Weltenkreuzer

summerstale

Von einer dunklen Stadt und schwierigen Klavierstücken [Lesewoche 32-33/2016]

Letzte Woche waren wir auf dem A Summer’s Tale-Festival in der Lüneburger Heide. Da habe ich mich dann doch eher der Musik und dem guten Essen gewidmet als den Büchern. Dafür durfte ich diese Woche wieder nach Bielefeld pendeln und das bringt einige entspannte Lesestunden…

Abgeschlossen: Ink and Bone von Rachel Caine

Bin zum Ende hin bleibt “Ink and Bone” gut und spannend geschrieben. Es gibt auch noch mehr über die Welt und einige interessante Hintergründe zu entdecken. Dabei rückt das Thema Pflicht und Loyalität weiter in den Mittelpunkt und der Umgang der Bibliothek mit wahrgenommenen Bedrohungen und dem bibliothekarischen Fortschritt.

Insgesamt eine sehr befriedigende Lektüre. Band 2, Paper and Fire, ist gerade erschienen und wird sicherlich demnächst auf meinem Reader landen.

Begonnen und abgeschlossen: The Soul Standard von Caleb J. Ross, Axel Taiari, Nik Korpon und Richard Thomas

Ich weiß gar nicht so wirklich, warum ich mir das Buch gekauft hatte, denn weder sagten mir die Autoren etwas, noch hatte ich darüber gehört oder gelesen. Aber vier Kurzgeschichten in einer dystopischen zukünftigen Großstadt haben mich irgendwie angelacht. Und das war auch gut so.

In den vier Geschichten, die unabhängig voneinander angelegt sind aber in derselben Welt spielen und sich teilweise zeitlich überlappen, lernen wir die vier inoffiziellen Distrikte der Stadt kennen: Den Finanzbereich, das Rotlicht-Viertel (vllt. besser als “Unterstadt” übersetzt), die Vororte und die Geisterstadt.

In dieser Welt gilt Geld (“gold standard”) immer weniger und das alltägliche Leben wird über Gefallen bestritten (“soul standard”). Gleichzeitig spielen Organe, die offiziell und inoffiziell gehandelt werden, eine große Rolle für das Überleben der weniger Wohlhabenden.

Ein sehr eindrucksvolles Buch, in dem es die vier Autoren in sehr unterschiedlichen Geschichten schaffen ein konsistentes und sehr lebendiges Bild einer dystopischen Großstadt zu zeigen.

Weitergelesen: The Hidden Pleasures of Life von Theodore Zeldin

Ich habe jetzt auch wieder ein paar Essays in dem durchaus interessanten Buch von Theodore Zeldin geschafft: How can people lose their illusions about themselves?, What are alternatives to being a rebel? und What can the poor tell the rich?.

Seine wichtigste Aussage bisher ist die Selbständigkeit des Einzelnen, sein eigenes Leben zu leben und sich nicht von außen definieren zu lassen. Gleichzeitig ist es für ihn aber extrem wichtig, dieses eigene Leben ganz eng in den Kontext anderer Leben einzubetten. Also tiefgreifende Gespräche zu führen und so die Lebenswelten anderer kennen und verstehen zu lernen.

Das erscheint mir eine Kombination die sehr mit mir spricht. Ich bin gespannt, was sich noch so für Denkansätze ergeben…

Angefangen: Play it again von Alan Rusbridger

Aktuell lese ich mal etwas, das weder Genre noch Sachbuch ist, sondern ein äußerst spannender Bericht des ehemaligen Chefredakteurs und Herausgebers des britischen Guardian: Innerhalb eines Jahres versucht er als etwas eingerosteter Hobby-Pianist, die als extrem schwierig geltende Ballade Nr. 1 von Chopin zu lernen.

Es gibt aber nicht nur für mich etwas weniger interessante Überlegungen über das Stück oder das Klavierspielen, sondern auch viele spannende Reflexionen über das Musizieren und das Verhältnis zwischen Amateuren und Profis. Und dann ist Rusbridger eben auch noch Chefredakteur des Guardian und muss in dieser Zeit unter anderem die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen durch WikiLeaks koordinieren…

Wie geht es weiter?

Nächste Woche werde ich im Zug definitiv wieder viel zum Lesen kommen. Den Rusbridger dürfte ich also abschließen und auch ein neues Buch beginnen. Vermutlich den ersten Teil von N.K. Jemisins aktueller Reihe: The Fifth Season. Auch den Comic Black Science wollte ich wieder wieder vornehmen.

