Schlagwort: Kapitalismus

  • „Liberal“ – ein gefährliches Teekesselchen

    Teekesselchen sind per­fek­te Unter­hal­tung für sprach­in­ter­essierte Kinder: das­selbe Wort, zwei Bedeu­tun­gen, die auf den ersten Blick nichts miteinan­der zu tun haben. Für gesellschaftliche Diskurse sind Teekesselchen hinge­gen brandge­fährlich, weil ver­schiedene Men­schen das­selbe Wort benutzen, aber fak­tisch unter­schiedliche Dinge damit meinen. Schon länger kur­siert online das Meme über das Wort Respekt, das ich hier mal para­phrasiere: Respekt kann sich darauf beziehen,…

  • KI weist auf problematische gesellschaftliche Strukturen hin

    Ich habe schon länger den Ver­dacht, dass jede Diskus­sion über den sin­nvollen Ein­satz von KI let­ztlich eine Diskus­sion über die Schwächen unser­er neolib­er­al-kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft­sor­d­nung ist. Im Kern ver­schärft KI in meinen Augen da in erster Lin­ie die Wider­sprüche, die wir im Kap­i­tal­is­mus ohne­hin haben. In eine ähn­liche Rich­tung zielt Lorenz Matzat, der in der Auseinan­der­set­zung mit der fun­da­men­tal­en Kri­tik gegenüber…

  • Raus aus den Monopolen

    In den let­zten Jahren ist immer deut­lich­er gewor­den, dass die Dom­i­nanz (meist) amerikanis­ch­er Monop­o­lis­ten diversen Märk­ten nicht gut­tut: von der Suche (Google) über die Büroar­beit (Microsoft) bis hin zu Musik (Spo­ti­fy), Hör­büch­ern (Audi­ble), eBooks (Kin­dle) und Sozialen Medi­en (Twit­ter, Facebook/Instagram, YouTube und Tik­Tok). Alle haben sie mit­tler­weile das durch­laufen, was Cory Doc­torow Enshit­ti­fi­ca­tion nen­nt: Dieser Teufel­skreis ist kaum zu durch­brechen,…

  • Freiheit im Kapitalismus existiert für viele nur auf dem Papier

    Die Rhetorik der Frei­heit des Kap­i­tal­is­mus ist für viele Men­schen let­ztlich nicht real erleb­bar, auch wenn sie als rechtlich gesichert kom­mu­niziert wird. Hier haben wir mal wieder den Kon­flikt zwis­chen der juris­tis­chen Real­ität und der Welt: Aus der rein for­malen Frei­heit in arbeit­steilig organ­isierten Mark­t­ge­sellschaften resul­tiert so der Wider­spruch, de jure frei zu sein, aber de fac­to nicht über sich…

  • Kapitalismus verspricht Selbstwirksamkeit, begrenzt sie aber

    Ein zen­trales Ver­sprechen demokratisch-kap­i­tal­is­tis­ch­er Sys­teme ist die (for­male) Möglichkeit für einzelne Per­so­n­en, ihrer Stimme Gehör zu ver­schaf­fen und bei der Gestal­tung der Gesellschaft mitzus­prechen. Dabei stellt sich von vorn­here­in die Frage, inwieweit dieses Ver­sprechen über­haupt ein­lös­bar ist, fak­tisch wird es auf jeden Fall nicht real­isiert. Indi­viduen sind in spät­mod­er­nen Gesellschaften in diesem Sinne einem Dilem­ma aus­ge­set­zt, das sich nur schw­er…

  • Aktuelle Zeit kann keine großen Fortschrittsprojekte mehr umsetzen

    In ein­er telel­o­gis­chen Welt ist die Men­schheit zum Fortschritt ver­dammt. In der The­olo­gie Peter Thiels sind dazu große Pro­jek­te nötig, zu denen wir aktuell aber nicht in der Lage sind, weil wir uns in gesellschaft­spoli­tis­chem Klein-Klein ver­hed­dern: Um nicht zurück­z­u­fall­en, sind große Ziele unverzicht­bar, wie es sie einst in den USA gab: das Man­hat­tan-Pro­jekt zur Entwick­lung der Atom­bombe, die Mond­lan­dung…

