Weltenkreuzer

Viel Weltraum und ganz irdischer Journalismus [Medienmenü 38/2016]

Nach dem sehr lesenswerten Artikel von Andrew Sullivan (I Used to Be a Human Being) ist mal wieder der Vorsatz gewachsen, nicht jedem spannenden Link bei Twitter nachzujagen, sondern mehr bewusst kuratierte journalistische Texte zu lesen. Daher gibt es diese Woche neben Büchern, TV-Serien und Computerspielen auch zwei Klassiker unter den Zeitungen/Zeitschriften, die mich möglicherweise über längere Zeit begleiten werden:

Gelesen: DIE ZEIT 40/2016 (Zeitung)

zeit-2016-40Erster Anlaufpunkt für hochwertigen Journalismus in natürlich die ZEIT. Ein digitales Probeabo für 1€ pro Woche für fünf Wochen kam mir da gerade recht.

Und nachdem ich alle Artikel gelesen habe, die mich interessierten bin ich wahrlich nicht enttäuscht. Neben dem gesellschaftlichen Tagesgeschäft gibt es unter anderem eine ergreifende Reportage über einen jesidischen Ehrenmord in Niedersachsen, einen Bericht aus dem “Krisenzentrum” des Reiseveranstalters TUI und einen sehr lesenswerten und differenzierten Schwerpunkt zum Thema soziale (Un-)Gleichheit.

Ich freue mich auf nächste Woche.

Reingelesen: The Economist, 24. September 2016 (Zeitschrift)

economist-160924Neben der ZEIT habe ich mir auch mal den kostenlosen Probemonat im Kindle-Abo des Economist gegönnt – mit seiner eher wirtschaftsliberalen Perspektive ein wenig der Gegenpol zur ZEIT. Inspiration war auch hier wieder der Artikel von Christian Köllerer.

Bisher fand ich den Economist immer zu anstrengend zu lesen, nach der ersten Aufgabe auf dem Kindle habe ich aber gemerkt, dass das weder an der Fremdsprache noch der Schreibe der Autoren liegt. Bisher hatte ich immer die Print- oder die optisch sehr ähnliche App-Version gelesen. Hier sind Layout und Schriftgröße einfach extrem leserunfreundlich. Auf dem Kindle mit der entsprechend optimierten Ansicht ist das ganze wesentlich angenehmer und liest sich entsprechend flüssig.

Zudem ist das Kindle-Abo mit 10€ im Monat mit Abstand die preiswerteste Variante, an den Economist zu kommen, auch wenn man dann wirklich nur die Kindle-Version bekommt und keinen Zugriff auf die Webseite oder die Audio-Ausgaben.

Abgeschlossen: Red Mars von Kim Stanley Robinson (Roman)

redmarsPuh, die alten Romane von Kim Stanley Robinson fühlen sich wirklich nach Arbeit an. Aber eben nach Arbeit, die sich lohnt. Glücklicherweise las sich die Originalfassung wesentlich flüssiger als die – wie schon erwähnt – katastrophale Übersetzung.

Am Ende habe ich dann aber doch einige Seiten mit langwierigen und doch eher trockenen Erklärungen übersprungen. Dadurch konnte ich dann aber wieder die Geschichte genießen. Robinson ist einfach extrem gut darin, soziale Dynamiken und technische Zusammenhänge zu konstruieren. Das macht aus Roter Mars und den Folgebänden vielleicht die ultimative Mars-Geschichte, die aber dann doch leider oft sehr trocken zu lesen ist…

Abgeschlossen: Gilmore Girls, Staffel 4 (TV-Serie)

Viel muss ich zu dieser Wohlfühl-Serie, glaube ich, nicht sagen: unvergleichliche Dialoge und beste Berieselung mit Niveau. Ich bin allerdings mal gespannt, ob sie das Level in den kommenden Staffeln halten können, denn so langsam nutzt sich die Basisformel doch ein wenig ab.

Abgeschlossen: Manhattan, Staffel 1 (TV-Serie)

Umso mehr gibt es zu Manhattan zu sagen, eine Serie, die vollkommen unter meinem Radar lief und auf die wir zufällig bei Netflix gestoßen sind. Glücklicherweise, denn die (fiktive) Geschichte des us-amerikanischen Atombomben-Projekts ist äußerst gut.

Auch wenn wir natürlich nicht erfahren, was tatsächlich in Los Alamos passiert ist, ist die Geschichte um Frank Winter, Reese Akley und Charlie Isaacs gleichzeitig spannend und plausibel: Winter und Akley leiten jeweils eine Forschungsgruppe zum Bau der Atombombe und verfolgen dabei unterschiedliche Herangehensweisen. Während Akleys “Thin Man” sehr erfolgversprechend ist, scheint Winter sich in eine fixe Idee der Implosion zu verrennen.

Und dann sind da noch die Ehefrauen und Kinder die sich mit dem Leben auf dem abgeschotteten Gelände arrangieren müssen. Die Serie fängt die angespannte Atmosphäre auf dem “Hill” extrem gut ein – sowohl was den Konkurrenzkampf der Wissenschaftler angeht als auch die gleichzeitige Enge des Lagers und die unendliche Weite der umgebenden Wüste, während in Europa jede Stunde tausende Soldaten sterben. Insgesamt also ein äußerst sehenswerter Blick in den Krieg “hinter der Front”.

