Schlagwort: Wissenschaft

  • Soziale Spaltung schafft epistemische Spaltung

    Ein­er der Gründe für die zunehmende Schwäche unser­er Demokra­tien ist die Tat­sache, dass wir uns als Gesellschaft nicht mehr auf eine gemein­same Real­ität eini­gen kön­nen: Aktuelle Dat­en und wis­senschaftliche Erken­nt­nisse wer­den ignori­ert, Expert*innen desavouiert und fak­tis­che Fra­gen ide­ol­o­gisiert. Die Ursache für dieses Phänomen liegt jedoch nicht darin, dass wir weniger Möglichkeit­en hät­ten, eine gemein­same Wahrheit zu schaf­fen und abzu­sich­ern. Die…

  • Auch die moderne Küche war ein Projekt der Kontrolle

    Im Zen­trum unseres gesamten west­lichen Welt­bilds ste­ht die Kon­trolle des Men­schen über die Natur und auch über sich selb­st. Das zeigt z. B. Philip Blom in seinem lesenswerten Buch „Die Unter­w­er­fung“ (hier im Pod­cast vorgestellt: Zwis­chen zwei Deck­eln, Episode 81). Bish­er war mir allerd­ings noch nicht klar, dass auch die mod­erne europäis­che Küche in genau dieser Tra­di­tion ste­ht. Der Pod­cast…

  • Bernardino Telesio blickt im 16. Jhdt. mit modernem Blick auf den Menschen

    Auch wenn die Philosophen der Ideengeschichte, die heutzu­tage als Kanon gel­ten, im Kern nie am christlichen Motiv der Unter­w­er­fung der Welt gerüt­telt haben, gab es doch eben­solche Autoren. Diese wer­den heute jedoch wesentlich weniger disku­tiert, eben weil sie unseren grundle­gen­den Blick auf die Welt immer noch infrage stellen. Ein­er dieser Denker ist Bernardi­no Tele­sio, der bere­its Mitte des 16. Jahrhun­derts…

  • Wissenschaftliche Revolution im Kern eine pragmatische Wende

    Die „wis­senschaftliche Rev­o­lu­tion“ gilt gemein­hin als der Über­gang zu har­ter und sicher­er Wis­senschaft, die strenge Mes­sung und Logik an die Stelle hypo­thetis­ch­er Argu­men­ta­tion und all­ge­meinen Aber­glaubens stellt. In ihrem Buch Rules zeigt Lor­raine Das­ton jedoch, dass diese Wende eher prag­ma­tisch war: By the mid-eigh­teenth cen­tu­ry, the sci­ences had adopt­ed and refined empir­i­cal prac­tices orig­i­nal­ly devel­oped in the arts and crafts,…

  • Von Luftpumpen und Vögeln

    Ein bes­timmtes Gemälde von Joseph Wright of Der­by zeigt das Ver­hält­nis der Men­schen zur begin­nen­den Indus­tri­al­isierung und der wis­senschaftlichen Rev­o­lu­tion: „Das Exper­i­ment mit dem Vogel und der Luft­pumpe“, das heute in Lon­don zu sehen ist. Im Mit­telpunkt ste­ht der Vogel in der Glaskugel, aus der rot gek­lei­dete Exper­i­men­ta­tor nach und nach die Luft her­aus lässt. Der Vogel windet sich im…

  • Emergenz als Fokusebene einer Erklärung

    In dem Span­nungsver­hält­nis zwis­chen stark­er und schwach­er Emer­genz macht Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Con­scious­ness, Free Will, and the Lim­its of Sci­ence einen sehr span­nen­den Vorschlag, den ich für mich extrem anschlussfähig finde: kausale Emer­genz. Der Kerngedanke ist dabei, dass ein Sys­tem auf der Makroebene zwar auf ein­er gewis­sen Ebene durch seine Bestandteile bes­timmt ist,…

  • Kann das Ganze mehr sein, als die Summe seiner Teile?

