Brettspiele-Neuheiten 2016 [Medienmenü 43/2016]

Die Woche habe ich das Wochenende nicht in erster Linie in meinem Lesesessel verbracht, sondern auf einem Brettspiele-Wochenende, auf dem ich vor allem einige Neuerscheinungen probespielen konnte. Entsprechend ist das Medienmenü dieses Mal etwas brettspiel-lastig.

Angespielt: Great Western Trail (Brettspiel)

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Die erste Neuerscheinung, die ich eigentlich auf der Spielemesse schon gerne probegespielt hätte, ist Great Western Trail. Leider gab es da ob des großen Andrangs keine Chance Spiele wirklich anzutesten…

Das Spiel hat – wie der Name schon andeutet – ein Western-Setting und verbindet einen Deckbuilding-Mechanismus (den Aufbau von Kuh-Herden) mit einem Tile-Placement (den Bau von Gebäuden entlang des Great Western Trail) und einem Worker-Movement, das mich stark an Marco Polo erinnert. Es bewegt sich auch ungefähr auf dessen Komplexitätsniveau, ist durch das clevere Tile-Placement aber stärker interaktiv.

Mir hat Great Western Trail sehr gut gefallen und könnte durchaus auf meiner Einkaufsliste landen.

Angespielt: Ein Fest für Odin (Brettspiel)

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Bereits auf der Messe gekauft habe ich hingegen Ein Fest für Odin, das neue große Spiel von Uwe Rosenberg. Er verbindet hier seine erfolgreichen Worker-Placement- und Ressourcen-Management-Mechanismen aus Agricola und Caverna mit dem Puzzle-Mechanismus, den wir aus Patchwork kennen.

Dafür nutzt er ein Wikinger-Setting, in dem jeder Spieler über sechs oder sieben Runden ein Dorf aufbaut und entwickelt. Dabei gilt es nicht nur, mit hochwertigen Güterplättchen einen Spielplan abzudecken und damit Minuspunkte zu vermeiden, sondern durch die Entdeckung von Inseln oder das Auswandern auch Pluspunkte zu erarbeiten – was ich in dieser einen Partie leider vergessen hatte.

Wie bei großen Rosenberg-Spielen nicht anders zu erwarten, erschließt sich einem Ein Fest für Odin nicht in der ersten Partie. Vielmehr muss man über mehrere Partien hinweg nach und nach die Wirkungsketten entdecken und sich die Komplexität erschließen.

Angespielt: Terraforming Mars (Brettspiel)

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Terraforming Mars war wohl der große Messe-Hype, den ich irgendwie nicht mitbekommen hatte, auch wenn das Thema des Spiels natürlich ganz mein Ding ist: Die Besiedelung des Mars’. Das Spiel nutzt dabei eine detaillierte Illustration des roten Paneten als Spielbrett, auf dem die bis zu fünf Spieler Städte, Grünflächen, Ozeane und Sonderplättchen platzieren, um so Sauerstoffgehalt und Temperatur der Atmosphäre sowie das verfügbare Wasser in die Höhe zu treiben und so den Mars zu terraformen.

Zentraler Mechanismus sind dabei Aktionskarten, die es Spielern z.B. erlauben, Energie oder Wärme zu produzieren, Städte zu bauen oder sogar Monde auf den Mars stürzen zu lassen, um ihn für Menschen bewohnbar zu machen. Dabei wirkt der Kartenmechanismus nicht nur äußerst atmosphärisch und gut getextet, sondern auch überraschend frisch.

Terraforming Mars war auf jeden Fall mein zweites Highlight des Wochenendes und wird es wohl mittelfristig auch auf meine Einkaufsliste schaffen.

