rück­blick ver­ste­hen kön­nen und dazu neigen, die heutige Sit­u­a­tion als notwendi­ges Pro­dukt dieser Geschichte zu ver­ste­hen und alles andere als eben­so notwendi­ge Zwis­chen­schritte. Das­selbe gilt auch für die Ideengeschichte. Deswe­gen lohnt sich ein Blick auf die Philosophen (lei­der fast keine *innen),…

  • Aufklärung löst Trennung zwischen Mensch und Natur nicht auf

    Im Gegen­satz zur gängi­gen Inter­pre­ta­tion führte die Aufk­lärung nicht zu ein­er Ablö­sung religiös­er Ide­ale und Weltvorstel­lun­gen. Sie nahm lediglich das etablierte christliche Welt­bild und änderte das recht­fer­ti­gende Nar­ra­tiv. Es blieb bei der schar­fen Tren­nung zwis­chen „Men­sch“ und „Natur“, nur dass das entschei­dende Kri­teri­um nicht länger die Seele war, son­dern die Ver­nun­ft. Auch der Kon­flikt zwis­chen…

  • Rezension: Civil Unity von Shola Richards

    In seinem Buch Civ­il Uni­ty stellt Shola Richards dar, wie Höflichkeit und Anstand in der Kom­mu­nika­tion ein wichtiges Mit­tel sein kön­nen, um unsere gesellschaftlichen Span­nun­gen zu reduzieren. Das heißt jedoch nicht, dass Missstände dadurch nicht mehr klar ange­sprochen und Kon­flik­te auf der Sachebene nicht mit harten Ban­da­gen aus­ge­tra­gen wer­den dürften. Er kommt dabei in erster…

  • Rezension: Zeitzuflucht von Georgi Gospodinov

    In seinem Roman Zeitzu­flucht entwick­elt der bul­gar­ische Autor Geor­gi Gospodi­nov eine sehr span­nende Idee: Seine Haupt­fig­ur Gustín entwick­elt eine Möglichkeit, Men­schen in gewiss­er Weise in der Zeit zurück­reisen zu lassen, indem man ihnen einen Wohn­raum bietet, der ein­er ver­gan­genen Zeit angepasst ist – mit Möbeln, Pro­duk­ten, Zeitun­gen und auch Nachricht­en aus dieser Zeit. Anfangs als…

  • Klassische Ökonomie ist eng mit Religion verwandt

    In seinem Buch Unter­w­er­fung skizziert Phillip Blom den kap­i­tal­is­tis­chen Markt als die aktuell dominierende Form, mit deren Hil­fe wir Men­schen recht­fer­ti­gen, uns die Welt zu unter­w­er­fen. Er sieht dabei ins­beson­dere die neolib­erale Ökonomie in der besten Tra­di­tion der west­lichen Kanon-Philoso­phie – geübt darin, fun­da­men­tale Wider­sprüche rhetorisch zu überdeck­en: Nach den Apolo­geten der Reli­gion kamen die…

  • Unterwerfung unter die Maschinen ist logische Konsequenz des westlichen Weltbildes

    Wenn wir auf die Entwick­lung des west­lichen Welt­bildes der let­zten 2000 Jahre blick­en, ist es let­ztlich nur fol­gerichtig, dass wir Men­schen uns in den let­zten rund 250 Jahren immer mehr den Maschi­nen unter­ge­ord­net haben. Und es über­rascht auch nicht, dass es mit­tler­weile en vogue ist, die Zukun­ft der Men­schheit in ein­er Art Sym­biose mit den…

  • Fokuspunkte der Unterwerfung

    In seinem Buch „Unter­w­er­fung“ arbeit­et Phillip Blom her­aus, wie sich die Idee der Unter­w­er­fung durch die west­liche Ideengeschichte zieht. Dabei beschreibt er unter­schiedliche Kristalli­sa­tion­spunk­te dieser Ide­olo­gie, die sich his­torisch gegen­seit­ig abgelöst haben. Sie boten eine Recht­fer­ti­gung für die Unter­w­er­fung­spro­jek­te der entsprechen­den Epoche. Reli­gion: Hier sieht Blom den Ursprung dieser Ide­olo­gie, uns zwar im ersten Schritt…