  • Ideal der Bildung war schon vor ChatGPT kaputt

    Auch wenn wir jet­zt Chat­G­PT dafür ver­ant­wortlich machen, dass Studierende nicht mehr in erster Lin­ie ler­nen, son­dern jede mögliche Abkürzung nehmen, um Prü­fun­gen gut zu beste­hen, war das Ide­al der Bil­dung um der per­sön­lichen Entwick­lung willen schon vorher zer­stört. The ide­al of col­lege as a place of intel­lec­tu­al growth, where stu­dents engage with deep, pro­found ideas, was gone long before…

  • „Give Me Something to Believe …“

    „… in this hell you call a dream“ ist die Textzeile der Band The Warn­ing, die mir ein­fach nicht aus dem Kopf geht. Eben genau, weil sie den offen­sichtlichen Wider­spruch zwis­chen der kap­i­tal­is­tisch-demokratis­chen Rhetorik der Frei­heit und dem täglichen Erleben der Men­schen auf den Punkt bringt. The Warn­ing: Hell you call a dream vom Album Keep Me Fed

  • Kapitalismus liefert bei seinem zentralen Versprechen nicht

    Der Kap­i­tal­is­mus ist weitver­bre­it­et als die Gesellschafts­form anerkan­nt, die den Men­schen Glück und Frei­heit liefert. Gle­ichzeit­ig merken die Men­schen aber auch, dass sie diese Frei­heit und das Glück in ihrem Leben nicht erken­nen kön­nen und kon­stant an sys­temis­che Gren­zen in dem stoßen, was sie tun kön­nen und was nicht. Das spät­mod­erne Indi­vidu­um ist heute in sein­er Grund­kon­sti­tu­tion ambiva­lent. Es kann…

  • Versagen setzt Ideal des maschinellen Funktionierens voraus

    Der Begriff des Ver­sagens kommt eigentlich aus der Waf­fen­tech­nolo­gie und beschreibt solche Momente, in denen das mech­a­nis­che Sys­tem nicht so funk­tion­iert, wie es funk­tion­ieren sollte. Wenn man diesen Begriff nun auf men­schlich­es Han­deln überträgt, set­zt man impliz­it voraus, dass Men­schen eigentlich wie ein mech­a­nis­ches Sys­tem funk­tion­ieren soll­ten. Ver­sagen beschreibt also das uner­war­tete und uner­klär­liche Nicht­ein­treten ein­er eigent­lich zu erwar­tenden Leis­tung,…

  • Thiel sieht Geschichte teleologisch mit ständigem Fortschritt

    In der The­olo­gie Peter Thiels ist die Geschichte auf einen Fortschritt aus­gerichtet, den wir kon­tinuier­lich ver­fol­gen müssen, um uns aus der Bar­barei mimetis­ch­er Gewalt zu befreien. Die gesamte Weltzeit ver­läuft nicht zyk­lisch, wie die alten Völk­er mein­ten, son­dern auf ein Ziel hin­gerichtet hin­aus, nach vorne. Ste­hen bleiben bedeutet also Rück­fall. Quellen Artikel: Der Oli­garch als Opfer von Klaus Mertes

  • Das monopolistische Gebaren begründet Peter Thiel theologisch

    Mit sein­er the­o­retis­chen Recht­fer­ti­gung der aktuellen Ide­olo­gie der Tech-Oli­garchen knüpft Peter Thiel an die The­olo­gie Rene Girards an, der men­schliche Triebe auf die Nachah­mung ander­er aus­gerichtet sieht und damit ständi­gen Wet­tbe­werb pro­duziert. Thiel zieht daraus den Schluss, dass Gewalt­frei­heit und Frei­heit all­ge­mein nur dann möglich sind, wenn man sich dem Wet­tbe­werb entzieht. Monopol­bil­dung ist die Alter­na­tive zum Wet­tbe­werb. Daraus entste­ht…

