Schlagwort: Technologie

  • Aktueller Techno-Solutionism hat Vorbild in viktorianischer Zeit

    Die aktuellen Diskus­sio­nen um Tech­no-Solu­tion­ism und maschinelle Intel­li­genz haben eine Geschichte, die min­destens ins 19. Jahrhun­dert zurück­re­icht. Ein Beispiel ist Samuel But­ler – namensgebend für die Aus­rot­tung der Maschi­nen in Frank Her­berts „Dune“, dem „But­ler­ian Dji­had“: But­ler mocks the pre­vail­ing Vic­to­ri­an atti­tude of the time—blind faith in sci­ence, rea­son, progress, and profit—as a „low mate­ri­al­is­tic point of view“ that believes mind­less­ly…

  • Kritik als Strategie

    In der Öffentlichkeit­sar­beit gibt es das alte Cre­do „Es gibt keine schlechte Aufmerk­samkeit“. In der let­zten Zeit sind mir im Zusam­men­hang mit dem The­ma „KI“ sog­ar zwei Mech­a­nis­men aufge­fall­en, bei denen ehrliche Kri­tik einen pos­i­tiv­en Effekt für das Kri­tisierte haben kön­nen: Critihype Ger­ade am Anfang der „neuen Gen­er­a­tion“ öffentlich ver­füg­bar­er KI-Tools gab es eine große Diskus­sion darum, wie gefährlich diese…

  • Zahlen können anderes bedeuten als Wert

    Ein ganz zen­traler Schritt in der Entwick­lung des Com­put­ers und damit unser­er mod­er­nen durchtech­nisierten Welt war die Erken­nt­nis, dass Zahlen mehr kön­nen, als „nur“ Werte widerzus­piegeln. Die zen­trale Fig­ur war hier Ada Lovelace, die immer mal wieder als „erste Pro­gram­miererin“ beze­ich­net wird. Während die ursprüngliche Dif­fer­ence Engine von Charles Bab­bage den Ablauf der Berech­nung noch fest in die physis­che Hard­ware…

  • Unterwerfung unter die Maschinen ist logische Konsequenz des westlichen Weltbildes

    Wenn wir auf die Entwick­lung des west­lichen Welt­bildes der let­zten 2000 Jahre blick­en, ist es let­ztlich nur fol­gerichtig, dass wir Men­schen uns in den let­zten rund 250 Jahren immer mehr den Maschi­nen unter­ge­ord­net haben. Und es über­rascht auch nicht, dass es mit­tler­weile en vogue ist, die Zukun­ft der Men­schheit in ein­er Art Sym­biose mit den Maschi­nen zu sehen. Den zen­tralen…

  • Unsere technologische Infrastruktur ist fragil

    Im Som­mer 2024 set­zte ein Bug in der Soft­ware Crowd Strike weltweit unzäh­lige Serv­er außer Gefecht und legte damit unter anderem den glob­alen Flugverkehr lahm. Für Ed Zitron ist dieses Ereig­nis ein weit­eres Zeichen für den grundle­gen­den Denk­fehler, dem die Tech­nolo­giebranche ins­beson­dere im Sil­i­con Val­ley unter­liegt: Every prob­lem you see is a result of a tech indus­try — from the…

  • Menschheit als Zwischenschritt zu digitalem Leben

    Das naive, tech­noutopis­che Welt­bild unser Tech­no-Mil­liardäre hat nicht nur frag­würdi­ge Grund­la­gen, son­dern propagiert auch ein sehr spez­i­fis­ches Bild der Zukun­ft, in der es nicht unbe­d­ingt darum geht, das Leben der Men­schen zu verbessern. Die Autor*innen Timnit Gebru und Émile P. Tor­res haben dafür das etwas unhan­dliche, aber umfassende Kürzel TESCREAL geprägt, das alle prob­lema­tis­chen Aspek­te vere­int. So schreibt Tor­res in…

  • Klassische Science Fiction prägt die Vision der Zukunft

    Die Sci­ence Fic­tion ist das einzige Medi­en-Genre mit einem expliziten Fokus auf die Zukun­ft – meist die Zukun­ft der Men­schheit. Und so sind insb. ab der Mitte des 20. Jahrhun­derts zahlre­iche Bilder der Zukun­ft beschrieben und gezeigt wor­den, die bis heute unseren Blick auf mögliche Zukün­fte prä­gen. Beson­ders deut­lich wird dieser Ein­fluss bei ein­er sehr kleinen Gruppe von Män­nern, die…

  • Versuchte Kontrolle über Komplexität erzeugt einen instabilen Teufelskreis

    Das große Pro­jekt der Men­schheit in den let­zten zwei bis drei­hun­dert Jahren war die immer stärkere Kon­trolle über die Welt. Ganz im – klis­chee­haften – bib­lis­chen Sinne hat­ten wir uns vorgenom­men, sie uns unter­tan zu machen und unser Leben auf ihr bis auf den let­zten Aspekt zu opti­mieren. Immer wenn wir einen Schritt genom­men hat­ten, tat­en sich neue Schwierigkeit­en, aber…

