Design, Zahlen und kitschige Postkarten [Medienmenü 8-2017]

Diese Woche war medientechnisch die Woche der Abschlüsse und Neuanfänge. Entsprechend viel gibt es heute hier zu lesen: drei Romane, drei TV-Serien, einen Comic und einen Kinofilm..

Abgeschlossen: Teufelsgold von Andreas Eschbach (Roman)

Zum Ende hin entwickelt Teufelsgold dann tatsächlich den Sog, den man von Andreas Eschbach gewohnt ist. In einem furiosen Finale machen sich Hendrik, sein Bruder Adalbert und einige andere, die ich hier nicht spoilern will, daran, das große Werk zu vollenden.

Dabei wird Eschbachs Message in diesem Roman noch deutlicher, führt aber – im Gegensatz zu König von Deutschland – nicht dazu, dass eine schlüssige und spannende Handlung auf der Strecke bleibt. Ein rundum empfehlenswerter Eschbach für alle, die mit dem Jesus Video was anfangen konnten.

Abgeschlossen: Saga, Vol. 6 (Comic)

Nach meinem Schnelldurchlauf durch Ms. Marvel habe ich jetzt auch endlich den aktuellsten Teil der anderen Überflieger-Reihe lesen können. Und natürlich hat auch der wieder eine Menge Spaß gemacht.

Allerdings bin ich immer fester in meiner Überzeugung, dass Autorinnen und Autoren von Reihen durch ihre Verlage verpflichtet werden sollten, Kurzzusammenfassungen ihrer Bücher bereitzustellen, damit man sich den aktuellen Stand der Geschichte in Erinnerung rufen kann. Glücklicherweise kann bei Saga Wikipedia diese Funktion übernehmen…

Abgeschlossen: Six Wakes von Mur Lafferty (Roman)

Auch das Rätsel um den sechsfachen Mord auf dem Raumschiff Dormire habe ich letzte Woche lösen können. Der zweite Teil des Romans behält dabei das Schema des klassischen Whodunnit-Krimis bei, auch wenn die Lösung natürlich etwas abgefahrener und wesentlich futuristischer ist als bei Miss Marple und Konsorten.

Sowohl Figuren und Handlung als auch Welt haben mich dabei weiterhin überzeugt, auch wenn der allerletzte Funke der Begeisterung nicht übergesprungen ist. Das ändert aber nichts daran, dass Six Wakes ein sehr lesenswerter SF-Krimi ist.

Abgeschlossen: Elementary, Staffel 4 (TV-Serie)

Mit der vierten Staffel sind wir jetzt leider erstmal am Ende der bei Netflix verfügbaren Folgen der modernen Sherlock-Holmes-Umsetzung angekommen. Das ist sehr schade, denn die Serie ist für uns so etwas wie ein Zuhause und die ultimative Wohlfühlserie geworden.

Trotz des Knalleffekts zum Ende der dritten Staffel, wirkt die vierte doch etwas ruhiger und das Ereignis wird eigentlich nur in den ersten Folgen überhaupt aufgegriffen. Es bringt jedoch eine Figur nach New York, die im Mittelpunkt des übergreifenden Handlungsbogens steht, welche wiederum wesentlich stärker ausgeprägt ist als in den Staffeln zuvor.

Auch das Ende wirkt wesentlich ruhiger und versöhnlicher. Fast so, als hätten die Autoren nicht gewusst, ob es eine fünfte Staffel geben wird. Glücklicherweise gibt es die, nur halt leider noch nicht in den Streaming-Flatrates…

Gesehen: La La Land (Kinofilm)

Wenn ein Film 14 Oscar-Nominierungen einsammelt – und, wie wir jetzt wissen, sechs davon gewinnt, – will ich doch wissen, was da dran ist, auch wenn mir das Genre eigentlich so garnicht liegt. Und ich habe wirklich versucht, diesen zu Beginn bonbon-bunten Film mit schönen Menschen, die durch kitschige Postkartenbilder tanzen, nicht zu mögen. Es hat nicht geklappt.