  • Unsere technologische Infrastruktur ist fragil

    Im Som­mer 2024 set­zte ein Bug in der Soft­ware Crowd Strike weltweit unzäh­lige Serv­er außer Gefecht und legte damit unter anderem den glob­alen Flugverkehr lahm. Für Ed Zitron ist dieses Ereig­nis ein weit­eres Zeichen für den grundle­gen­den Denk­fehler, dem die Tech­nolo­giebranche ins­beson­dere im Sil­i­con Val­ley unter­liegt: Every prob­lem you see is a result of a…

  • Der Kapitalismus braucht Bullshit Jobs um Umverteilung zu legitimieren

    Let­ztens habe ich hier noch über Mit­tel­maß im Kap­i­tal­is­mus geschrieben und bin dabei irgend­wann auf das The­ma Bull­shit Jobs gekom­men – einen Begriff, den der Anthro­pologe und Aktivist John Grae­ber geprägt hat. Wenn man akzep­tiert, dass (zu) viele Jobs heutzu­tage im Kern unnötig sind, stellt sich doch die Frage, warum es dann jeman­den gibt, der…

  • Notizen: Rules von Lorraine Daston

    Regeln durchziehen nicht unsere mod­er­nen Gesellschaften, son­dern sind schon immer eine Grund­lage men­schlichen Zusam­men­lebens. Doch ihr his­torische Bedeu­tung und Inter­pre­ta­tion hat sich im Laufe der Zeit gewan­delt. Diesem Wan­del geht Lor­raine Das­ton in ihrem Buch Rules – A Short His­to­ry of What We Live By nach: Sie schildert unter­schiedliche Arten von Regeln – dicke und…

  • KI verhindert Lernen und zerstört Kompetenz

    Die Kun­st ist ein Bere­ich, in dem man beson­ders gut über die Unter­schiede zwis­chen men­schengemacht­en und maschinell gener­ierten Arte­fak­ten nach­denken kann. Dies tut Ted Chi­ang mal wieder auf seine unnachahm­lich pointierte Weise in seinem rel­a­tiv neuen Artikel Why A.I. Isn’t Going to Make Art. Er schließt dabei unmit­tel­bar an die Argu­mente an, die ich hier…

  • Gespielt: Trails in the Sky SC von Nihon Falcom

    Es kommt nicht wirk­lich oft vor, dass ich ein Spiel tat­säch­lich von Anfang bis zum Ende durch­spiele. Oft fehlen mir Geduld und/oder Zeit. Doch schon das erste Trails in the Sky FC habe ich entsprechend abgeschlossen und jet­zt war auch die Fort­set­zung SC dran – mit knapp 50 Stun­den Spielzeit auch nicht wirk­lich kurz. Beson­ders…

  • Dem Kapitalismus reicht Mittelmaß

    In der Diskus­sion um die Qual­ität der Ergeb­nisse von Large Lan­guage Mod­els ist eines der zen­tralen Argu­mente der Kri­tik­er die unzure­ichende Zuver­läs­sigkeit, die fehlende Qual­ität und die Gle­ich­för­migkeit der Ergeb­nisse. An dieser Stelle kann und will ich auch gar nicht wider­sprechen – das grundle­gende Funk­tion­sprinzip dieser Algo­rith­men ist es, Muster aus alten Dat­en auf neue…

  • Ständiger Krieg und Zersplitterung trieben Innovation in Europa

    Den Entwick­lungss­chub, den Europa in der frühen Neuzeit nahm, erk­lärt Philipp Blom mit der spez­i­fis­chen poli­tis­chen Land­schaft auf dem Kon­ti­nent. Durch die Zer­split­terung in viele unter­schiedliche Reiche, standen die Herrschen­den unter dem kon­tinuier­lichen Druck, auf neue Entwick­lun­gen zu reagieren und sich weit­erzuen­twick­eln – im Gegen­satz z. B. zu Chi­na: Der Refor­m­druck war durch die Krise…

  • Bei Konsumgütern gibt es keinen gemeinsamen europäischen Markt

    Es ist gefühlt schon ein halbes Leben her, dass ich meine Zeit damit ver­bracht habe, mir die Europäis­che Inte­gra­tion im All­t­agsleben der Men­schen wis­senschaftlich anzuschauen. In seinem Krautre­porter-Artikel Warum Pro­duk­te in anderen Län­dern oft bess­er sind macht Gabriel Yoran jet­zt noch eine span­nende Per­spek­tive auf, die unmit­tel­bar an die Gedanken in mein­er Diss anschließt. Yoran…