  • KI ist ein politisches Projekt der Machtverlagerung

    Wenn wir Tech­nolo­gien in erster Lin­ie nach ihrer gesellschaftlichen Bedeu­tung klas­si­fizieren, wird deut­lich, dass KI in ein­er Tra­di­tion­slin­ie mit der Automa­tisierung physis­ch­er Pro­duk­tion ste­ht und auf die Zen­tral­isierung von Wis­sen und dessen Ver­mark­tlichung abzielt: I think we should shed the idea that AI is a tech­no­log­i­cal arti­fact with polit­i­cal fea­tures and rec­og­nize it as a polit­i­cal arti­fact through and through.…

  • Automatisierung als ursprüngliche Akkumulation von Wissen

    Wenn wir akzep­tieren, dass auch das, was wir heute „physis­che Arbeit“ nen­nen, einen sig­nifikan­ten Anteil an Wis­sen voraus­set­zt, wird die Indus­tri­al­isierung nicht nur zu ein­er Akku­mu­la­tion von physis­chem Kap­i­tal, son­dern auch von Wis­sen, über das die Arbeit­er ver­fü­gen und das sich nun in der Form von Maschi­nen man­i­festiert und damit in ein­er nahezu unbeschränk­ten Weise kap­i­tal­is­tisch aus­ge­beutet wer­den kann. Dabei…

  • Private Equity überträgt Firmeneigentum auf Investoren

    Das zen­trale Ziel von Pri­vate-Equi­ty-Fir­men beste­ht darin, die Assets ein­er über­nomme­nen Fir­ma zu übernehmen und die Kosten mit aller Gewalt zu drück­en. Dabei ist es auch egal, wenn das Unternehmen pleit­ege­ht. Con­trary to the industry’s claims about being experts in turn­ing com­pa­nies from losers to win­ners, pri­vate equi­ty typ­i­cal­ly tar­gets healthy com­pa­nies rather than under­per­form­ing ones, the bet­ter to extract…

  • Schon Ricardo sah in Automatisierung Gefahr für Arbeiterschaft

    Mit sein­er The­o­rie des „kom­par­a­tiv­en Kosten­vorteils“ legte David Ricar­do die Grund­la­gen für den klas­sis­chen ökonomis­chen Blick auf inter­na­tionalen Han­del. Mit sein­er Arbeit­s­the­o­rie des Wertes legt er zudem die Grund­lage für den marx­is­tis­chen Blick auf Arbeit und Kap­i­tal­is­mus. Mir zumin­d­est bis­lang nicht bekan­nt war, dass Ricar­do sich auch aus­führliche Gedanken darüber gemacht hat, wie sich die zunehmende Automa­tisierung auf die Men­schen…

  • Kapitalisierung von Wissen als Gefahr für den Kapitalismus schon im 19. Jhdt. erkannt

    Die zen­trale Rolle von Wis­sen für die Wirtschaft – auch die Pro­duk­tion­swirtschaft – war schon Charles Bab­bage am Anfang des 19. Jahrhun­derts bewusst. Ins­beson­dere sah er in der zunehmenden Kap­i­tal­isierung des Wis­sens der Arbeit­er­schaft in Maschi­nen ein langfristiges Risiko für das langfristige Funk­tion­ieren eines arbeit­szen­tri­erten Kap­i­tal­is­mus – ähn­lich übri­gens wie das unlike­ly cou­ple aus David Ricar­do und Karl Marx. Mat­teo…

  • Gig-Economy auch in der Pflege

    In den USA gibt es mit­tler­weile Apps, die das Geschäftsmod­ell der Gig-Econ­o­my, wie beispiel­sweise beim klas­sis­chen Uber oder Plat­tfor­men wie Mechan­i­cal Turk, auf den Bere­ich der Pflege über­tra­gen: Hier reg­istri­eren sich beru­flich Pfle­gende auf ein­er Plat­tform, über die sie dann von Pflegeein­rich­tun­gen und Kranken­häuser für einzelne Schicht­en gebucht wer­den kön­nen. Dabei find­en sich all die aus­beu­ter­ischen Geschäft­sprak­tiken, wie wir sie…

  • Arbeitsteilung macht Arbeit berechenbar

    Die Arbeit­steilung geht aber nicht nur der Automa­tisierung von Arbeit voraus. Sie ist auch eine zen­trale Grund­lage dafür, den notwendi­gen Arbeit­saufwand berechen­bar zu machen und Arbeit­szeit als eine beliebig kalkulier­bare Große zu ver­ste­hen. So schreibt Mat­teo Pasquinel­li in seinem Buch The Eye of the Mas­ter: The Bab­bage prin­ci­ple states that the organ­i­sa­tion of a pro­duc­tion process into small tasks (the divi­sion…

