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„Liberal“ – ein gefährliches Teekesselchen
Teekesselchen sind perfekte Unterhaltung für sprachinteressierte Kinder: dasselbe Wort, zwei Bedeutungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Für gesellschaftliche Diskurse sind Teekesselchen hingegen brandgefährlich, weil verschiedene Menschen dasselbe Wort benutzen, aber faktisch unterschiedliche Dinge damit meinen. Schon länger kursiert online das Meme über das Wort Respekt, das ich hier mal paraphrasiere: Respekt kann sich darauf beziehen,…
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KI weist auf problematische gesellschaftliche Strukturen hin
Ich habe schon länger den Verdacht, dass jede Diskussion über den sinnvollen Einsatz von KI letztlich eine Diskussion über die Schwächen unserer neoliberal-kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist. Im Kern verschärft KI in meinen Augen da in erster Linie die Widersprüche, die wir im Kapitalismus ohnehin haben. In eine ähnliche Richtung zielt Lorenz Matzat, der in der Auseinandersetzung mit der fundamentalen Kritik gegenüber…
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Raus aus den Monopolen
In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, dass die Dominanz (meist) amerikanischer Monopolisten diversen Märkten nicht guttut: von der Suche (Google) über die Büroarbeit (Microsoft) bis hin zu Musik (Spotify), Hörbüchern (Audible), eBooks (Kindle) und Sozialen Medien (Twitter, Facebook/Instagram, YouTube und TikTok). Alle haben sie mittlerweile das durchlaufen, was Cory Doctorow Enshittification nennt: Dieser Teufelskreis ist kaum zu durchbrechen,…
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Freiheit im Kapitalismus existiert für viele nur auf dem Papier
Die Rhetorik der Freiheit des Kapitalismus ist für viele Menschen letztlich nicht real erlebbar, auch wenn sie als rechtlich gesichert kommuniziert wird. Hier haben wir mal wieder den Konflikt zwischen der juristischen Realität und der Welt: Aus der rein formalen Freiheit in arbeitsteilig organisierten Marktgesellschaften resultiert so der Widerspruch, de jure frei zu sein, aber de facto nicht über sich…
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Kapitalismus verspricht Selbstwirksamkeit, begrenzt sie aber
Ein zentrales Versprechen demokratisch-kapitalistischer Systeme ist die (formale) Möglichkeit für einzelne Personen, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen und bei der Gestaltung der Gesellschaft mitzusprechen. Dabei stellt sich von vornherein die Frage, inwieweit dieses Versprechen überhaupt einlösbar ist, faktisch wird es auf jeden Fall nicht realisiert. Individuen sind in spätmodernen Gesellschaften in diesem Sinne einem Dilemma ausgesetzt, das sich nur schwer…
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Aktuelle Zeit kann keine großen Fortschrittsprojekte mehr umsetzen
In einer telelogischen Welt ist die Menschheit zum Fortschritt verdammt. In der Theologie Peter Thiels sind dazu große Projekte nötig, zu denen wir aktuell aber nicht in der Lage sind, weil wir uns in gesellschaftspolitischem Klein-Klein verheddern: Um nicht zurückzufallen, sind große Ziele unverzichtbar, wie es sie einst in den USA gab: das Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe, die Mondlandung…
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Ideal der Bildung war schon vor ChatGPT kaputt
Auch wenn wir jetzt ChatGPT dafür verantwortlich machen, dass Studierende nicht mehr in erster Linie lernen, sondern jede mögliche Abkürzung nehmen, um Prüfungen gut zu bestehen, war das Ideal der Bildung um der persönlichen Entwicklung willen schon vorher zerstört. The ideal of college as a place of intellectual growth, where students engage with deep, profound ideas, was gone long before…