Gesehen: Memento (Film)

Ich bin ja großer Fan von Christopher Nolan und seinen doch sehr markanten Filmen, in denen er es schafft, den Zuschauer gehörig zu verwirren und mental herauszufordern, gleichzeitig aber immer auch eine spannende Geschichte zu erzähen. Eine Kombination, die es in dieser Form leider zu selten gibt.

Memento ist Nolans Debutfilm und er zeigt in eher kleinem Rahmen schon alles, was seine Filme ausmacht: Ein Mann, der nach einem Unfall(?) sein Kurzzeitgedächtnis verloren hat und mit der Hilfe von Notizen auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau ist. Doch Nolan muss natürlich auch noch mit der Erzählstruktur spielen: während er einen Strang in Farbe von hinten nach vorne erzählt, bewegt sich eine andere Geschichte in schwarz-weiß von vorne nach hinten. Die Auflösung des Films findet sich damit eigentlich in der Mitte der Geschichte. Ein Wendepunkt der Geschichte wird damit zum Finale des Films und das Ganze fühlt sich auch noch absolut schlüssig und befriedigend an.

Also: Anschauen!

Zu viel gespielt: Factorio (Computerspiel)

Tja, es war dann doch nicht mit einem Umbau meiner Ölproduktion getan, es gab in dem Feld einfach zu wenig Öl. Also musste ich ein paar Käfernester zerstören – auch um endlich Alien-Artefakte für die Forschung zu bekommen – und ein neues Ölfeld erschließen. So richtig mit Zug und so. Dabei ist das beim Öl noch ein wenig schwieriger, denn man muss auch die leeren Fässer einplanen und wieder zum Ausgangspunkt zurückbringen. Jetzt läuft es aber ausreichend effizient und es mangelt mir nicht mehr an Kunststoff und Schwefel. Nach einem anschließenden kurzen Kupferengpass läuft die Forschung jetzt aber wieder auf Hochtouren und das Raketensilo ist nicht mehr fern. Dann muss ich „nur noch“ die Rakete bauen…

Begonnen: Death’s End von Cixin Liu (Roman)

deathsendEndlich darf ich mich wieder in der von Cixin Liu erdachte Zukunft verlieren. Die Trisolarer sind auf dem Weg zur Erde und die Menschen müssen irgendwie mit dieser Gefahr umgehen. Dieses Mal scheint Liu sich stärker auf die Erde zu fokussieren und erzählt auch einige Geschichten, die parallel zu den Ereignisse aus Dark Forest ablaufen.

Wieder mit dabei ist der absolut unübertreffliche “Sense of Wonder”. Liu hat einfach gigantische Ideen und ganz ähnlich wie Robinson kann er soziale Dynamiken und technische Entwicklungen faszinierend in eine Handlung verpacken. Aber bei ihm wirkt irgendwie alles größer, sodass ich mich großen Augen umblättere und mich immer wieder aufs neue faszinieren lasse. Zu schade, dass dieser Band der letzte der Reihe ist…

Aus der Lesewoche wird das Medienmenü [Ausgabe 36-37/2016]

Und kaum nimmt das Lesetagebuch Fahrt auf, kommt die erste Talsohle, in der ich nicht so richtig in meinen aktuellen Roman reinkomme und sich mein Lesetempo deutlich reduziert. Doch das hat nicht nur dazu geführt, dass ich letzte Woche nichts zu dokumentieren hatte, sondern bringt mich auch dazu, aus der Lesewoche das Medienmenü zu machen, das Spektrum also ein wenig zu erweitern: Es gibt jetzt auch Kinofilme, TV-Serien, Computerspiele, Zeitschriften oder Theaterstücke und was mir noch so an “Medien” im weiteren Sinne vor die Flinte läuft.

Begonnen und Abgeschlossen: Saga, Bände 4 & 5 (Comic)

saga_tp_04Wie angekündigt habe ich die Bände 4 und 5 der hervorragenden Comic-Reihe ziemlich schnell verschlungen. Und auch hier halten Autoren wie Zeichner das Niveau vorbildlich, auch wenn ich Band 4 minimal schwächer fand als die Bände 3 und 5.

Die Geschichte wächst dabei kontinuierlich: sowohl was die vorgestellte Welt angeht, als auch auf der zeitlichen Ebene. In immer größere Zeitsprüngen können wir verfolgen, wie Hazel heranwächst und andere Figuren immer wichtiger werden. Inklusive eines umwerfend süßen Seehundes, der es allerdings faustdick hinter den Ohren hat.

Begonnen: Roter Mars / Red Mars von Kim Stanley Robinson (Roman)

redmarsIch habe es also tatsächlich gewagt und mir Roter Mars vorgenommen, auch mit dem Vorsatz, im Anschluss die Folgebände Grüner und Blauer Mars zu lesen. Immerhin gelten die drei Romane als ultimative Reihe über die Kolonisierung des Mars. Und dass Robinson Geschichten erzählen kann, habe ich mit Aurora vor Kurzem erst wieder erfahren dürfen.

Aber meine Sorge aus der letzten Lesewoche war durchaus gerechtfertigt: Roter Mars ist doch arg trocken und zäh, auch wenn es eine wirklich glaubwürdige und realitätsnahe Geschichte erzählt. Und dann ist da noch die wirklich katastrophale Übersetzung (zumindest in der deutschen Erstauflage), die mich zum ersten Mal dazu gebracht hat, mir in der Mitte eines Romans schnell die Originalfassung zu besorgen und zu dieser zu wechseln…

Begonnen: Storycraft von Jack Hart (Non-Fiction)

storycraftWenn ich schon meinen Studis verklickere, wie sie besser schreiben, sollte ich doch vielleicht auch mal wieder was für meine eigene Schreibe tun. Und zwar nicht für die trocken-akademische, sondern die etwas lebendigere essayistisch-journalistische. Da kam der Twitter-Tip (ich weiß leider nicht mehr von wem) zu dem Buch Storycraft gerade recht.