  • Arbeitsteilung geht der Automatisierung voraus

    Am Beispiel der ersten mech­a­nis­chen Com­put­er lässt sich sehr gut erken­nen, dass die Automa­tisierung von Arbeit nicht in erster Lin­ie auf ein­er tech­nis­chen Inno­va­tion auf­baut, son­dern auf der konkreten Organ­i­sa­tion von Arbeit. So weist Mat­teo Pasquinel­li in seinem Buch The Eye of the Mas­ter darauf hin: In ear­ly nine­teenth- cen­tu­ry Eng­land, ‘com­put­er’ was not the name of a machine but…

  • Wir müssen gegen Software und das Internet kämpfen

    Cory Doc­torow hat mit der Idee der Enshit­ti­fi­ca­tion ein schönes Bild geschaf­fen, um zu analysieren, warum Plat­tfor­men wie Ama­zon oder Spo­ti­fy für Kund*innen wie Anbi­eter immer schlechter wer­den. In seinem Newslet­ter geht Ed Zitron jet­zt noch etwas weit­er und beschreibt den kon­tinuier­lichen Kampf, in dem wir uns mit „dem Inter­net“ und den Pro­gram­men, die viele täglich nutzen, befind­en: Our dig­i­tal…

  • Erste moderne Arbeitsteilung gab es bei intellektueller Arbeit

    Arbeit­steilung und Automa­tisierung von Arbeit verbinden wir im Nor­mal­fall mit physis­ch­er Arbeit und der Pro­duk­tion von Gütern. Nach­dem sie the­o­retisch bere­its im 18. Jahrhun­dert beschrieben wurde – z. B. bei Ques­nay und Adam Smith wird der Beginn ihres Siegeszugs üblicher­weise auf die Arbeit­en Fred­er­ick Tay­lors am Anfang des 20. Jahrhun­derts datiert. Hier wird die Pla­nung und Konzep­tion des Pro­duk­tion­sprozess­es als…

  • Klimakatastrophe konfrontiert uns mit den überdeckten Widersprüchen

    Gut 2000 Jahre ist die west­liche Philoso­phie mit­tler­weile damit beschäftigt, die Wider­sprüch­lichkeit­en des Welt­bilds der Unter­w­er­fung damit in Ein­klang zu brin­gen, dass wir Men­schen doch eigentlich gut, göt­tlich und vernün­ftig sind. Und dann kommt da diese Kli­makatas­tro­phe und macht unser ganzes schönes Gerede kaputt. So schreibt Phillip Blom in seinem Buch Unter­w­er­fung: Das Pro­jekt der Unter­w­er­fung der Natur durch den…

  • Algorithmen ersetzen Paradigmen als dominante Form von „Regeln“

    Auf den ersten Blick scheint uns der Begriff „Regel“ rel­a­tiv klar zu sein. Doch in ihrem Buch Rules: A Short His­to­ry of What We Live By zeigt die Wis­senschaft­shis­torik­erin Lor­raine Das­ton auf, dass wir hier min­destens drei Bedeu­tun­gen unter­schei­den müssen. Zudem hat sich auch die Gewich­tung dieser drei Ebe­nen verän­dert: Die erste Ebene kommt im deutschen Begriff „Regel“ nicht so…

  • Klassische Ökonomie ist eng mit Religion verwandt

    In seinem Buch Unter­w­er­fung skizziert Phillip Blom den kap­i­tal­is­tis­chen Markt als die aktuell dominierende Form, mit deren Hil­fe wir Men­schen recht­fer­ti­gen, uns die Welt zu unter­w­er­fen. Er sieht dabei ins­beson­dere die neolib­erale Ökonomie in der besten Tra­di­tion der west­lichen Kanon-Philoso­phie – geübt darin, fun­da­men­tale Wider­sprüche rhetorisch zu überdeck­en: Nach den Apolo­geten der Reli­gion kamen die Apolo­geten des Mark­tes, Erben der…

