-
Big Tech hat die Innovation zerstört
Gerade die großen Technologie-Unternehmen brüsten sich ja gerne mit ihrer Innovationsfähigkeit. Doch schon seit gut einem Jahrzehnt zeigt, sich dass die Unternehmen selbst kaum innovative Produkte entwickeln, sondern bestenfalls hinzukaufen. Noch deutlicher wird dies, wenn wir auf die sogenannten „disruptiven“ Innovationen schauen, also solche Entwicklungen, die einen Markt oder eine Branche grundsätzlich umkrempeln. Auch hier behaupten gerade Start-ups gerne, irgendeinen…
-
Es gibt keine Fingerabdrücke von Emotionen
Die Idee, dass Emotionen menschlich-universell sind und möglicherweise sogar biologisch determiniert, war eng mit einem bestimmten Ansatz der Erforschung von Emotionen verbunden: der Suche nach ihrem „Fingerabdruck“. Das Ziel war es, einen körperlichen Ausdruck zu finden, der eindeutig mit einer Emotion in Verbindung gebracht werden kann: Ist er vorhanden, liegt immer die Emotion vor, und liegt die Emotion vor, ist…
-
Emotionen sind nicht global-universell
Im Gegensatz zu der Untersuchung des menschlichen Bewusstseins war sich die Forschung beim Thema Emotionen lange Zeit ihres Untersuchungsobjektes sehr sicher: Emotionen galten als klar definierte Reaktionen auf die Dinge, die um uns herum geschehen. Untersuchungen mithilfe von Fotos und Listen von Emotionen legten dabei sogar nahe, dass Emotionen menschlich universell sind und unabhängig von kulturellem Hintergrund oder Sozialisation. Ja,…
-
Menschheit als Zwischenschritt zu digitalem Leben
Das naive, technoutopische Weltbild unser Techno-Milliardäre hat nicht nur fragwürdige Grundlagen, sondern propagiert auch ein sehr spezifisches Bild der Zukunft, in der es nicht unbedingt darum geht, das Leben der Menschen zu verbessern. Die Autor*innen Timnit Gebru und Émile P. Torres haben dafür das etwas unhandliche, aber umfassende Kürzel TESCREAL geprägt, das alle problematischen Aspekte vereint. So schreibt Torres in…
-
Klassische Science Fiction prägt die Vision der Zukunft
Die Science Fiction ist das einzige Medien-Genre mit einem expliziten Fokus auf die Zukunft – meist die Zukunft der Menschheit. Und so sind insb. ab der Mitte des 20. Jahrhunderts zahlreiche Bilder der Zukunft beschrieben und gezeigt worden, die bis heute unseren Blick auf mögliche Zukünfte prägen. Besonders deutlich wird dieser Einfluss bei einer sehr kleinen Gruppe von Männern, die…
-
Emergenz als Fokusebene einer Erklärung
In dem Spannungsverhältnis zwischen starker und schwacher Emergenz macht Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Consciousness, Free Will, and the Limits of Science einen sehr spannenden Vorschlag, den ich für mich extrem anschlussfähig finde: kausale Emergenz. Der Kerngedanke ist dabei, dass ein System auf der Makroebene zwar auf einer gewissen Ebene durch seine Bestandteile bestimmt ist,…
-
Kann das Ganze mehr sein, als die Summe seiner Teile?