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„Give Me Something to Believe …“
„… in this hell you call a dream“ ist die Textzeile der Band The Warning, die mir einfach nicht aus dem Kopf geht. Eben genau, weil sie den offensichtlichen Widerspruch zwischen der kapitalistisch-demokratischen Rhetorik der Freiheit und dem täglichen Erleben der Menschen auf den Punkt bringt. The Warning: Hell you call a dream vom Album Keep Me Fed
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Kapitalismus liefert bei seinem zentralen Versprechen nicht
Der Kapitalismus ist weitverbreitet als die Gesellschaftsform anerkannt, die den Menschen Glück und Freiheit liefert. Gleichzeitig merken die Menschen aber auch, dass sie diese Freiheit und das Glück in ihrem Leben nicht erkennen können und konstant an systemische Grenzen in dem stoßen, was sie tun können und was nicht. Das spätmoderne Individuum ist heute in seiner Grundkonstitution ambivalent. Es kann…
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Versagen setzt Ideal des maschinellen Funktionierens voraus
Der Begriff des Versagens kommt eigentlich aus der Waffentechnologie und beschreibt solche Momente, in denen das mechanische System nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Wenn man diesen Begriff nun auf menschliches Handeln überträgt, setzt man implizit voraus, dass Menschen eigentlich wie ein mechanisches System funktionieren sollten. Versagen beschreibt also das unerwartete und unerklärliche Nichteintreten einer eigentlich zu erwartenden Leistung,…
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Thiel sieht Geschichte teleologisch mit ständigem Fortschritt
In der Theologie Peter Thiels ist die Geschichte auf einen Fortschritt ausgerichtet, den wir kontinuierlich verfolgen müssen, um uns aus der Barbarei mimetischer Gewalt zu befreien. Die gesamte Weltzeit verläuft nicht zyklisch, wie die alten Völker meinten, sondern auf ein Ziel hingerichtet hinaus, nach vorne. Stehen bleiben bedeutet also Rückfall. Quellen Artikel: Der Oligarch als Opfer von Klaus Mertes
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Das monopolistische Gebaren begründet Peter Thiel theologisch
Mit seiner theoretischen Rechtfertigung der aktuellen Ideologie der Tech-Oligarchen knüpft Peter Thiel an die Theologie Rene Girards an, der menschliche Triebe auf die Nachahmung anderer ausgerichtet sieht und damit ständigen Wettbewerb produziert. Thiel zieht daraus den Schluss, dass Gewaltfreiheit und Freiheit allgemein nur dann möglich sind, wenn man sich dem Wettbewerb entzieht. Monopolbildung ist die Alternative zum Wettbewerb. Daraus entsteht…
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KI ist ein politisches Projekt der Machtverlagerung
Wenn wir Technologien in erster Linie nach ihrer gesellschaftlichen Bedeutung klassifizieren, wird deutlich, dass KI in einer Traditionslinie mit der Automatisierung physischer Produktion steht und auf die Zentralisierung von Wissen und dessen Vermarktlichung abzielt: I think we should shed the idea that AI is a technological artifact with political features and recognize it as a political artifact through and through.…
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Automatisierung als ursprüngliche Akkumulation von Wissen
Wenn wir akzeptieren, dass auch das, was wir heute „physische Arbeit“ nennen, einen signifikanten Anteil an Wissen voraussetzt, wird die Industrialisierung nicht nur zu einer Akkumulation von physischem Kapital, sondern auch von Wissen, über das die Arbeiter verfügen und das sich nun in der Form von Maschinen manifestiert und damit in einer nahezu unbeschränkten Weise kapitalistisch ausgebeutet werden kann. Dabei…
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Private Equity überträgt Firmeneigentum auf Investoren
