Fremde Sprachen und das gute Leben [Medienmenü 47/2016]

Aktuell ist die Zeit der großen phantastischen Kinofilme. Nachdem letzte Woche Fantastische Wesen erschienen ist – den ich leider immer noch nicht gesehen habe -, war diese Woche Arrival dran, den ich mir im Cinestar in Bielefeld auch gleich anschauen musste. Und ja, das hat sich gelohnt. Außerdem gibt es diese Woche im Medienmenü einen Fantasy-Roman, eine Lebensphilosophie und eine weitere Zombie-Apokalypse.

Gesehen: Arrival (Kinofilm)

arrivalDie Verfilmung von Ted Chiangs Kurzgeschichte Geschichte deines Lebens ist für mich nicht nur einer der besten Filme des Jahres, sondern reiht sich mit Sicherheit in die Liste der besten Science-Fiction-Filme dieses Jahrhunderts ein, wenn nicht darüber hinaus.

Denis Villeneuve erzählt die Geschichte der Linguistin Lousie Banks – gespielt von Amy Adams -, die zusammen mit dem theoretischen Physiker Ian Donnelly – gespielt von Jeremy Renner – den Kontakt mit Aliens herstellen soll, welche an zwölf Stellen über den Globus verteilt gelandet sind. Während Banks und Donnelly sich in langwieriger Kleinarbeit die Sprache der Heptapoden erarbeiten, werden Geheimdienste und Militärs aller Nationen immer nervöser.

Der Film schafft es absolut hervorragend, die innere Entwicklung, die Louise durchmacht, mit den äußeren Entwicklungen und Spannungen zu verbinden und dabei sowohl bodenständig als auch philosophisch zu wirken. Er verliert sich nie in mystischem Geschwurbel, bietet aber gleichzeitig genau das richtige Maß an inspirierenden Denkanstößen.

Das ist Science-Fiction wie sie sein soll.

Gelesen: The Obelisk Gate von N.K. Jemisin (Roman)

obeliskgateMit dem zweiten Band ihrer Reihe Broken Earth hat N.K. Jemisin leider nicht so ins Schwarze getroffen, wie Denis Villeneuve und Ted Chiang. Jemisin setzt die Geschichte von Essun fort, die mit einer Art “Erd-Magie” begabt nach einem riesigen Erdbeben auf der Suche nach ihrer Tochter ist. Diese war von ihrem Vater entführt worden, nachdem der von ihrer magischen Begabung erfahren hatte.

Der erste Band – The Fifth Season – schilderte die Reise von Essun (und anderen Figuren) quer über den Kontintent und konnte dem Leser so die Welt und ihre Bewohner ausführlich vorstellen. The Obelisk Gate hingegen fokussiert auf die Ereignisse an zwei Orten und findet dabei kein Mittel, die Handlung wirklich voranzutreiben. Auf diese Weise wirkt der Roman trotz seiner fraglos sehr guten Ansätze und Ideen seltsam statisch und unbeweglich.

Gelesen: A Guide to the Good Life von William B. Irvine (Sachbuch)

guidegoodlifeIn seinem Buch Religion for Atheists schlägt Alain de Botton vor, sich mit inspirierenden Büchern und Texten intensiver auseinanderzusetzen, als sie nach dem ersten Lesen gleich beiseite zu legen. Dabei geht es ihm nicht so sehr darum, das “Wissen” über deren Inhalte zu festigen, sondern die Inspiration, die man aus ihnen ziehen kann.

Das hat mich dazu gebracht, das Hörbuch A Guide to the Good Life von William B. Irvine nochmal anzuschalten und mich ein zweites Mal in die Gedanken der römischen Stoiker einführen zu lassen. Hier geht es – ähnlich wie bei de Botton – darum, dem eigenen Leben bewusst eine Philosophie zu geben, um im hektischen Alltag nicht die eigenen Werte und die eigene geistige Gesundheit zu vergessen.

Der klassische römische Stoizismus ist ein solches Angebot, das die Gelassenheit und die innere Ruhe als zentralen Wert und wichtigstes Ziel des Lebens ansieht. Dabei fordert es keinen Asketismus und negiert auch keine Emotionen, sondern erwartet auf die Situation angemessene Reaktionen, die die mentale Ruhe nicht nachhaltig stören.

Das ist jetzt keine neue Idee. Sie kommt aber in einem Gewand, dass weder religiös noch anderweitig metaphysisch geprägt ist, entspricht in weiten Teilen aktuellen Forschungen zur Lebenszufriedenheit und wirkt in unseren hysterischen Zeiten aktueller denn je.

Angefangen: Locus, November 2016 (Zeitschrift)

locus112016Immer mal wieder versuche ich mich an der englischsprachigen Science-Fiction-Zeitschrift Locus – die gerade versucht, über Patreon ihr Fortbestehen zu sichern. Sie gilt als intellektuell anspruchsvolle und kritische Stimme im Genre und sowas lese ich gerade im Bereich der Phantastik natürlich eigentlich gerne.

Nachdem ich ungefähr ein Drittel der Zeitschrift gelesen habe, erschließt sich mir diese Einschätzung noch nicht unbedingt: Das Heft beginnt mit zwei länglichen Autobiographien zweier Autorinnen. Durchaus interessant, aber eben primär deskriptiv und eben nicht kritisch. Es folgen aktuelle Meldungen aus dem Genre, wie zum Beispiel eine Liste der Rechteverkäufe oder aktueller Preisträger. Alles durchaus interessant, aber mir fehlen da die Einordnung und Kontext.

Da amerikanische Zeitschriften oft so aufgebaut sind, dass der eigentlich interessante Teil erst weiter hinten kommt, mache ich mir aber noch nicht so viele Sorgen. Der Text von Cory Doctorow zum aktuellen Stand des Copyrights ist zum Beispiel durchaus interessant, auch wenn er nicht viel Neues enthält, sobald man sich ein wenig in dem Thema auskennt. Mal sehen, was da noch so kommt…

Angespielt: Grim Dawn (Computerspiel)

Und da diese Woche mit dem Black Friday und dem Cyber Monday auch wieder massig Sonderangebote brachte, gab es bei mir mal wieder ein neues PC-Spiel: Das Action-Rollenspiel Grim Dawn hatte ich bislang zwar nicht auf dem Schirm, die Rezensionen mit dem Tenor “Alles das, was Diablo 3 hätte sein sollen” haben mich dann aber schnell überzeugt.

Und auch wenn ich Diablo 2 und 3 nie gespielt habe, Grim Dawn macht tatsächlich eine Menge Spaß. Es ist das klassische Rezept von Questen, Monstern und ganz vielen Gegenständen, mit denen man seinen Charakter nach und nach verbessern kann, nur um sich dann an neuen Monstern die Zähne auszubeißen.

Das post-apokalyptische Zombie-Setting ist zwar an sich nicht besonders innovativ, passt aber gut zu dieser Art Spiel, bei dem ich einfach mal für eine halbe Stunde das Hirn abschalten kann. Nur der seltsame Speichermodus, für den bestimmte Tore auf der Karte besucht werden müssen, nervt dann doch ein wenig, da ich nicht wirklich selbst bestimmen kann, wann ich aufhören kann zu spielen.

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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