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Von verfluchten Kindern und einer diktatorischen Bibliothek [Lesewoche 31/2016]

Eigentlich hatte ich ja gehofft, die zweite Urlaubswoche auch wieder so viel zum Lesen zu kommen, aber London war dann doch zu spannend und so waren es praktisch nur zwei Lesetage diese Woche. Dafür viel Gebummel durch Buchhandlungen und einige spannende Neuerwerbungen.

Außerdem habe ich in London die Theaterumsetzung von “The Curious Incident of the Dog in the Night Time” von Mark Haddon gesehen. Das war wirklich Theater von einem anderen Stern…

Nun aber zu Buchstaben auf Papier:

Begonnen und abgeschlossen: Harry Potter and the Cursed Child von J.K. Rowling (Theater-Skript)

In Schottland natürlich gleich vorbestellt und für den halben Preis bekommen, ist das Buch trotz seiner 350 Seiten schnell gelesen. Es ist eben tatsächlich ein reines Theaterskript mit Dialogen und einigen wenigen Regieanweisungen.

In erster Linie ist das Stück ein gigantischer Fanservice, in dem einige spannende Dinge verarbeitet werden: besonders das erwachsene Leben der Helden unserer Jugend. Abseits davon konnte mich die Geschichte nicht wirklich überzeugen, weil sie doch einige klaffende Logiklöcher hat.

Die Inszenierung im Londoner Palace-Theater möchte ich mir aber auf jeden Fall nächstes Jahr anschauen. Besonders nachdem ich in “The Curious Incident” gesehen habe, was im Londoner Westend möglich ist.

Angelesen: Germany: Memories of a Nation von Neil MacGregor (Non-Fiction)

Am besten versteht man sein eigenes Land vielleicht, wenn man einen Blickwinkel von außerhalb einnimmt. Deswegen stand das Buch von dem britischen Deutschlandkenner Neil MacGregor schon länger auf meiner Liste. Als Taschenbuch auf Englisch und zum Sonderpreis konnte ich dann wirklich nicht daran vorbei.

Das erste Kapitel ist auch schon äußerst interessant und zeigt an verschiedenen Triumphbögen in Frankreich und Deutschland das ambivalente Verhältnis “der Deutschen” zu ihrer Geschichte und ihrem Land auf.

Angelesen: The Invention of Nature von Andrea Wulf (Non-Fiction)

Das zweite Buch von meiner “Irgendwann”-Liste als Taschenbuch im Sonderangebot ist diese Biographie von Alexander von Humboldt. Im ersten Kapitel formuliert Andrea Wulf das Ziel herauszuarbeiten, wie bedeutend Humboldt für unser heutiges Verständnis der Natur als komplexes System war und ist.

Begonnen: Black Science Vol. 1: How to Fall Forever (Comic)

Auch erst ein paar Seiten habe ich von diesem spannenden Comic gelesen. Aber wenn in einer der ersten Sprechblasen bereits von “the perfect sequence of catastrophic decisions” die Rede ist, bin ich zuversichtlich, dass mir auch die weiteren Seiten gefallen werden.

Begonnen: Ink and Bone von Rachel Caine (Roman)

In dem Roman bin ich jetzt ungefähr bei der Hälfte und bislang gefällt er mir ziemlich gut. Er spielt zwar in unserer Zeit, aber in einer Welt, in der die Bibliothek von Alexandria nicht zerstört wurde. Stattdessen hat sie sich im Laufe der Zeit zu einer Art Staat mit dem Monopol über das geschriebene Wort entwickelt. Bücher sind normalen Bürgern verboten und werden geschmuggelt und auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Sie dürfen offiziell nur unter strengen Bedingungen in einer der Außenstellen der Bibliothek eingesehen werden.

Hauptfigur ist der junge Jess, der von seiner Schmugglerfamilie nach Alexandria geschickt wird, um dort eine Ausbildung zu durchlaufen und als Spion der Familie in der Bibliothek agieren zu können.

Bislang gefällt mir insbesondere die Konstruktion der Welt, in der Wissen zentralisiert und monopolisiert ist. Es überrascht mich aber, dass trotz fast zweitausend Jahren alternativer Entwicklung diese Welt unserer doch sehr ähnelt.

Wie geht es weiter?