  • Unterwerfung unter die Maschinen ist logische Konsequenz des westlichen Weltbildes

    Wenn wir auf die Entwick­lung des west­lichen Welt­bildes der let­zten 2000 Jahre blick­en, ist es let­ztlich nur fol­gerichtig, dass wir Men­schen uns in den let­zten rund 250 Jahren immer mehr den Maschi­nen unter­ge­ord­net haben. Und es über­rascht auch nicht, dass es mit­tler­weile en vogue ist, die Zukun­ft der Men­schheit in ein­er Art Sym­biose mit den Maschi­nen zu sehen. Den zen­tralen…

  • Fokuspunkte der Unterwerfung

    In seinem Buch „Unter­w­er­fung“ arbeit­et Phillip Blom her­aus, wie sich die Idee der Unter­w­er­fung durch die west­liche Ideengeschichte zieht. Dabei beschreibt er unter­schiedliche Kristalli­sa­tion­spunk­te dieser Ide­olo­gie, die sich his­torisch gegen­seit­ig abgelöst haben. Sie boten eine Recht­fer­ti­gung für die Unter­w­er­fung­spro­jek­te der entsprechen­den Epoche. Reli­gion: Hier sieht Blom den Ursprung dieser Ide­olo­gie, uns zwar im ersten Schritt in der Unter­schei­dung zwis­chen göt­tlich­er…

  • Unsere technologische Infrastruktur ist fragil

    Im Som­mer 2024 set­zte ein Bug in der Soft­ware Crowd Strike weltweit unzäh­lige Serv­er außer Gefecht und legte damit unter anderem den glob­alen Flugverkehr lahm. Für Ed Zitron ist dieses Ereig­nis ein weit­eres Zeichen für den grundle­gen­den Denk­fehler, dem die Tech­nolo­giebranche ins­beson­dere im Sil­i­con Val­ley unter­liegt: Every prob­lem you see is a result of a tech indus­try — from the…

  • Der Kapitalismus braucht Bullshit Jobs um Umverteilung zu legitimieren

    Let­ztens habe ich hier noch über Mit­tel­maß im Kap­i­tal­is­mus geschrieben und bin dabei irgend­wann auf das The­ma Bull­shit Jobs gekom­men – einen Begriff, den der Anthro­pologe und Aktivist John Grae­ber geprägt hat. Wenn man akzep­tiert, dass (zu) viele Jobs heutzu­tage im Kern unnötig sind, stellt sich doch die Frage, warum es dann jeman­den gibt, der bere­its ist, dafür Geld auszugeben.…

  • Dem Kapitalismus reicht Mittelmaß

    In der Diskus­sion um die Qual­ität der Ergeb­nisse von Large Lan­guage Mod­els ist eines der zen­tralen Argu­mente der Kri­tik­er die unzure­ichende Zuver­läs­sigkeit, die fehlende Qual­ität und die Gle­ich­för­migkeit der Ergeb­nisse. An dieser Stelle kann und will ich auch gar nicht wider­sprechen – das grundle­gende Funk­tion­sprinzip dieser Algo­rith­men ist es, Muster aus alten Dat­en auf neue anzuwen­den. Das Prob­lem ist nur,…

  • Bei Konsumgütern gibt es keinen gemeinsamen europäischen Markt

    Es ist gefühlt schon ein halbes Leben her, dass ich meine Zeit damit ver­bracht habe, mir die Europäis­che Inte­gra­tion im All­t­agsleben der Men­schen wis­senschaftlich anzuschauen. In seinem Krautre­porter-Artikel Warum Pro­duk­te in anderen Län­dern oft bess­er sind macht Gabriel Yoran jet­zt noch eine span­nende Per­spek­tive auf, die unmit­tel­bar an die Gedanken in mein­er Diss anschließt. Yoran begin­nt dabei mit der Beobach­tung,…

  • Kapitalismus sorgt nicht für Qualität von Konsumgütern

    In seinem Krautre­porter-Artikel „Warum Pro­duk­te in anderen Län­dern oft bess­er sind“ wirft Gabriel Yoran nicht nur inter­es­sante Gedanken zu einem Europäschen Kon­sumer­leb­nis auf, son­dern for­muliert auch pointiert all­ge­meine Beobach­tun­gen zur Qual­ität von Kon­sumgütern in den ver­schiede­nen Län­dern. Er begin­nt dabei mit dem Punkt, dass die Dynamiken und Anreize der entsprechen­den Märk­te nicht dazu führen, dass beson­ders gute und/oder inter­es­sante Pro­duk­te…

