Vergangenheit, Zukunft und die verrückte Zeit dazwischen

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  • Lieber reguliert werden als konkurrieren müssen

    Bleiben wir mal noch bei dem The­ma, dass Kapitalist*innen sich nicht wirk­lich einem fairen Wet­tbe­werb stellen wollen: Ein weit­er­er span­nen­der Mech­a­nis­mus, wie sie ver­hin­dern kön­nen, dass andere – ins­beson­dere neu gegrün­dete – Unternehmen ihnen ihre Mark­tan­teile stre­it­ig machen, span­nt den Staat als Erfül­lungs­ge­hil­fen ein. Für große Monop­o­lis­ten kann es näm­lich äußerst nüt­zlich sein, wenn der…

  • Profitgetriebene Inflation in der Krise

    Neben dem Krieg in der Ukraine war die darauf fol­gende Infla­tion eines der größten medi­alen The­men des let­zten Jahres. Auf den Ein­marsch Rus­s­lands in die Ukraine fol­gte unter anderem eine Berichter­stat­tung, die vor steigen­den Preisen im Rest der Welt warnte – ins­beson­dere natür­lich in den unmit­tel­bar betrof­fe­nen Bere­ichen: fos­sile Energie, weil ein Großteil unser­er Brennstoffe…

  • Schreiben kann uns verwandeln – aber nur ohne KI

    Dem Schreiben kommt eine ganz beson­dere Rolle zu, wenn es um das präzise und struk­turi­erte Denken geht. Es kann uns beim unmit­tel­baren Denken helfen, die Struk­tur unseres Denkens sta­bil­isieren und dazu dienen, ein Archiv eigen­er und fremder Gedanken anzule­gen. Auf jeden Fall ist das Schreiben jedoch ein höchst per­sön­lich­er Akt, der uns hil­ft, Dinge zu…

  • Marktmacht nach oben und unten

    In Ihrem Buch Choke­point Cap­i­tal­ism beschreiben Rebec­ca Gib­lin und Cory Doc­torow einen sehr span­nen­den Mech­a­nis­mus, wie sich dig­i­tale Plat­tfor­men wie Ama­zon, aber auch Apple, Spo­ti­fy oder Google in eine sehr spez­i­fis­che und extrem lukra­tive Mark­t­po­si­tion manövri­eren kon­nten: Bei der Reg­ulierung von Märk­ten set­zen die Behör­den in erster Lin­ie darauf, „Mono­pole“ zu ver­hin­dern, also Märk­te, in…

  • Kapitalismus ohne Wettbewerb

    Eine der grundle­gen­den Ideen des Kap­i­tal­is­mus ist der möglichst freie Wet­tbe­werb zwis­chen Unternehmen, zwis­chen Per­so­n­en, zwis­chen Pro­duk­ten und zwis­chen Ideen. Im Spiel von Ange­bot und Nach­frage entste­ht dann, mod­eriert durch den Preis, eine effiziente Verteilung der knap­pen Ressourcen. Diese Idee geht aus von Adam Smith, nahm ihren Weg über die math­e­ma­tisch-abstrak­ten Mod­elle der neo-klas­sis­chen Wirtschaftswis­senschaften…

  • Es braucht Berührung, Selbstwirksamkeit und Verwandlung

    Hart­mut Rosas Über­legun­gen zur Unver­füg­barkeit und der Aggres­sion, mit der wir der Welt gegenüber treten, führen ihn schließlich zu drei Momenten, die für eine echte Res­o­nanzbeziehung notwendig sind: die Berührung, die Selb­st­wirk­samkeit und die Ver­wand­lung. Eine echte Berührung im Sinne Rosas set­zt voraus, dass wir uns nicht mit einem eige­nen Plan, eige­nen Zie­len oder unser­er…

  • Erst verstehen, dann abschaffen

    In jedem Bere­ich gibt es die Reformer*innen, die am lieb­sten alles Alte abschaf­fen und durch Neues erset­zen möcht­en. Dabei sind es beson­ders die Dinge, die aus heutiger Per­spek­tive vol­lkom­men sinn­los wirken, welche als Erste dem Reformeifer zu Opfer fall­en. Dass ein der­ar­tiges Vorge­hen eine schlechte Idee sein kann, beschreibt der britis­che Autor G. K. Chester­ton…