  • Wir müssen schon wieder überdenken, wie wir mit Waldbränden umgehen

    Ein Beispiel für den grundle­gen­den Wan­del, den die Kli­makatas­tro­phe mit sich bringt, ist die Frage danach, wie wir am besten mit Wald­brän­den umge­hen. David Wal­lace-Wells rekon­stru­iert diesen Kon­flikt in seinem ohne­hin sehr lesenswerten Newslet­ter (€): Im 20. Jahrhun­dert wur­den Wald­brände möglichst sofort unter­drückt, sobald sie erkan­nt wur­den. Egal wann, egal wo, wenn der Wald anf­ing zu bren­nen wur­den alle Hebel…

  • Wie die DDR das Bauhaus vereinnahmt

    Ok, ich sollte vielle­icht doch erst das ganze Buch zu Ende lesen, bevor ich ver­suche, seinen Inhalt zusam­men­z­u­fassen. Die Beobach­tung, dass sich die DDR in der Architek­tur und der Gestal­tung von dem Mod­ernismus abwandte und auf his­torische Stilmit­tel zurück­griff galt näm­lich nur bis zur Entstal­in­isierung von UdSSR und DDR. Diese führte näm­lich zu ein­er Kehrtwende, bei der die Funk­tion eines…

  • Zur Realität sozialer Konstruktionen

    Eine der großen Errun­gen­schaften der Philoso­phie und vor allem der Sozi­olo­gie, ist die Erken­nt­nis, dass viele Dinge in unserem Leben und unser­er Welt nicht „ein­fach so“ sind, son­dern in einem his­torischen – wie Luh­mann sagen würde, „kontin­gen­ten“ – Prozess ent­standen sind. Sich also keineswegs zwangsläu­fig aus irgen­dein­er Art sozialem Naturge­setz ergeben haben, son­dern sich auch ganz anders hät­ten entwick­eln kön­nen.…

  • Auch Kritik kann einen Hype verstärken

    Der Wert von Unternehmen und in gewis­sem Maße auch ihr Umsatz hängt nicht unbe­d­ingt davon ab, welche Leis­tung sie tat­säch­lich erbrin­gen. Er hängt vielmehr in einem hohen Maße davon ab, welche Erwartun­gen ihnen zugeschrieben wer­den. Ein aktuelles Beispiel, das Lee Vin­sel schon 2021 beschreibt, ist die Erzäh­lung von Googles und Face­books gigan­tis­chem Daten­schatz, der es Unternehmen ermögliche, ihre Wer­bung viel…

  • Superhelden, der Status-Quo und die Macht der Protagonisten

    In einem äußerst sehenswerten Video zeigt Pop Cul­ture Detec­tive auf, warum die Super­helden-Geschicht­en aus dem Mar­vel-Uni­ver­sum grundle­gend kon­ser­v­a­tiv sind und in erster Lin­ie den Sta­tus Quo vertei­di­gen: Iron Man, Hulk und Co nutzen ihre Kräfte immer nur dann, wenn besagter Sta­tus Quo ange­grif­f­en wird und nie, um proak­tiv eine bessere Welt für die Men­schen zu gestal­ten. Im Gegen­teil, Wun­sch und…

  • Wie war das mit der Aufklärung  und der Freiheit?

    etzte Woche habe ich mich aus­führlich mit der Diskus­sion um das neue Buch von Steven Pinker beschäftigt. Jet­zt bin ich auf eine weit­ere sehr inter­es­sante Besprechung von John Gray gestoßen, der das ideen­his­torische Fun­da­ment von Pinkers Argu­men­ta­tion in Zweifel zieht. Kurz gesagt, argu­men­tiert Pinker, dass der zunehmende Fokus auf die Wis­senschaft, die Frei­heit des Einzel­nen und damit ver­bun­den die lib­erale…

  • Zweimal Fußball, zwei Songs und zwei Visionen der globalisierten Welt

    Zwis­chen der Fußball­welt­meis­ter­schaft in Frankre­ich 1998 und der Europameis­ter­schaft 2016 im sel­ben Land lagen nur 18 Jahre. Wie sehr sich die Idee ein­er gren­zen­losen Welt seit­dem verän­dert hat, lässt sich am Ver­gle­ich der bei­den offiziellen WM-/EM-Songs erken­nen: Der Song der WM 1998 kommt von den britis­chen Musik­ern Dario G und ist unter dem Titel „Car­naval de Paris“ bekan­nt gewor­den, der…

  • Yuval Noah Harari über die Überwindung des Todes und den Wert des Menschen

    Der medi­zinis­che Fortschritt im 19. und 20. Jahrhun­dert ist sicher­lich eine der größten Errun­gen­schaften der Men­schheit. Für die Web­seite Edge hat sich der Psy­chologe und Nobel­preisträger Daniel Kah­ne­mann mit dem israelis­chen His­torik­er Yuval Noah Harari über die Zukun­ft der Medi­zin, die Über­win­dung des Todes und den zukün­fti­gen Wert des Men­schen unter­hal­ten: Der Tod als technisches Problem Harari – dessen Buch…

  • Die Vermessung der Welt und das Ende des gesunden Menschenverstandes?

    Die Liste der Büch­er, die sich mit dem dig­i­tal­en Wan­del auseinan­der­set­zen, wird von Jahr zu Jahr länger. Mit Chistoph Kuck­lick hat sich nun auch der Chefredak­teur der Zeitschrift GEO dieses The­mas angenom­men und einen sehr inspiri­eren­deren Zugang gefun­den: Er beschränkt sich nicht darauf, die Rev­o­lu­tion der Wirtschaft oder der Medi­en zu propagieren, son­dern nimmt den all­ge­meinen gesellschaftlichen Wan­del in den…