Eine zentrale Grundlage der modernen westlichen Wissenschaft ist der Reduktionismus. Er besagt im Kern, dass ich ein System dadurch verstehen kann, dass ich seine Bestandteile beschreibe. Deshalb untersuchen wir Atome, um Materialien zu verstehen, wir untersuchen Zellen, um Organe zu verstehen und wir blicken auf einzelne Personen, um Gesellschaft zu verstehen. Dieser Perspektive liegt erstmal die Annahme zugrunde, dass das…
-
Bewusstseinsforschung deutet auf grundlegende Unvollständigkeit der Wissenschaft
Die Schwierigkeiten der Neurowissenschaften, das Bewusstsein zu isolieren und experimentell zu untersuchen, bieten ein weiteres Indiz dafür, dass das grundlegende Versprechen der Wissenschaft, die Welt verstehbar und kontrollierbar zu machen, letztlich nicht einzuhalten ist. So schreibt Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Consciousness, Free Will, and the Limits of Science: I got into science because I…
-
Bewusstsein lässt sich nicht isolieren
Die wissenschaftliche Erforschung des Bewusstseins hat nicht nur methodische und theoretische Schwierigkeiten, sondern stößt auf ein grundlegendes Problem, bei dem nach wie vor offen ist, ob es sich überhaupt lösen lässt: Wissenschaftliche Untersuchungen und Experimente sind darauf angewiesen, spezifisch definierte Phänomene von all ihren Umgebungsvariablen zu isolieren und dann kontrolliert zu manipulieren. Das Bewusstsein scheint jedoch nicht auf diese Weise…
-
Videospiele prägen, wie wir andere Weltregionen wahrnehmen
Auch wenn Fernreisen mittlerweile oft erschwinglich sind und schon fast zum guten Ton gehören, gibt es doch viele Menschen, die andere Länder und Weltregionen nur aus den Medien kennen. Und eine Medienform, die in den letzten Jahrzehnten immer relevanter geworden ist und mittlerweile ähnlich wichtig ist wie Filme oder Bücher, sind Videospiele. Entsprechend haben auch diese einen großen Einfluss darauf,…
-
Gute Software kostet mehr
„Billiges“ Geld und die Möglichkeit, Daten und Werbeplätze zu vermarkten, verzerren den Markt für Software. Sie ermöglichen es, Programme anzubieten, die für die Benutzer*innen auf den ersten Blick kostenlos erscheinen, deren Nachteile sich aber erst im Laufe der Zeit zeigen. Und dies meist nicht direkt, sondern – wie Cory Doctorow es so schön beschreibt – durch Enshittification. Benutzer*innen verlernen dabei…
-
Bewusstseinsforschung hat kein verlässliches Messverfahren
Die Probleme der neurowissenschaftlichen Erforschung des Bewusstseins, ein paradigmatisches Fundament zu finden, ergeben sich auch aus einer grundsätzlichen Schwierigkeit, Bewusstseinsinhalte zuverlässig und jenseits subjektiv gefärbter Wahrnehmung zu messen. Damit fehlt ein grundlegender Schritt in der etablierten wissenschaftlichen Erkenntniskette. Diese setzt darauf, eine Theorie zu nutzen, um konkrete Vorhersagen zu machen, die im Anschluss durch eine möglichst objektive Messung überprüft werden…
-
Neurowissenschaft noch prä-paradigmatisch
Die Erforschung des Bewusstseins rückte erst wieder in den Rahmen akzeptierter wissenschaftlicher Arbeit, als sich zwei Wissenschaftler, die zuvor in anderen Disziplinen einen Nobelpreis gewonnen hatten, ihrer annahmen: Francis Crick und Gerald Edelman. Während Crick in erster Linie auf die Korrelation zwischen neuronaler Bildgebung und Bewusstseinsinhalten schaut(e), ging es Edelman in erster Linie um eine mathematisch-theoretische Konzeption des Bewusstseins, so…
-
Intelligenz und Bewusstsein sind getrennte Phänomene
An anderer Stelle hatte ich schon mal über die unterschiedliche Ausprägung des Denkens bei Menschen, nicht-menschlichen Tieren und Maschinen nachgedacht. In eine ähnliche Richtung denkt auch Erik Hoel in seinem Artikel The risk of another consciousness winter. Er macht dies an der Trennung zwischen Bewusstsein und Intelligenz fest, wobei er den Grad der Intelligenz von „KI“-Systemen wie GPT‑4 deutlich höher…
-
(Neuro-)Wissenschaft hat Probleme mit der Erforschung von Bewusstsein
Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts galt die Erforschung des Bewusstseins als unwissenschaftlich. Aufgrund seiner Eigenheiten war es der dominierenden externen Perspektive nicht zugänglich. Gerade Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts führten diese Schwierigkeiten dazu, dass faktisch kaum Forschung zu diesem Thema stattfand und vorsichtige Versuche gleichzeitig als unwissenschaftlich abgewertet wurden. So schreibt Erik Hoel in seinem Artikel The risk…
-
KI wird den Fachkräftemangel nicht beheben
Den Tag gestern (07.12.2023) durfte ich wegen meiner Arbeit in dem Projekt Zukunftszentrum pulsnetz.de Mensch und Technik im Gemeinwesen auf der interessanten arbeitspolitischen Tagung der Zukunftszentren in Berlin verbringen. Dabei sprach u.a. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil darüber, „künstliche Intelligenz“ sein ein Baustein dabei, den Fachkräftemangel in einigen Branchen zu bekämpfen. Dabei sind mir einige interessante Dinge aufgefallen: Es gab eine Kartenabfrage…
-
Kollektives Denken braucht Sprache
Während mir die Darstellungen von Erik Hoel zur intrinsischen Perspektive durchaus plausibel erscheinen, klingen sie doch auch sehr nach der mittlerweile widerlegten Sapir-Whorf-Hypothese, dass wir nur die Dinge denken und fühlen können, für die wir auch eine Sprache haben. Eine Lösung für diesen Widerspruch könnte darin zu finden sein, zwischen einem individuellen Denken und einem kollektiven oder zumindest externalisierten Denken…
-
Die intrinsische Perspektive entwickelte sich mit dem Roman
Die Geschichte des menschlichen Denkens lässt sich entlang der Entwicklung einer externen und einer internen Perspektive nachzeichnen. Mit Blick auf die interne Perspektive stellt Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Consciousness, Free Will, and the Limits of Science eine steile These vor, für die es in meinen Augen mehr Belege braucht, über die es sich aber…
-
Der menschliche Blick hat zwei spezifische Perspektiven
Auch wenn wir die grundlegende Fähigkeit zu Intelligenz und Kognition nicht menschenzentriert betrachten sollten, ist doch auch unstreitig, dass wir Menschen besondere Arten und Wege entwickelt haben, über die Welt, aber auch uns selbst nachzudenken. Erik Hoel beschreibt im ersten Kapitel seines Buchs The World Behind the World: Consciousness, Free Will, and the Limits of Science hierzu eine hilfreiche Unterscheidung…
-
Bürgerräte als Boost für politische Beteiligung
Bürgerräte werden immer mal wieder diskutiert, wenn es darum geht, die Bürger*innen stärker in die Politik einzubinden und Politik in Bereichen zu machen, die im klassischen politischen Geschäft nur schwer zu bearbeiten sind – etwa der Klimaschutz. Dawn Nakagawa und Marjan Ehsassi zeigen in ihrem Essay Putting The Public Back In Public Policy am Beispiel französischer Bürgerräte auf, dass diese…
-
Ehemals als absurd verschmähte Ideen kehren leicht verändert zurück
Wissenschaft liefert keineswegs dauerhafte und gesicherte Erkenntnisse. Sie muss stattdessen als dauerhafter sozialer Aushandlungsprozess darüber verstanden werden, welches Wissen wir für gut genug abgesichert halten, um es zur Grundlage weiterer Forschung oder gar unseres Handelns zu machen. Diese Aushandlung unterliegt dabei denselben Verzerrungen und Fehlschlüssen wie andere soziale Prozesse auch – wenn auch im Vergleich meist deutlich transparenter, dafür wiederum…
-
Bewusstsein ensteht am Übergang zwischen konzeptionellem und belebtem Denken
Letzte Woche habe ich über die unterschiedlichen Maßstäbe geschrieben, die ich an tierisches und maschinelles Denken anlege. Statt hier kategoriale Unterschiede zu sehen, könnte eine Lösung darin bestehen, Denken als differenziertes Phänomen mit unterschiedlichen Dimensionen zu begreifen. Auf der Grundlage einer weiteren Lektüre von John Searle bin ich jetzt bei der Differenzierung für mich noch ein wenig weitergekommen. Ich schrieb:…
-
Man kann Geld anders denken
Geld ist vermutlich die Illusion mit dem stärksten Einfluss auf das Wohl und Wehe unserer Gesellschaften. Es ist ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Welt und wird im Alltag nur selten systematisch hinterfragt. Zinssätze werden diskutiert oder Steuern, aber das Konzept des Geldes selbst scheint in Stein gemeißelt. Jacob Baynham stellt in seinem Artikel What If Money Expired? nun einen grundlegend anderen…
-
Lassen sich Wälder als emergent-intelligente Systeme verstehen?
