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Kapitalisierung von Wissen als Gefahr für den Kapitalismus schon im 19. Jhdt. erkannt
Die zentrale Rolle von Wissen für die Wirtschaft – auch die Produktionswirtschaft – war schon Charles Babbage am Anfang des 19. Jahrhunderts bewusst. Insbesondere sah er in der zunehmenden Kapitalisierung des Wissens der Arbeiterschaft in Maschinen ein langfristiges Risiko für das langfristige Funktionieren eines arbeitszentrierten Kapitalismus – ähnlich übrigens wie das unlikely couple aus David Ricardo und Karl Marx. Matteo…
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Moderner Blick auf Entstehung des Computers versteckt kollektive Leistung hinter Genie-Kult
Wenn wir heute auf die frühe Entwicklung des Computers zurückblicken, stehen da in erster Linie zwei Namen: Charles Babbage und Ada Lovelace. Sie gelten als Erfinder*innen des Computers bzw. der heute so zentralen Unterscheidung von Hardware und Software. Doch gegenteilig zu der dominierenden Erzählweise individueller Genies waren beide in erster Linie Kinder ihrer Zeit und griffen die dort dominanten Narrative…
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Spinozas Philosophie konnte kollektive Selbsttäuschung nicht überwinden
Ein weiteres Beispiel für einen Philosophen, der schon im 17. Jahrhundert einen sehr modernen Blick auf die Welt hatte, ist Brauch de Spinoza. Doch da er die unbequemen Fragen stellte und nicht bereit war, seine neuen Ideen für die „alte Garde“ verdaulich zu verpacken, ist er bis heute nicht Teil des großen westlichen Kanons, sondern eher eine bekannte Figur des…
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Gig-Economy auch in der Pflege
In den USA gibt es mittlerweile Apps, die das Geschäftsmodell der Gig-Economy, wie beispielsweise beim klassischen Uber oder Plattformen wie Mechanical Turk, auf den Bereich der Pflege übertragen: Hier registrieren sich beruflich Pflegende auf einer Plattform, über die sie dann von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser für einzelne Schichten gebucht werden können. Dabei finden sich all die ausbeuterischen Geschäftspraktiken, wie wir sie…
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Vom Lesen, Denken und Bloggen
Es ist mal wieder so weit. Ein neuer Weltenkreuzer geht online, wieder in einem neuen Format. Der Weltenkreuzer ist jetzt nicht mehr „nur“ Blog, er ist auch kein „Magazin“, er ist auch nicht meine berufliche Webseite in diesem Netz. Er ist Teil meines Denkraums, meiner Notizenwelt, meines „Zettelkastens“. Wenn dir das als Info schon reicht, dann klick dich doch einfach…
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Zahlen können anderes bedeuten als Wert
Ein ganz zentraler Schritt in der Entwicklung des Computers und damit unserer modernen durchtechnisierten Welt war die Erkenntnis, dass Zahlen mehr können, als „nur“ Werte widerzuspiegeln. Die zentrale Figur war hier Ada Lovelace, die immer mal wieder als „erste Programmiererin“ bezeichnet wird. Während die ursprüngliche Difference Engine von Charles Babbage den Ablauf der Berechnung noch fest in die physische Hardware…
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Arbeitsteilung macht Arbeit berechenbar
Die Arbeitsteilung geht aber nicht nur der Automatisierung von Arbeit voraus. Sie ist auch eine zentrale Grundlage dafür, den notwendigen Arbeitsaufwand berechenbar zu machen und Arbeitszeit als eine beliebig kalkulierbare Große zu verstehen. So schreibt Matteo Pasquinelli in seinem Buch The Eye of the Master: The Babbage principle states that the organisation of a production process into small tasks (the division…
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Arbeitsteilung geht der Automatisierung voraus