  • Deutsche Identität verlangt Unterwerfung unter die Wirtschaft

    In ein­er großen Umfrage zum „Stolz auf das eigene Land“ zeigt sich in Deutsch­land eine Beson­der­heit. Hier sind es nicht die Demokratie oder die Kul­tur, die die meis­ten Stim­men auf sich vere­inen, son­dern die Wirtschaft. Extrem­is­mus­forsch­er Oliv­er Deck­er leit­et daraus im Inter­view mit der taz eine inter­es­sante Erk­lärung für den aktuellen Recht­srutsch in Deutsch­land und die erstark­ende Frem­den­feindlichkeit ab. Seine…

  • Koloniale Vergangenheit ist tief in Gesellschaft verankert

    Als jemand, der im „Glob­alen Nor­den“ aufgewach­sen ist und den Kolo­nial­is­mus daher in erster Lin­ie aus der Täter­per­spek­tive ken­nt, fällt es mir ein wenig schw­er, über das The­ma zu schreiben. Gle­ichzeit­ig ist unser Umgang mit der kolo­nialen Ver­gan­gen­heit fun­da­men­tal wichtig, wenn wir es ernst damit meinen, eine faire Welt ohne Aus­beu­tung zu gestal­ten. Ein sehr schön­er neuer Artikel von Amelia…

  • Big Tech hat die Innovation zerstört

    Ger­ade die großen Tech­nolo­gie-Unternehmen brüsten sich ja gerne mit ihrer Inno­va­tions­fähigkeit. Doch schon seit gut einem Jahrzehnt zeigt, sich dass die Unternehmen selb­st kaum inno­v­a­tive Pro­duk­te entwick­eln, son­dern besten­falls hinzukaufen. Noch deut­lich­er wird dies, wenn wir auf die soge­nan­nten „dis­rup­tiv­en“ Inno­va­tio­nen schauen, also solche Entwick­lun­gen, die einen Markt oder eine Branche grund­sät­zlich umkrem­peln. Auch hier behaupten ger­ade Start-ups gerne, irgen­deinen…

  • Online-Plattformen erzielen Renditen, nicht Gewinne

    Beim Blick auf die dys­funk­tionale Rolle, die die großen Online-Plat­tfor­men spie­len, geht es ger­ade in Deutsch­land meist um das The­ma Daten­schutz und Daten­miss­brauch. Der Kerngedanke dahin­ter ist, dass die Plat­tfor­men unangemessen viele Dat­en über ihre Nutzer*innen sam­meln und daraus einen unfairen Mark­tvorteil gewin­nen. In ihrem Paper Algo­rith­mic Atten­tion Rents: A the­o­ry of dig­i­tal plat­form mar­ket pow­er stellen Tim O‘Reilly, Ilan…

  • Kapitalismus ist auf Abgrenzung zur Natur angewiesen

    Wir Westler*innen haben ein ziem­lich kom­plex­es Denksys­tem aufge­baut, das es uns ermöglicht, uns von der Natur abzu­gren­zen und uns über sie zu erhöhen. Auch eine Verän­derung dieses Denksys­tems fällt uns trotz aller wider­sprüch­lichen Fak­ten über­raschend(?) schw­er. Ein­er der Gründe dafür kön­nte auch sein, dass unser aktuelles Gesellschaftssys­tem und ins­beson­dere unser Wirtschaftssys­tem in einem hohen Maße auf genau diese Unter­schei­dung angewiesen…

  • Kapitalismus im Journalismus verzerrt die öffentliche Debatte

    Jour­nal­is­tis­che Medi­en ver­ste­hen sich gerne als „Kor­rek­tiv“ gegenüber den Mächti­gen in ein­er Gesellschaft. Gle­ichzeit­ig geben sie sich als objek­tive „Chro­nis­ten“ ein­er exter­nen „öffentlichen Debat­te“. Sie verken­nen dabei oft jedoch nicht nur ihre eigene Rolle, son­dern stützen auch struk­turell die ohne­hin schon Mächti­gen: diejeni­gen mit genug Kap­i­tal, um die öffentliche Debat­te in ihrem Sinne zu bee­in­flussen. Eine zen­trale Rolle spielt dabei…