Wenn wir Intelligenz als emergentes Phänomen verstehen, müssen wir immer zwei Ebenen bedenken: eine „Mikro“-Ebene, auf der viele unterschiedliche Elemente miteinander verbunden sind und interagieren und eine „Makro“-Ebene, auf der wir das Phänomen beobachten können, das wir dann als „intelligent“ bezeichnen. Dabei ist die „Intelligenz“ nicht scharf definiert, steht aber sicherlich eng verbunden mit der Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen.…
-
Historische Wissenschaftler werden kulturell überformt
Nicht nur wissenschaftliche Ideen, auch die historischen Forschenden selbst verlieren im Rückblick ihre Realität und entwickeln sich zu Projektionsflächen und zur Grundlage von Erzählungen und Mythen, die nicht mehr viel mit ihnen selbst zu tun haben müssen. Das führt zuerst dazu, dass wir historische Forschende, aber auch andere Personen nicht mehr als Menschen sehen, sondern als „Marmorbüsten“ über die Ada…
-
Die „wissenschaftliche Methode“ ist eine moderne Erfindung
Nicht nur historische Figuren, über die es kaum schriftliche Aufzeichnungen gibt, werden im Laufe der Geschichte zu Projektionsflächen für politische Interessen und Interpretationen, die mehr über die Jetztzeit verraten, als über die Vergangenheit. Dies gilt genauso für andere Ideen und Personen, auch in der Wissenschaft. Gerade in unserer modernen Welt, die vorgeblich viel auf die Wissenschaft gibt, werden sie zu…
-
Intelligenz bei Tieren und Maschinen
Was die vorgebliche „Intelligenz“ von Maschinen angeht, bin ich bisher sehr skeptisch gewesen, was man auch in diesem Blog mehrfach nachlesen kann. Im Hinblick auf die Intelligenz bei Tieren hingegen finde ich die Argumente von Frans de Waal sehr überzeugend. Je mehr ich mich mit grundlegenderen Theorien von Intelligenz und Bewusstsein beschäftige, desto mehr schleicht sich mir allerdings der Eindruck…
-
Geschichte steht im politischen Interesse
In der Geschichtwissenschaft ist es fast schon eine Binsenweisheit, in der allgemeinen Wahrnehmung der Geschichte wird es aber nicht immer angemessen berücksichtigt: Es gibt nicht die eine wahre Geschichte, sondern immer nur den Blick zurück von einem gewissen Standpunkt aus und auf der Grundlage vorhandener Quellen. Ein schönes Beispiel hierfür liefert J. Draper auf ihrem ohnehin sehr sehenswerten Kanal. Sie…
-
Monopole der Aufmerksamkeit brauchen eigene Regulierung
Wenn Online-Plattformen zwischen Nachfrage und Angebot vermitteln, übernehmen sie eine Funktion, die sonst oft ein Markt erfüllt. Mit ausreichender Zentralisierung können sie ein regelrechtes Monopol auf die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer*innen errichten, das sie dann in ihrem Interesse ausnutzen. Auch gerechtfertigten Gewinnen aus einer marktförmigen Tätigkeit werden dann Monopolrenditen aus der Kontrolle über einen knappen Produktionsfaktor. Diese Monopolstellung bei der Erfüllung…
-
Online-Plattformen erzielen Renditen, nicht Gewinne
Beim Blick auf die dysfunktionale Rolle, die die großen Online-Plattformen spielen, geht es gerade in Deutschland meist um das Thema Datenschutz und Datenmissbrauch. Der Kerngedanke dahinter ist, dass die Plattformen unangemessen viele Daten über ihre Nutzer*innen sammeln und daraus einen unfairen Marktvorteil gewinnen. In ihrem Paper Algorithmic Attention Rents: A theory of digital platform market power stellen Tim O‘Reilly, Ilan…