Es geht hier in erster Linie um ein amerikanisch geprägtes Format, das sich zwischen Reportage und Nachrichten-Berichterstattung bewegt. Dabei werden Nachrichten, nicht aus einer neutralen Perspektive “berichtet”, sondern aus der Perspektive beteiligter Personen “erzählt”. Jack Hart vermittelt die Grundprinzipien dieses Formats mit viel Erfahrung, doch scheinen dessen Einsatzbereich für mich doch etwas zu eng gesteckt. Ich will eben eher Ideen und Denkweisen vermitteln als dramatische Ereignisse. Ein wenig Hoffnung stecke ich aber noch das Kapitel, das als nächstes ansteht: Explanatory Narratives

Reingelesen: New York Review of Books (Zeitschrift)

Über den sehr lesenswerten Artikel Wie kann man sich seriös informieren? von Christian Köllerer bin ich auf das Magazin New York Review of Books aufmerksam geworden, das mitnichten nur Rezensionen von Büchern veröffentlicht sondern umfangreiche und gut recherchierte Artikel, die teilweise auf neu erscheinenden Büchern basieren. Es gibt leider keine Möglichkeit, einfach mal eine Ausgabe digital zu kaufen, aber auf der Webseite sind einige der tatsächlich hervorragenden Texte zu finden.

Gesehen: Captain Fantastic (Film)

Das Kino-Sommerloch nähert sich dem Ende und so ging es am Freitag mal wieder in eines der Dortmunder Programmkinos: die Schauburg. Über den Film Captain Fantastic mit Viggo Mortensen in der Hauptrolle wusste ich außer dem vielversprechenden Trailer und der IMDB-Bewertung von 8,1 nichts.

Aber wow, was hat sich das gelohnt: Die Geschichte erinnert ein wenig an Little Miss Sunshine, dreht sich aber um eine radikale Aussteigerfamilie, die zur Beerdigung der Mutter durch das ganze Land reisen muss. Dabei prallen ihre Ideale auf die “Realität” des amerikanischen Lebens, wobei keine Seite als überlegen dargestellt wird. Gleichzeitig intellektuell anspruchsvoll, warmherzig, humorvoll, schonungslos und durchsetzt mit unvergesslichen Szenen.

Weiter geschaut: Gilmore Girls, Staffel 4 (TV-Serie)

Und dann gibt es natürlich auch die gute einfache Unterhaltung zum Abendessen: die Gilmore Girls, bei denen wir aktuell in der vierten Staffel sind. Die Geschichten um das Mutter-Tochter-Gespann Lorelay und Rory und die Kleinstadt Stars Hollow sind einfach immer herzerwärmend leicht und natürlich geprägt von einem unvergleichlichen Screwball-Humor.

Viel gespielt: Factorio (Computerspiel)

Mit der Fabrik- und Logistiksimulation Factorio verbringe ich gerade den größten Teil meiner Spielzeit. Hier geht es darum, “aus dem Nichts” ein gigantisches Produktionsnetzwerk auf die Beine zu stellen. Das Ziel, eine Rakete zu bauen, um damit von dem Planeten, auf dem man gestrandet ist, zu fliehen, wirkt dabei eher nebensächlich. Vielmehr müssen umfangreiche Produktionskreisläufe mit zahlreichen Komponenten entwickelt und umgesetzt werden.

Aktuell versuche ich, meine Produktion mit der Hilfe von Logistik-Robotern noch stärker zu automatisieren und demnächst steht ein großangelegter Umbau meiner Ölverarbeitung an. Denn während ich das Petroleum für die Gewinnung von Schwefel und Kunststoff dringend benötige, quellen meine Tanks vor Leicht- und Schweröl über, die ich aber eigentlich statt Kohle nutzen könnte, um meine Schmelzöfen zu befeuern…

Angespielt: FIFA 17 (Computerspiel)

Als Teilzeit-Spieler und Fußballfan komme ich natürlich nicht daran vorbei, mir zumindest die Demo der diesjährigen Ausgabe von EA Sports FIFA 17 zu besorgen. Und die ersten Partien sind durchaus vielversprechend, auch wenn ich nicht wirklich einschätzen kann, was sich tatsächlich seit FIFA 16 verändert hat. Die Spiele wirken allerdings noch ein wenig dynamischer und der neue Story-Modus mit Rollenspiel-Elementen scheint auf jeden Fall gut inszeniert. Kaufen werde ich es mir aber vermutlich eher nicht, zumal nächsten Monat mit Civilization VI ein zeitintensiver Pflichtkauf vor der Tür steht.

Fantastische Lebenswege und ein verbotenes Kind [Lesewoche 35/2016]

Letze Woche – und insbesondere am Wochende – war ich dann doch zu viel unterwegs, um wirklich Seiten in meinen diversen Büchern machen zu können. Auch die Pendel-Zugfahrten habe ich dieses Mal größtenteils anders genutzt. Aber immerhin habe ich ein Buch abgeschlossen und eine Comic-Reihe mal wieder nachgelesen, bevor es an die für mich neuen Bände geht.