Das zentrale Ziel von Private-Equity-Firmen besteht darin, die Assets einer übernommenen Firma zu übernehmen und die Kosten mit aller Gewalt zu drücken. Dabei ist es auch egal, wenn das Unternehmen pleitegeht. Contrary to the industry’s claims about being experts in turning companies from losers to winners, private equity typically targets healthy companies rather than underperforming ones, the better to extract…
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Schon Ricardo sah in Automatisierung Gefahr für Arbeiterschaft
Mit seiner Theorie des „komparativen Kostenvorteils“ legte David Ricardo die Grundlagen für den klassischen ökonomischen Blick auf internationalen Handel. Mit seiner Arbeitstheorie des Wertes legt er zudem die Grundlage für den marxistischen Blick auf Arbeit und Kapitalismus. Mir zumindest bislang nicht bekannt war, dass Ricardo sich auch ausführliche Gedanken darüber gemacht hat, wie sich die zunehmende Automatisierung auf die Menschen…
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Kapitalisierung von Wissen als Gefahr für den Kapitalismus schon im 19. Jhdt. erkannt
Die zentrale Rolle von Wissen für die Wirtschaft – auch die Produktionswirtschaft – war schon Charles Babbage am Anfang des 19. Jahrhunderts bewusst. Insbesondere sah er in der zunehmenden Kapitalisierung des Wissens der Arbeiterschaft in Maschinen ein langfristiges Risiko für das langfristige Funktionieren eines arbeitszentrierten Kapitalismus – ähnlich übrigens wie das unlikely couple aus David Ricardo und Karl Marx. Matteo…
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Gig-Economy auch in der Pflege
In den USA gibt es mittlerweile Apps, die das Geschäftsmodell der Gig-Economy, wie beispielsweise beim klassischen Uber oder Plattformen wie Mechanical Turk, auf den Bereich der Pflege übertragen: Hier registrieren sich beruflich Pflegende auf einer Plattform, über die sie dann von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser für einzelne Schichten gebucht werden können. Dabei finden sich all die ausbeuterischen Geschäftspraktiken, wie wir sie…
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Arbeitsteilung macht Arbeit berechenbar
Die Arbeitsteilung geht aber nicht nur der Automatisierung von Arbeit voraus. Sie ist auch eine zentrale Grundlage dafür, den notwendigen Arbeitsaufwand berechenbar zu machen und Arbeitszeit als eine beliebig kalkulierbare Große zu verstehen. So schreibt Matteo Pasquinelli in seinem Buch The Eye of the Master: The Babbage principle states that the organisation of a production process into small tasks (the division…
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Arbeitsteilung geht der Automatisierung voraus
Am Beispiel der ersten mechanischen Computer lässt sich sehr gut erkennen, dass die Automatisierung von Arbeit nicht in erster Linie auf einer technischen Innovation aufbaut, sondern auf der konkreten Organisation von Arbeit. So weist Matteo Pasquinelli in seinem Buch The Eye of the Master darauf hin: In early nineteenth- century England, ‘computer’ was not the name of a machine but…
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Wir müssen gegen Software und das Internet kämpfen
Cory Doctorow hat mit der Idee der Enshittification ein schönes Bild geschaffen, um zu analysieren, warum Plattformen wie Amazon oder Spotify für Kund*innen wie Anbieter immer schlechter werden. In seinem Newsletter geht Ed Zitron jetzt noch etwas weiter und beschreibt den kontinuierlichen Kampf, in dem wir uns mit „dem Internet“ und den Programmen, die viele täglich nutzen, befinden: Our digital…
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Erste moderne Arbeitsteilung gab es bei intellektueller Arbeit
