Weltreiche und unterschiedliche Atheismen [Medienmenü 42/2016]

Das neue Medienmenü kommt krankheitsbedingt ein wenig verspätet. Das bringt mich aber auch gleich zu der Frage, wann ich das eigentlich am besten schreiben und veröffentlichen sollte. Sonntags – wie bisher – ist im Normalfall praktisch, weil ich einfach die Zeit habe, es zu schreiben. Gleichzeitig kann ich den Sonntag dann aber nicht so gut zum Lesen nutzen und es kommt zu Verschiebungen, wenn ich mal unterwegs bin. Vielleicht probiere ich tatsächlich mal den Montag oder den Dienstag als regelmäßigen Termin aus.

Diese Woche gibt es eine Menge Lesestoff und TV-Serien. Und dann war da natürlich auch noch die sehnlich erwartete Computerspiel-Neuerscheinung…

Angespielt: Civilization VI (Computerspiel)

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Civilization war eines der ersten Computerspiele in die ich schon als Kind viel Zeit versenkt habe. Auf die 119 Mark zu sparen, die das 1991/1992 gekostet hat, war mit 10 schon eine Hausnummer. Auch mein “Ich komm gleich essen. Ich muss nur noch kurz die Weltherrschaft an mich reißen” ist fast schon legendär.

Jetzt ist der sechste Teil der Reihe erschienen, die ich leider ein wenig aus dem Auge verloren hatte. Und die Faszination des “Nur noch einen Zug” dieses epischen rundenbasierten Strategiespiels ist wieder da. Besonders verändert wurden diesmal die Städte, die sich jetzt auf die Felder in ihrer Umgebung ausbreiten und aus spezialisierten Bezirken bestehen, welche wiederum den Bau von Gebäuden wie Bibliotheken, Banken oder Fabriken erlauben.

Leider ist aber nicht alles Gold was glänzt: Die Ladezeiten sind doch eher lang und die Computerspieler sind leider immer noch dumm wie Stroh. Zu schade, dass Firaxis das auch im sechsten Teil immer noch nicht besser in den Griff bekommt. All das wird mich aber nicht daran hindern, wieder Stunde um Stunde zu investieren, um “mein“ Reich durch die Zeit zu führen.

Gelesen: 1984 von George Orwell (Roman)

1984Endlich bin ich dazu gekommen, diesen absoluten Klassiker der dystopischen Science-Fiction zu lesen. Bei mir haben es Klassiker immer besonders schwer, da ich Bücher normalerweise nicht im Kontext ihrer Zeit lese, sondern sie mir hier und jetzt mit ihrer Geschichte etwas erzählen müssen. Und da liefert 1984 auf ganzer Linie ab.

Obwohl der Roman 1948 das erste Mal erschien, liest er sich wie ein aktueller SF-Roman. Manche der technischen Visionen wirken zwar überholt, die sozialen Fragen und Dynamiken sind aber top-aktuell, ebenso wie der Erzählstil Orwells. Es kommt mit fast so vor, als könnte man 1984 mit einigen redaktionellen Anpassungen heute problemlos neu herausgeben.

Gelesen: Descender, Vol 1 von Jeff Lemire & Dustin Nguyen (Comic)

descenderEin Schnäppchen, das ich bei dem letzten SALE von Image Comics auf Comixology geschossen habe, war Descender von Jeff Lemire und Dustin Nguyen. Die Geschichte eines Roboters, der als “child companion” eingesetzt wird, um Kindern auf abgelegenen Raumstationen oder Kolonien als Begleiter zur Seite zu stehen.

Doch die Modellreihe “Tim” hat erstaunliche Ähnlichkeiten mit den gigantischen “Harvestern”, die vor einiger Zeit das Sonnensystem angegriffen und in Schutt und Asche gelegt haben. So geraten der einzige überlebende “Tim” – Tim-21 – und sein Erfinder in einen Strudel von Ereignissen, von dem ich noch nicht weiß, ob sie ihn heil überstehen.

Ein sehr interessant und teilweise anscheinend mit Aquarell-Farben gezeichneter Comic, der optisch einen sehr eigenen Stil entwickelt. Aktuell fehlt mir jedoch noch ein wenig der Bezug zu den Figuren, aber die Geschichte ist gut geschrieben und in einem durchaus interessanten Universum erzählt.

Gelesen: DIE ZEIT 44/2016 (Zeitung)

zeit-44-2016Aktuell schaffe ich es tatsächlich jede Woche, diese doch sehr umfangreiche Zeitung mehr oder weniger vollständig zu lesen. Natürlich nicht jeden Artikel, sondern eben die, die mich interessieren. Wer mich kennt, weiß aber auch, dass das nicht gerade wenig ist…

Highlights waren diese Woche der thematische Schwerpunkt zu Russland, der ausführliche Bericht über Gottfried Wilhelm Leibniz und der Besuch eines deutschstämmigen Harvard-Dozenten an deutschen Universitäten.