Am Beispiel der ersten mechanischen Computer lässt sich sehr gut erkennen, dass die Automatisierung von Arbeit nicht in erster Linie auf einer technischen Innovation aufbaut, sondern auf der konkreten Organisation von Arbeit. So weist Matteo Pasquinelli in seinem Buch The Eye of the Master darauf hin: In early nineteenth- century England, ‘computer’ was not the name of a machine but…
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Abstraktionen haben eine materielle Grundlage
Formale und erst recht automatisierte Algorithmen im Sinne Pasquinellis wecken die Illusion einer universellen Wahrheit, die losgelöst ist von materiellen Beschränkungen. Doch wie eben Pasquinelli in seinem Buch The Eye of the Master beschreibt, haben alle diese Algorithmen eine konkrete materielle Grundlage: First, processes of quantification and comparison that were based on equivalence without involving counting. Counting then emerged as…
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KI am Arbeitsplatz erzeugt Belastung und Stress
Kaum gab es ein einfach verfügbares und umfangreich trainiertes „Large Language Model“, überschlugen sich die Meldungen und Versprechungen über Künstliche Intelligenz – wie sie uns Arbeit abnehmen würde und die Wirtschaft revolutionieren. Doch nach zwei Jahren ist von diesen Versprechungen nicht mehr allzu viel übrig. So zeigt eine Umfrage in den USA: Although 96% of C‑suite leaders expect AI to…
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Drei Typen von Algorithmen
„Algorithmus“ ist mittlerweile einer der wichtigsten Begriffe geworden, wenn wir über den Einfluss von Technologie auf unsere Gesellschaft nachdenken. Dabei wird der Begriff selbst jedoch selten direkt thematisiert und bleibt auch in seiner Verwendung unklar und nicht wirklich definiert. Dadurch geht verloren, dass es nicht nur die fast schon mythisch verklärten Algorithmen der Sozialen Medien und der KI gibt. Algorithmen…
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Wir müssen gegen Software und das Internet kämpfen
Cory Doctorow hat mit der Idee der Enshittification ein schönes Bild geschaffen, um zu analysieren, warum Plattformen wie Amazon oder Spotify für Kund*innen wie Anbieter immer schlechter werden. In seinem Newsletter geht Ed Zitron jetzt noch etwas weiter und beschreibt den kontinuierlichen Kampf, in dem wir uns mit „dem Internet“ und den Programmen, die viele täglich nutzen, befinden: Our digital…
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Bildung gilt als weiblich und stößt damit Männer ab
Nachdem Frauen lange Zeit an US-amerikanischen Hochschulen massiv unterrepräsentiert waren, machen sie mittlerweile gut 60 Prozent der eingeschriebenen Studierenden aus. (In Deutschland lässt sich diese Entwicklung aktuell nicht beobachten, hier machen Frauen rund 51 Prozent der eingeschriebenen Studierenden aus.) Die Gründe hierfür sind vielfältig, wie Celeste Davis in ihrem Newsletter beschreibt: von dem höheren Anteil von Männern im Militär über…
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Wir müssen lernen, ohne Arbeit zu leben
Die Lohnarbeit steht seit Jahrzehnten im Mittelpunkt unserer Gesellschaft. Sie dient uns nicht nur dazu, unseren Lebensunterhalt zu bestreiten, sie ist auch eines der wenigen Elemente, das unsere Gesellschaft aus Individuen überhaupt noch zusammenhält. So schreibt Theresa Bücker in ihrem Buch Alle_Zeit: In unserer Gesellschaft ist es derzeit am einfachsten, über eine Berufstätigkeit längerfristig gesund und zufrieden zu bleiben, da…
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Arbeitsteilung macht intellektuelle Arbeit zu physischer