Arbeitsteilung und Automatisierung von Arbeit verbinden wir im Normalfall mit physischer Arbeit und der Produktion von Gütern. Nachdem sie theoretisch bereits im 18. Jahrhundert beschrieben wurde – z. B. bei Quesnay und Adam Smith wird der Beginn ihres Siegeszugs üblicherweise auf die Arbeiten Frederick Taylors am Anfang des 20. Jahrhunderts datiert. Hier wird die Planung und Konzeption des Produktionsprozesses als…
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Klimakatastrophe konfrontiert uns mit den überdeckten Widersprüchen
Gut 2000 Jahre ist die westliche Philosophie mittlerweile damit beschäftigt, die Widersprüchlichkeiten des Weltbilds der Unterwerfung damit in Einklang zu bringen, dass wir Menschen doch eigentlich gut, göttlich und vernünftig sind. Und dann kommt da diese Klimakatastrophe und macht unser ganzes schönes Gerede kaputt. So schreibt Phillip Blom in seinem Buch Unterwerfung: Das Projekt der Unterwerfung der Natur durch den…
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Algorithmen ersetzen Paradigmen als dominante Form von „Regeln“
Auf den ersten Blick scheint uns der Begriff „Regel“ relativ klar zu sein. Doch in ihrem Buch Rules: A Short History of What We Live By zeigt die Wissenschaftshistorikerin Lorraine Daston auf, dass wir hier mindestens drei Bedeutungen unterscheiden müssen. Zudem hat sich auch die Gewichtung dieser drei Ebenen verändert: Die erste Ebene kommt im deutschen Begriff „Regel“ nicht so…
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Klassische Ökonomie ist eng mit Religion verwandt
In seinem Buch Unterwerfung skizziert Phillip Blom den kapitalistischen Markt als die aktuell dominierende Form, mit deren Hilfe wir Menschen rechtfertigen, uns die Welt zu unterwerfen. Er sieht dabei insbesondere die neoliberale Ökonomie in der besten Tradition der westlichen Kanon-Philosophie – geübt darin, fundamentale Widersprüche rhetorisch zu überdecken: Nach den Apologeten der Religion kamen die Apologeten des Marktes, Erben der…
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Unterwerfung unter die Maschinen ist logische Konsequenz des westlichen Weltbildes
Wenn wir auf die Entwicklung des westlichen Weltbildes der letzten 2000 Jahre blicken, ist es letztlich nur folgerichtig, dass wir Menschen uns in den letzten rund 250 Jahren immer mehr den Maschinen untergeordnet haben. Und es überrascht auch nicht, dass es mittlerweile en vogue ist, die Zukunft der Menschheit in einer Art Symbiose mit den Maschinen zu sehen. Den zentralen…
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Fokuspunkte der Unterwerfung
In seinem Buch „Unterwerfung“ arbeitet Phillip Blom heraus, wie sich die Idee der Unterwerfung durch die westliche Ideengeschichte zieht. Dabei beschreibt er unterschiedliche Kristallisationspunkte dieser Ideologie, die sich historisch gegenseitig abgelöst haben. Sie boten eine Rechtfertigung für die Unterwerfungsprojekte der entsprechenden Epoche. Religion: Hier sieht Blom den Ursprung dieser Ideologie, uns zwar im ersten Schritt in der Unterscheidung zwischen göttlicher…
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Unsere technologische Infrastruktur ist fragil
Im Sommer 2024 setzte ein Bug in der Software Crowd Strike weltweit unzählige Server außer Gefecht und legte damit unter anderem den globalen Flugverkehr lahm. Für Ed Zitron ist dieses Ereignis ein weiteres Zeichen für den grundlegenden Denkfehler, dem die Technologiebranche insbesondere im Silicon Valley unterliegt: Every problem you see is a result of a tech industry — from the…
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Der Kapitalismus braucht Bullshit Jobs um Umverteilung zu legitimieren