-
Tiere lernen im hohen Maße sozial
Das wissenschaftliche Vorgehen bei der Messung von Intelligenz und Lernfähigkeit bei nicht-menschlichen Tieren hat ein grundlegendes Problem: Es setzt darauf, dass Tiere von Menschen lernen, während diese in ihrem eigentlichen Lebensraum im Normalfall von Artgenossen lernen. Dabei geht es nicht nur darum, dass der Lernprozess an sich besser funktioniert, sondern auch darum, dass das Lernen bei zahlreichen Tierarten eine starke…
-
Wir wissen wenig über die Intelligenz von Elefanten
Bei Oktopussen haben wir mittlerweile erkannt, dass sie über ein gehöriges Maß an Intelligenz verfügen, auch wenn uns die Funktionsweise dieser Intelligenz grundlegend fremd erscheint. Gleichzeitig gibt es jedoch auch einige Tierarten, bei denen wir das wahre Maß ihrer Intelligenz bislang bestenfalls erahnen. Ein Beispiel hierfür sind Elefanten, über die Frans de Waal in seinem Buch Are We Smart Enough…
-
Tiere müssen sich selbst bewusst sein, egal was der Spiegeltest sagt
Bei der Frage nach dem Bewusstsein von nicht-menschlichen Tieren ist der sogenannte Spiegeltest sehr bekannt geworden: Hier wird einem Tier eine Markierung im Gesicht platziert, die es nur im Spiegel erkennen kann. Dann wird dem Tier sein eigenes Spiegelbild gezeigt. Die Frage ist nun, ob das Tier die Markierung im Spiegel auf seinen eigenen Körper bezieht, was man beispielsweise daran…
-
Tiere leben in der Vergangenheit, dem Jetzt und der Zukunft
Ein weiterer Punkt, der oft ins Feld geführt wird, um die Intelligenz von Menschen von der nicht-menschlicher Tiere abzugrenzen, ist die zeitliche Orientierung und Planung ihres Denkens. Das Argument geht dabei so, dass nur Menschen in der Lage seien, Pläne zu treffen, die weit in die Zukunft wirken und dafür auch unmittelbare Belohnungen aufzuschieben. Dieses Motiv findet sich in gewisser…
-
Affen verfügen über komplexe soziale Fähigkeiten
Mach wir mal weiter mit all den Punkten, in denen wir den Mensch gerne für besonders kompetent halten, die sich bei genauerem Hinsehen aber auch bei anderen Tieren wie zum Beispiel – aber bei weitem nicht nur – Menschenaffen zeigen. Diesmal geht es in Frans de Waals Buch Are We Smart Enough To Know How Smart Animals Are? um die…
-
KI lindert Symptome, löst aber keine Probleme
Der Einsatz von „künstlicher Intelligenz“ in zahlreichen Bereichen dient oft in erster Linie dazu, Symptome abzuschwächen, um nicht die eigentlichen Probleme lösen zu müssen. KI in der Kommunikation Ein solches Beispiel sind generative KI-Modelle, die aus Stichpunkten längere Texte machen –beispielsweise bei der Erstellung von Projektbeschreibungen oder in E‑Mails. Das Problem dabei ist: Wenn es reicht, dass eine KI den…
-
Symbolische Sprache ist nicht notwendig für „Intelligenz“
Neben der „Theory of Mind“ gibt es einen weiteren Aspekt, der bei der Bewertung nicht-menschlicher Intelligenz oft herangezogen wird, der beim näheren Hinsehen aber in erster Linie auf eine übermäßige Menschzentrierung hinweist – und möglicherweise sogar auf eine schon beim Menschen unangemessene: die Sprache. Frans de Waal formuliert in seinem Buch Are We Smart Enough To Know How Smart Animals…