Ein zentraler Aspekt bei der Automatisierung intellektueller Arbeit und der Einführung der frühen Rechenmaschinen war die Umwandlung von intellektuell anspruchsvoller Arbeit in physisch anspruchsvolle. Diese brauchte jedoch eben nicht so sehr eine Ausbildung als „nur“ physische Kraft und Ausdauer. So schreibt Lorraine Daston in ihrem Buch Rules über den Einsatz der Hollerith-Maschinen Ende des 19. Jahrhunderts: Instead of calculating 10,000…
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Erste moderne Arbeitsteilung gab es bei intellektueller Arbeit
Arbeitsteilung und Automatisierung von Arbeit verbinden wir im Normalfall mit physischer Arbeit und der Produktion von Gütern. Nachdem sie theoretisch bereits im 18. Jahrhundert beschrieben wurde – z. B. bei Quesnay und Adam Smith wird der Beginn ihres Siegeszugs üblicherweise auf die Arbeiten Frederick Taylors am Anfang des 20. Jahrhunderts datiert. Hier wird die Planung und Konzeption des Produktionsprozesses als…
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Vernetztes Denken braucht Auswendiglernen
In Zeiten dünner Regeln und abstrakter Kompetenzen hat das Auswendiglernen einen schweren Stand: Es gilt als veraltet, da man doch alles ohnehin nachschlagen kann und diverse Werkzeuge uns in unserem alltäglichen Leben und Arbeiten unterstützen. Während das Lernen manifester Fakten wie dem Einmaleins oder den sechzehn Bundesländern noch halbwegs akzeptiert ist, geraten konkrete Jahreszahlen oder gar Gedichte oder Geschichten an…
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Plattformen schwächen den Link als zentrales Element des Internet
Links sind ein zentrales Element des klassischen Internets und unabdingbar für sein Funktionieren. Sie ermöglichen es, nahezu beliebige Inhalte im Netz miteinander in Verbindung zu bringen und so ein dicht geknüpftes Netz von Gedanken und Ideen zu spinnen. Sie bergen damit intellektuelle Sprengkraft, wie sie Steven Hall in seinem Buch Maxwells Demon beschreibt: He’d called hyperlinks atom bombs – punching…
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Dicke Regeln funktionieren über Analogien und Übertragung
Ein wichtiges Element für den Einsatz dicker Regeln ist ein umfangreiches Repertoire an Anekdoten, Beispielen und Modellen, aus denen man sich in einer komplexen und unübersichtlichen Situation bedienen kann, um zu einer fundierten Entscheidung zu kommen. So schreibt Lorraine Daston in ihrem Buch Rules: Overarching rules subsuming many specific problems were scarce, but a rich repertoire of memorized examples could…
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Dicke Regeln verbinden Abstraktion und Konkretes
Während dünne Regeln eine stabile Welt benötigen, boten „dicke“ Regeln auch in instabilen Welten Verlässlichkeit und erlaubten ein gewisses Maß an Kontrolle. Sie reduzierten komplexe Situationen nicht auf eine einzelne Formel oder einen monokausalen Zusammenhang, sondern umfassten ein breites Spektrum an Interpretationshilfen und Entscheidungsunterstützung. So schreibt Lorraine Daston in ihrem Buch Rules: The world of early modern practitioners was too…
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Dünne Regeln brauchen eine stabile Welt
Damit sich Algorithmen als dominante Form von Regeln etablieren konnten, musste die Welt erst in eine Form gebracht werden, in der das, was Lorraine Daston in ihrem Buch Rules „dünne Regeln“ nennt, ausreichend ist, um komplexe Zusammenhänge zu erfassen und zu kontrollieren. Vor- und frühmoderne Zeiten waren von einem Regelmodell geprägt, das Daston „dick“ nennt und dessen Anwendung ein hohes…
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KI-Trainingsdaten verändern englische Sprache und wirken dadurch rassistisch