Letztens habe ich hier noch über Mittelmaß im Kapitalismus geschrieben und bin dabei irgendwann auf das Thema Bullshit Jobs gekommen – einen Begriff, den der Anthropologe und Aktivist John Graeber geprägt hat. Wenn man akzeptiert, dass (zu) viele Jobs heutzutage im Kern unnötig sind, stellt sich doch die Frage, warum es dann jemanden gibt, der bereits ist, dafür Geld auszugeben.…
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Dem Kapitalismus reicht Mittelmaß
In der Diskussion um die Qualität der Ergebnisse von Large Language Models ist eines der zentralen Argumente der Kritiker die unzureichende Zuverlässigkeit, die fehlende Qualität und die Gleichförmigkeit der Ergebnisse. An dieser Stelle kann und will ich auch gar nicht widersprechen – das grundlegende Funktionsprinzip dieser Algorithmen ist es, Muster aus alten Daten auf neue anzuwenden. Das Problem ist nur,…
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Bei Konsumgütern gibt es keinen gemeinsamen europäischen Markt
Es ist gefühlt schon ein halbes Leben her, dass ich meine Zeit damit verbracht habe, mir die Europäische Integration im Alltagsleben der Menschen wissenschaftlich anzuschauen. In seinem Krautreporter-Artikel Warum Produkte in anderen Ländern oft besser sind macht Gabriel Yoran jetzt noch eine spannende Perspektive auf, die unmittelbar an die Gedanken in meiner Diss anschließt. Yoran beginnt dabei mit der Beobachtung,…
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Kapitalismus sorgt nicht für Qualität von Konsumgütern
In seinem Krautreporter-Artikel „Warum Produkte in anderen Ländern oft besser sind“ wirft Gabriel Yoran nicht nur interessante Gedanken zu einem Europäschen Konsumerlebnis auf, sondern formuliert auch pointiert allgemeine Beobachtungen zur Qualität von Konsumgütern in den verschiedenen Ländern. Er beginnt dabei mit dem Punkt, dass die Dynamiken und Anreize der entsprechenden Märkte nicht dazu führen, dass besonders gute und/oder interessante Produkte…
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Deutsche Identität verlangt Unterwerfung unter die Wirtschaft
In einer großen Umfrage zum „Stolz auf das eigene Land“ zeigt sich in Deutschland eine Besonderheit. Hier sind es nicht die Demokratie oder die Kultur, die die meisten Stimmen auf sich vereinen, sondern die Wirtschaft. Extremismusforscher Oliver Decker leitet daraus im Interview mit der taz eine interessante Erklärung für den aktuellen Rechtsrutsch in Deutschland und die erstarkende Fremdenfeindlichkeit ab. Seine…
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Koloniale Vergangenheit ist tief in Gesellschaft verankert
Als jemand, der im „Globalen Norden“ aufgewachsen ist und den Kolonialismus daher in erster Linie aus der Täterperspektive kennt, fällt es mir ein wenig schwer, über das Thema zu schreiben. Gleichzeitig ist unser Umgang mit der kolonialen Vergangenheit fundamental wichtig, wenn wir es ernst damit meinen, eine faire Welt ohne Ausbeutung zu gestalten. Ein sehr schöner neuer Artikel von Amelia…
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Big Tech hat die Innovation zerstört
Gerade die großen Technologie-Unternehmen brüsten sich ja gerne mit ihrer Innovationsfähigkeit. Doch schon seit gut einem Jahrzehnt zeigt, sich dass die Unternehmen selbst kaum innovative Produkte entwickeln, sondern bestenfalls hinzukaufen. Noch deutlicher wird dies, wenn wir auf die sogenannten „disruptiven“ Innovationen schauen, also solche Entwicklungen, die einen Markt oder eine Branche grundsätzlich umkrempeln. Auch hier behaupten gerade Start-ups gerne, irgendeinen…
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Online-Plattformen erzielen Renditen, nicht Gewinne
Beim Blick auf die dysfunktionale Rolle, die die großen Online-Plattformen spielen, geht es gerade in Deutschland meist um das Thema Datenschutz und Datenmissbrauch. Der Kerngedanke dahinter ist, dass die Plattformen unangemessen viele Daten über ihre Nutzer*innen sammeln und daraus einen unfairen Marktvorteil gewinnen. In ihrem Paper Algorithmic Attention Rents: A theory of digital platform market power stellen Tim O‘Reilly, Ilan…