    Eine zen­trale Grund­lage der mod­er­nen west­lichen Wis­senschaft ist der Reduk­tion­is­mus. Er besagt im Kern, dass ich ein Sys­tem dadurch ver­ste­hen kann, dass ich seine Bestandteile beschreibe. Deshalb unter­suchen wir Atome, um Mate­ri­alien zu ver­ste­hen, wir unter­suchen Zellen, um Organe zu ver­ste­hen und wir blick­en auf einzelne Per­so­n­en, um Gesellschaft zu ver­ste­hen. Dieser Per­spek­tive liegt erst­mal die Annahme zugrunde, dass das…

  • Bewusstseinsforschung deutet auf grundlegende Unvollständigkeit der Wissenschaft

    Die Schwierigkeit­en der Neu­rowis­senschaften, das Bewusst­sein zu isolieren und exper­i­mentell zu unter­suchen, bieten ein weit­eres Indiz dafür, dass das grundle­gende Ver­sprechen der Wis­senschaft, die Welt ver­ste­hbar und kon­trol­lier­bar zu machen, let­ztlich nicht einzuhal­ten ist. So schreibt Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Con­scious­ness, Free Will, and the Lim­its of Sci­ence: I got into sci­ence because I…

  • Bewusstseinsforschung hat kein verlässliches Messverfahren

    Die Prob­leme der neu­rowis­senschaftlichen Erforschung des Bewusst­seins, ein par­a­dig­ma­tis­ches Fun­da­ment zu find­en, ergeben sich auch aus ein­er grund­sät­zlichen Schwierigkeit, Bewusst­seinsin­halte zuver­läs­sig und jen­seits sub­jek­tiv gefärbter Wahrnehmung zu messen. Damit fehlt ein grundle­gen­der Schritt in der etablierten wis­senschaftlichen Erken­nt­niskette. Diese set­zt darauf, eine The­o­rie zu nutzen, um konkrete Vorher­sagen zu machen, die im Anschluss durch eine möglichst objek­tive Mes­sung über­prüft wer­den…

  • Historische Wissenschaftler werden kulturell überformt

    Nicht nur wis­senschaftliche Ideen, auch die his­torischen Forschen­den selb­st ver­lieren im Rück­blick ihre Real­ität und entwick­eln sich zu Pro­jek­tions­flächen und zur Grund­lage von Erzäh­lun­gen und Mythen, die nicht mehr viel mit ihnen selb­st zu tun haben müssen. Das führt zuerst dazu, dass wir his­torische Forschende, aber auch andere Per­so­n­en nicht mehr als Men­schen sehen, son­dern als „Mar­mor­büsten“ über die Ada…

  • Die „wissenschaftliche Methode“ ist eine moderne Erfindung

    Nicht nur his­torische Fig­uren, über die es kaum schriftliche Aufze­ich­nun­gen gibt, wer­den im Laufe der Geschichte zu Pro­jek­tions­flächen für poli­tis­che Inter­essen und Inter­pre­ta­tio­nen, die mehr über die Jet­ztzeit ver­rat­en, als über die Ver­gan­gen­heit. Dies gilt genau­so für andere Ideen und Per­so­n­en, auch in der Wis­senschaft. Ger­ade in unser­er mod­er­nen Welt, die vorge­blich viel auf die Wis­senschaft gibt, wer­den sie zu…

  • Tiere müssen sich selbst bewusst sein, egal was der Spiegeltest sagt

    Bei der Frage nach dem Bewusst­sein von nicht-men­schlichen Tieren ist der soge­nan­nte Spiegel­test sehr bekan­nt gewor­den: Hier wird einem Tier eine Markierung im Gesicht platziert, die es nur im Spiegel erken­nen kann. Dann wird dem Tier sein eigenes Spiegel­bild gezeigt. Die Frage ist nun, ob das Tier die Markierung im Spiegel auf seinen eige­nen Kör­p­er bezieht, was man beispiel­sweise daran…

  • Forschung tierischer Kognition als Reaktion auf Behaviorismus

    Das Ver­hal­ten und die Intel­li­genz von Tieren wer­den seit dem 19. Jahrhun­dert sys­tem­a­tisch unter­sucht – insb. im Anschluss an die Forschun­gen Charles Dar­wins. Dessen wis­senschaftlich­er Blick auf die Tiere und den Men­schen erlaubte ihm eine dif­feren­zierte und fundierte Auseinan­der­set­zung mit deren Ähn­lichkeit­en und Unter­schieden. Sein Pro­tegé und auch Nach­fol­ger George Romanes nahm es mit der wis­senschaftlichen Gründlichkeit und Dif­feren­zierung hinge­gen…

  • Westlicher Reduktionismus übersieht das Wesentliche

    Neben dem kon­flik­t­be­hafteten Ver­hält­nis zwis­chen Ich und Selb­st ist unser west­lich­es Welt­bild von ein­er zweit­en Grun­dan­nahme geprägt, die bei genauerem Hin­se­hen unzuläs­sig vere­in­facht und uns nur einen beschränk­ten Auss­chnitt der Welt zugänglich macht: dem wis­senschaftlichen Reduk­tion­is­mus. Dieser geht im Kern davon aus, dass ich das Ver­hal­ten eines Sys­tems dadurch ver­ste­hen bzw. erk­lären kann, dass ich seine einzel­nen Bestandteile ver­ste­he bzw.…