Abgeschlossen: The Fifth Season von N.K. Jemisin

fifthseasonNicht die einfachste Kost, aber nach ein paar Seiten der Eingewöhnung erwartet einen wirklich vielschichtige Fantasy, die vor ein paar Wochen vollkommen zu Recht mit dem Hugo-Award für den besten Roman des vergangenen Jahres ausgezeichnet worden ist.

Jemisin baut drei aufwändige Erzählstränge auf, in denen sie drei Mädchen bzw. Frauen vorstellt, die sich an unterschiedlichen Stellen ihrer Laufbahn als “Orogenes” befinden. Sie sind eine Art Magier, die die sie umgebende Energie wahrnehmen, nutzen und verändern können und dabei in der Lage sind seismische Aktivitäten in ihrer Nähe zu beeinflussen. Damit sind sie eine große Gefahr für Menschen in ihrer Umgebung. Wenn sie jedoch gelernt haben, ihre Fähigkeiten zu kontrollieren, werden sie unverzichtbar für das Überleben der Welt, die regelmäßig von schweren Erdbeben und seismischen Schocks erschüttert wird.

Neben der sehr innovativen Art der Magie erschafft Jemisin faszinierende Figuren und eine lebendige und vielfältige Welt. Der gerade erschienene zweite Band The Obelisk Gate ist schon auf meinem Kindle.

Begonnen und abgeschlossen: Saga, Band 1 bis 3

sagaDie ersten drei Bände dieser mit Preisen überhäuften Comicreihe haben schon einige Jahre auf dem Buckel und ich habe sie auch teilweise schon mehrfach gelesen. Dabei war die absolute Faszination der Reihe nie wirklich auf mich übergesprungen, doch so schnell gebe ich nicht auf.

Also mal wieder Comixology angeworfen und losgelesen. Dieses Mal hat es im dritten Band tatsächlich “Klick” gemacht. Auf einmal erschließt sich mir der Humor der Reihe und auch zu Geschichten und Personen habe ich jetzt endlich den Draht gefunden. Band vier und fünf sind schon gekauft und ganz oben auf der Leseliste.

Wie geht es weiter?

Ich habe mich noch nicht entschieden, was mein nächster Roman wird. Die Neugier treibt mich gerade ein wenig in Richtung Roter Mars von Kim Stanley Robinson, aber ich fürchte den doch eher trockenen Stil gerade noch ein wenig. Daher werde ich mir vermutlich erstmal Band vier und fünf von Saga zu Gemüte führen – und vielleicht sogar auch schon Band sechs einkaufen…

Erfolgreiche(?) Wissenschaft und lebendige Erdbeben [Lesewoche 34/2016]

Eine ereignisarme Woche, außer dass ich natürlich wieder viel zum Lesen gekommen bin. Daher heute kein Foto aber dafür umso mehr spannende Bücher. Ok, nicht ganz so ereignisarm für den geneigten Genre-Leser: Die Hugo-Awards sind vergeben. Ohne große Überraschungen und mit abgeschlagenen Puppies. Mehr zu den Hugos und drei ausführliche Rezensionen gibt es in meinem Podcast.

Abgeschlossen: Play it again von Alan Rusbridger

Am Ende schafft es Rusbridger, das Stück vor einem Publikum zu spielen. Nicht ganz im Plan, aber bei dem Jahr ist das keine Überraschung. Nach hinten heraus geht es dann doch immer mehr um das Stück und musikalische und technische Feinheiten, sodass ich einige Seiten hier zügig überblättert habe.

Nachhaltig in Erinnerung bleiben wird mir die Leidenschaft und Ernsthaftigkeit, die Rusbridger dem Klavierspielen entgegen bringt. Da macht es absolut nichts, dass er das Stück technisch nicht perfekt spielen kann. Seine Reise ist trotzdem ein voller Erfolg, da sie ihm dieses Hobby erneut geöffnet hat.

Abgeschlossen: Black Science Vol. 1

Es hat sich ein wenig gezogen, aber jetzt bin ich auch durch den ersten Band der Comic-Reihe Black Science durch. Einiges daran – Thema, Setting und die raue Atmosphäre – hat mir sehr gut gefallen, die erzählerische und graphische Umsetzung fand ich hingegen nicht immer gelungen: Einige etwas nachlässige Zeichnungen haben das Nachvollziehen der Personen – das mir sowieso immer schwer fällt – unnötig unübersichtlich gemacht. Dadurch geht gerade in den Actionszenen der Lesefluss leider etwas verloren.

Band 2 werde ich mir aber trotzdem zulegen. Ich weiß nur immer noch nicht, ob ich Comics lieber auf Papier oder digital lese…

Begonnen und abgeschlossen: Giants von Sylvain Neuvel

Das ging schnell: keine Woche nachdem ich das Rezensionsexemplar bekommen hatte, war ich auch schon durch. Ein sehr gut geschriebener Techno-Militär-Thriller, der etwas ungewöhnlich erzählt wird: Statt einer Prosaerzählung präsentiert der Autor Gesprächs-, Forschungs- und Untersuchungsprotokolle aus denen man sich als Leser die Geschichte selbst zusammenstellen muss.

Da die Story jedoch sehr einfach konstruiert ist, stellt das kein großes Problem dar. Inhaltlich greift Neuvel einige spannende Themen auf: Was darf Wissenschaft? Was passiert, wenn ein Staat eine übermächtige Waffe bekommt? Klassische Plots, aber in einem sehr modernen Gewand.

Eine ausführliche Rezension gibt es auf Weltenflüstern.

