Aus der Lesewoche wird das Medienmenü [Ausgabe 36-37/2016]

Und kaum nimmt das Lesetagebuch Fahrt auf, kommt die erste Talsohle, in der ich nicht so richtig in meinen aktuellen Roman reinkomme und sich mein Lesetempo deutlich reduziert. Doch das hat nicht nur dazu geführt, dass ich letzte Woche nichts zu dokumentieren hatte, sondern bringt mich auch dazu, aus der Lesewoche das Medienmenü zu machen, das Spektrum also ein wenig zu erweitern: Es gibt jetzt auch Kinofilme, TV-Serien, Computerspiele, Zeitschriften oder Theaterstücke und was mir noch so an “Medien” im weiteren Sinne vor die Flinte läuft.

Begonnen und Abgeschlossen: Saga, Bände 4 & 5 (Comic)

saga_tp_04Wie angekündigt habe ich die Bände 4 und 5 der hervorragenden Comic-Reihe ziemlich schnell verschlungen. Und auch hier halten Autoren wie Zeichner das Niveau vorbildlich, auch wenn ich Band 4 minimal schwächer fand als die Bände 3 und 5.

Die Geschichte wächst dabei kontinuierlich: sowohl was die vorgestellte Welt angeht, als auch auf der zeitlichen Ebene. In immer größere Zeitsprüngen können wir verfolgen, wie Hazel heranwächst und andere Figuren immer wichtiger werden. Inklusive eines umwerfend süßen Seehundes, der es allerdings faustdick hinter den Ohren hat.

Begonnen: Roter Mars / Red Mars von Kim Stanley Robinson (Roman)

redmarsIch habe es also tatsächlich gewagt und mir Roter Mars vorgenommen, auch mit dem Vorsatz, im Anschluss die Folgebände Grüner und Blauer Mars zu lesen. Immerhin gelten die drei Romane als ultimative Reihe über die Kolonisierung des Mars. Und dass Robinson Geschichten erzählen kann, habe ich mit Aurora vor Kurzem erst wieder erfahren dürfen.

Aber meine Sorge aus der letzten Lesewoche war durchaus gerechtfertigt: Roter Mars ist doch arg trocken und zäh, auch wenn es eine wirklich glaubwürdige und realitätsnahe Geschichte erzählt. Und dann ist da noch die wirklich katastrophale Übersetzung (zumindest in der deutschen Erstauflage), die mich zum ersten Mal dazu gebracht hat, mir in der Mitte eines Romans schnell die Originalfassung zu besorgen und zu dieser zu wechseln…

Begonnen: Storycraft von Jack Hart (Non-Fiction)

storycraftWenn ich schon meinen Studis verklickere, wie sie besser schreiben, sollte ich doch vielleicht auch mal wieder was für meine eigene Schreibe tun. Und zwar nicht für die trocken-akademische, sondern die etwas lebendigere essayistisch-journalistische. Da kam der Twitter-Tip (ich weiß leider nicht mehr von wem) zu dem Buch Storycraft gerade recht.

Es geht hier in erster Linie um ein amerikanisch geprägtes Format, das sich zwischen Reportage und Nachrichten-Berichterstattung bewegt. Dabei werden Nachrichten, nicht aus einer neutralen Perspektive “berichtet”, sondern aus der Perspektive beteiligter Personen “erzählt”. Jack Hart vermittelt die Grundprinzipien dieses Formats mit viel Erfahrung, doch scheinen dessen Einsatzbereich für mich doch etwas zu eng gesteckt. Ich will eben eher Ideen und Denkweisen vermitteln als dramatische Ereignisse. Ein wenig Hoffnung stecke ich aber noch das Kapitel, das als nächstes ansteht: Explanatory Narratives

Reingelesen: New York Review of Books (Zeitschrift)

Über den sehr lesenswerten Artikel Wie kann man sich seriös informieren? von Christian Köllerer bin ich auf das Magazin New York Review of Books aufmerksam geworden, das mitnichten nur Rezensionen von Büchern veröffentlicht sondern umfangreiche und gut recherchierte Artikel, die teilweise auf neu erscheinenden Büchern basieren. Es gibt leider keine Möglichkeit, einfach mal eine Ausgabe digital zu kaufen, aber auf der Webseite sind einige der tatsächlich hervorragenden Texte zu finden.

