Schlagwort: Gutes Leben

  • KI weist auf problematische gesellschaftliche Strukturen hin

    Ich habe schon länger den Ver­dacht, dass jede Diskus­sion über den sin­nvollen Ein­satz von KI let­ztlich eine Diskus­sion über die Schwächen unser­er neolib­er­al-kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft­sor­d­nung ist. Im Kern ver­schärft KI in meinen Augen da in erster Lin­ie die Wider­sprüche, die wir im Kap­i­tal­is­mus ohne­hin haben. In eine ähn­liche Rich­tung zielt Lorenz Matzat, der in der Auseinan­der­set­zung mit der fun­da­men­tal­en Kri­tik gegenüber…

  • Analoges Schreiben statt digitalem Wischen

    Auch oder ger­ade weil ich im All­t­ag mit­tler­weile fast nur noch dig­i­tal unter­wegs bin – Home­of­fice, eBooks, dig­i­tale Comics und Man­gas, Serien und Musik-Stream­ing, dig­i­tale Noti­zen – suche ich immer wieder nach Wegen, meinen All­t­ag ein wenig analoger zu gestal­ten. Ger­ade das reflek­tive Schreiben à la Tage­buch schien mir da immer ein guter Kan­di­dat, aber irgend­wie habe ich nie eine…

  • Versagen als Abwehr der Auflehnung gegen gesellschaftliche Erwartungen

    Wenn wir jeman­den als Ver­sager beze­ich­nen, beto­nen wir damit in erster Lin­ie, dass diese Per­son nach den herrschen­den Ansprüchen nicht den üblichen Erwartun­gen entsprechen kann. Warum dies der Fall ist oder ob diese Per­son das über­haupt möchte, ste­ht dabei nicht zur Debat­te. Auf diese Weise wer­den oft solche Per­so­n­en als Ver­sager tit­uliert, die sich gegen die ver­bre­it­eten gesellschaftlichen Erwartun­gen stellen.…

  • Wir müssen lernen, ohne Arbeit zu leben

    Die Lohnar­beit ste­ht seit Jahrzehn­ten im Mit­telpunkt unser­er Gesellschaft. Sie dient uns nicht nur dazu, unseren Leben­sun­ter­halt zu bestre­it­en, sie ist auch eines der weni­gen Ele­mente, das unsere Gesellschaft aus Indi­viduen über­haupt noch zusam­men­hält. So schreibt There­sa Bück­er in ihrem Buch Alle_Zeit: In unser­er Gesellschaft ist es derzeit am ein­fach­sten, über eine Beruf­stätigkeit länger­fristig gesund und zufrieden zu bleiben, da…

  • Die Spannung zwischen Freiheit und Verbindlichkeit

    Der Umgang mit Frei­heit will gel­ernt sein. Unsere Zeit ist – aus­re­ichend ökonomis­che Priv­i­legien voraus­ge­set­zt – durch eine unüber­schaubare Zahl an Möglichkeit­en geprägt: Wir kön­nen jed­erzeit in jedes Land reisen, haben zehn­tausende Büch­er inner­halb eines Tages in unserem Briefkas­ten und es gibt so viele Arten wie noch nie zuvor, sein Geld zu ver­di­enen. Ins­beson­dere sind ger­ade wir im glob­alen Nor­den…

  • Es braucht Berührung, Selbstwirksamkeit und Verwandlung

    Hart­mut Rosas Über­legun­gen zur Unver­füg­barkeit und der Aggres­sion, mit der wir der Welt gegenüber treten, führen ihn schließlich zu drei Momenten, die für eine echte Res­o­nanzbeziehung notwendig sind: die Berührung, die Selb­st­wirk­samkeit und die Ver­wand­lung. Eine echte Berührung im Sinne Rosas set­zt voraus, dass wir uns nicht mit einem eige­nen Plan, eige­nen Zie­len oder unser­er eige­nen Logik in die Welt…

  • Individualisierung stellt zu hohe Anforderungen an den Einzelnen

    Mit der Indi­vid­u­al­isierung haben die Reli­gio­nen nicht nur die Deu­tung­shoheit über die Erk­lärung der Welt an die Wis­senschaften ver­loren. Sie haben auch ihre moralisch-ethis­che Verbindlichkeit an das Indi­vidu­um abtreten müssen. Damit wird dem Indi­vidu­um jedoch eine gewaltige Bürde aufer­legt: Es muss die Antwort auf seine per­sön­liche Frage nach dem guten und richti­gen Leben nun kom­plett selb­st beant­worten und damit im…

  • Podcasts zur Selbstoptimierung als säkulare Religion?

    In den Vere­inigten Staat­en hat sich rund um einige Pod­casts zum The­ma der Pro­duk­tiv­ität und der Selb­stop­ti­mierung eine große Com­mu­ni­ty gebildet. Jede Episode von Tim Fer­riss, Joe Rogan oder Aubrey Mar­cus wird mil­lio­nen­fach ange­hört. Auf diese Weise wer­den Smooth­ies, Selb­stfind­ungstrips, Nahrungsergänzungsmit­tel und vieles mehr zum alltäglichen Bestandteil eines großen Teils der Gesellschaft. In einem Artikel in der New York Times…

  • Was bleibt, wenn alles „lustig“ und „ironisch“ ist?