-
Empathie ist relevanter als eine „Theory of Mind“
Ein zentraler Maßstab darin, die Intelligenz nicht-menschlicher Tiere zu messen und zu bewerten, ist die sogenannte Theory of Mind, also die Fähigkeit zu wissen, dass andere Wesen andere Dinge wissen, als man selbst. Bei kleinen Kindern kann man das Fehlen einer solchen Theory schön beobachten, wenn sie sich beim Verstecken-Spielen einfach die Hände vor die Augen halten – getreu dem…
-
Kognition sollte als universelles Phänomen untersucht werden
Als Konsequenz aus unserer mensch-zentrierten Herangehensweise an die Themen Intelligenz und Kognition fordert Frans de Waal ein Moratorium auf sämtliche Behauptungen menschlicher Überlegenheit. Statt das Denken vom Mensch her zu denken, sollten wir es wie jedes andere biologische Phänomen als genau solches verstehen: Als eigenständiges Element, das eine bestimmte Funktion erfüllt und sich auf die eine oder andere Weise in…
-
Kognition darf nicht menschzentriert definiert werden
Selbst bei Schimpansen, die immer noch als Spitze der nicht-menschlichen Intelligenz gelten – egal ob berechtigt oder nicht – tut sich die Wissenschaft schwer damit, ihre Intelligenz angemessen zu erheben. Das grundlegende Problem dabei ist, dass wir Kognition und Intelligenz gleich doppelt mensch-zentriert denken und damit nicht in der Lage sind, ein für nicht-menschliche Tiere angemessenes Verständnis zu entwickeln. Der…
-
Schimpansen gelten als Spitze der nicht-menschlichen Intelligenz
In der Welt der nicht-menschlichen Tiere gelten Schimpansen als die Spitze der Evolution im Hinblick auf ihre Intelligenz. Parallel zu der Abgrenzung zwischen Menschen und nicht-menschlichen Tieren führt dies auch zu einer besonderen Position der Schimpansen in der Erforschung nicht-menschlicher Intelligenz. Dabei gibt es neben den Schimpansen mindestens drei weitere Arten von Primaten, die in eine Art „Steinzeit“ eingetreten sind,…
-
Tiere haben politische Interessen
Wenn wir davon ausgehen, dass Tiere über ein beträchtliches Maß an Intelligenz verfügen, stellt sich auch bald die Frage nach der Kommunikation zwischen Menschen und anderen Tieren. An Versuchen in eine Richtung hat es dabei bislang nicht gemangelt. So schreibt Michelle Nijhuis in ihrem Artikel Buzz Buzz Buzz (€): Humans have spent decades trying to teach other animals our languages—sometimes…
-
Forschung tierischer Kognition als Reaktion auf Behaviorismus
Das Verhalten und die Intelligenz von Tieren werden seit dem 19. Jahrhundert systematisch untersucht – insb. im Anschluss an die Forschungen Charles Darwins. Dessen wissenschaftlicher Blick auf die Tiere und den Menschen erlaubte ihm eine differenzierte und fundierte Auseinandersetzung mit deren Ähnlichkeiten und Unterschieden. Sein Protegé und auch Nachfolger George Romanes nahm es mit der wissenschaftlichen Gründlichkeit und Differenzierung hingegen…
-
Belebte Intelligenz braucht Lücken in formalen Regelungen