Gesehen: Captain Fantastic (Film)

Das Kino-Sommerloch nähert sich dem Ende und so ging es am Freitag mal wieder in eines der Dortmunder Programmkinos: die Schauburg. Über den Film Captain Fantastic mit Viggo Mortensen in der Hauptrolle wusste ich außer dem vielversprechenden Trailer und der IMDB-Bewertung von 8,1 nichts.

Aber wow, was hat sich das gelohnt: Die Geschichte erinnert ein wenig an Little Miss Sunshine, dreht sich aber um eine radikale Aussteigerfamilie, die zur Beerdigung der Mutter durch das ganze Land reisen muss. Dabei prallen ihre Ideale auf die “Realität” des amerikanischen Lebens, wobei keine Seite als überlegen dargestellt wird. Gleichzeitig intellektuell anspruchsvoll, warmherzig, humorvoll, schonungslos und durchsetzt mit unvergesslichen Szenen.

Weiter geschaut: Gilmore Girls, Staffel 4 (TV-Serie)

Und dann gibt es natürlich auch die gute einfache Unterhaltung zum Abendessen: die Gilmore Girls, bei denen wir aktuell in der vierten Staffel sind. Die Geschichten um das Mutter-Tochter-Gespann Lorelay und Rory und die Kleinstadt Stars Hollow sind einfach immer herzerwärmend leicht und natürlich geprägt von einem unvergleichlichen Screwball-Humor.

Viel gespielt: Factorio (Computerspiel)

Mit der Fabrik- und Logistiksimulation Factorio verbringe ich gerade den größten Teil meiner Spielzeit. Hier geht es darum, “aus dem Nichts” ein gigantisches Produktionsnetzwerk auf die Beine zu stellen. Das Ziel, eine Rakete zu bauen, um damit von dem Planeten, auf dem man gestrandet ist, zu fliehen, wirkt dabei eher nebensächlich. Vielmehr müssen umfangreiche Produktionskreisläufe mit zahlreichen Komponenten entwickelt und umgesetzt werden.

Aktuell versuche ich, meine Produktion mit der Hilfe von Logistik-Robotern noch stärker zu automatisieren und demnächst steht ein großangelegter Umbau meiner Ölverarbeitung an. Denn während ich das Petroleum für die Gewinnung von Schwefel und Kunststoff dringend benötige, quellen meine Tanks vor Leicht- und Schweröl über, die ich aber eigentlich statt Kohle nutzen könnte, um meine Schmelzöfen zu befeuern…

Angespielt: FIFA 17 (Computerspiel)

Als Teilzeit-Spieler und Fußballfan komme ich natürlich nicht daran vorbei, mir zumindest die Demo der diesjährigen Ausgabe von EA Sports FIFA 17 zu besorgen. Und die ersten Partien sind durchaus vielversprechend, auch wenn ich nicht wirklich einschätzen kann, was sich tatsächlich seit FIFA 16 verändert hat. Die Spiele wirken allerdings noch ein wenig dynamischer und der neue Story-Modus mit Rollenspiel-Elementen scheint auf jeden Fall gut inszeniert. Kaufen werde ich es mir aber vermutlich eher nicht, zumal nächsten Monat mit Civilization VI ein zeitintensiver Pflichtkauf vor der Tür steht.

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

Ein Kommentar

  1. 23. September 2016

    […] gute Weltenkreuzer erweitert sein wöchentliches Lesetagebuch zu einem Medienmenue. Gute Idee! Schaut mal […]

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