  • Infrastruktur als Grundlage sozialen Lebens

    Ging es gestern noch um den juris­tis­chen Zwill­ing der Welt, wen­den wir uns heute im Grunde genau dem Gegen­teil zu: der man­i­festen Infra­struk­tur, die das Leben in Teilen der Welt so kom­fort­a­bel und so sich­er macht. In ihrem äußerst lesenswerten Artikel Care at Scale beschreibt Deb­bie Chachra, dass Infra­struk­tur – wie z. B. die Wasserver­sorgung…

  • Die Welt und ihr juristischer Zwilling

    Es ist eine etablierte rhetorische und konzep­tionelle Fig­ur, von einem dig­i­tal­en Zwill­ing der Welt zu sprechen. Armin Nasse­hi nutzt diesen Gedanken beispiel­sweise in seinem Buch Muster: Er beschreibt damit, dass wir immer mehr dig­i­tale Dat­en sam­meln und unsere Entschei­dun­gen und unser Han­deln in der Welt dann auf diesen Dat­en basieren: Kred­ite wer­den auf der Grund­lage…

  • Wir stehen der Welt aggressiv gegenüber

    Einen Punkt aus den Über­legun­gen zu Res­o­nanz und Unver­füg­barkeit aus dem Buch von Hart­mut Rosa möchte ich hier nochmal auf­greifen und ver­tiefen: Unser gestörtes Ver­hält­nis zur Welt, das uns dazu treibt, die Welt mehr und mehr unter unsere Kon­trolle brin­gen zu wollen. Rosa beschreibt, wie wir uns in eine Sit­u­a­tion manövri­ert haben, in der es…

  • Von Erwartungen und Intelligenz

    Dieses Jahr kann ich lei­der mal wieder nicht auf der re:publica in Berlin sein. Doch glück­licher­weise kann man viele der inter­es­san­ten Ideen und The­men, die dort disku­tiert wer­den, auch vom heimis­chen Schreibtisch ver­fol­gen. Heute wurde mir da in erster Lin­ie dieser äußerst inter­es­sante Vor­trag des selb­sterk­lärten „Lud­diten“ tante in die Time­line gespült. Tante ist in…

  • Auch Wissensarbeit braucht Training

    Ein beliebter Vor­wurf gegenüber der Schule ist, dass schein­bar sinnlose Wieder­holen grundle­gen­der Tätigkeit­en, wie zum Beispiel das Abschreiben eines Textes oder das Auswendigler­nen eines Gedichts. Vielle­icht kann man diese Punk­te aber auch ein wenig anders fra­men: Wenn Sportler*innen oder Musiker*innen trainieren – egal auf welchem Niveau – nutzen sie immer auch Übun­gen, die grundle­gende Bewe­gungsabläufe…

  • Entropie, Emergenz und Zeit

    Zwei der span­nend­sten wis­senschaftlichen Konzepte, die mir bis­lang über den Weg gelaufen sind, sind Entropie und Emer­genz. Dabei beschreibt die Entropie in der Physik das Maß der „Unord­nung“ in einem Sys­tem – beispiel­sweise das Chaos in ein­er Legok­iste. Emer­genz hinge­gen beschreibt einen Prozess, bei dem aus ein­er Samm­lung von Teilen etwas Größeres entste­ht, das sich…

  • Resonanz setzt Unverfügbarkeit voraus

    In seinem Buch Unver­füg­barkeit schreibt Hart­mut Rosa, dass unsere gesamte mod­erne Gesellschaft darauf aus­gerichtet ist, die Welt ver­füg­bar zu machen, sie zu kon­trol­lieren und sie geplant in unserem Sinne nutzen zu kön­nen. Gle­ichzeit­ig set­zt die eben­falls von Rosa aus­führlich beschriebene Res­o­nanz zwin­gend ein gewiss­es Maß an „Unver­füg­barkeit“ voraus: Res­o­nanz entste­ht für ihn daraus, dass wir…