  • Wissenschaft basiert nicht auf zwingender Logik, sondern auf verlässlichen Vorhersagen

    Die all­ge­mein akzep­tierte Erzäh­lung über die wis­senschaftliche Meth­ode geht immer noch davon aus, dass das durch sie gewonnenes Wis­sen in irgen­dein­er Form zwangsläu­fig oder logisch notwendig sei; dass es gar nicht anders sein könne. Doch der Blick auf die tat­säch­liche wis­senschaftliche Forschung zeigt, dass dies keines­falls der Fall ist: Hier wer­den nur sel­ten zwin­gende logis­che Schlussfol­gerun­gen gezo­gen oder for­male Beweise…

  • Neurowissenschaft „übersieht“ PoC

    Natur­wis­senschaften geben sich gerne objek­tiv und von jed­er men­schlichen Verz­er­rung frei. Dabei ist schon lange klar, dass dies keineswegs der Fall ist, son­dern sich auch hier immer und immer wieder Struk­turen find­en, die dafür sor­gen, dass wis­senschaftliche Erken­nt­nisse – ins­beson­dere über den Men­schen – tat­säch­lich nur für eine kleine Gruppe von Men­schen gel­ten; meis­tens weiße Män­ner. Von einem solchen Mech­a­nis­mus…

  • Der Skeptizismus gegenüber definitiven wissenschaftlichen Aussagen ist tief in der westlichen Philosophie verankert

    In der Philoso­phiegeschichte lassen sich vier „Gen­er­a­tio­nen“ von Skep­tizis­mus gegenüber defin­i­tiv­en Aus­sagen iden­ti­fizieren, deren früh­este in das antike Griechen­land zurück reicht: Der „Phyrro­nis­che Skep­tizis­mus“ nimmt die Unter­schiede in den Blick, die zwis­chen Men­schen in der Wahrnehmung und der Bew­er­tung von Objek­ten beste­hen. Wie kön­nen auf dieser Grund­lage defin­i­tive Aus­sagen über­haupt möglich sein? Der karte­sis­che Skeptzis­mus hin­ter­fragt nicht nur die Möglichkeit…

  • Wissenschaftliches Wissen informiert gesellschaftliche Entscheidungen, muss aber immer in einen ehrlichen Diskurs eingebunden werden

    Empirische und normative Fragen Im ersten Semes­ter meines Sozi­olo­gie-Studi­ums saß ich in der Ver­anstal­tung „Ein­führung in die Meth­o­d­en der empirischen Sozial­forschung“ bei Ger­hard Schulze. In ein­er der ersten Wochen gibt es dabei um den Unter­schied zwis­chen „nor­ma­tiv­en“ und „empirischen“ Fragestel­lun­gen, der sich mich rel­a­tiv schnell erschloss: Nor­ma­tive Fra­gen richt­en sich darauf, wie etwas sein soll(!), empirische darauf, wie etwas ist(!).…

  • Moderne Wissenschaft ist in erster Linie am Kriterium der Nützlichkeit orientiert

    Seit einiger Zeit ist die Wis­senschaft Diener zweier Her­ren: Auf der einen Seite ste­ht die Idee des Wis­sens um des Wis­sens willen; das hehre Ide­al des neugieri­gen Men­schen, der seine Welt ver­ste­hen möchte. Die andere Seite ist pro­fan­er. Hier geht es um das konkrete Lösen von Prob­le­men, das Erledi­gen von Auf­gaben und – abstrak­ter for­muliert – um die Kon­trolle über…

  • Natur- und Sozialwissenschaften unterscheiden sich grundlegend

    Eine Diskus­sion, in die ich mich immer wieder ein­bringe ist die zum Unter­schied zwis­chen Natur- und Sozial­wis­senschaften. Daher ist es vielle­icht mal sin­nvoll, hier meine zen­tralen Posi­tio­nen etwas aus­führlich­er zu ver­schriftlichen, um dann später bess­er darauf ver­weisen zu kön­nen. Dynamik des Untersuchungsgegenstands Ein wichtiger Punkt in den Sozial­wis­senschaften gegenüber den Natur­wis­senschaften ist die Dynamik des Unter­suchungs­ge­gen­standes: Eine zen­trale axioma­tis­che Annahme…