Der Film um die angehende Schauspielerin Mia (hervorragend gespielt von Oscargewinnerin Emma Stone) und den Jazzpianisten Sebastian (Ryan Gosling) trifft einfach immer genau die richtigen Töne. Der träumerische und lebendige Anfang, das Ende der Illusionen und schließlich das Arrangement mit der Realität bilden das Leben perfekt ab – wenn auch sehr stilisiert. Der Film ist demnach auch nicht die ultimative Nabelschau Hollywoods, sondern eine Musical-Version des Lebens.

Auch wenn ich persönlich lieber Denis Villeneuve und Amy Adams für Arrival als Oscargewinner in den zentralen Kategorien gesehen hätte, kann ich mit Emma Stone und Damien Chazelle sehr gut leben. Bei Musik, Szenenbild und Co lief La La Land dieses Jahr quasi außer Konkurrenz.

Angefangen: A Conjuring of Light von V.E. Schwab (Roman)

Nach den vielen abgeschlossenen Romanen musste ich natürlich auch einen neuen anfangen. Und es geht mal wieder in die vier Londons von V.E. Schwab und die Geschichte um den Blutmagier Kell. Ohne zu spoilern kann ich hier nicht viel über die Handlung verraten, aber sie geht mal wieder fulminant los und schließt unmittelbar an das doch etwas abrupte Ende des zweiten Bandes an. (Was mich wieder zu dem Punkt bringt, den ich bei Saga schon angesprochen habe.)

Nach ungefähr 25 Prozent ist der Bösewicht auf jeden Fall schon fest etabliert. Ja, er hat sogar schon die Übermacht gewonnen. Ich bin mal gespannt, wie Kell und Co. den Weg aus dieser Katastrophe herausfinden…

Angefangen: Abstract: The Art of Design (TV-Serie)

Auch bei den Serien gilt es nach dem “Ende” von Elementary neuen Stoff zu finden. Der erste Versuch dabei war auf jeden Fall schonmal recht erfolgreich. Die Netflix-Serie Abstract besteht aus acht knapp einstündigen Dokumentarfilmen über Designer aus den unterschiedlichsten Bereichen: von einem Illustrator über eine Innenarchitektin bis hin zu einem Schuh-Designer.

Da wir bisher nur die erste Folge gesehen haben, kann ich über den Zusammenhang zwischen den Folgen nur wenig sagen, aber ich habe den Eindruck, dass die Designer selbst an der Regier der Folgen beteiligt sind. Die Geschichte des Illustrators Christoph Niemann steckt auf jeden Fall voller wunderschöner Illustrationen und ist in einer gleichzeitig melancholischen und lebensfrohen Weise gestaltet. Sie ist komplex geschnitten, vielschichtig erzählt und einfach… wow. Allerdings nichts zum einfach mal eben so nebenbei beim Essen schauen.

Angefangen: Touch, Staffel 1 (TV-Serie)

Zu diesem Zweck haben wir die Serie Touch entdeckt, die dafür, dass sie mit Kiefer Sutherland und Danny Glover sehr prominent besetzt ist, bisher stark unter dem Radar lief. Sie erzählt die Geschichte eines Jungen, der nur in der Welt der Zahlen lebt und mit seinen elf Jahren noch nie ein Wort gesprochen hat. Sein Vater kümmert sich liebevoll und rührend um ihn, nachdem die Mutter am 11. September 2001 im World Trade Center getötet wurde.

In der ersten Folge entdeckt der Vater jedoch, dass sein Sohn über die Zahlen mit ihm kommuniziert und ihn dazu bringen will, an einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, um so eine Kette von Ereignissen in Gang zu bringen, die dafür sorgt, dass ganz bestimmte Menschen sich zu begegnen.

Ähnlich wie meine aktuelle Lieblingsserie Sense8 geht in Touch also um die Verbindung zwischen Menschen weltweit; zum Beispiel zwischen dem russischen Gangster (ok, Klischee), dem indischen Mann, der die Asche seines Vater in einem Baseball-Stadion verstreuen möchte, und der amerikanischen Flugbegleiterin, die sich von ihrem krebskranken Vater entfremdet hat.

Ich bin noch etwas skeptisch, ob dieses Konzept alleine eine komplette Serie tragen kann, aber wir werden es sehen…

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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