Angespielt: Hat-Trick (Kartenspiel)

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Ein Spontankauf auf der Messe war dieses Fußball-Kartenspiel, das mir einen kleinen Kindheitstraum erfüllt: Immerhin hatte ich vor vielen Jahren selbst lange probiert, Fußball mit Stift und Papier als Brettspiel umzusetzen. Und dieses aus Polen stammende und über Crowdfunding finanzierte Projekt fängt die Fußball-Atmosphäre tatsächlich hervorragend ein und produziert im Spiel Dynamiken, die stark an das echte Spiel auf dem grünen Rasen erinnern:

Im Rahmen einer festen 6×4-Kartenauslage bewegen sich Spieler vor- und rückwärts und versuchen mit Dribblings, kurzen wie langen Pässen eine Torchance herauszuspielen, die dann aufgelöst wird. Zudem können durch die Platzierung besonders starker Spieler an bestimmten Positionen die Spielweisen verschiedener Nationalmanschaften nachgestellt werden.

Die Players Expansion, die ich auch gekauft aber noch nicht gespielt habe, erlaubt hier durch verschiedene Spielertypen und Spezialfähigkeiten sogar eine noch realitätsnähere Spielweise.

Angespielt: La Granja – No Siesta! (Würfelspiel)

Bei den Einkäufen stand die Messe dieses Jahr ja für mich unter dem Motto “Kleine Umsetzungen großer Brettspiele” und mit No Siesta! habe ich einen dieser Einkäufe am Wochenende testen können. No Siesta! extrahiert den Dice-Drafting-Mechanismus aus dem großen La Granja und lässt die Spieler ihren Hof mit der Hilfe von erwürfelten Ressourcen entwickeln.

Dabei fühlt sich das Spiel allerdings nicht in erster Linie vorausschauend-strategisch an, sondern doch sehr reaktiv, da man eben nur darauf reagieren kann, was die Würfel einem bieten. Auch haben sich mir zumindest in den ersten drei Partien keine grundlegend verschiedenen Herangehensweisen erschlossen.

No Siesta! ist trotzdem ein sehr nettes Spiel, das gerade als Absacker oder kurzes Zwischendurchspiel durchaus überzeugen kann.

Angespielt: First Class (Kartenspiel)

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Ich bin ja erst vor Kurzem auf den Geschmack von Russian Railroads gekommen, doch dieses Spiel, das fast als Russian Railroads – The Card Game erschienen wäre und dann doch eine eigene Marke bekommen hat, finde ich fast noch spannender.

Hier geht es darum, zwei Züge durch aufzuwertende Waggonkarten aufzubauen und gleichzeitig eine Strecke zu bauen, die diese Züge dann abfahren können. Dabei müssen beide Aspekte gut aufeinander abgestimmt werden, damit man am Ende die obligatorische Siegpunktewertung für sich entscheiden kann.

Besonders spannend finde ich dabei, dass in den Zwischenwertungen und der Endwertung nicht nur Punkte gezählt werden, sondern eben auch noch Aktionen durchgeführt und Kettenreaktionen ausgelöst werden können. Die eigentlichen Aktionsphasen, die in erster Linie aus dem Ziehen und Abarbeiten von Karten bestehen, wirken dagegen fast langweilig.

Also ein weiteres Spiel, dass es durchaus in unsere Sammlung schaffen könnte.

Angespielt: Nippon (Brettspiel)

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Den Abschluss dieser Auswahl an Brettspielen bildet mit Nippon ein Spiel, das mit der japanischen industriellen Revolution ein etwas ungewöhnliches Thema umsetzt. Dazu nutzt es einen zufälligen Vorrat an verschiedenfarbigen Meeplen, die von den Spielern aufgenommen werden, um Aktionen durchzuführen. Dabei ist einem daran gelegen, sich an möglichst wenig unterschiedlichen Farben zu bedienen.

So werden Fabriken errichtet, Rohstoffe abgebaut und schließlich Waren produziert und ausgeliefert. Siegpunkte lassen sich dann in erster Linie über Mehrheiten in den unterschiedlichen Regionen gewinnen, auch wenn frei platzierbare Multiplikatoren und zu erfüllende Aufträge durchaus auch eine Rolle spielen können.

Nippon verzahnt viele etwas ungewöhnliche Mechanismen zu einem runden Spiel, das sich angenehm schnell spielt und sich durch wenig Downtime auszeichnet. Irgendwie ist der Funke für mich aber nicht übersprungen, was aber durchaus daran liegen könnte, dass ich Area-Control-Mechanismen nicht so wirklich mag.

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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