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Kapitalismus ist auf Abgrenzung zur Natur angewiesen
Wir Westler*innen haben ein ziemlich komplexes Denksystem aufgebaut, das es uns ermöglicht, uns von der Natur abzugrenzen und uns über sie zu erhöhen. Auch eine Veränderung dieses Denksystems fällt uns trotz aller widersprüchlichen Fakten überraschend(?) schwer. Einer der Gründe dafür könnte auch sein, dass unser aktuelles Gesellschaftssystem und insbesondere unser Wirtschaftssystem in einem hohen Maße auf genau diese Unterscheidung angewiesen…
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Kapitalismus im Journalismus verzerrt die öffentliche Debatte
Journalistische Medien verstehen sich gerne als „Korrektiv“ gegenüber den Mächtigen in einer Gesellschaft. Gleichzeitig geben sie sich als objektive „Chronisten“ einer externen „öffentlichen Debatte“. Sie verkennen dabei oft jedoch nicht nur ihre eigene Rolle, sondern stützen auch strukturell die ohnehin schon Mächtigen: diejenigen mit genug Kapital, um die öffentliche Debatte in ihrem Sinne zu beeinflussen. Eine zentrale Rolle spielt dabei…
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Amerikanische Wirtschaftspolitik zerstörte mexikanische Landwirtschaft
Die Geschichten Mexikos und der Vereinigten Staaten sind eng miteinander verwoben. Dabei sind es meist die USA, deren (Wirtschafts-)Politik zu gewaltigen Umwälzungen in ihrem südlichen Nachbarland führt. Leider fast immer zu dessen Nachteil. Zwei Beispiele finden sich in dem Artikel Götterspeise von Alain Amariglio in der Ausgabe August 2023 der ohnehin immer extrem lesenswerten deutschsprachigen Ausgabe der Le Monde Diplomatique…
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Technofeudalismus in der Automobilindustrie
Für die Auswüchse des technologisch basierten Kapitalismus gibt es aktuell vermutlich keine bessere Lektüre als den täglichen(!) Blog von Cory Doctorow. In einem aktuellen Beitrag über die Autoenshittification widmet er sich der Frage, warum die Autohersteller ihre Produkte immer weiter digitalisieren, auch wenn genau diese Veränderungen bei den Kund*innen zu großen Frust führen. Neben seinem eigenen Begriff der „Enshittification“ nutzt…
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Google Reader war Google zu klein
Dass große Unternehmen wie Google, Facebook und Amazon kein echtes Interesse an einem Wettbewerb haben, sondern in erster Linie Monopole etablieren wollen, zeigt sich auch sehr schön am Beispiel des 2013 eingestellten Google Reader – einem Rückgrat der damals noch sehr aktiven Blogging-Szene. In seinem Artikel „How Google Reader died“ rekonstruiert David Pierce die Abschaltung und weist dabei auf einen…
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Auch Kritik kann einen Hype verstärken
Der Wert von Unternehmen und in gewissem Maße auch ihr Umsatz hängt nicht unbedingt davon ab, welche Leistung sie tatsächlich erbringen. Er hängt vielmehr in einem hohen Maße davon ab, welche Erwartungen ihnen zugeschrieben werden. Ein aktuelles Beispiel, das Lee Vinsel schon 2021 beschreibt, ist die Erzählung von Googles und Facebooks gigantischem Datenschatz, der es Unternehmen ermögliche, ihre Werbung viel…
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Warum Spotify will, dass wir Playlisten hören
Die Musikindustrie hat sich in den letzten Jahrzehnten mehrfach grundlegend gewandelt: vom Verkauf vom CDs, über den Verkauf von MP3-Dateien hin zum allgegenwärtigen Streaming via Spotify und Co. Auch die fundamentale Einheit der Musik hat sich gewandelt: Auf Schallplatten und CDs wurden in erster Linie ganze Alben verkauft, bevor iTunes den (Ver-)Kauf von einzelnen Stücken möglich machte. Streamingplattformen schwankten dann…