Gelesen: The Economist 22.01.2016 (Zeitschrift)

economist20161022Diese Woche gab es tatsächlich auch mal ein wenig aus dem Economist zu lesen. Auch hier fand ich insbesondere den Russland-Schwerpunkt sehr erhellend, der schön das Spannungsfeld aufzeigt, in dem sich dieses riesige Land befindet. So wirkt das Erbe des Zarentums dort ebenso nach wie das der Sowjetunion und verbindet sich in der Person Putins mit Machtstreben in der modernen Welt, verbunden allerdings mit einer schwächelnden Wirtschaft.

Gesehen: Gilmore Girls, Staffel 5 (abgeschlossen) und 6 (angefangen) (TV-Serie)

Wer krank ist, schaut fern, das hat sich auch in Zeiten von Netflix nicht geändert, sondern vermutlich eher verschärft. Und so haben wir in den letzten Tagen die fünfte Staffel der Wohlfühl-Serie abgeschlossen und stecken schon tief in der sechsten.

Auch wenn die Figuren natürlich immer noch dieselben sind und die Grundstimmung positiv bleibt, ist die Dynamik zwischen den Figuren doch merklich dunkler geworden. Gräben tun sich auf, wo niemand sie vermutet hätte und gleichzeitig finden Figuren zusammen, die einfach zusammen gehören. Immer noch einfach gut.

Gesehen: Star Trek: The Original Series, Staffel 2 (TV-Serie)

Wenn es etwas fordernder sein soll, gibt es dann auch noch mein Star-Trek-Projekt, wo ich jetzt immerhin die zweite Staffel der ersten Serie abgeschlossen habe. Der Serie merkt man zwar – anders als 1984 – ihr Alter an, aber die Themen, die sie aufgreift, sind oft immer noch hoch aktuell.

Besonders hängen geblieben ist die Folge in der ein Computer die Steuerung der Enterprise übernehmen soll und natürlich alles anders abläuft als geplant. Parallelen zur aktuellen Diskussion über die Ethik selbstfahrender Autos sind zwar offensichtlich nicht geplant, aber auch sicherlich nicht zufällig.

Angefangen: The God Delusion von Richard Dawkins (Sachbuch)

goddelusionDa es dann doch mal wieder Zeit für ein paar Sachbücher wurde, habe ich gleich zwei begonnen, die sich zwar demselben Thema widmen, aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Das erste ist The God Delusion, des britischen Evolutionstheoretikers Richard Dawkins, der ja mittlerweile eine einschlägige Reputation als fundamentaler Atheist erworben hat.

Dieses Buch dient als Manifest seines Nicht-Glaubens und soll – laut Vorwort – aufzeigen, wie man auch als Atheist ein erfülltes und moralisches Leben führen kann. Dawkins versteht es dabei explizit als missionarisches Werk, das Gläubige zu Atheisten machen soll.

Inhaltlich waren die ersten Kapitel jedoch in erster Linie damit beschäftigt, die faktische Existenz eines personalen Gottes zu wiederlegen, den Dawkins sich zuvor bequem als angeblichen Kern der abrahamitischen Religionen zurechtgelegt hat. Das fand ich dann doch eher überflüssig, zumal sein Ton doch stark von herablassender Arroganz geprägt ist.

Durchaus interessant fand ich hingegen das Kapitel über die evolutionäre Erklärung von Religion und Glauben, wobei ich Dawkins eigene Erklärung weniger überzeugend finde, als die anderer Autoren, die er vorstellt.

Angefangen: Religion for Atheists von Alain de Botton (Sachbuch)

religion-for-atheists-pbEinen ganz anderen Zugang zu dem Thema findet der britische Philosoph Alain de Botton, der sich gleich in seinem ersten Satz – absichtlich oder nicht – gegen Dawkins’ Projekt stellt: “The most boring and unproductive question one can ask of any religion is whether or not it is true”.

Er geht hingegen selbstverständlich davon aus, dass Religionen nicht in ihrem Wortsinne wahr sind, sondern fragt was auch Atheisten von Religionen lernen und in ihre Lebensführung integrieren können. Dabei schreibt er nicht besserwisserisch und arrogant, sondern neugierig und versöhnlich. Ich weiß daher jetzt schon, welches von den beiden Büchern mir vermutlich bis zum Ende mehr Spaß machen wird…

De Bottons Analysen über das für ihn anscheinend seelenlose und a-soziale moderne Leben wirken zwar manchmal überspitzt und wenig empirisch fundiert, weisen in meinen Augen jedoch oft auf einen wahren Kern hin.

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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