  • Europa wurde mächtig, weil es im entscheidenden Moment keine Konkurrenz gab

    Beim Blick auf die glob­ale Geschichte stellt sich immer wieder die Frage, warum ger­ade dieser kleine Wurm­fort­satz im west­lichen Asien es in kurz­er Zeit schaffte, sich einen großen Teil der Welt zu unter­w­er­fen und in den eige­nen Dienst zu stellen. Philipp Blom bietet hier­für in seinem Buch „Unter­w­er­fung“ eine ein­fache Erk­lärung, die wenig mit irgen­dein­er…

  • Zwischen Rechtfertigung des Alten und Heterodoxie im Umgang mit dem Wandel

    Ein The­ma, das sich beson­ders durch den zweit­en Teil des Buch­es zieht, ist der Umgang mit der Wider­sprüch­lichkeit zwis­chen neuen, empirisch-basierten wis­senschaftlichen Ideen und dem weit­er­hin vorherrschen­den Chris­ten­tum. Auf der einen Seite gab es einen „mod­er­at­en Main­stream“, wie ihn Jonathan Israel nen­nt, der heute als philosophis­ch­er Kanon der wis­senschaftlichen Rev­o­lu­tion gilt. Autoren wie Renè Descartes…

  • Kapitalismus sorgt nicht für Qualität von Konsumgütern

    In seinem Krautre­porter-Artikel „Warum Pro­duk­te in anderen Län­dern oft bess­er sind“ wirft Gabriel Yoran nicht nur inter­es­sante Gedanken zu einem Europäschen Kon­sumer­leb­nis auf, son­dern for­muliert auch pointiert all­ge­meine Beobach­tun­gen zur Qual­ität von Kon­sumgütern in den ver­schiede­nen Län­dern. Er begin­nt dabei mit dem Punkt, dass die Dynamiken und Anreize der entsprechen­den Märk­te nicht dazu führen, dass…

  • Deutsche Identität verlangt Unterwerfung unter die Wirtschaft

    In ein­er großen Umfrage zum „Stolz auf das eigene Land“ zeigt sich in Deutsch­land eine Beson­der­heit. Hier sind es nicht die Demokratie oder die Kul­tur, die die meis­ten Stim­men auf sich vere­inen, son­dern die Wirtschaft. Extrem­is­mus­forsch­er Oliv­er Deck­er leit­et daraus im Inter­view mit der taz eine inter­es­sante Erk­lärung für den aktuellen Recht­srutsch in Deutsch­land und…

  • Rezension: Angel of Storms von Trudi Canavan

    Eine span­nende Fort­set­zung des ersten Ban­des Thief‘sMagic, der einen kom­plett neuen Blick auf die Welt bietet.Dabei entwick­elt Cana­van ihre Fig­uren glaub­würdig weit­er und erzählt eine kos­mis­che Geschichte über Macht, Moral und Entschei­dun­gen, die mich als Leser gefes­selt hält und zu keinem Zeit­punkt gelang­weilt hat. Epis­che Fan­ta­sy, wie sie sein soll.

  • Rezension: Ketzer von Leonardo Padura

    Ket­zer ist eine auss­chweifende Geschichte über den Weg eines Bildes aus der Werk­statt des Malers Rem­brandt aus Ams­ter­dam über Polen nach Kuba. Es bietet span­nende Ein­blicke in die jüdis­chen Gemein­den in Kuba nach dem zweit­en Weltkrieg und in Ams­ter­dam Mitte des 17. Jahrhun­derts sowie in das Kuba der frühen 2000er Jahre. Dabei ist die Geschichte…

  • Rezension: Thief’s Magic von Trudi Canavan

    In ihrem Fan­ta­sy-Roman erzählt Tru­di Cana­van zwei Geschicht­en aus zwei Wel­ten, in denen Magie eine sehr unter­schiedliche Rolle spielt. Wir ver­fol­gen die Flucht des Magi­eschülers Tyen und begleit­en die magiebe­gabte Rielle in ein­er Welt, in der nur Priester Magie ausüben dür­fen. Dabei wid­met sich Cana­van in erster Lin­ie der Frage nach dem ver­bote­nen und dem…

  • Notizen: Die Unterwerfung von Philipp Blom

    In seinem Buch „Die Unter­w­er­fung“ zeich­net Phillip Blom die Geschichte der Idee nach, es sei die zen­trale Auf­gabe des Men­schen, sich die Welt zu unter­w­er­fen. Die Grund­la­gen dieses Nar­ra­tivs sieht Blom in der Entste­hung des Juden­tums, von wo aus es beson­ders über das Chris­ten­tum, Aufk­lärung, Kolo­nial­is­mus und wis­senschaftliche Rev­o­lu­tion in den gegen­wär­ti­gen Kap­i­tal­is­mus getra­gen wurde.…