Begonnen: The Fifth Season von N.K. Jemisin

Wo wir gerade bei ungewöhnlichen Erzählweisen sind: N.K. Jemisins erster Band der neuen Reihe – gerade frisch Hugo-prämiert – erzählt große Teile seiner Geschichte in der zweiten Person Singular, spricht den Leser also direkt an. Am Anfang etwas irritierend, aber ich habe mich dran gewöhnt und jetzt macht es Spaß.

Die Geschichte dreht sich um eine Welt, in der verheerende Erdbeben regelmäßig die Zivilisation bedrohen und in der manche Menschen in der Lage sind, die Energie der Erde magisch zu verwerten. Was meist zu verheerenden Konsequenzen führt. Wie bei Jemisin üblich, nicht immer leicht zu lesen aber nach etwas Eingewöhnung gut nachzuvollziehen.

Weiter gelesen: The Hidden Pleasures of Life von Theodore Zeldin

Ein weiteres Essay gelesen: What can the rich tell the poor? Schöne Geschichte über Andrew Carnegie, der trotz seines finanziellen Reichtums sein Leben lang nach Anerkennung gierte. Die Moral, die Zeldin zieht, ist jedoch recht einfach: Wohlstand bemisst sich nicht in Geld allein. Nichts Neues, aber immer gut, wenn man mal wieder daran erinnert wird…

Wie geht es weiter?

Nächte Woche stehen auf jeden Fall weiter Jemisin und Zeldin auf dem Plan. Was danach kommt, weiß ich nicht genau und ob ich einen neuen Comic anfange, wird sich auch zeigen…

summerstale

Von einer dunklen Stadt und schwierigen Klavierstücken [Lesewoche 32-33/2016]

Letzte Woche waren wir auf dem A Summer’s Tale-Festival in der Lüneburger Heide. Da habe ich mich dann doch eher der Musik und dem guten Essen gewidmet als den Büchern. Dafür durfte ich diese Woche wieder nach Bielefeld pendeln und das bringt einige entspannte Lesestunden…

Abgeschlossen: Ink and Bone von Rachel Caine

Bin zum Ende hin bleibt “Ink and Bone” gut und spannend geschrieben. Es gibt auch noch mehr über die Welt und einige interessante Hintergründe zu entdecken. Dabei rückt das Thema Pflicht und Loyalität weiter in den Mittelpunkt und der Umgang der Bibliothek mit wahrgenommenen Bedrohungen und dem bibliothekarischen Fortschritt.

Insgesamt eine sehr befriedigende Lektüre. Band 2, Paper and Fire, ist gerade erschienen und wird sicherlich demnächst auf meinem Reader landen.

Begonnen und abgeschlossen: The Soul Standard von Caleb J. Ross, Axel Taiari, Nik Korpon und Richard Thomas

Ich weiß gar nicht so wirklich, warum ich mir das Buch gekauft hatte, denn weder sagten mir die Autoren etwas, noch hatte ich darüber gehört oder gelesen. Aber vier Kurzgeschichten in einer dystopischen zukünftigen Großstadt haben mich irgendwie angelacht. Und das war auch gut so.

In den vier Geschichten, die unabhängig voneinander angelegt sind aber in derselben Welt spielen und sich teilweise zeitlich überlappen, lernen wir die vier inoffiziellen Distrikte der Stadt kennen: Den Finanzbereich, das Rotlicht-Viertel (vllt. besser als “Unterstadt” übersetzt), die Vororte und die Geisterstadt.

In dieser Welt gilt Geld (“gold standard”) immer weniger und das alltägliche Leben wird über Gefallen bestritten (“soul standard”). Gleichzeitig spielen Organe, die offiziell und inoffiziell gehandelt werden, eine große Rolle für das Überleben der weniger Wohlhabenden.

Ein sehr eindrucksvolles Buch, in dem es die vier Autoren in sehr unterschiedlichen Geschichten schaffen ein konsistentes und sehr lebendiges Bild einer dystopischen Großstadt zu zeigen.

Weitergelesen: The Hidden Pleasures of Life von Theodore Zeldin

Ich habe jetzt auch wieder ein paar Essays in dem durchaus interessanten Buch von Theodore Zeldin geschafft: How can people lose their illusions about themselves?, What are alternatives to being a rebel? und What can the poor tell the rich?.

Seine wichtigste Aussage bisher ist die Selbständigkeit des Einzelnen, sein eigenes Leben zu leben und sich nicht von außen definieren zu lassen. Gleichzeitig ist es für ihn aber extrem wichtig, dieses eigene Leben ganz eng in den Kontext anderer Leben einzubetten. Also tiefgreifende Gespräche zu führen und so die Lebenswelten anderer kennen und verstehen zu lernen.

Das erscheint mir eine Kombination die sehr mit mir spricht. Ich bin gespannt, was sich noch so für Denkansätze ergeben…

Angefangen: Play it again von Alan Rusbridger

Aktuell lese ich mal etwas, das weder Genre noch Sachbuch ist, sondern ein äußerst spannender Bericht des ehemaligen Chefredakteurs und Herausgebers des britischen Guardian: Innerhalb eines Jahres versucht er als etwas eingerosteter Hobby-Pianist, die als extrem schwierig geltende Ballade Nr. 1 von Chopin zu lernen.

Es gibt aber nicht nur für mich etwas weniger interessante Überlegungen über das Stück oder das Klavierspielen, sondern auch viele spannende Reflexionen über das Musizieren und das Verhältnis zwischen Amateuren und Profis. Und dann ist Rusbridger eben auch noch Chefredakteur des Guardian und muss in dieser Zeit unter anderem die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen durch WikiLeaks koordinieren…

Wie geht es weiter?