  • Ambiguitätstoleranz in der Wissenschaft

    Der Wis­senschaft kommt in der öffentlichen Debat­te die Funk­tion zu, klare und ein­deutige Antworten auf rel­e­vante Fra­gen zu liefern und damit grund­sät­zlich Ambi­gu­i­tät in der Gesellschaft zu reduzieren. Ger­ade bei gesellschaftlich hoch-rel­e­van­ten The­men wie zum Beispiel der Coro­na-Pan­demie wer­den diese Antworten auch erwartet, um richtig han­deln zu kön­nen. Diese Erwartung dient unter anderem dazu, den Einzel­nen von der Ver­ant­wor­tung zu…

  • Corona und die Fähigkeit, eine andere Welt zu denken

    Sci­ence-Fic­tion-Autoren haben von Berufs wegen einen beson­deren Blick auf die Welt. Und ger­ade der US-amerikanis­che Autor Kim Stan­ley Robin­son ist seit Jahrzehn­ten nicht nur für seine hell­sichti­gen und poli­tis­chen Romane bekan­nt, son­dern auch für seine klare poli­tis­che Posi­tion. Im New York­er ist jet­zt ein Essay von ihm erschienen, in er – was auch son­st – die Coro­na-Krise in den Blick…

  • Von Statistiken und der Erzählung des globalen Fortschritts

    Zahlen sind ver­führerisch. Wenn sie ein­mal erhoben und geschrieben sind, erscheinen sie objek­tiv und unver­rück­bar. Damit wer­den sie zu einem Anker in gesellschaftlichen Diskus­sio­nen. Sie helfen uns, die Welt zu ver­ste­hen. Doch selb­st gut gemachte Sta­tis­tiken müssen immer noch inter­pretiert wer­den, damit sie eine Bedeu­tung bekom­men. Wie das schief gehen kann, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Diskus­sion um die…

  • Objektivität moderner Wissenschaft ist eine soziale Konstruktion der westlichen Philosophie

    Die Idee, dass die Welt sich aus einem los­gelöst-objek­tiv­en „wis­senschaftlichen“ Blick betra­cht­en und let­ztlich auch kon­trol­lieren lassen kön­nte ist Aus­druck ein­er spez­i­fisch west­lichen Philoso­phie, wie Juilan Bag­gi­ni in seinem Buch How the World Thinks sehr ein­drück­lich her­ausar­beit­et: So unter­schei­det er zwis­chen weg­suchen­den Philoso­phien und wahrheitssuchen­den. Während klas­sis­cher­weise als „östlich“ beze­ich­nete Philoso­phien die Suche nach einem Weg in oder durch die…

  • Die Plagiatsdebatte hat der Vermittlung wissenschaftlichen Arbeitens einen Bärendienst erwiesen

    Vor ein paar Jahren waren Tech­niken wis­senschaftlichen Arbeit­ens in aller Munde: Promi­nente Poli­tik­er wie Karl-Theodor zu Gut­ten­berg und Annette Scha­van waren erwis­cht wor­den, wie sie in ihren Dok­torar­beit­en nicht aus­re­ichend sauber gear­beit­et hat­ten. Mit gravieren­den Kon­se­quen­zen: sie ver­loren nicht nur öffentlich­es Anse­hen son­dern auch Titel und Ämter. Die Debat­te fiel in die Zeit, in der an den Uni­ver­sitäten die im…

  • Menschliche Intelligenz und moderne Wissenschaft als Irrweg der Evolution?

    Der britis­che Biologe Richard Dawkins ist in der let­zten Zeit in erster Lin­ie durch fast schon fanatis­che Äußerun­gen zum Übel der Reli­gion aufge­fall­en. Darüber darf man jedoch nicht vergessen, dass er ein­er der wichtig­sten Evo­lu­tions­bi­olo­gen des 20. Jahrhun­derts sein dürfte: In seinem Buch Das ego­is­tis­che Gen (Orig­i­nal: The Self­ish Gene) schlug er eine Inter­pre­ta­tion von Dar­wins Evo­lu­tion­s­the­o­rie vor, die nicht…

  • Zeit oder nicht Zeit, das ist hier die Frage

    Für unsere alltägliche Wahrnehmung sind die Kat­e­gorien “Raum” und “Zeit” unverzicht­bare Voraus­set­zun­gen. Automa­tisch verorten wir Gegen­stände und Per­so­n­en inner­halb des Raums um uns herum und struk­turi­eren unser Erleben ent­lang eines Zeitpfeils von der Ver­gan­gen­heit über das Jet­zt in die Zukun­ft. So selb­stver­ständlich uns diese Dimen­sio­nen jedoch im All­t­ag erscheinen, so umstrit­ten sind sie in ihrer wis­senschaftlichen Betra­ch­tung. In seinem Buch…