Die Sprache der „künstlichen Intelligenz“ ist (aktuell?) Englisch. Doch nicht irgendein Englisch. Vielmehr sind die Produkte der KI geprägt von dem Englisch, das im Trainingsprozess genutzt wird. Der Guardian berichtet nun, dass hier ein spezieller Mechanismus am Werk ist, der letztlich mal wieder auf rassistischer Ausbeutung basiert und rassistische Strukturen reproduziert. In der letzten Zeit sind einige sprachliche Marker aufgefallen,…
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Zettelkästen sind keine stummen Speicher
Als Reaktion auf einen Artikel von Cal Newport sah sich Sascha Fast auf zettelkasten.de genötigt, einen offenen Brief zu schreiben, der mit einem grundlegenden Missverständnis über komplexe, vernetzte Notizsysteme wie den Zettelkasten aufräumt: Newport addresses the claim that note systems serve to relieve the user of the work of remembering: If you have such a system, so the assumption goes,…
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Klimakatastrophe konfrontiert uns mit den überdeckten Widersprüchen
Gut 2000 Jahre ist die westliche Philosophie mittlerweile damit beschäftigt, die Widersprüchlichkeiten des Weltbilds der Unterwerfung damit in Einklang zu bringen, dass wir Menschen doch eigentlich gut, göttlich und vernünftig sind. Und dann kommt da diese Klimakatastrophe und macht unser ganzes schönes Gerede kaputt. So schreibt Phillip Blom in seinem Buch Unterwerfung: Das Projekt der Unterwerfung der Natur durch den…
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Paradigmatische Regeln anzuwenden, braucht Ermessen
Eine der Bedeutungsebenen von „Regel“, die Lorraine Daston in ihrem Buch Rules beschreibt, ist die der Paradigmen und Modelle. Im Mittelpunkt dieser Bedeutungsebene steht ein konkretes oder abstraktes Beispiel, das dem eigenen Handeln Orientierung gibt, ohne es bis ins kleinste Detail zu bestimmen. Daston nimmt hier den Abt des klassischen Klosters als Beispiel: The abbot, whose name derives from the…
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Bernardino Telesio blickt im 16. Jhdt. mit modernem Blick auf den Menschen
Auch wenn die Philosophen der Ideengeschichte, die heutzutage als Kanon gelten, im Kern nie am christlichen Motiv der Unterwerfung der Welt gerüttelt haben, gab es doch ebensolche Autoren. Diese werden heute jedoch wesentlich weniger diskutiert, eben weil sie unseren grundlegenden Blick auf die Welt immer noch infrage stellen. Einer dieser Denker ist Bernardino Telesio, der bereits Mitte des 16. Jahrhunderts…
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Wissenschaftliche Revolution im Kern eine pragmatische Wende
Die „wissenschaftliche Revolution“ gilt gemeinhin als der Übergang zu harter und sicherer Wissenschaft, die strenge Messung und Logik an die Stelle hypothetischer Argumentation und allgemeinen Aberglaubens stellt. In ihrem Buch Rules zeigt Lorraine Daston jedoch, dass diese Wende eher pragmatisch war: By the mid-eighteenth century, the sciences had adopted and refined empirical practices originally developed in the arts and crafts,…
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Rassismus entstand um Sklaverei zu rechtfertigen
Ein zentrales Element der westlichen Ideengeschichte sind die Spannungen zwischen positiven menschlichen Werten wie göttlich geforderter „Moral“ oder menschlich inhärenter „Vernunft“ und dem Streben danach, nicht nur die Natur, sondern auch andere Menschen zu unterwerfen. Für Phillip Blom in seinem Buch Unterwerfung ist es gar die zentrale Aufgabe der westlichen Philosophie gewesen, diese Widersprüche aufzulösen. Das westliche Weltbild unterscheidet klar…
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Algorithmen ersetzen Paradigmen als dominante Form von „Regeln“