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Lieber reguliert werden als konkurrieren müssen
Bleiben wir mal noch bei dem Thema, dass Kapitalist*innen sich nicht wirklich einem fairen Wettbewerb stellen wollen: Ein weiterer spannender Mechanismus, wie sie verhindern können, dass andere – insbesondere neu gegründete – Unternehmen ihnen ihre Marktanteile streitig machen, spannt den Staat als Erfüllungsgehilfen ein. Für große Monopolisten kann es nämlich äußerst nützlich sein, wenn der Staat versucht, den entsprechenden Markt…
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Profitgetriebene Inflation in der Krise
Neben dem Krieg in der Ukraine war die darauf folgende Inflation eines der größten medialen Themen des letzten Jahres. Auf den Einmarsch Russlands in die Ukraine folgte unter anderem eine Berichterstattung, die vor steigenden Preisen im Rest der Welt warnte – insbesondere natürlich in den unmittelbar betroffenen Bereichen: fossile Energie, weil ein Großteil unserer Brennstoffe aus Russland kamen, und Lebensmittel,…
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Marktmacht nach oben und unten
In Ihrem Buch Chokepoint Capitalism beschreiben Rebecca Giblin und Cory Doctorow einen sehr spannenden Mechanismus, wie sich digitale Plattformen wie Amazon, aber auch Apple, Spotify oder Google in eine sehr spezifische und extrem lukrative Marktposition manövrieren konnten: Bei der Regulierung von Märkten setzen die Behörden in erster Linie darauf, „Monopole“ zu verhindern, also Märkte, in denen es nur einen Anbieter…
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Kapitalismus ohne Wettbewerb
Eine der grundlegenden Ideen des Kapitalismus ist der möglichst freie Wettbewerb zwischen Unternehmen, zwischen Personen, zwischen Produkten und zwischen Ideen. Im Spiel von Angebot und Nachfrage entsteht dann, moderiert durch den Preis, eine effiziente Verteilung der knappen Ressourcen. Diese Idee geht aus von Adam Smith, nahm ihren Weg über die mathematisch-abstrakten Modelle der neo-klassischen Wirtschaftswissenschaften und bildet heute den ideologischen…
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Aktueller Konservatismus ist Status-Quo-Extremismus
Der Blick auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Diskussion im Hinblick auf den gesellschaftlichen Wandel bringt mich immer wieder an denselben Punkt: die Positionen, die heutzutage als „konservativ“ oder auch „rechtspopulistisch“ gelten, zeichnen sich durch eine Naturalisierung des Bestehenden und überhöhte Ansprüche an das Neue aus. Sie spiegeln damit eine Art Status-Quo-Extremismus wider. Das Alte ist Normal Im Kern dieses…
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Bildung und die Illusion der Meritokratie
Vor ein paar Wochen sorgte in den USA ein Skandal um gekaufte Studienplätze für Wirbel. Dabei wurde deutlich, wie tief die Mechanismen, die ökonomische Ungleichheit reproduzieren, mittlerweile in unserer modernen „westlichen“ Gesellschaft verankert sind, und wie ungerecht unser System Lebenschancen und ökonomische Ressourcen verteilt. Jennine Capó Crucet, die als erste in ihrer Familie ein Studium aufnahm, beschreibt beispielsweise ihre Erfahrungen…
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Wie war das mit der Aufklärung und der Freiheit?
etzte Woche habe ich mich ausführlich mit der Diskussion um das neue Buch von Steven Pinker beschäftigt. Jetzt bin ich auf eine weitere sehr interessante Besprechung von John Gray gestoßen, der das ideenhistorische Fundament von Pinkers Argumentation in Zweifel zieht. Kurz gesagt, argumentiert Pinker, dass der zunehmende Fokus auf die Wissenschaft, die Freiheit des Einzelnen und damit verbunden die liberale…