  • Das Handwerk – der ungeliebte Bruder der Wissenschaft

    Wis­senschaftliche Erken­nt­nisse beanspruchen gerne eine uni­verselle Gel­tung. Sie scheinen, ein­mal etabliert, unab­hängig von ihren Ent­deck­ern zu existieren und “objek­tiv” unsere Welt zu beschreiben – nicht umson­st habe ich ger­ade “ent­deck­en” im Gegen­satz zu “erfind­en” geschrieben. “Naturge­set­ze” wer­den meist in math­e­ma­tis­chen Formeln auge­drückt, die dann als angemessene Abbil­dung der ver­bor­ge­nen Struk­tur unser­er Welt gese­hen wer­den. Ins­beson­dere wer­den sie von den konkreten…

  • Licht im dunklen Mittelalter

    Das europäis­che Mit­te­lal­ter gilt all­ge­mein als eine dun­kle Zeit für die Wis­senschaft, in der Armut und religiös­es Dog­ma sämtlichen wis­senschaftlichen Fortschritt ver­hin­dert haben. Mit der Zer­störung der Großen Bib­lio­thek von Alexan­dria (bis zum 5. Jahrhun­dert) und der Eroberung der Stadt durch die Araber (im Jahr 642) endete dieser Ansicht nach die Ära des wis­senschaftlichen Denkens in Europa und das Zen­trum…

  • Gebt der Wissenschaft ihre Magie zurück!

    Von außen betra­chtet wirken die Natur­wis­senschaften wie ein Gehe­im­bund, der sich in sein­er eige­nen Sprache mit Fra­gen befasst, die kaum ein Außen­ste­hen­der nachvol­lziehen kann. Doch was, wenn wir Wis­senschaft als eine men­schliche Aktiv­ität begreifen, die der Kun­st nicht unähn­lich ist: eine Annäherung an eine geheimnisvolle Welt, die der Men­sch sich erfahrbar machen will? Es ist noch nicht lange her, dass…

  • Wie Leonardo da Vinci die moderne Wissenschaft vorweg nahm

    Leonar­do da Vin­ci (1452 – 1519) gilt als das Uni­ver­sal­ge­nie der men­schlichen Ideengeschichte. Beson­ders bekan­nt ist er für seine Kun­st – allen voran natür­lich das Abendmahl und die Mona Lisa. Auch als Inge­nieur hat da Vin­ci bis heute einen Namen. Dass er auch als Wis­senschaftler sein­er Zeit teil­weise um Jahrhun­derte voraus war, ist jedoch erst in den let­zten Jahren wirk­lich…

  • Der tiefe Graben zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

    Warum wird Homöopathie von den Krankenkassen bezahlt? Sollen wir gen­tech­nisch verän­derte Lebens­mit­tel erlauben? Was kön­nen wir gegen den Kli­mawan­del tun? All dies sind Fra­gen, in denen natur­wis­senschaftliche Erken­nt­nisse auf soziale Prozesse tre­f­fen. Der franzö­sis­che Philosoph und Sozi­ologe Bruno Latour set­zt sich mit solchen Diskus­sio­nen auseinan­der und stellt dabei wed­er den Natur- noch den Sozial­wis­senschaftlern ein gutes Zeug­nis aus. In seinem…

  • Warum Wissenschaft alten Wein in neue Schläuche packen muss

    Ger­ade macht mal wieder eine Studie die Runde, welche sich mit dem Ein­fluss von Bild­schir­men auf das Ein­schlafen und die Qual­ität des fol­gen­den Schlafs beschäftigt. Die Resul­tate sind dabei wenig über­raschend: Wer vor dem Schlafen vier Stun­den auf ein beleuchtetes Tablet schaut und dort ein Buch liest, braucht im Anschluss länger um einzuschlafen, schläft schlechter und ist auch am näch­sten…

  • Was die Wissenschaft von afrikanischen Fährtenlesern lernen kann

    Seit der wis­senschaftlichen Rev­o­lu­tion gilt der Königsweg für das Erlan­gen echt­en Wis­sens als ent­deckt: die Zer­legung der Welt in möglichst kleine Kom­po­nen­ten, denen in kon­trol­lierten Exper­i­menten ihre Geheimnisse abgerun­gen wer­den. In einem ständi­gen Wech­sel­spiel aus The­o­rien, Hypothe­sen und empirischen Dat­en wer­den dann Erken­nt­nisse erzeugt. Dabei wer­den Wis­senssys­teme, die sich nicht aus Exper­i­ment und The­o­rie speisen, son­dern aus über­liefer­t­er Erfahrung und…