Auf den ersten Blick scheint uns der Begriff „Regel“ relativ klar zu sein. Doch in ihrem Buch Rules: A Short History of What We Live By zeigt die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston auf, dass wir hier mindestens drei Bedeutungen unterscheiden müssen. Zudem hat sich auch die Gewichtung dieser drei Ebenen verändert: Die erste Ebene kommt im deutschen Begriff „Regel“ nicht so…
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Kanon-Philosophen konnten Neues einbauen ohne Altes zu zerstören
Ein grundlegendes Problem bei unserem Verständnis von Geschichte ist, dass wir sie nur im Rückblick verstehen können und dazu neigen, die heutige Situation als notwendiges Produkt dieser Geschichte zu verstehen und alles andere als ebenso notwendige Zwischenschritte. Dasselbe gilt auch für die Ideengeschichte. Deswegen lohnt sich ein Blick auf die Philosophen (leider fast keine *innen), die heute als Kanon gelten.…
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Aufklärung löst Trennung zwischen Mensch und Natur nicht auf
Im Gegensatz zur gängigen Interpretation führte die Aufklärung nicht zu einer Ablösung religiöser Ideale und Weltvorstellungen. Sie nahm lediglich das etablierte christliche Weltbild und änderte das rechtfertigende Narrativ. Es blieb bei der scharfen Trennung zwischen „Mensch“ und „Natur“, nur dass das entscheidende Kriterium nicht länger die Seele war, sondern die Vernunft. Auch der Konflikt zwischen diesen beiden Ebenen und der…
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Klassische Ökonomie ist eng mit Religion verwandt
In seinem Buch Unterwerfung skizziert Phillip Blom den kapitalistischen Markt als die aktuell dominierende Form, mit deren Hilfe wir Menschen rechtfertigen, uns die Welt zu unterwerfen. Er sieht dabei insbesondere die neoliberale Ökonomie in der besten Tradition der westlichen Kanon-Philosophie – geübt darin, fundamentale Widersprüche rhetorisch zu überdecken: Nach den Apologeten der Religion kamen die Apologeten des Marktes, Erben der…
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Unterwerfung unter die Maschinen ist logische Konsequenz des westlichen Weltbildes
Wenn wir auf die Entwicklung des westlichen Weltbildes der letzten 2000 Jahre blicken, ist es letztlich nur folgerichtig, dass wir Menschen uns in den letzten rund 250 Jahren immer mehr den Maschinen untergeordnet haben. Und es überrascht auch nicht, dass es mittlerweile en vogue ist, die Zukunft der Menschheit in einer Art Symbiose mit den Maschinen zu sehen. Den zentralen…
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Fokuspunkte der Unterwerfung
In seinem Buch „Unterwerfung“ arbeitet Phillip Blom heraus, wie sich die Idee der Unterwerfung durch die westliche Ideengeschichte zieht. Dabei beschreibt er unterschiedliche Kristallisationspunkte dieser Ideologie, die sich historisch gegenseitig abgelöst haben. Sie boten eine Rechtfertigung für die Unterwerfungsprojekte der entsprechenden Epoche. Religion: Hier sieht Blom den Ursprung dieser Ideologie, uns zwar im ersten Schritt in der Unterscheidung zwischen göttlicher…
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Unsere technologische Infrastruktur ist fragil
Im Sommer 2024 setzte ein Bug in der Software Crowd Strike weltweit unzählige Server außer Gefecht und legte damit unter anderem den globalen Flugverkehr lahm. Für Ed Zitron ist dieses Ereignis ein weiteres Zeichen für den grundlegenden Denkfehler, dem die Technologiebranche insbesondere im Silicon Valley unterliegt: Every problem you see is a result of a tech industry — from the…
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Der Kapitalismus braucht Bullshit Jobs um Umverteilung zu legitimieren
Letztens habe ich hier noch über Mittelmaß im Kapitalismus geschrieben und bin dabei irgendwann auf das Thema Bullshit Jobs gekommen – einen Begriff, den der Anthropologe und Aktivist John Graeber geprägt hat. Wenn man akzeptiert, dass (zu) viele Jobs heutzutage im Kern unnötig sind, stellt sich doch die Frage, warum es dann jemanden gibt, der bereits ist, dafür Geld auszugeben.…