  • Amerikanische Wirtschaftspolitik zerstörte mexikanische Landwirtschaft

    Die Geschicht­en Mexikos und der Vere­inigten Staat­en sind eng miteinan­der ver­woben. Dabei sind es meist die USA, deren (Wirtschafts-)Politik zu gewalti­gen Umwälzun­gen in ihrem südlichen Nach­bar­land führt. Lei­der fast immer zu dessen Nachteil. Zwei Beispiele find­en sich in dem Artikel Göt­ter­spei­se von Alain Amariglio in der Aus­gabe August 2023 der ohne­hin immer extrem lesenswerten deutschsprachi­gen Aus­gabe der Le Monde Diplo­ma­tique…

  • Technofeudalismus in der Automobilindustrie

    Für die Auswüchse des tech­nol­o­gisch basierten Kap­i­tal­is­mus gibt es aktuell ver­mut­lich keine bessere Lek­türe als den täglichen(!) Blog von Cory Doc­torow. In einem aktuellen Beitrag über die Autoen­shit­ti­fi­ca­tion wid­met er sich der Frage, warum die Auto­her­steller ihre Pro­duk­te immer weit­er dig­i­tal­isieren, auch wenn genau diese Verän­derun­gen bei den Kund*innen zu großen Frust führen. Neben seinem eige­nen Begriff der „Enshit­ti­fi­ca­tion“ nutzt…

  • Google Reader war Google zu klein

    Dass große Unternehmen wie Google, Face­book und Ama­zon kein echt­es Inter­esse an einem Wet­tbe­werb haben, son­dern in erster Lin­ie Mono­pole etablieren wollen, zeigt sich auch sehr schön am Beispiel des 2013 eingestell­ten Google Read­er – einem Rück­grat der damals noch sehr aktiv­en Blog­ging-Szene. In seinem Artikel „How Google Read­er died“ rekon­stru­iert David Pierce die Abschal­tung und weist dabei auf einen…

  • Auch Kritik kann einen Hype verstärken

    Der Wert von Unternehmen und in gewis­sem Maße auch ihr Umsatz hängt nicht unbe­d­ingt davon ab, welche Leis­tung sie tat­säch­lich erbrin­gen. Er hängt vielmehr in einem hohen Maße davon ab, welche Erwartun­gen ihnen zugeschrieben wer­den. Ein aktuelles Beispiel, das Lee Vin­sel schon 2021 beschreibt, ist die Erzäh­lung von Googles und Face­books gigan­tis­chem Daten­schatz, der es Unternehmen ermögliche, ihre Wer­bung viel…

  • Warum Spotify will, dass wir Playlisten hören

    Die Musikin­dus­trie hat sich in den let­zten Jahrzehn­ten mehrfach grundle­gend gewan­delt: vom Verkauf vom CDs, über den Verkauf von MP3-Dateien hin zum all­ge­gen­wär­ti­gen Stream­ing via Spo­ti­fy und Co. Auch die fun­da­men­tale Ein­heit der Musik hat sich gewan­delt: Auf Schallplat­ten und CDs wur­den in erster Lin­ie ganze Alben verkauft, bevor iTunes den (Ver-)Kauf von einzel­nen Stück­en möglich machte. Stream­ing­plat­tfor­men schwank­ten dann…

  • Lieber reguliert werden als konkurrieren müssen

    Bleiben wir mal noch bei dem The­ma, dass Kapitalist*innen sich nicht wirk­lich einem fairen Wet­tbe­werb stellen wollen: Ein weit­er­er span­nen­der Mech­a­nis­mus, wie sie ver­hin­dern kön­nen, dass andere – ins­beson­dere neu gegrün­dete – Unternehmen ihnen ihre Mark­tan­teile stre­it­ig machen, span­nt den Staat als Erfül­lungs­ge­hil­fen ein. Für große Monop­o­lis­ten kann es näm­lich äußerst nüt­zlich sein, wenn der Staat ver­sucht, den entsprechen­den Markt…