    Wenn die Welt ernst ist, hil­ft es, mit ein wenig Humor dage­gen zu hal­ten. Doch was, wenn plöt­zlich alles nur noch „iro­nisch“ kom­men­tiert wird und es uns immer schw­er­er fällt, ern­sthafte The­men auch ern­sthaft zu disku­tieren? Diese Frage disku­tiert Brett McK­ay in seinem Pod­cast The Art of Man­li­ness mit dem Jeop­ardy-Seriengewin­ner Ken Jen­nings, der kür­zlich sein Buch Plan­et Fun­ny veröf­fentlicht…

  • Eine Anleitung für das Leben? Vier Ideen aus „Wie wir sind“ von Vincent Deary [mit Video]

    Eine Anleitung für das Leben, wäre das nicht prak­tisch? Ein kleines Hand­buch mit „richti­gen“ Ver­hal­tensweisen für jede Lebenssi­t­u­a­tion? Mit seinem Buch Wie wir sind startet der britis­che Psy­cho­an­a­lytik­er Vin­cent Deary seinen Ver­such, eine solche Anleitung zu ver­fassen. Dabei rückt er in diesem ersten Band unseren Wun­sch nach Sicher­heit und einem vorherse­hbaren All­t­ag in den Mit­telpunkt und weiß Span­nen­des über den…

  • Drei Ideen aus „Perfektionismus“ von Raphael M. Bonelli

    Bis vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle Sach­büch­er aus­führlich zusam­menge­fasst. Jet­zt ver­suche ich mich mal an einem etwas knap­peren For­mat, das ich mir ganz dreist von Kon­rad Lis­ch­ka lei­he: die zwei, drei oder vier zen­tralen Punk­te eines Buchs knapp und großes Drumherum. Den Anfang macht das Buch Per­fek­tion­is­mus des Wiener Psy­chi­aters Raphael M. Bonel­li, der ein­er Störung…

  • Über die Lebenskunst und die Freundschaft mit sich selbst

    Wir fühlen uns gerne frei. Wir lieben das Gefühl, unge­bun­den zu sein und den eige­nen Inter­essen und Nei­gun­gen nachge­hen zu kön­nen, ohne dabei von gesellschaftlichen Erwartun­gen und religiösen Kon­ven­tio­nen eingeschränkt zu wer­den. Doch gle­ichzeit­ig müssen wir ler­nen, mit dieser Frei­heit umzuge­hen. Mit seinem Konzept der Leben­skun­st gibt uns der Philosoph Wil­helm Schmid einen Leit­faden an die Hand. Die Frei­heit, unser…

  • Wie sich das Selbst in der Moderne selbst erfinden muss

    Die Ablö­sung religiös­er Glaubenssys­teme, die ohne hin­ter­fragt wer­den zu kön­nen unsere Welt­sicht bes­tim­men, gilt als eine der wichtig­sten Errun­gen­schaften der let­zten Jahrhun­derte. Die Idee der Frei­heit durch­dringt das aufgek­lärte west­liche Denken der­maßen, dass die vol­lkommene Hingabe an eine Reli­gion oder eine Sache vielfach undenkbar erscheint. Doch mit dem Recht, sein Leben frei gestal­ten zu kön­nen, kommt auch eine unüber­schaubare Vielzahl…

  • Mario Vargas Llosa über eine orientierungslose Moderne

    Es verge­ht kaum eine Woche, in der nicht ein Feuil­leton­ist oder selb­ster­nan­nter bzw. zugeschrieben­er Intellek­tueller seinem Unbe­ha­gen über “das Inter­net”, “die Jugend” oder gle­ich “die Welt” Aus­druck ver­lei­ht. Ein weit­er­er Ver­such stammt von dem peru­anis­chen Lit­er­aturnobel­preisträger Mario Var­gas Llosa. In seinem Buch-Essay Alles Boule­vard set­zt sich Mario Var­gas Llosa mit dem Ende der “Kul­tur” auseinan­der. Dabei wird schnell klar, dass…

  • Ich denke nicht, ich tue – wie Gewohnheiten unser Leben bestimmen

    Wir gehen gerne davon aus, dass wir jed­erzeit bes­tim­men kön­nen, was wir als näch­stes tun. Und trotz­dem ertappt man sich immer wieder dabei, auf ein­mal zum Kühlschrank gelaufen zu sein oder schon wieder auf das Handy geschaut zu haben. Min­destens eben­so wichtig wie unsere bewussten Entschei­dun­gen sind näm­lich etablierte Gewohn­heit­en, die wir immer und immer wieder durch­führen, ohne uns dessen…

  • Amanda Palmer über die Kunst des Fragens und den Sinn der Kunst

    Eigentlich solltes es eines der ein­fach­sten Dinge der Welt sein, andere Men­schen um Hil­fe zu bit­ten: die Nach­barn, wenn uns Mehl zum Back­en fehlt, den Chef, wenn wir die spon­tane Hochzeit unseres besten Fre­un­des besuchen wollen, oder die gute Fre­undin, wenn wir ger­ade ein wenig klamm sind, aber eine Autoreparatur anste­ht. Der Frage, warum uns dies trotz ein­er guten Beziehung…