  • Schreiben für Blogs und Zettelkästen

    Gestern ist mir mal wieder ein span­nen­der Gedanke dazu über den Weg gelaufen, wie ich das Schreiben und das Denken bess­er in meinen All­t­ag inte­gri­ert bekomme: Jack Ivers schreibt in seinem Post How To Write Every­day über Matthias Otts Beitrag Writ­ing, Frag­ments and the Memex Method, der sich wiederum Cory Doc­torows Text The Memex Method…

  • Auch Fußballtaktik ist kapitalistisch geprägt

    Ger­ade ist mir ein kurzes Video über die Tak­tik eines konkreten brasil­ian­is­chen Vere­ins über den Weg gelaufen, in dem sich sehr schön zeigt, wie sich im Fußball über­greifende gesellschaftliche Entwick­lun­gen wider­spiegeln – und zwar nicht nur im Hin­blick auf seine zunehmende Geld-Fix­ierung: Dabei geht es in erster Lin­ie darum, dass der europäis­che #Fußball in hohem…

  • Rezension: How High We Go in the Dark von Sequoia Nagamatsu

    „How High We Go In the Dark“ erzählt die Zukun­ft der Men­schheit mit ein­er ganz beson­deren Prämisse: Ein urzeitlich­es Virus taut aus dem Per­mafrost Sibiriens auf und zieht um die Welt – nicht so schnell wie in den let­zten Jahren Coro­na, aber genau­so gründlich und viel tödlich­er. Anstatt nun aber einen wilden Tech­nothriller zu insze­nieren,…

  • KI-Kunst kennt keine „Originale“

    Die Entwick­lung von KI-Tools im Bere­ich der Kun­st – wie z. B. der Bild­gen­er­a­tor Mid­jour­ney oder der Google-Algo­rith­mus Musi­cLM – brin­gen auf den ersten Blick eine gewaltige Demokratisierung der Kun­st: Jede*r wird nun in die Lage ver­set­zt, den eige­nen Gedanken und Gefühlen in ein­er Form Aus­druck zu ver­lei­hen, die als „Kun­st“ wahrgenom­men wer­den kann. Diese…

  • Rezension: The Comfort Crisis von Michael Easter

    In seinem Buch „The Com­fort Cri­sis“ beschreibt Michael East­er, wie das „kom­fort­able und anstren­gungs­freie“ Leben unsere psy­chis­che wie physis­che Gesund­heit schwächt. Er fasst inter­es­sante Forschungsergeb­nisse zusam­men und gibt hil­fre­iche Denkanstöße für das eigene Leben – es durch ein wenig Beschw­er­nis bess­er zu gestal­ten. ABER!!! Er tut dies unre­flek­tiert vor seinem priv­i­legierten weißen, nicht-behin­derten, cis-männlichen Hin­ter­grund…

  • Podcast: The Big Con von Mariana Mazzucato, Rosie Collington

    In ihrem Buch „The Big Con“ gehen Mar­i­an­na Maz­zu­ca­to und Rosie Colling­ton der Rolle nach, die die großen Unternehmens­ber­atun­gen in den let­zten Jahrzehn­ten in der Gestal­tung unser­er Wirtschaft gespielt haben. Die Autorin sehen in ihnen die zen­tralen Vertreter und Treiber hin­ter der zunehmenden Pri­vatisierung öffentlich­er Auf­gaben, von der sie dann immer und immer wieder prof­i­tiert…

  • LLM denken nicht, sie rechnen

    Sich selb­st zu googlen ist mit­tler­weile ja schon fast eine Notwendigkeit. #Chat­G­PT nach Infor­ma­tio­nen über sich selb­st zu fra­gen, kann hinge­gen zu etwas ver­stören­den Ergeb­nis­sen führen. So schreibt der Bot nach der entsprechen­den Frage von Alexan­der Hanff: „Trag­i­cal­ly, Hanff passed away in 2019 at the age of 48“ Dieser erfreut sich jedoch bester Gesund­heit –…

