Schlagwort: Wandel

  • Wir moderieren uns zu Tode

    An ander­er Stelle hat­te ich hier schon mal vom Kon­ser­vatismus als „Sta­tus Quo“-Extremismus gesprochen. Nas­rin Amirsedghi fasst dieses Gefühl in einem sehr lesenswerten Text tre­f­fend zusam­men: Ich habe die Far­blosigkeit eur­er Demokratie satt, die so kor­rekt gewor­den ist, dass sie jeden Funken Lei­den­schaft mis­strauisch beäugt.Ich bin es müde, in einem Land zu leben, das sich selb­st zu Tode mod­eriert. Wo…

  • Kanon-Philosophen konnten Neues einbauen ohne Altes zu zerstören

    Ein grundle­gen­des Prob­lem bei unserem Ver­ständ­nis von Geschichte ist, dass wir sie nur im Rück­blick ver­ste­hen kön­nen und dazu neigen, die heutige Sit­u­a­tion als notwendi­ges Pro­dukt dieser Geschichte zu ver­ste­hen und alles andere als eben­so notwendi­ge Zwis­chen­schritte. Das­selbe gilt auch für die Ideengeschichte. Deswe­gen lohnt sich ein Blick auf die Philosophen (lei­der fast keine *innen), die heute als Kanon gel­ten.…

  • Zwischen Rechtfertigung des Alten und Heterodoxie im Umgang mit dem Wandel

    Ein The­ma, das sich beson­ders durch den zweit­en Teil des Buch­es zieht, ist der Umgang mit der Wider­sprüch­lichkeit zwis­chen neuen, empirisch-basierten wis­senschaftlichen Ideen und dem weit­er­hin vorherrschen­den Chris­ten­tum. Auf der einen Seite gab es einen „mod­er­at­en Main­stream“, wie ihn Jonathan Israel nen­nt, der heute als philosophis­ch­er Kanon der wis­senschaftlichen Rev­o­lu­tion gilt. Autoren wie Renè Descartes nutzen ihr beachtlich­es intellek­tuelles wie…

  • Erst verstehen, dann abschaffen

    In jedem Bere­ich gibt es die Reformer*innen, die am lieb­sten alles Alte abschaf­fen und durch Neues erset­zen möcht­en. Dabei sind es beson­ders die Dinge, die aus heutiger Per­spek­tive vol­lkom­men sinn­los wirken, welche als Erste dem Reformeifer zu Opfer fall­en. Dass ein der­ar­tiges Vorge­hen eine schlechte Idee sein kann, beschreibt der britis­che Autor G. K. Chester­ton schon 1929 in seinem Buch…

  • Aktueller Konservatismus ist Status-Quo-Extremismus

    Der Blick auf die aktuelle poli­tis­che und gesellschaftliche Diskus­sion im Hin­blick auf den gesellschaftlichen Wan­del bringt mich immer wieder an densel­ben Punkt: die Posi­tio­nen, die heutzu­tage als „kon­ser­v­a­tiv“ oder auch „recht­spop­ulis­tisch“ gel­ten, zeich­nen sich durch eine Nat­u­ral­isierung des Beste­hen­den und über­höhte Ansprüche an das Neue aus. Sie spiegeln damit eine Art Sta­tus-Quo-Extrem­is­mus wider. Das Alte ist Normal Im Kern dieses…

  • Corona und die Fähigkeit, eine andere Welt zu denken

    Sci­ence-Fic­tion-Autoren haben von Berufs wegen einen beson­deren Blick auf die Welt. Und ger­ade der US-amerikanis­che Autor Kim Stan­ley Robin­son ist seit Jahrzehn­ten nicht nur für seine hell­sichti­gen und poli­tis­chen Romane bekan­nt, son­dern auch für seine klare poli­tis­che Posi­tion. Im New York­er ist jet­zt ein Essay von ihm erschienen, in er – was auch son­st – die Coro­na-Krise in den Blick…

  • Von Statistiken und der Erzählung des globalen Fortschritts

    Zahlen sind ver­führerisch. Wenn sie ein­mal erhoben und geschrieben sind, erscheinen sie objek­tiv und unver­rück­bar. Damit wer­den sie zu einem Anker in gesellschaftlichen Diskus­sio­nen. Sie helfen uns, die Welt zu ver­ste­hen. Doch selb­st gut gemachte Sta­tis­tiken müssen immer noch inter­pretiert wer­den, damit sie eine Bedeu­tung bekom­men. Wie das schief gehen kann, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Diskus­sion um die…