Da ich diese Woche unterwegs bin, weiß ich nicht, wie viel ich zum Lesen komme. “Ink and Bone” sollte ich aber auf jeden Fall ebenso abschließen können wie den ersten Band von “Black Science”. Mal schauen, vielleicht komme ich auch dazu, mich einem der Sachbücher ausführlicher zu widmen.

Lesewoche 30/2016

Nachdem ich das Lesetagebuch des guten Roland immer gerne verfolge, breite ich doch auch mal ein wenig meine eigene Lektüre aus. Diese Woche habe ich mich im Urlaub mit einem neuen Comic, zwei Romanen und einem in London entdeckten Sachbuch unterhalten

Abgeschlossen: Ninefox Gambit von Yoon Ha Lee (Roman)

Mit vielen Vorschusslorbeeren versehen, bin ich mit diesem Buch nicht warm geworden und so hat sich die Lektüre ungewöhnlich lange hingezogen. Diese Woche habe ich die Geschichte aber dann doch abgeschlossen.

Die Welt des Romans blieb mir über die gesamte Strecke zu fremd und so konnte ich weder eine Beziehung zu den Figuren aufbauen noch die vermutlich sehr cleveren militärisch-taktischen Manöver nachvollziehen. An einigen Stellen wartete der Roman aber mit durchaus spannenden Szenen auf.

Begonnen und abgeschlossen: Red Rising von Pierce Brown  (Roman)

Endlich habe ich den Roman gelesen, der schon lange auf meiner „irgendwann mal“-Liste stand. Und es hat sich geloht. Pierce Brown erzählt die Geschichte eines Bergarbeiters auf dem Mars, der sich gegen das strenge Kastenwesen auflehnt und dabei eine Menge Überraschungen erlebt.

Der Roman greift Versatzstücke aus zahlreichen bekannten Geschichten auf und liest sich teilweise wie eine Mischung aus „Lord of the Flies“, „Hunger Games, „Harry Potter“ und „Ender’s Game“, erzählt dabei aber sehr flott und gut geschrieben eine eigenständige Geschichte. Den zweiten Teil, „Golden Son“, werde ich mir sicherlich demächst auch zu Gemüte führen.

Begonnen und abgeschlossen: Nowhere Men. Fates Worse Than Death (Comic)

Nachdem wir in Edinburgh den Comic-Laden „Forbidden Planet“ entdeckt hatten, konnte ich der Versuchung, mal wieder ein paar Comics zu lesen, nicht widerstehen. Eine dieser Neuerwerbungen habe ich dann auch gleich gelesen: „Nowhere Men“ von Eric Stephenson, Nate Bellegarde, Jordie Bellaire und Fonografiks.

Der erste Band erzählt die Geschichte von vier Wissenschaftlern, die mit ihren Erfindungen die Welt verändert haben und zu Rockstars geworden sind.  Mit ihrer World Corp. haben sie zudem ein riesiges Imperium aufgebaut. Diese Zusammenarbeit ist aber nur von kurzer Dauer und das Imperium zerbricht. Und dann ist da noch diese geheime Raumstation…

Ein faszinierender Comic, der seine komplexen Geschichten nicht durchgehend erzählt, sondern in kurzen Comic-Schnipseln sowie fiktiven Zeitungsartikeln, Interviews und Buch-Ausschnitten. Zu schade, dass der zweite Band erst im November erscheint. Ich hoffe, dass die Autoren es schaffen, die ganzen anlegten Geschichten tatsächlich zuende zu erzählen…

Begonnen: The Hidden Pleasures of Life von Theodore Zeldin (Sachbuch)

Wenn das Inhaltsverzeichnis eines Buchs Fragen aufwirft wie „What is the great adventure of our time?“, „How does one acquire a sense of humor?“ oder „What can replace the shortageof soul-mates?“, kann ich daran einfach nicht vorbeigehen.

Und dann hatte der Autor (oder der Verlag?) auch noch die geniale Idee, die Kopfzeile nicht für die ewiggleiche Wiederholung des Buch- oder Kapiteltitels zu nutzen, sondern für eine Zusammenfassung des zentralen Punkts der Seite in drei oder vier Worten.

Das erste Kapitel macht auf jeden Fall schon sehr viel Lust auf mehr…

Wie geht es weiter?