Nächste Woche werde ich im Zug definitiv wieder viel zum Lesen kommen. Den Rusbridger dürfte ich also abschließen und auch ein neues Buch beginnen. Vermutlich den ersten Teil von N.K. Jemisins aktueller Reihe: The Fifth Season. Auch den Comic Black Science wollte ich wieder wieder vornehmen.

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Von verfluchten Kindern und einer diktatorischen Bibliothek [Lesewoche 31/2016]

Eigentlich hatte ich ja gehofft, die zweite Urlaubswoche auch wieder so viel zum Lesen zu kommen, aber London war dann doch zu spannend und so waren es praktisch nur zwei Lesetage diese Woche. Dafür viel Gebummel durch Buchhandlungen und einige spannende Neuerwerbungen.

Außerdem habe ich in London die Theaterumsetzung von “The Curious Incident of the Dog in the Night Time” von Mark Haddon gesehen. Das war wirklich Theater von einem anderen Stern…

Nun aber zu Buchstaben auf Papier:

Begonnen und abgeschlossen: Harry Potter and the Cursed Child von J.K. Rowling (Theater-Skript)

In Schottland natürlich gleich vorbestellt und für den halben Preis bekommen, ist das Buch trotz seiner 350 Seiten schnell gelesen. Es ist eben tatsächlich ein reines Theaterskript mit Dialogen und einigen wenigen Regieanweisungen.

In erster Linie ist das Stück ein gigantischer Fanservice, in dem einige spannende Dinge verarbeitet werden: besonders das erwachsene Leben der Helden unserer Jugend. Abseits davon konnte mich die Geschichte nicht wirklich überzeugen, weil sie doch einige klaffende Logiklöcher hat.

Die Inszenierung im Londoner Palace-Theater möchte ich mir aber auf jeden Fall nächstes Jahr anschauen. Besonders nachdem ich in “The Curious Incident” gesehen habe, was im Londoner Westend möglich ist.

Angelesen: Germany: Memories of a Nation von Neil MacGregor (Non-Fiction)

Am besten versteht man sein eigenes Land vielleicht, wenn man einen Blickwinkel von außerhalb einnimmt. Deswegen stand das Buch von dem britischen Deutschlandkenner Neil MacGregor schon länger auf meiner Liste. Als Taschenbuch auf Englisch und zum Sonderpreis konnte ich dann wirklich nicht daran vorbei.

Das erste Kapitel ist auch schon äußerst interessant und zeigt an verschiedenen Triumphbögen in Frankreich und Deutschland das ambivalente Verhältnis “der Deutschen” zu ihrer Geschichte und ihrem Land auf.

Angelesen: The Invention of Nature von Andrea Wulf (Non-Fiction)

Das zweite Buch von meiner “Irgendwann”-Liste als Taschenbuch im Sonderangebot ist diese Biographie von Alexander von Humboldt. Im ersten Kapitel formuliert Andrea Wulf das Ziel herauszuarbeiten, wie bedeutend Humboldt für unser heutiges Verständnis der Natur als komplexes System war und ist.

Begonnen: Black Science Vol. 1: How to Fall Forever (Comic)

Auch erst ein paar Seiten habe ich von diesem spannenden Comic gelesen. Aber wenn in einer der ersten Sprechblasen bereits von “the perfect sequence of catastrophic decisions” die Rede ist, bin ich zuversichtlich, dass mir auch die weiteren Seiten gefallen werden.

Begonnen: Ink and Bone von Rachel Caine (Roman)

In dem Roman bin ich jetzt ungefähr bei der Hälfte und bislang gefällt er mir ziemlich gut. Er spielt zwar in unserer Zeit, aber in einer Welt, in der die Bibliothek von Alexandria nicht zerstört wurde. Stattdessen hat sie sich im Laufe der Zeit zu einer Art Staat mit dem Monopol über das geschriebene Wort entwickelt. Bücher sind normalen Bürgern verboten und werden geschmuggelt und auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Sie dürfen offiziell nur unter strengen Bedingungen in einer der Außenstellen der Bibliothek eingesehen werden.

Hauptfigur ist der junge Jess, der von seiner Schmugglerfamilie nach Alexandria geschickt wird, um dort eine Ausbildung zu durchlaufen und als Spion der Familie in der Bibliothek agieren zu können.

Bislang gefällt mir insbesondere die Konstruktion der Welt, in der Wissen zentralisiert und monopolisiert ist. Es überrascht mich aber, dass trotz fast zweitausend Jahren alternativer Entwicklung diese Welt unserer doch sehr ähnelt.

Wie geht es weiter?

Da ich diese Woche unterwegs bin, weiß ich nicht, wie viel ich zum Lesen komme. “Ink and Bone” sollte ich aber auf jeden Fall ebenso abschließen können wie den ersten Band von “Black Science”. Mal schauen, vielleicht komme ich auch dazu, mich einem der Sachbücher ausführlicher zu widmen.

Lesewoche 30/2016

Nachdem ich das Lesetagebuch des guten Roland immer gerne verfolge, breite ich doch auch mal ein wenig meine eigene Lektüre aus. Diese Woche habe ich mich im Urlaub mit einem neuen Comic, zwei Romanen und einem in London entdeckten Sachbuch unterhalten

Abgeschlossen: Ninefox Gambit von Yoon Ha Lee (Roman)

Mit vielen Vorschusslorbeeren versehen, bin ich mit diesem Buch nicht warm geworden und so hat sich die Lektüre ungewöhnlich lange hingezogen. Diese Woche habe ich die Geschichte aber dann doch abgeschlossen.