  • Von Luftpumpen und Vögeln

    Ein bes­timmtes Gemälde von Joseph Wright of Der­by zeigt das Ver­hält­nis der Men­schen zur begin­nen­den Indus­tri­al­isierung und der wis­senschaftlichen Rev­o­lu­tion: „Das Exper­i­ment mit dem Vogel und der Luft­pumpe“, das heute in Lon­don zu sehen ist. Im Mit­telpunkt ste­ht der Vogel in der Glaskugel, aus der rot gek­lei­dete Exper­i­men­ta­tor nach und nach die Luft her­aus lässt.…

  • KI-Kunst ohne Intention

    In einem aktuellen Essay beschäftigt sich Cory Doc­torow (@plu­ral­is­tic) damit, warum „Kun­st“, die von kün­stlich­er „Intel­li­genz“ erzeugt wird, sich für ihn selt­sam, merk­würdig oder, auf Englisch tre­f­fend, eerie anfühlt. Er zitiert hier maßge­blich Hen­ry Far­rell bzw. Mark Fish­er: „Eeri­ness“ here is defined as „when there is some­thing present where there should be noth­ing, or is…

  • Schreiben kann helfen, bessere Entscheidungen zu treffen

    Seit ich mich inten­siv­er mit dem Schreiben beschäftige, ist mir klar, dass es beim Denken helfen kann. Bis­lang habe ich dabei aber in erster Lin­ie an akademis­ches oder zumin­d­est pro­fes­sionelles Schreiben gedacht. Hier geht es um die Qual­ität des Argu­ments auf der sach­lichen Ebene – zumin­d­est in erster Lin­ie. Pri­vates Schreiben hat­te ich hier in…

  • : Wie Gefühle entstehen von Lisa Feldman Barrett

  • Das Hirn reagiert nicht, es denkt voraus

    Es gibt ein klas­sis­ches Bild von unser­er Wahrnehmung: Danach lösen Impulse von Außen in unseren Sin­nesor­ga­nen – also z. B. Augen oder Ohren – bes­timmte Sig­nale aus, die dann an das Gehirn weit­ergeleit­et und dort ver­ar­beit­et wer­den. Ein bes­timmtes Muster wird dann dort inter­pretiert und zum Beispiel als Hund oder als Musik inter­pretiert. In ihrem…

  • Online-Publikationen brauchen Gewicht, um sie zu monetarisieren

    Mit der Schwäche von X/Twitter und anderen großen Online-Plat­tfor­men sowie jour­nal­is­tis­chen Ange­boten stellt sich die Frage nach ein­er Neu-Organ­i­sa­tion oder zumin­d­est Weit­er­en­twick­lung der Land­schaft für pro­fes­sionelles und bezahltes Pub­lizieren im Netz. Dabei haben sich in den let­zten Jahren zwei For­mate ger­ade für kleinere Ange­bote als (vor­erst) nach­haltig erwiesen: Pod­casts und Newslet­ter. Während Pod­casts außer­halb der…

  • Koloniale Vergangenheit ist tief in Gesellschaft verankert

    Als jemand, der im „Glob­alen Nor­den“ aufgewach­sen ist und den Kolo­nial­is­mus daher in erster Lin­ie aus der Täter­per­spek­tive ken­nt, fällt es mir ein wenig schw­er, über das The­ma zu schreiben. Gle­ichzeit­ig ist unser Umgang mit der kolo­nialen Ver­gan­gen­heit fun­da­men­tal wichtig, wenn wir es ernst damit meinen, eine faire Welt ohne Aus­beu­tung zu gestal­ten. Ein sehr…

  • Big Tech hat die Innovation zerstört

    Ger­ade die großen Tech­nolo­gie-Unternehmen brüsten sich ja gerne mit ihrer Inno­va­tions­fähigkeit. Doch schon seit gut einem Jahrzehnt zeigt, sich dass die Unternehmen selb­st kaum inno­v­a­tive Pro­duk­te entwick­eln, son­dern besten­falls hinzukaufen. Noch deut­lich­er wird dies, wenn wir auf die soge­nan­nten „dis­rup­tiv­en“ Inno­va­tio­nen schauen, also solche Entwick­lun­gen, die einen Markt oder eine Branche grund­sät­zlich umkrem­peln. Auch hier…