Die zweite Urlaubswoche wird auf jeden Fall auch wieder sehr lektüre-reich. Das Buch von Zeldin werde ich mir auf jeden Fall ausführlicher anschauen und natürlich das gerade erschienene „Harry Potter and the Cursed Child“. Vermutlich wird es außerdem den Roman „Ink and Bone“ von Rachel Caine geben und den ersten Band der Comic-Reihe „Black Science“. Ich werde berichten.

[Linkschau] Wie wir essen I

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein neues Lebensmittel durch die Medien gezogen wird weil es entweder Krebs auslöst, Krebs verhindert oder intelligent bzw. dumm macht. So ist die Verunsicherung groß, wie das denn nun eigentlich geht mit der richtigen Ernährung: brauchen wir ein individuell bestimmtes und individuell auf das Gramm abgewogene  Menü aus Superfoods oder sollten wir uns am besten einfach wieder wie in der Steinzeit ernähren? Einfache Antworten gibt es in den Texten und Dokumentationen, die ich euch heute nahelegen möchte, nicht. Aber viel Bedenkenswertes und eine Rückbesinnung auf Vernunft und Kultur:

The sugar conspiracy von Ian Leslie

Ian Leslie geht für den Guardian der Frage nach, warum eigentlich Fett als das ultimativ böse Nahrungsmittel gesehen wird, obwohl alle wissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Zucker hindeuten. Das ist spannend zu lesen, weil Leslie sich nicht nur der inhaltlichen Frage „Fett oder Zucker?“ widmet, sondern auch aufzeigt, wie Forschergruppen wissenschaftliches Wissen produzieren und gegen Häretiker verteidigen, auch wenn diese sehr gute Argumente haben.

Bauchgrimmen von Susanne Schäfer

Ernährungsmythen geht auch Susanne Schäfer in Ihrem Artikel auf Zeit Online nach, genauer gesagt Unverträglichkeitsmythen. Sie argumentiert, dass Hersteller von Spezialprodukten die „Gefahr“ von Laktose, Gluten, Histamin und anderen Auslösern von Unverträglichkeiten unverhältnismäßig aufblasen und damit gutes Geld verdienen. Dabei stellt sie nicht in Abrede, dass es entsprechende Krankheitsbilder tatsächlich gibt, sondern hält fest, dass diese viel zu oft fehlerhaft (selbst-)diagnostiziert werden.

How the Western Diet Has Derailed Our Evolution. Burgers and fries have nearly killed our ancestral microbiome von Moises Velasquez-Manoff

In diesem äußerst spannenden Text geht es um den Zusammenhang unserer „westlichen“ Ernährung und der Mikrobenvielfalt in unserem Darm. Velasquez-Manoff stellt für Nautilus zahlreiche Studien vor, die aufzeigen, dass „wir“ wesentlich weniger unterschiedliche Mikroorganismen in unserem Darm haben als Menschen in indigenen Kulturen, die sich traditioneller ernähren. Dabei ist das Absterben dieser Vielfalt „erblich“ und kann nur mit größerem Aufwand rückgängig gemacht werden. Vielleicht ist hier ja auch ein Grund für die anscheinend zunehmenden Nahrungsunverträglichkeiten zu finden?

Cooked (Netflix)

In dieser vierteiligen Dokumentation geht Autor Michael Pollan der Kultur- und Naturgeschichte des Kochens nach – basierend auf seinem 2015 auf Deutsch erschienen Buch Kochen. Eine Naturgeschichte der Transformation. Er zeigt eindrucksvoll auf, wie Grillen, Kochen und Fermentieren zu grundlegenden Kulturtechniken geworden sind und welche Rolle Essen bei der Erzeugung von Gemeinschaft spielt. Erzählt ist das ganze allerdings sehr gemächlich und mit vielen klischeehaften Einstellungen.

Chef’s Table (Netflix)


Diese Reihe rollt das Thema Essen von der anderen Seite her auf und stellt inspirierende Sterneköche und -köchinnen aus der ganzen Welt vor. Sie gibt tiefe Einblicke in deren Leidenschaft für das Kochen und hochwertiges Essen – allerdings eben preislich auf Sterneniveau.