  • Profitgetriebene Inflation in der Krise

    Neben dem Krieg in der Ukraine war die darauf fol­gende Infla­tion eines der größten medi­alen The­men des let­zten Jahres. Auf den Ein­marsch Rus­s­lands in die Ukraine fol­gte unter anderem eine Berichter­stat­tung, die vor steigen­den Preisen im Rest der Welt warnte – ins­beson­dere natür­lich in den unmit­tel­bar betrof­fe­nen Bere­ichen: fos­sile Energie, weil ein Großteil unser­er Brennstoffe aus Rus­s­land kamen, und Lebens­mit­tel,…

  • Marktmacht nach oben und unten

    In Ihrem Buch Choke­point Cap­i­tal­ism beschreiben Rebec­ca Gib­lin und Cory Doc­torow einen sehr span­nen­den Mech­a­nis­mus, wie sich dig­i­tale Plat­tfor­men wie Ama­zon, aber auch Apple, Spo­ti­fy oder Google in eine sehr spez­i­fis­che und extrem lukra­tive Mark­t­po­si­tion manövri­eren kon­nten: Bei der Reg­ulierung von Märk­ten set­zen die Behör­den in erster Lin­ie darauf, „Mono­pole“ zu ver­hin­dern, also Märk­te, in denen es nur einen Anbi­eter…

  • Kapitalismus ohne Wettbewerb

    Eine der grundle­gen­den Ideen des Kap­i­tal­is­mus ist der möglichst freie Wet­tbe­werb zwis­chen Unternehmen, zwis­chen Per­so­n­en, zwis­chen Pro­duk­ten und zwis­chen Ideen. Im Spiel von Ange­bot und Nach­frage entste­ht dann, mod­eriert durch den Preis, eine effiziente Verteilung der knap­pen Ressourcen. Diese Idee geht aus von Adam Smith, nahm ihren Weg über die math­e­ma­tisch-abstrak­ten Mod­elle der neo-klas­sis­chen Wirtschaftswis­senschaften und bildet heute den ide­ol­o­gis­chen…

  • Aktueller Konservatismus ist Status-Quo-Extremismus

    Der Blick auf die aktuelle poli­tis­che und gesellschaftliche Diskus­sion im Hin­blick auf den gesellschaftlichen Wan­del bringt mich immer wieder an densel­ben Punkt: die Posi­tio­nen, die heutzu­tage als „kon­ser­v­a­tiv“ oder auch „recht­spop­ulis­tisch“ gel­ten, zeich­nen sich durch eine Nat­u­ral­isierung des Beste­hen­den und über­höhte Ansprüche an das Neue aus. Sie spiegeln damit eine Art Sta­tus-Quo-Extrem­is­mus wider. Das Alte ist Normal Im Kern dieses…

  • Bildung und die Illusion der Meritokratie

    Vor ein paar Wochen sorgte in den USA ein Skan­dal um gekaufte Stu­di­en­plätze für Wirbel. Dabei wurde deut­lich, wie tief die Mech­a­nis­men, die ökonomis­che Ungle­ich­heit repro­duzieren, mit­tler­weile in unser­er mod­er­nen „west­lichen“ Gesellschaft ver­ankert sind, und wie ungerecht unser Sys­tem Leben­schan­cen und ökonomis­che Ressourcen verteilt. Jen­nine Capó Crucet, die als erste in ihrer Fam­i­lie ein Studi­um auf­nahm, beschreibt beispiel­sweise ihre Erfahrun­gen…

  • Wie war das mit der Aufklärung  und der Freiheit?

    etzte Woche habe ich mich aus­führlich mit der Diskus­sion um das neue Buch von Steven Pinker beschäftigt. Jet­zt bin ich auf eine weit­ere sehr inter­es­sante Besprechung von John Gray gestoßen, der das ideen­his­torische Fun­da­ment von Pinkers Argu­men­ta­tion in Zweifel zieht. Kurz gesagt, argu­men­tiert Pinker, dass der zunehmende Fokus auf die Wis­senschaft, die Frei­heit des Einzel­nen und damit ver­bun­den die lib­erale…