Die Welt des Romans blieb mir über die gesamte Strecke zu fremd und so konnte ich weder eine Beziehung zu den Figuren aufbauen noch die vermutlich sehr cleveren militärisch-taktischen Manöver nachvollziehen. An einigen Stellen wartete der Roman aber mit durchaus spannenden Szenen auf.

Begonnen und abgeschlossen: Red Rising von Pierce Brown  (Roman)

Endlich habe ich den Roman gelesen, der schon lange auf meiner „irgendwann mal“-Liste stand. Und es hat sich geloht. Pierce Brown erzählt die Geschichte eines Bergarbeiters auf dem Mars, der sich gegen das strenge Kastenwesen auflehnt und dabei eine Menge Überraschungen erlebt.

Der Roman greift Versatzstücke aus zahlreichen bekannten Geschichten auf und liest sich teilweise wie eine Mischung aus „Lord of the Flies“, „Hunger Games, „Harry Potter“ und „Ender’s Game“, erzählt dabei aber sehr flott und gut geschrieben eine eigenständige Geschichte. Den zweiten Teil, „Golden Son“, werde ich mir sicherlich demächst auch zu Gemüte führen.

Begonnen und abgeschlossen: Nowhere Men. Fates Worse Than Death (Comic)

Nachdem wir in Edinburgh den Comic-Laden „Forbidden Planet“ entdeckt hatten, konnte ich der Versuchung, mal wieder ein paar Comics zu lesen, nicht widerstehen. Eine dieser Neuerwerbungen habe ich dann auch gleich gelesen: „Nowhere Men“ von Eric Stephenson, Nate Bellegarde, Jordie Bellaire und Fonografiks.

Der erste Band erzählt die Geschichte von vier Wissenschaftlern, die mit ihren Erfindungen die Welt verändert haben und zu Rockstars geworden sind.  Mit ihrer World Corp. haben sie zudem ein riesiges Imperium aufgebaut. Diese Zusammenarbeit ist aber nur von kurzer Dauer und das Imperium zerbricht. Und dann ist da noch diese geheime Raumstation…

Ein faszinierender Comic, der seine komplexen Geschichten nicht durchgehend erzählt, sondern in kurzen Comic-Schnipseln sowie fiktiven Zeitungsartikeln, Interviews und Buch-Ausschnitten. Zu schade, dass der zweite Band erst im November erscheint. Ich hoffe, dass die Autoren es schaffen, die ganzen anlegten Geschichten tatsächlich zuende zu erzählen…

Begonnen: The Hidden Pleasures of Life von Theodore Zeldin (Sachbuch)

Wenn das Inhaltsverzeichnis eines Buchs Fragen aufwirft wie „What is the great adventure of our time?“, „How does one acquire a sense of humor?“ oder „What can replace the shortageof soul-mates?“, kann ich daran einfach nicht vorbeigehen.

Und dann hatte der Autor (oder der Verlag?) auch noch die geniale Idee, die Kopfzeile nicht für die ewiggleiche Wiederholung des Buch- oder Kapiteltitels zu nutzen, sondern für eine Zusammenfassung des zentralen Punkts der Seite in drei oder vier Worten.

Das erste Kapitel macht auf jeden Fall schon sehr viel Lust auf mehr…

Wie geht es weiter?

Die zweite Urlaubswoche wird auf jeden Fall auch wieder sehr lektüre-reich. Das Buch von Zeldin werde ich mir auf jeden Fall ausführlicher anschauen und natürlich das gerade erschienene „Harry Potter and the Cursed Child“. Vermutlich wird es außerdem den Roman „Ink and Bone“ von Rachel Caine geben und den ersten Band der Comic-Reihe „Black Science“. Ich werde berichten.

[Linkschau] Wie wir essen I

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein neues Lebensmittel durch die Medien gezogen wird weil es entweder Krebs auslöst, Krebs verhindert oder intelligent bzw. dumm macht. So ist die Verunsicherung groß, wie das denn nun eigentlich geht mit der richtigen Ernährung: brauchen wir ein individuell bestimmtes und individuell auf das Gramm abgewogene  Menü aus Superfoods oder sollten wir uns am besten einfach wieder wie in der Steinzeit ernähren? Einfache Antworten gibt es in den Texten und Dokumentationen, die ich euch heute nahelegen möchte, nicht. Aber viel Bedenkenswertes und eine Rückbesinnung auf Vernunft und Kultur:

The sugar conspiracy von Ian Leslie

Ian Leslie geht für den Guardian der Frage nach, warum eigentlich Fett als das ultimativ böse Nahrungsmittel gesehen wird, obwohl alle wissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Zucker hindeuten. Das ist spannend zu lesen, weil Leslie sich nicht nur der inhaltlichen Frage „Fett oder Zucker?“ widmet, sondern auch aufzeigt, wie Forschergruppen wissenschaftliches Wissen produzieren und gegen Häretiker verteidigen, auch wenn diese sehr gute Argumente haben.