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KI verhindert Lernen und zerstört Kompetenz
Die Kunst ist ein Bereich, in dem man besonders gut über die Unterschiede zwischen menschengemachten und maschinell generierten Artefakten nachdenken kann. Dies tut Ted Chiang mal wieder auf seine unnachahmlich pointierte Weise in seinem relativ neuen Artikel Why A.I. Isn’t Going to Make Art. Er schließt dabei unmittelbar an die Argumente an, die ich hier auch schon formuliert habe: KI-Kunst…
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Dem Kapitalismus reicht Mittelmaß
In der Diskussion um die Qualität der Ergebnisse von Large Language Models ist eines der zentralen Argumente der Kritiker die unzureichende Zuverlässigkeit, die fehlende Qualität und die Gleichförmigkeit der Ergebnisse. An dieser Stelle kann und will ich auch gar nicht widersprechen – das grundlegende Funktionsprinzip dieser Algorithmen ist es, Muster aus alten Daten auf neue anzuwenden. Das Problem ist nur,…
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Ständiger Krieg und Zersplitterung trieben Innovation in Europa
Den Entwicklungsschub, den Europa in der frühen Neuzeit nahm, erklärt Philipp Blom mit der spezifischen politischen Landschaft auf dem Kontinent. Durch die Zersplitterung in viele unterschiedliche Reiche, standen die Herrschenden unter dem kontinuierlichen Druck, auf neue Entwicklungen zu reagieren und sich weiterzuentwickeln – im Gegensatz z. B. zu China: Der Reformdruck war durch die Krise der Landwirtschaft überall gestiegen, aber…
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Bei Konsumgütern gibt es keinen gemeinsamen europäischen Markt
Es ist gefühlt schon ein halbes Leben her, dass ich meine Zeit damit verbracht habe, mir die Europäische Integration im Alltagsleben der Menschen wissenschaftlich anzuschauen. In seinem Krautreporter-Artikel Warum Produkte in anderen Ländern oft besser sind macht Gabriel Yoran jetzt noch eine spannende Perspektive auf, die unmittelbar an die Gedanken in meiner Diss anschließt. Yoran beginnt dabei mit der Beobachtung,…
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Europa wurde mächtig, weil es im entscheidenden Moment keine Konkurrenz gab
Beim Blick auf die globale Geschichte stellt sich immer wieder die Frage, warum gerade dieser kleine Wurmfortsatz im westlichen Asien es in kurzer Zeit schaffte, sich einen großen Teil der Welt zu unterwerfen und in den eigenen Dienst zu stellen. Philipp Blom bietet hierfür in seinem Buch „Unterwerfung“ eine einfache Erklärung, die wenig mit irgendeiner Art systematischer Überlegenheit oder Vorteil…
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Zwischen Rechtfertigung des Alten und Heterodoxie im Umgang mit dem Wandel
Ein Thema, das sich besonders durch den zweiten Teil des Buches zieht, ist der Umgang mit der Widersprüchlichkeit zwischen neuen, empirisch-basierten wissenschaftlichen Ideen und dem weiterhin vorherrschenden Christentum. Auf der einen Seite gab es einen „moderaten Mainstream“, wie ihn Jonathan Israel nennt, der heute als philosophischer Kanon der wissenschaftlichen Revolution gilt. Autoren wie Renè Descartes nutzen ihr beachtliches intellektuelles wie…
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Kapitalismus sorgt nicht für Qualität von Konsumgütern
In seinem Krautreporter-Artikel „Warum Produkte in anderen Ländern oft besser sind“ wirft Gabriel Yoran nicht nur interessante Gedanken zu einem Europäschen Konsumerlebnis auf, sondern formuliert auch pointiert allgemeine Beobachtungen zur Qualität von Konsumgütern in den verschiedenen Ländern. Er beginnt dabei mit dem Punkt, dass die Dynamiken und Anreize der entsprechenden Märkte nicht dazu führen, dass besonders gute und/oder interessante Produkte…