  • Rezension: Magnificent Rebels von Andrea Wulf

    Im Deutschunter­richt hat­te ich schon so grob mit­bekom­men, wie wichtig die deutsche Roman­tik – und ins­beson­dere Goethe und Schiller – für die Lit­er­aturgeschichte waren. Andrea Wulf zeigt in ihrem Buch nun aber auf, dass auch die Philoso­phie und sog­ar unser gesamtes mod­ernes Welt­bild durch diese kleine Gruppe „deutsch­er“ Denker*innen geprägt wurde – darunter neben Goethe…

  • Handeln aus Demut, nicht aus Hybris

    Die gesamte Geschichte unser­er Mod­erne ist darauf aus­gelegt, dass wir als Men­schen die Welt unter unsere Kon­trolle brin­gen – von der christlichen Idee, sich die Erde Unter­tan zu machen, über den Ide­al­is­mus, der die Welt vom Ich her denkt, bis hin zu dem aktuellen Glauben, dass wir nur die richtige Tech­nolo­gie find­en müssen, um all…

  • : Das Geflecht von Jol Rosenberg

    Ein Plan­et voller Rohstoffe ist für die Men­schen der Zukun­ft zu ver­lock­end, als dass sie ihn ignori­eren kön­nten. Und so haben sie sich häus­lich ein­richtet und begin­nen, seine Schätze zu heben. Dabei gibt es Reiche und Mächtige genau­so wie Arme und Ohn­mächtige. Erstere sich­ern sich weit­eren Reich­tum, während let­ztere verzweifelt ihre Schulden abtra­gen müssen. Und…

  • Superhelden, der Status-Quo und die Macht der Protagonisten

    In einem äußerst sehenswerten Video zeigt Pop Cul­ture Detec­tive auf, warum die Super­helden-Geschicht­en aus dem Mar­vel-Uni­ver­sum grundle­gend kon­ser­v­a­tiv sind und in erster Lin­ie den Sta­tus Quo vertei­di­gen: Iron Man, Hulk und Co nutzen ihre Kräfte immer nur dann, wenn besagter Sta­tus Quo ange­grif­f­en wird und nie, um proak­tiv eine bessere Welt für die Men­schen zu…

  • Elizabeth Weil über unseren Umgang mit Tools wie #ChatGPT und #KI im Allgemeinen

    The big ques­tion under­ly­ing it is not about tech. It’s about us. How are we going to han­dle our­selves around these machines? We go around assum­ing ours is a world in which speak­ers — peo­ple, cre­ators of prod­ucts, the prod­ucts them­selves — mean to say what they say and expect to live with the impli­ca­tions…

  • Das Gespenst des ChatGPT

    Die Euphorie rund um das neue „KI“-System #Chat­G­PT ist groß: Hoff­nun­gen auf eine wahre kün­stliche Intel­li­genz erhal­ten neuen Schwung. Jour­nal­istinnen und andere Autorinnen fühlen sich berufen, über das Ende divers­er Jobs zu spekulieren und generell ist – mal wieder – die Rede von ein­er Zeit­en­wende. Glück­licher­weise gibt es aber auch einen real­is­tis­cheren Blick auf diese…

  • Der Skeptizismus gegenüber definitiven wissenschaftlichen Aussagen ist tief in der westlichen Philosophie verankert

    In der Philoso­phiegeschichte lassen sich vier „Gen­er­a­tio­nen“ von Skep­tizis­mus gegenüber defin­i­tiv­en Aus­sagen iden­ti­fizieren, deren früh­este in das antike Griechen­land zurück reicht: Der „Phyrro­nis­che Skep­tizis­mus“ nimmt die Unter­schiede in den Blick, die zwis­chen Men­schen in der Wahrnehmung und der Bew­er­tung von Objek­ten beste­hen. Wie kön­nen auf dieser Grund­lage defin­i­tive Aus­sagen über­haupt möglich sein? Der karte­sis­che Skeptzis­mus…

  • Führung von Wissensarbeitern sollte Struktur und Orientierung bieten

    In der Indus­triear­beit war die Tren­nung von Pla­nung und Durch­führung lange Zeit das Ide­al. Auf der einen Seite die Expert:innen, die mit ihrem über­lege­nen Wis­sen die Abläufe in der Pro­duk­tion genau pla­nen kön­nen, und auf der anderen Seite die Arbeiter:innen in der Pro­duk­tion, die diesen Ablauf dann nur noch umset­zen. Führung bedeutete hier in erster…

