Zukünftige und vergangene Städte [Medienmenü 46/2016]

Es gibt auch Wochen, in denen ich andere Dinge tue, als zu lesen. Dieses Wochenende stand zum Beispiel im Zeichen des Dortmunder Barcamps. Daher gibt es diesmal ein eher kurzes Medienmenü mit einem Klassiker unter den Graphic Novels, Science-Fiction-Kurzgeschichten und einem älteren Bekannten unter den Computerspielen.

Transmetropolitan von Warren Ellis und Darick Robertson

transmetropolitanEndlich bin ich mal dazu gekommen, mich dieser Reihe von Waren Ellis zu widmen, die zu Recht als Klassiker bezeichnet wird. Dabei ist es gar nicht so einfach, die Reihe digital zu erwerben – also das vierte Heft (und damit den ersten Sammelband), das entweder depubliziert wurde oder für das zumindest bei Comixology keine digitalen Rechte vorliegen.

Transmetropolitan erzählt die Geschichte von Spider Jerusalem, einem Reporter, der aus der Einsiedelei zurück in die verhasste Stadt ziehen muss. Hier wird er sehr schnell nicht nur mit dem Übel in der Welt um ihn herum konfrontiert, sondern auch mit seiner eigenen Vergangenheit. Denn als kompromissloser Journalist hat er sich zahlreiche Feinde gemacht.

Auch wenn die Reihe schon einige Jahre auf dem Buckel hat, ist das Ideenfeuerwerk, das Warren Ellis hier abbrennt immer noch hoch aktuell: In den ersten beiden Bänden treffen wir unter anderem auf quasi-religiöse Kulte, die Übertragung des menschlichen Geistes in Wolken von Nano-Robotern, Reservate in denen alte und archaische Kulturen bewahrt und geschützt werden sowie Polizisten in der Gestalt von Hunden.

Asimov’s 8/2016

71mt-lhxg1l-_sl1024_Schon seit einiger Zeit habe ich das englischsprachige Kurzgeschichten-Magazin Asimov’s per Kindle abonniert, lese die Geschichten dann aber doch eher selten. Nicht, weil ich sie nicht mögen würde, sondern weil es einfach befriedigender ist, einen ganzen Roman abzuschließen anstelle einer eklektischen Sammlung kürzerer Geschichten.

Wenn ich es dann aber doch mal tue, bin ich – wie jetzt – immer wieder überrascht davon, wie gut Kurzgeschichten sein können. In der August-Ausgabe von Asimov’s ist das Spektrum auch entsprechend breit: Wir verfolgen einen Jungen auf dem Weg zwischen zwei Hochhäusern in einem New York, das von einem mysteriösen Nebel bedroht wird. Wir blicken in ein Raumschiff, das auf seinem langen Weg zu den Sternen vom Kurs abgekommen ist und wir sehen eine Mutter, die bei dem Versuch, ihren Sohn zu schützen, zu einer vergessenen Superheldin wird. Noch nicht fertig bin ich mit der Geschichte, in der John F. Kennedy darauf besteht, der erste Mann auf dem Mond zu werden…

Open Transport Tycoon Deluxe

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Zum Abschluss gibt es dann noch eine etwas ältere Perle unter den Computerspielen: die Open-Source-Umsetzung des Management-Klassikers Transport Tycoon – Open Transport Tycoon Deluxe. Darin übernimmt der Spieler ein Logistik-Unternehmen und muss im Folgenden ein Bahnnetz aufbauen, Fluglinien einrichten, Busse kaufen und Schiffe koordinieren.

Da Railroad Tycoon eines meiner allerersten Computerspiele war – zusammen mit Civilization – bin ich dem Genre natürlich eng verbunden. In letzter Zeit sah es hier allerdings etwas mau aus und von der Spielmechanik scheinen auch die neueren Spiele nicht an diesen Klassiker heranreichen zu können. Alle paar Monate packt mich daher die Lust auf das kostenlos verfügbare Spiel.

Ich bin aktuell noch in meiner ersten Runde, nach dem Lesen einiger Strategietipps ist mein Netz aber jetzt schon viel größer als ich es bisher selbst in längeren Spielen gebaut habe. Und mein Kontostand ist auch nicht von schlechten Eltern. Das einzige Problem: Jetzt muss ich mich immer zwischen Open Transport Tycoon Deluxe und Civilization VI entscheiden…

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

Ein Kommentar

  1. 25. November 2016

    […] Weltenkreuzer ist immer lesenswert. Diesmal stellt er unter anderem den Cyberpunk-Comic-Klassiker Transmetropolitan vor. Muss ich mir auch endlich mal […]

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