-
Form zählt in unserem Diskurs mehr als Inhalt
An den Reaktionen auf die Neugründung der AfD-Jugendorganisation in #Giessen vor einiger Zeit konnte man schön das Grundproblem des deutschen Umgangs mit dem politischen Rechtsextremismus erkennen: Die extremen Aussagen in der Halle und allgemein aus dem Umfeld der Partei bleiben unkommentiert und Teilnehmende werden sogar mit Polizei-Eskorte zur Veranstaltung gefahren. Gleichzeitig wird der zivile Protest zehntausender Demonstrant*innen kritisiert, weil diese…
-
Wir moderieren uns zu Tode
An anderer Stelle hatte ich hier schon mal vom Konservatismus als „Status Quo“-Extremismus gesprochen. Nasrin Amirsedghi fasst dieses Gefühl in einem sehr lesenswerten Text treffend zusammen: Ich habe die Farblosigkeit eurer Demokratie satt, die so korrekt geworden ist, dass sie jeden Funken Leidenschaft misstrauisch beäugt.Ich bin es müde, in einem Land zu leben, das sich selbst zu Tode moderiert. Wo…
-
Kritik als Strategie
In der Öffentlichkeitsarbeit gibt es das alte Credo „Es gibt keine schlechte Aufmerksamkeit“. In der letzten Zeit sind mir im Zusammenhang mit dem Thema „KI“ sogar zwei Mechanismen aufgefallen, bei denen ehrliche Kritik einen positiven Effekt für das Kritisierte haben können: Critihype Gerade am Anfang der „neuen Generation“ öffentlich verfügbarer KI-Tools gab es eine große Diskussion darum, wie gefährlich diese…
-
Kapitalismus im Journalismus verzerrt die öffentliche Debatte
Journalistische Medien verstehen sich gerne als „Korrektiv“ gegenüber den Mächtigen in einer Gesellschaft. Gleichzeitig geben sie sich als objektive „Chronisten“ einer externen „öffentlichen Debatte“. Sie verkennen dabei oft jedoch nicht nur ihre eigene Rolle, sondern stützen auch strukturell die ohnehin schon Mächtigen: diejenigen mit genug Kapital, um die öffentliche Debatte in ihrem Sinne zu beeinflussen. Eine zentrale Rolle spielt dabei…
-
Aktueller Konservatismus ist Status-Quo-Extremismus
Der Blick auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Diskussion im Hinblick auf den gesellschaftlichen Wandel bringt mich immer wieder an denselben Punkt: die Positionen, die heutzutage als „konservativ“ oder auch „rechtspopulistisch“ gelten, zeichnen sich durch eine Naturalisierung des Bestehenden und überhöhte Ansprüche an das Neue aus. Sie spiegeln damit eine Art Status-Quo-Extremismus wider. Das Alte ist Normal Im Kern dieses…
-
Wissenschaftliches Wissen informiert gesellschaftliche Entscheidungen, muss aber immer in einen ehrlichen Diskurs eingebunden werden
Empirische und normative Fragen Im ersten Semester meines Soziologie-Studiums saß ich in der Veranstaltung „Einführung in die Methoden der empirischen Sozialforschung“ bei Gerhard Schulze. In einer der ersten Wochen gibt es dabei um den Unterschied zwischen „normativen“ und „empirischen“ Fragestellungen, der sich mich relativ schnell erschloss: Normative Fragen richten sich darauf, wie etwas sein soll(!), empirische darauf, wie etwas ist(!).…
-
Moderne Wissenschaft ist in erster Linie am Kriterium der Nützlichkeit orientiert
Seit einiger Zeit ist die Wissenschaft Diener zweier Herren: Auf der einen Seite steht die Idee des Wissens um des Wissens willen; das hehre Ideal des neugierigen Menschen, der seine Welt verstehen möchte. Die andere Seite ist profaner. Hier geht es um das konkrete Lösen von Problemen, das Erledigen von Aufgaben und – abstrakter formuliert – um die Kontrolle über…