  • Analoge Zettelkästen haben Stärken, die digitale nicht abbilden können

    Es ist eine ewige Diskus­sion: dig­i­tal oder ana­log? Egal ob beim Lesen, beim Schreiben oder beim Denken. Es scheint einen grundle­gen­den Kon­flikt zu geben zwis­chen dem Analo­gen – dem „Echt­en“ eben – und dem Dig­i­tal­en – dem Ersatz, dessen offen­sichtliche Nachteile man in Kauf nimmt, weil er halt so prak­tisch ist. Der Sirenenruf des Digitalen…

  • Produzierende sollten ihre Inhalte neben dem Strom platzieren

    Mit einem Fluss kann man nicht viel mehr machen, als Dinge hineinzuw­er­fen und im Sinne ein­er Flaschen­post zu warten und zu hof­fen, dass irgen­det­was von der eige­nen Nachricht irgend­wo ankommt. Gle­ichzeit­ig ist diese Nachricht aber auch in ihrer Flasche fest verko­rkt und außer­halb unser­er Kon­trolle. Wir kön­nen sie nicht mehr verän­dern oder anpassen. Sie ist…

  • Lesende sollten öfter neben den Strom treten

    Der Strom ist in erster Lin­ie für den Kon­sum gedacht. Leser*innen ste­hen an seinem Rand und schauen, was jet­zt ger­ade Inter­es­santes an ihnen vorüber schwimmt. Durch einen Garten hinge­gen kann man schlen­dern, wann immer man ger­ade will. Dabei bleibt vieles über die Zeit hin­weg beste­hen, manch­es verän­dert sich aber auch. Es wächst und gedei­ht. Ein…

  • Es braucht neue Strukturen und Tools im Internet

    Die Idee, des rebuild oder reclaim the inter­net richtet sich darauf, die Struk­tur des Inter­nets grundle­gend zu verän­dern und wieder näher an das her­anzuführen, was es Anfang der 2000er Jahre so offen und flex­i­bel gemacht hat. Es richtet sich gegen die Kom­merzial­isierung und ins­beson­dere die Monop­o­lisierung der Infra­struk­tur durch einige wenige Tech-Unternehmen. Eine wichtige Rollen…

  • Digitale Gärten sind eine Möglichkeit, komplexe Inhalte neben dem Strom zu platzieren

    Dig­i­tale Gärten sind ein Gege­nen­twurf zum Bloggen, der nicht fer­tige Texte und den Kampf um Aufmerk­samkeit und Leser:innen in den Mit­telpunkt stellt, son­dern das langsame und schrit­tweise Entwick­eln von Gedanken und den Auf­bau von Wis­sen. Sie sind damit eine Gegen­reak­tion auf die Organ­i­sa­tion des Inter­nets als Strom. Sie schließen an die Gestalt der klas­sis­chen Home­page…

  • Das Internet ist zunehmend als Strom organisiert und das hat schwerwiegende Nachteile

    Dadurch, dass Blog-Soft­ware so ver­bre­it­et und so ein­fach zu bedi­enen ist (und war), hat sie die Grund­struk­tur des Webs maßge­blich geprägt. Da Blogs auf ein­er umkehrten chro­nol­o­gis­chen Rei­hen­folge basieren, wurde dieses For­mat zum de-fac­to-Stan­dard im Netz, auf dem jet­zt auch die sozialen Medi­en und in gewis­sem Maße jour­nal­is­tis­che Pub­lika­tio­nen basieren, schreibt Amy Hoy in How…

  • Bei Informationen und Wissen sollten wir klar zwischen Flüssen und Lagern unterscheiden

    Wenn wir darüber nach­denken, auf welche Weise Infor­ma­tio­nen struk­turi­ert und geord­net wer­den kön­nen, gibt es zahlre­iche unter­schiedliche Ansatzpunk­te. Ein Ansatzpunkt, der ger­ade im Inter­net immer wichtiger gewor­den ist, ist die zeitliche Dimen­sion. In den let­zten Jahren hat sich das Inter­net von ein­er Samm­lung sta­tis­ch­er Infor­ma­tio­nen immer mehr in Rich­tung von zeitlich struk­turi­erten Nachricht­en­strö­men entwick­elt. Dabei…