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Deutsche Identität verlangt Unterwerfung unter die Wirtschaft
In einer großen Umfrage zum „Stolz auf das eigene Land“ zeigt sich in Deutschland eine Besonderheit. Hier sind es nicht die Demokratie oder die Kultur, die die meisten Stimmen auf sich vereinen, sondern die Wirtschaft. Extremismusforscher Oliver Decker leitet daraus im Interview mit der taz eine interessante Erklärung für den aktuellen Rechtsrutsch in Deutschland und die erstarkende Fremdenfeindlichkeit ab. Seine…
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Von Luftpumpen und Vögeln
Ein bestimmtes Gemälde von Joseph Wright of Derby zeigt das Verhältnis der Menschen zur beginnenden Industrialisierung und der wissenschaftlichen Revolution: „Das Experiment mit dem Vogel und der Luftpumpe“, das heute in London zu sehen ist. Im Mittelpunkt steht der Vogel in der Glaskugel, aus der rot gekleidete Experimentator nach und nach die Luft heraus lässt. Der Vogel windet sich im…
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KI-Kunst ohne Intention
In einem aktuellen Essay beschäftigt sich Cory Doctorow (@pluralistic) damit, warum „Kunst“, die von künstlicher „Intelligenz“ erzeugt wird, sich für ihn seltsam, merkwürdig oder, auf Englisch treffend, eerie anfühlt. Er zitiert hier maßgeblich Henry Farrell bzw. Mark Fisher: „Eeriness“ here is defined as „when there is something present where there should be nothing, or is there is nothing present when…
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Schreiben kann helfen, bessere Entscheidungen zu treffen
Seit ich mich intensiver mit dem Schreiben beschäftige, ist mir klar, dass es beim Denken helfen kann. Bislang habe ich dabei aber in erster Linie an akademisches oder zumindest professionelles Schreiben gedacht. Hier geht es um die Qualität des Arguments auf der sachlichen Ebene – zumindest in erster Linie. Privates Schreiben hatte ich hier in erster Linie als neudeutsch „Journalling“…
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Das Hirn reagiert nicht, es denkt voraus
Es gibt ein klassisches Bild von unserer Wahrnehmung: Danach lösen Impulse von Außen in unseren Sinnesorganen – also z. B. Augen oder Ohren – bestimmte Signale aus, die dann an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet werden. Ein bestimmtes Muster wird dann dort interpretiert und zum Beispiel als Hund oder als Musik interpretiert. In ihrem Buch „Wie Gefühle entstehen“ beschreibt…
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Online-Publikationen brauchen Gewicht, um sie zu monetarisieren
Mit der Schwäche von X/Twitter und anderen großen Online-Plattformen sowie journalistischen Angeboten stellt sich die Frage nach einer Neu-Organisation oder zumindest Weiterentwicklung der Landschaft für professionelles und bezahltes Publizieren im Netz. Dabei haben sich in den letzten Jahren zwei Formate gerade für kleinere Angebote als (vorerst) nachhaltig erwiesen: Podcasts und Newsletter. Während Podcasts außerhalb der großen Plattformen auf RSS-Feeds basieren,…
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Koloniale Vergangenheit ist tief in Gesellschaft verankert
Als jemand, der im „Globalen Norden“ aufgewachsen ist und den Kolonialismus daher in erster Linie aus der Täterperspektive kennt, fällt es mir ein wenig schwer, über das Thema zu schreiben. Gleichzeitig ist unser Umgang mit der kolonialen Vergangenheit fundamental wichtig, wenn wir es ernst damit meinen, eine faire Welt ohne Ausbeutung zu gestalten. Ein sehr schöner neuer Artikel von Amelia…