Bauchgrimmen von Susanne Schäfer

Ernährungsmythen geht auch Susanne Schäfer in Ihrem Artikel auf Zeit Online nach, genauer gesagt Unverträglichkeitsmythen. Sie argumentiert, dass Hersteller von Spezialprodukten die „Gefahr“ von Laktose, Gluten, Histamin und anderen Auslösern von Unverträglichkeiten unverhältnismäßig aufblasen und damit gutes Geld verdienen. Dabei stellt sie nicht in Abrede, dass es entsprechende Krankheitsbilder tatsächlich gibt, sondern hält fest, dass diese viel zu oft fehlerhaft (selbst-)diagnostiziert werden.

How the Western Diet Has Derailed Our Evolution. Burgers and fries have nearly killed our ancestral microbiome von Moises Velasquez-Manoff

In diesem äußerst spannenden Text geht es um den Zusammenhang unserer „westlichen“ Ernährung und der Mikrobenvielfalt in unserem Darm. Velasquez-Manoff stellt für Nautilus zahlreiche Studien vor, die aufzeigen, dass „wir“ wesentlich weniger unterschiedliche Mikroorganismen in unserem Darm haben als Menschen in indigenen Kulturen, die sich traditioneller ernähren. Dabei ist das Absterben dieser Vielfalt „erblich“ und kann nur mit größerem Aufwand rückgängig gemacht werden. Vielleicht ist hier ja auch ein Grund für die anscheinend zunehmenden Nahrungsunverträglichkeiten zu finden?

Cooked (Netflix)

In dieser vierteiligen Dokumentation geht Autor Michael Pollan der Kultur- und Naturgeschichte des Kochens nach – basierend auf seinem 2015 auf Deutsch erschienen Buch Kochen. Eine Naturgeschichte der Transformation. Er zeigt eindrucksvoll auf, wie Grillen, Kochen und Fermentieren zu grundlegenden Kulturtechniken geworden sind und welche Rolle Essen bei der Erzeugung von Gemeinschaft spielt. Erzählt ist das ganze allerdings sehr gemächlich und mit vielen klischeehaften Einstellungen.

Chef’s Table (Netflix)


Diese Reihe rollt das Thema Essen von der anderen Seite her auf und stellt inspirierende Sterneköche und -köchinnen aus der ganzen Welt vor. Sie gibt tiefe Einblicke in deren Leidenschaft für das Kochen und hochwertiges Essen – allerdings eben preislich auf Sterneniveau.

Was nehme ich aus den gesammelten Weisheiten dieser Texte und Dokumentationen mit? Essen darf Spaß machen, Essen schafft Gemeinschaft und Kochen ist eine Kulturtechnik, die im Alltag oft leider viel zu kurz kommt. Was meine eigene Ernährung angeht, werde ich versuchen, mich noch stärker an den drei pragmatischen goldenen Regeln aus Michael Pollans Buch In Defense of Food (den mega-dämlichen deutschen Titel möchte ich hier nicht nennen) zu orientieren: „Eat [real] food. Mostly plants. Not too much.“

 

 

 

[SuB Freitag] Das gute Leben I

Wer auch mal zum Spaß in eine Buchhandlung geht, kennt das Phänomen: Nach und nach stapeln sich auf dem Boden oder in den Regalen die Bücher, die man unbedingt noch lesen will, aber einfach nicht dazu kommt, weil es so viele spannende Neuerscheinungen da draußen gibt. An dieser Stelle möchte ich euch Bücher vorstellen, die sich in meinem „Stapel ungelesener Bücher“ (SuB) finden. Das können Neuerscheinungen sein, aber auch ältere Bücher, die hier bei mir stehen und darauf warten, gelesen zu werden. Und wer weiß, wenn ich das dann endlich tue, werden sie vielleicht auch verbloggt. Den Anfang machen heute zwei sehr unterschiedliche Bücher zum guten Leben.

Hartmut Rosa: Resonanz

resonanzResonanz (Suhrkamp 2016) von Hartmut Rosa ist für mich eine absolute Pflichtlektüre. Rosa geht der Frage nach, wie wir uns als Einzelne in der zunehmend beschleunigten Welt positionieren und verankern können. Er predigt dabei nicht die Entschleunigung, sondern will mit seinem Konzept der Resonanz eine bestimmte Form der „Weltbeziehung“ fassen, die etwas in uns „zum Schwingen bringt“. Er schreibt dabei aber keinen Lebensratgeber, sondern ein philosophisch-soziologische Analyse, die sicherlich nicht einfach zu lesen sein wird, aber tiefe Einsichten und Erkenntnisse verspricht.

Da ich die Gelegenheit hatte, Hartmut Rosa kennenzulernen und einige der in dem Buch ausgeführten Ideen bereits in einem Vortrag zu hören, freue ich mich auf die Lektüre, schrecke gerade aber noch ein wenig vor dem mentalen Aufwand, mich den 800 Seiten zu widmen, zurück…

Danny Gregory: The Creative License

creativelicenseDer Sommerurlaub wird uns dieses Jahr auf die Insel führen, die sich gerade entschlossen hat, die EU zu verlassen. Natürlich wird dabei neben dem Handy auch eine „echte“ Kamera im Gepäck sein, doch irgendwie hat mich das Fotografieren in den letzten Urlauben nicht vollständig befriedigt. Daher will ich diesmal auf eine etwas andere Weise versuchen, Eindrücke, Erinnerungen und Atmosphären festzuhalten: mit dem Stift auf Papier.

Ich bin zwar gnadenlos untalentiert im Zeichnen, aber es sagen ja immer alle, das wäre nur eine Sache der Übung. Von Danny Gregorys Buch The Creative License (Hachette 2006) erhoffe ich mir neben praktischen Tipps auch ein wenig mentale Rückendeckung bei diesem Experiment…