  • Digitale Gärten sind auch für den Journalismus ein interessantes Format

    Auch der Jour­nal­is­mus hat im hohen Maße dazu beige­tra­gen, dass das Inter­net als Strom organ­isiert ist. Er war schon immer von der Zeit abhängig: täglich, wöchentlich oder monatlich wur­den zu diesem Zeit­punkt rel­e­vante Infor­ma­tio­nen zusam­mengestellt und in der Form fer­tiger Artikel präsen­tiert. Für die Darstel­lung kom­plex­er­er Zusam­men­hänge oder das „Wis­sen“ waren Büch­er zuständig, die jedoch…

  • Wissenschaftliches Wissen informiert gesellschaftliche Entscheidungen, muss aber immer in einen ehrlichen Diskurs eingebunden werden

    Empirische und normative Fragen Im ersten Semes­ter meines Sozi­olo­gie-Studi­ums saß ich in der Ver­anstal­tung „Ein­führung in die Meth­o­d­en der empirischen Sozial­forschung“ bei Ger­hard Schulze. In ein­er der ersten Wochen gibt es dabei um den Unter­schied zwis­chen „nor­ma­tiv­en“ und „empirischen“ Fragestel­lun­gen, der sich mich rel­a­tiv schnell erschloss: Nor­ma­tive Fra­gen richt­en sich darauf, wie etwas sein soll(!),…

  • Aktueller Konservatismus ist Status-Quo-Extremismus

    Der Blick auf die aktuelle poli­tis­che und gesellschaftliche Diskus­sion im Hin­blick auf den gesellschaftlichen Wan­del bringt mich immer wieder an densel­ben Punkt: die Posi­tio­nen, die heutzu­tage als „kon­ser­v­a­tiv“ oder auch „recht­spop­ulis­tisch“ gel­ten, zeich­nen sich durch eine Nat­u­ral­isierung des Beste­hen­den und über­höhte Ansprüche an das Neue aus. Sie spiegeln damit eine Art Sta­tus-Quo-Extrem­is­mus wider. Das Alte…

  • Moderne Wissenschaft ist in erster Linie am Kriterium der Nützlichkeit orientiert

    Seit einiger Zeit ist die Wis­senschaft Diener zweier Her­ren: Auf der einen Seite ste­ht die Idee des Wis­sens um des Wis­sens willen; das hehre Ide­al des neugieri­gen Men­schen, der seine Welt ver­ste­hen möchte. Die andere Seite ist pro­fan­er. Hier geht es um das konkrete Lösen von Prob­le­men, das Erledi­gen von Auf­gaben und – abstrak­ter for­muliert…

  • Religiöser Extremismus ist auch eine Folge der Individualisierung

    Ein hoch-aktuelles und ein­drück­lich­es Beispiel für die Schat­ten­seit­en des Indi­vid­u­al­is­mus find­et sich in der aktuellen Ver­bre­itung des radikalen Islamis­mus. Dieser ist näm­lich keineswegs im Kern des Islam angelegt, son­dern eine Ide­olo­gie des 20. Jahrhun­derts, wie sowohl Ed Husain in Weltof­fen aus Tra­di­tion als auch Thomas Bauer in Die Verein­deu­ti­gung der Welt nachze­ich­nen: Über die Jahrhun­derte…

  • Einfache Übungen können auch für Wissensarbeiter grundlegende Technik trainieren

    Ein beliebter Vor­wurf gegenüber der Schule ist, dass schein­bar sinnlose Wieder­holen grundle­gen­der Tätigkeit­en, wie zum Beispiel das Abschreiben eines Textes oder das Auswendigler­nen eines Gedichts. Vielle­icht kann man diese Punk­te aber auch ein wenig anders fra­men: Wenn Sportler:innen oder Musiker:innen trainieren – egal auf welchem Niveau – nutzen sie immer auch Übun­gen, die grundle­gende Bewe­gungsabläufe…