  • Es gibt keine Fingerabdrücke von Emotionen

    Die Idee, dass Emo­tio­nen men­schlich-uni­versell sind und möglicher­weise sog­ar biol­o­gisch deter­miniert, war eng mit einem bes­timmten Ansatz der Erforschung von Emo­tio­nen ver­bun­den: der Suche nach ihrem „Fin­ger­ab­druck“. Das Ziel war es, einen kör­per­lichen Aus­druck zu find­en, der ein­deutig mit ein­er Emo­tion in Verbindung gebracht wer­den kann: Ist er vorhan­den, liegt immer die Emo­tion vor, und…

  • Emotionen sind nicht global-universell

    Im Gegen­satz zu der Unter­suchung des men­schlichen Bewusst­seins war sich die Forschung beim The­ma Emo­tio­nen lange Zeit ihres Unter­suchung­sob­jek­tes sehr sich­er: Emo­tio­nen gal­ten als klar definierte Reak­tio­nen auf die Dinge, die um uns herum geschehen. Unter­suchun­gen mith­il­fe von Fotos und Lis­ten von Emo­tio­nen legten dabei sog­ar nahe, dass Emo­tio­nen men­schlich uni­versell sind und unab­hängig von…

  • Menschheit als Zwischenschritt zu digitalem Leben

    Das naive, tech­noutopis­che Welt­bild unser Tech­no-Mil­liardäre hat nicht nur frag­würdi­ge Grund­la­gen, son­dern propagiert auch ein sehr spez­i­fis­ches Bild der Zukun­ft, in der es nicht unbe­d­ingt darum geht, das Leben der Men­schen zu verbessern. Die Autor*innen Timnit Gebru und Émile P. Tor­res haben dafür das etwas unhan­dliche, aber umfassende Kürzel TESCREAL geprägt, das alle prob­lema­tis­chen Aspek­te…

  • Klassische Science Fiction prägt die Vision der Zukunft

    Die Sci­ence Fic­tion ist das einzige Medi­en-Genre mit einem expliziten Fokus auf die Zukun­ft – meist die Zukun­ft der Men­schheit. Und so sind insb. ab der Mitte des 20. Jahrhun­derts zahlre­iche Bilder der Zukun­ft beschrieben und gezeigt wor­den, die bis heute unseren Blick auf mögliche Zukün­fte prä­gen. Beson­ders deut­lich wird dieser Ein­fluss bei ein­er sehr…

  • Emergenz als Fokusebene einer Erklärung

    In dem Span­nungsver­hält­nis zwis­chen stark­er und schwach­er Emer­genz macht Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Con­scious­ness, Free Will, and the Lim­its of Sci­ence einen sehr span­nen­den Vorschlag, den ich für mich extrem anschlussfähig finde: kausale Emer­genz. Der Kerngedanke ist dabei, dass ein Sys­tem auf der Makroebene zwar auf ein­er gewis­sen Ebene…

  • Kann das Ganze mehr sein, als die Summe seiner Teile?

    Eine zen­trale Grund­lage der mod­er­nen west­lichen Wis­senschaft ist der Reduk­tion­is­mus. Er besagt im Kern, dass ich ein Sys­tem dadurch ver­ste­hen kann, dass ich seine Bestandteile beschreibe. Deshalb unter­suchen wir Atome, um Mate­ri­alien zu ver­ste­hen, wir unter­suchen Zellen, um Organe zu ver­ste­hen und wir blick­en auf einzelne Per­so­n­en, um Gesellschaft zu ver­ste­hen. Dieser Per­spek­tive liegt erst­mal…

  • Bewusstseinsforschung deutet auf grundlegende Unvollständigkeit der Wissenschaft

    Die Schwierigkeit­en der Neu­rowis­senschaften, das Bewusst­sein zu isolieren und exper­i­mentell zu unter­suchen, bieten ein weit­eres Indiz dafür, dass das grundle­gende Ver­sprechen der Wis­senschaft, die Welt ver­ste­hbar und kon­trol­lier­bar zu machen, let­ztlich nicht einzuhal­ten ist. So schreibt Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Con­scious­ness, Free Will, and the Lim­its of Sci­ence: I…

