Etwas andere Liebesgeschichten und zu viele Brettspiele [Medienmenü 41/2016]

Die Essener Brettspielmesse ist seit unserem Umzug nach Dortmund fester Programmpunkt in meinem Jahresplan. Jedes Jahr im Oktober kommen hier hunderte Aussteller und zehntausende Spieler zusammen, um Neuheiten zu testen und kräftig einzukaufen. Neben digital abgebildeten Buchstaben gibt es deshalb diese Woche auch einige spielerische Neuerwerbungen.

Gelesen: Crosstalk von Connie Willis (Roman)

Crosstalk von Connie WillisTatsächlich ein etwas leichterer Roman der britischen Autorin. Diesmal geht es auch nicht um eine Zeitreise in die Zeit des zweiten Weltkriegs oder der Pest, sondern um die nahe Zukunft. Hauptfigur ist die Mitarbeiterin eines Handy-Herstellers: Sie und ihr Freund stehen kurz davor, ein EED machen zu lassen – eine Operation, die es Ihnen ermöglichen soll, gegenseitig ihre Gefühle verstärkt wahrzunehmen. Doch die Operation hat unerwartete Nebenwirkungen und dann ist da auch noch ihre Familie, die keinen Sinn für Privatsphäre hat.

Auch wenn das Buch sich tatsächlich als seichte romantic comedy lesen lässt, ist Crosstalk viel mehr: eine hintergründige Satire über den Wahn der ständigen Verbundenheit, der nicht von Smartphones und sozialen Medien anhängig ist, sondern auch ganz analog ausgelebt werden kann. Es geht um Nähe und Distanz ebenso wie um die Freiheit der Gedanken.

Kein Jahrhundertwerk, aber gleichsam intelligente wie unterhaltsame Science-Fiction.

Gelesen: Alex & Ada Vol. 1 von Jonathan Luna & Sarah Vaughn(Comic)

Alex + Ada, Vol. 1In die gleiche Kategorie fällt auch der Comic Alex + Ada, dessen ersten Band ich vor Kurzem bei dem image-Sale auf Comixology geschossen habe. Er erzählt die Geschichte des frustrierten Dauersingles Alex, der von seiner wohlmeinenden Großmutter gegen seinen Willen eine Androidin als Gefährtin geschenkt bekommt.

Anstatt sich aber an der computerisierten Gesellschaft zu erfreuen, weiß Alex nichts mit der Androidin anzufangen, die keine eigene Initiative entwickeln und ihm nach dem Mund redet. Er will sie aber auch nicht zurückgeben. Und so beginnt die Suche nach einer Alternative…

Das Thema ist nicht neu: Roboter entwickeln Bewusstsein, aber Jonathan Luna und Sarah Vaughn erzählen die Geschichte auf eine sehr ruhige und unaufgeregte Weise. Dabei verweben sie die Angst der Menschen vor intelligenten Maschinen mit der Sehnsucht von Alex nach möglichst menschlicher und damit intelligenter Gesellschaft. Ich bin sehr gespannt auf Band 2.

Gelesen: DIE ZEIT 43/2016 (Zeitung)

Eine lange Zugfahrt von Karlsruhe nach Dortmund bot mir die Gelegenheit, mich wieder mal ausführlich der ZEIT zu widmen. Diesmal mit einem thematischen Schwerpunkt auf der Entwicklung Afrikas und einer sehr ausführlichen Geschichte zur angeblichen Gesundheits-Öko-Superfrucht Avocado und den aus dem Hype resultierenden Monokulturen mit gigantischem Wasserverbrauch.

Auch ein Bericht über das Leben und den Tod des Fußballers Steve Gohouri, das Gebaren der IG Metall bei BMW und Amerikas Aristokratie sind äußerst lesenswert. Die beworbene Beilage Bücher zum Träumen ist allerdings nur für Leser interessant, die sich mit dem üblichen Feuilleton-Programm beschäftigen – also nicht für mich.

Gekauft: (Zu) viele Brettspiele

Und dann war da besagte Spielemesse, auf der ich mich nicht wirklich zurückhalten konnte und wollte und einiges an spannenden Spielen mit nach Hause gebracht habe:

spiele

Besonderes Highlight ist dabei das neue Spiel von Uwe Rosenberg – Ein Fest für Odin -, in dem er seinen üblichen Worker-Placement-Mechanismus um einen spannenden Puzzle-Aspekt erweitert. Zudem gab es noch einige Karten- bzw. Würfelspiel-Umsetzungen aufwändiger Strategiespiele – Im Wandel der Zeiten, La Granja und Funkenschlag -, die Brettspielumsetzung eines Escape Rooms, Erweiterungen zu 7Wonders Duel und Boss Monster sowie die Neuauflage eines älteren Spiels: Nefarious.

Besonders gespannt bin ich auf Hat-Trick, ein über Crowdfunding finanziertes Fußball-Kartenspiel, das sich in der Proberunde erstaunlich realistisch und vielfältig angefühlt hat. Da habe ich dann auch nicht nur die Basis-Version, sondern gleich auch die Erweiterung mitgenommen.

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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