  • Podcast: How to Do Nothing von Jenny Odell

    Podcast-Episode zu dem Buch

  • Natur- und Sozialwissenschaften unterscheiden sich grundlegend

    Eine Diskus­sion, in die ich mich immer wieder ein­bringe ist die zum Unter­schied zwis­chen Natur- und Sozial­wis­senschaften. Daher ist es vielle­icht mal sin­nvoll, hier meine zen­tralen Posi­tio­nen etwas aus­führlich­er zu ver­schriftlichen, um dann später bess­er darauf ver­weisen zu kön­nen. Dynamik des Untersuchungsgegenstands Ein wichtiger Punkt in den Sozial­wis­senschaften gegenüber den Natur­wis­senschaften ist die Dynamik des…

  • Der Individualismus bringt zahlreiche Probleme mit sich

    Der Indi­vid­u­al­is­mus ist eine der grundle­gend­sten Ide­olo­gien unser­er Zeit. Egal ob es um den kap­i­tal­is­tis­chen Mythos geht, der Wohl­stand durch die indi­vidu­elle Leis­tung recht­fer­tigt, oder um die Auflö­sung ehe­mals dom­i­nan­ter und als objek­tiv gültig akzep­tiert­er Wertesys­teme wie Reli­gio­nen. Vie­len Denker:innen gilt das als unbe­stre­it­bar­er Fortschritt. Sie sind skep­tisch gegenüber sämtlichen kollek­tiv­en Sozial­for­men, die nicht das…

  • Individualisierung stellt zu hohe Anforderungen an den Einzelnen

    Mit der Indi­vid­u­al­isierung haben die Reli­gio­nen nicht nur die Deu­tung­shoheit über die Erk­lärung der Welt an die Wis­senschaften ver­loren. Sie haben auch ihre moralisch-ethis­che Verbindlichkeit an das Indi­vidu­um abtreten müssen. Damit wird dem Indi­vidu­um jedoch eine gewaltige Bürde aufer­legt: Es muss die Antwort auf seine per­sön­liche Frage nach dem guten und richti­gen Leben nun kom­plett…

  • Ambiguitätstoleranz in der Wissenschaft

    Der Wis­senschaft kommt in der öffentlichen Debat­te die Funk­tion zu, klare und ein­deutige Antworten auf rel­e­vante Fra­gen zu liefern und damit grund­sät­zlich Ambi­gu­i­tät in der Gesellschaft zu reduzieren. Ger­ade bei gesellschaftlich hoch-rel­e­van­ten The­men wie zum Beispiel der Coro­na-Pan­demie wer­den diese Antworten auch erwartet, um richtig han­deln zu kön­nen. Diese Erwartung dient unter anderem dazu, den…

  • Notizen: A Hacker’s Mind von Bruce Schneier

  • Wissensarbeiter unterschätzen die Parallelen zum klassischen Handwerk

    Im Ver­gle­ich zwis­chen Wis­sensar­beit und klas­sis­chem Handw­erk, gilt das klas­sis­che Handw­erk oft als weniger „wert“ oder weniger ange­se­hen. Es wird sel­tener in den Medi­en the­ma­tisiert und oft als Selb­stver­ständlichkeit, die zu funk­tion­ieren hat, wahrgenom­men. Daraus resul­tiert dann aber auch, dass Wissensarbeiter:innen die Arbeitsmeth­o­d­en des klas­sis­chen Handw­erks ger­ing schätzen und davon aus­ge­hen, hier wenig für die…

  • Corona und die Fähigkeit, eine andere Welt zu denken

    Sci­ence-Fic­tion-Autoren haben von Berufs wegen einen beson­deren Blick auf die Welt. Und ger­ade der US-amerikanis­che Autor Kim Stan­ley Robin­son ist seit Jahrzehn­ten nicht nur für seine hell­sichti­gen und poli­tis­chen Romane bekan­nt, son­dern auch für seine klare poli­tis­che Posi­tion. Im New York­er ist jet­zt ein Essay von ihm erschienen, in er – was auch son­st –…