  • Bewusstsein lässt sich nicht isolieren

    Die wis­senschaftliche Erforschung des Bewusst­seins hat nicht nur method­is­che und the­o­retis­che Schwierigkeit­en, son­dern stößt auf ein grundle­gen­des Prob­lem, bei dem nach wie vor offen ist, ob es sich über­haupt lösen lässt: Wis­senschaftliche Unter­suchun­gen und Exper­i­mente sind darauf angewiesen, spez­i­fisch definierte Phänomene von all ihren Umge­bungsvari­ablen zu isolieren und dann kon­trol­liert zu manip­ulieren. Das Bewusst­sein scheint…

  • Podcast: The Knowledge Machine von Michael Strevens

    Podcast-Episode zu dem Buch:

  • Videospiele prägen, wie wir andere Weltregionen wahrnehmen

    Auch wenn Fer­n­reisen mit­tler­weile oft erschwinglich sind und schon fast zum guten Ton gehören, gibt es doch viele Men­schen, die andere Län­der und Wel­tre­gio­nen nur aus den Medi­en ken­nen. Und eine Medi­en­form, die in den let­zten Jahrzehn­ten immer rel­e­van­ter gewor­den ist und mit­tler­weile ähn­lich wichtig ist wie Filme oder Büch­er, sind Videospiele. Entsprechend haben auch…

  • Gute Software kostet mehr

    „Bil­liges“ Geld und die Möglichkeit, Dat­en und Wer­be­plätze zu ver­mark­ten, verz­er­ren den Markt für Soft­ware. Sie ermöglichen es, Pro­gramme anzu­bi­eten, die für die Benutzer*innen auf den ersten Blick kosten­los erscheinen, deren Nachteile sich aber erst im Laufe der Zeit zeigen. Und dies meist nicht direkt, son­dern – wie Cory Doc­torow es so schön beschreibt –…

  • Bewusstseinsforschung hat kein verlässliches Messverfahren

    Die Prob­leme der neu­rowis­senschaftlichen Erforschung des Bewusst­seins, ein par­a­dig­ma­tis­ches Fun­da­ment zu find­en, ergeben sich auch aus ein­er grund­sät­zlichen Schwierigkeit, Bewusst­seinsin­halte zuver­läs­sig und jen­seits sub­jek­tiv gefärbter Wahrnehmung zu messen. Damit fehlt ein grundle­gen­der Schritt in der etablierten wis­senschaftlichen Erken­nt­niskette. Diese set­zt darauf, eine The­o­rie zu nutzen, um konkrete Vorher­sagen zu machen, die im Anschluss durch eine…

  • Neurowissenschaft noch prä-paradigmatisch

    Die Erforschung des Bewusst­seins rück­te erst wieder in den Rah­men akzep­tiert­er wis­senschaftlich­er Arbeit, als sich zwei Wis­senschaftler, die zuvor in anderen Diszi­plinen einen Nobel­preis gewon­nen hat­ten, ihrer annah­men: Fran­cis Crick und Ger­ald Edel­man. Während Crick in erster Lin­ie auf die Kor­re­la­tion zwis­chen neu­ronaler Bildge­bung und Bewusst­seinsin­hal­ten schaut(e), ging es Edel­man in erster Lin­ie um eine…

  • Intelligenz und Bewusstsein sind getrennte Phänomene

    An ander­er Stelle hat­te ich schon mal über die unter­schiedliche Aus­prä­gung des Denkens bei Men­schen, nicht-men­schlichen Tieren und Maschi­nen nachgedacht. In eine ähn­liche Rich­tung denkt auch Erik Hoel in seinem Artikel The risk of anoth­er con­scious­ness win­ter. Er macht dies an der Tren­nung zwis­chen Bewusst­sein und Intel­li­genz fest, wobei er den Grad der Intel­li­genz von…

  • (Neuro-)Wissenschaft hat Probleme mit der Erforschung von Bewusstsein

    Über weite Streck­en des 20. Jahrhun­derts galt die Erforschung des Bewusst­seins als unwis­senschaftlich. Auf­grund sein­er Eigen­heit­en war es der dominieren­den exter­nen Per­spek­tive nicht zugänglich. Ger­ade Anfang und Mitte des 20. Jahrhun­derts führten diese Schwierigkeit­en dazu, dass fak­tisch kaum Forschung zu diesem The­ma stat­tfand und vor­sichtige Ver­suche gle­ichzeit­ig als unwis­senschaftlich abgew­ertet wur­den. So schreibt Erik Hoel…