Was nehme ich aus den gesammelten Weisheiten dieser Texte und Dokumentationen mit? Essen darf Spaß machen, Essen schafft Gemeinschaft und Kochen ist eine Kulturtechnik, die im Alltag oft leider viel zu kurz kommt. Was meine eigene Ernährung angeht, werde ich versuchen, mich noch stärker an den drei pragmatischen goldenen Regeln aus Michael Pollans Buch In Defense of Food (den mega-dämlichen deutschen Titel möchte ich hier nicht nennen) zu orientieren: „Eat [real] food. Mostly plants. Not too much.“

 

 

 

[SuB Freitag] Das gute Leben I

Wer auch mal zum Spaß in eine Buchhandlung geht, kennt das Phänomen: Nach und nach stapeln sich auf dem Boden oder in den Regalen die Bücher, die man unbedingt noch lesen will, aber einfach nicht dazu kommt, weil es so viele spannende Neuerscheinungen da draußen gibt. An dieser Stelle möchte ich euch Bücher vorstellen, die sich in meinem „Stapel ungelesener Bücher“ (SuB) finden. Das können Neuerscheinungen sein, aber auch ältere Bücher, die hier bei mir stehen und darauf warten, gelesen zu werden. Und wer weiß, wenn ich das dann endlich tue, werden sie vielleicht auch verbloggt. Den Anfang machen heute zwei sehr unterschiedliche Bücher zum guten Leben.

Hartmut Rosa: Resonanz

resonanzResonanz (Suhrkamp 2016) von Hartmut Rosa ist für mich eine absolute Pflichtlektüre. Rosa geht der Frage nach, wie wir uns als Einzelne in der zunehmend beschleunigten Welt positionieren und verankern können. Er predigt dabei nicht die Entschleunigung, sondern will mit seinem Konzept der Resonanz eine bestimmte Form der „Weltbeziehung“ fassen, die etwas in uns „zum Schwingen bringt“. Er schreibt dabei aber keinen Lebensratgeber, sondern ein philosophisch-soziologische Analyse, die sicherlich nicht einfach zu lesen sein wird, aber tiefe Einsichten und Erkenntnisse verspricht.

Da ich die Gelegenheit hatte, Hartmut Rosa kennenzulernen und einige der in dem Buch ausgeführten Ideen bereits in einem Vortrag zu hören, freue ich mich auf die Lektüre, schrecke gerade aber noch ein wenig vor dem mentalen Aufwand, mich den 800 Seiten zu widmen, zurück…

Danny Gregory: The Creative License

creativelicenseDer Sommerurlaub wird uns dieses Jahr auf die Insel führen, die sich gerade entschlossen hat, die EU zu verlassen. Natürlich wird dabei neben dem Handy auch eine „echte“ Kamera im Gepäck sein, doch irgendwie hat mich das Fotografieren in den letzten Urlauben nicht vollständig befriedigt. Daher will ich diesmal auf eine etwas andere Weise versuchen, Eindrücke, Erinnerungen und Atmosphären festzuhalten: mit dem Stift auf Papier.

Ich bin zwar gnadenlos untalentiert im Zeichnen, aber es sagen ja immer alle, das wäre nur eine Sache der Übung. Von Danny Gregorys Buch The Creative License (Hachette 2006) erhoffe ich mir neben praktischen Tipps auch ein wenig mentale Rückendeckung bei diesem Experiment…

Von guten und bösen Buch-Überraschungen 2015

Normalerweise findet ihr hier ja nicht wirklich so viele Blogparaden, Stöckchen und Co, aber einen Jahresrückblick auf das Lesejahr 2015 kann ich mir an dieser Stelle schlecht entgehen lassen. Deswegen greife ich die Fragen von den BuchSaiten auf, um das Ganze ein wenig zu strukturieren. Es geht dabei in erster Linie um die positiven und die negativen Überraschungen sowie Neuentdeckungen. Bei mir gibt es jeweils zwei Antworten: eine für den Bereich Science-Fiction und Fantasy und eine für die zahlreichen Sachbücher, durch die ich mich im letzten Jahr gefressen habe. Lesen…

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5 Brettspiel-Highlights für das Jahr 2016

Pünktlich zum Ende des Jahres hatte ich in den letzen Tagen die Möglichkeit, einige der Brettspiel-Neuheiten dieses Jahres ausführlich probezuspielen. Fünf dieser Neuheiten möchte ich euch an dieser Stelle ganz besonders ans Herz legen. Vielleicht habt ihr ja noch den einen oder anderen Weihnachtsgutschein einzulösen:

Lesen…

Von New York nach Puerto Rico: Auf der Suche nach der dreckigen Pfeife

Am Montag, den 21. Dezember, hatte ich die Freude, der ersten Probe der Dortmunder Philharmoniker für das Neujahrskonzert 2016 beiwohnen zu können.  Darüber ist jetzt auf dem Blog der Philharmoniker mein Gastbeitrag erschienen:

Von New York nach Puerto Rico: Auf der Suche nach der dreckigen Pfeife

[…]

Jetzt beginnt jedoch erst die Arbeit von Generalmusikdirektor und Dirigent Gabriel Feltz: Wie ein Bildhauer legt er mit knappen und präzisen Eingriffen im Zusammenspiel mit den Musikern nach und nach den perfekten Klang des Stückes frei. Er weist auf ein verstecktes Crescendo hin, das nicht genug zu Geltung kommt, stimmt die Lautstärke der Bläser und Streicher auf die leisen Töne des Pianos und der Harfe ab und tüftelt am perfekten Klang eines einzelnen Vibraphon-Schlags. Er betont die Lässigkeit am Anfang des Stücks und hilft den Musikern, sie nach und nach in die aggressive Schärfe des Finales zu überführen.

Was das mit einer dreckigen Pfeife zu tun hat, könnt ihr bei den Philharmonikern lesen: Gastbeitrag zum #neujahrskonzert

Eine Anleitung für das Leben? Vier Ideen aus „Wie wir sind“ von Vincent Deary [mit Video]

Eine Anleitung für das Leben, wäre das nicht praktisch? Ein kleines Handbuch mit „richtigen“ Verhaltensweisen für jede Lebenssituation? Mit seinem Buch Wie wir sind startet der britische Psychoanalytiker Vincent Deary seinen Versuch, eine solche Anleitung zu verfassen. Dabei rückt er in diesem ersten Band unseren Wunsch nach Sicherheit und einem vorhersehbaren Alltag in den Mittelpunkt und weiß Spannendes über den Prozess der Veränderung zu berichten:

  1. Unser Alltagsleben ist geprägt von Handlungsroutinen und etablierten Denkmustern. Anstatt über jede kleine Aktion nachzudenken, sind wir die meiste Zeit damit befasst, Dinge zu wiederholen und Muster zu aktivieren, die wir erlernt haben und von denen wir wissen, dass sie in der Lage sind, unsere alltäglichen Probleme zu bewältigen.
  2. wiewirsind

    Vincent Deary: Wie wir sind
    (Pattloch 2015)

    Wir passen unsere Umgebung diesen Routinen an. So wird sie zu einem Archiv unseres Lebens und unseres Seins. Diese Routinen schreiben wir auch in unsere Umwelt und insbesondere unser Zuhause ein. Jedes Bild an der Wand und jede (Un-)Ordnung in einem Regal ist – bewusst oder nicht – auf diese Routinen abgestimmt. Damit machen wir diese Umgebung zu einem zentralen Bestandteil unserer Selbst, weil sie die Routinen, die uns ausmachen, erst ermöglichen.

  3. Veränderung bedeutet einen Bruch mit unseren Routinen. Daher macht sie uns Angst, ermöglicht uns aber gleichzeitig einen Neuanfang. Routinen geben uns Sicherheit und einen Boden unter den Füßen. Brechen sie weg, schweben wir frei im Raum, und es fehlen Halt und Orientierung. Davor haben wir eine grundlegende Angst und versuchen demnach, Veränderung zu vermeiden. Daher bricht sie meist von außen über uns herein.
  4. Am Ende des Wandlungsprozesses steht ein neues Gleichgewicht, das uns erneut ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität gibt. Wenn wir, wie oben beschrieben, den Boden unter den Füßen verloren haben, bemühen wir uns möglichst schnell, ein neues Gleichgewicht zu etablieren. Dabei haben wir gerade zu Beginn die Chance, mit relativ wenig Aufwand richtungsweisende Festlegungen vorzunehmen, indem wir die zu etablierenden Routinen bewusst auswählen.

Wie wir sind von Vincent Deary ist ein äußerst rundes Buch, in dem der Autor voller Wärme, aber gleichzeitig ohne Beschönigung, über den teilweise harten Prozess der Veränderung schreibt. Es gibt zwar ausführlichere und wissenschaftlichere Bücher über alltägliche Routinen, doch Dearys Buch fühlt sich menschlicher und weniger technisch an. Zudem ist es hervorragend geschrieben – und übersetzt – und sprüht vor Witz und Weisheit. Vielleicht keine Anleitung für das Leben, wie es der Titel der Reihe verspricht, aber eine Stütze und ein Trost in turbulenten Zeiten.