Heute habe ich für meinen Podcast Zwischen zwei Deckeln die Folge zu dem Buch The Web of Meaning von Jeremy Lent aufgenommen, das ja auch hier im Blog schon das eine oder andere Mal eine Rolle gespielt hat. In dem Gespräch mit meiner Mit-Podcasterin Amanda sind wir danach auf die Frage gekommen, warum das, was Lent als klassisches westliches Weltbild…
-
Wissenschaft war lange schlecht darin, Intelligenz von Tieren zu messen
Kaum einer der Texte, die ich aktuell über Intelligenz bei Tieren lese, kommt ohne ein spezifisches Zitat von Werner Heisenberg aus: What we observe is not nature in itself, but nature exposed to our method of questioning. So auf Frans de Waals Buch Are We Smart Enough to Know How Smart Animals Are, der dieses Zitat gleich seinem ersten Kapitel…
-
Westen hermetisiert im 18. Jhdt. Denken gegenüber Kritik der First Nations
Der Westen sichert das Gefühl der eigenen Überlegenheit nicht nur gegenüber der vorgeblich nicht-beseelten und nicht-intelligenten Natur. Auch in den absoluten Grundlagen unserer modernen Philosophie steckt ein Akt der Arzneimittel m Abgrenzung und Täuschung – diesmal gegenüber den Denkern der amerikanischen First Nations. Ideen wie Freiheit und Gleichheit sind nämlich keine genuin europäischen Ideen und Werte, sondern gut verborgene Importe,…
-
Kapitalismus ist auf Abgrenzung zur Natur angewiesen
Wir Westler*innen haben ein ziemlich komplexes Denksystem aufgebaut, das es uns ermöglicht, uns von der Natur abzugrenzen und uns über sie zu erhöhen. Auch eine Veränderung dieses Denksystems fällt uns trotz aller widersprüchlichen Fakten überraschend(?) schwer. Einer der Gründe dafür könnte auch sein, dass unser aktuelles Gesellschaftssystem und insbesondere unser Wirtschaftssystem in einem hohen Maße auf genau diese Unterscheidung angewiesen…
-
Die Intelligenz von Oktopussen ist uns grundlegend fremd
Während wir Menschen fast schon träumerisch-verklärend die Frage nach außerirdischer Intelligenz stellen, tun wir uns praktisch schon schwer damit, irdische Intelligenzen zu erkennen, anzuerkennen oder gar zu verstehen, wenn sie anders funktionieren als unsere. Ein besonders deutliches Beispiel schildert Sy Montgomery in ihrem Buch The Soul of an Octopus – wie der Titel schon vermuten lässt, am Beispiel der Oktopusse.…
-
Attraktoren als Ordnungsprinzip emergenter Systeme
Um über emergente Systeme sprechen zu können, brauchen wir neue Begrifflichkeiten. Diese helfen uns, Phänomene zu beschreiben, die daraus entstehen, dass zahllose kleine Komponenten miteinander interagieren und damit etwas „Neues“ auf der übergeordneten Ebene entsteht. Diese Begriffe beschrieben dabei nicht die Komponenten an sich (im Taoismus qi), sondern deren Beziehung und Interaktion miteinander (li). Wenn wir den Gedanken ernst nehmen,…
-
Menschliches und nicht-menschliches Denken sind stark emergent
In den letzten Wochen habe ich immer wieder über die menschliche Intelligenz geschrieben und darüber, wie sie sich von tierischer und auch künstlicher unterscheidet – oder eben nicht. Dieses Thema lässt mich gerade nicht los, sodass ich mich in den nächsten Monaten etwas tiefer darein versenken werde. Das wird sich natürlich auch auf die Themen in diesem Blog auswirken. Heute…