"Die Simulanten" im Schauspiel Dortmund

Hexer und Simulationen [Medienmenü 3/2017]

Ich war mal wieder im Theater und will euch natürlich auch meinen Fortschritt mit Neal Stephensons aktuellem Roman nicht vorenthalten. Außerdem gibt es diese Woche alte Bekannte, eine spiel-gewordene Fantasy-Welt und virtuelles Eis…

Weiter gelesen: Seveneves von Neal Stephenson (Roman)

Wenn ich mit einem Roman von Neal Stephenson beginne, weiß ich schon, dass ich in den nächsten Wochen erstmal wenig anderes lesen werde. Seine Bücher sind nämlich nicht nur lang, sondern ausschweifend und komplex und wollen bewusst und langsam gelesen werden, während die Handlung eher gemächlich voranschreitet.

Seveneves ist da nicht anders und wartet mit seitenlangen Erklärungen zu Orbitalmechaniken oder Warnsystemen auf. Die Handlung kommt dabei zwar langsam voran, ist aber äußerst fesselnd und atmosphärisch dicht. Stephenson schafft es unerklärlicherweise, mit langen Infodumps Spannung zu erzeugen und eindrucksvoll zu verdeutlichen, was da eigentlich gerade passiert.

Aktuell schwenkt das Buch gerade von einer eher wissenschaftlichen Betrachtung hin zu intensiveren sozialen Dynamiken und Konflikten, die mir im Hier und Jetzt auf der Erde durchaus bekannt vorkommen …

Gehört: Das Erbe der Elfen von Andrzej Sapkowski (Hörbuch)

Wenn ich schon nicht dazu komme, andere Romane zu lesen, kann ich sie – dank Audible – wenigstens hören. Ich hatte mir den ersten Band der durch die Witcher-Computerspiele bekannt gewordenen Fantasy-Reihe vor einiger Zeit schon mal angehört, war damals aber nicht so wirklich rein gekommen. Der zweite Anlauf hat mich dann doch wesentlich mehr überzeugt.

Sapkowski schafft es nicht nur, eine wunderbar vielschichtige und glaubwürdige Welt zu erschaffen, auch seine Figuren – vom grimmigen Geralt über die mysteriöse Yennifer bis zur pubertierenden Ciri – haben mich an die Geschichte gefesselt. Sie entsprechen zwar schon sehr stark den Archetypen, Sapkowski lässt aber immer wieder durchscheinen, dass sich hinter der Fassade mehr verbirgt.

Dasselbe erhoffe ich mir in den folgenden Bänden für die Handlung, bei der durchaus noch Luft nach oben ist. Der ganze Roman wirkt irgendwie eher wie eine Exposition, in der die Figuren erstmal vorgestellt werden und zusammenfinden müssen, bevor das eigentliche Abenteuer losgeht. Ein kohärentes Abenteuer, ein roter Faden fehlt dieser Geschichte. Oder er wird zumindest nur an- und nicht auserzählt …

Angefangen: Elementary, Staffel 3 (TV-Serie)

Nach ganz viel Gilmore Girls und ein bisschen Expanse sind wir jetzt wieder bei alten Bekannten: Sherlock Holmes und Joan Watson, die in New York Verstärkung erhalten haben. Holmes hat aus London eine neue Protegé mitgebracht, die er – wie Watson – zur Ermittlerin ausbilden will.

Die Zweierdynamik wird damit zur „Menage a Trois“, ein cleverer Schachzug, um zu verhindern, dass die Serie irgendwann langweilig wird. Gleichzeitig aber nicht so revolutionär, dass sie ihren unvergleichlichen Charakter verliert. Aber auch die bekannten Figuren haben sich weiterentwickelt: Watson hat sich endgültig von Holmes emanzipiert und dieser entdeckt seine „weichere“ Seite.

Gefühlt werden auch die Mordfälle immer vertrackter und cleverer, aber ansonsten wären Holmes, Watson und Kitty ja auch maßlos unterfordert.

Gesehen: Die Simulanten im Schauspiel Dortmund (Theaterstück)

„Die Simulanten“ im Schauspiel Dortmund

Theater war mal das Erzählen von Geschichten, heute wird es immer mehr zur „Auseinandersetzung mit Themen“. Letzteres gilt auf jeden Fall für Die Simulanten, ein Stück des jungen Schweizer Autors Philippe Heule, das aktuell noch im Schauspiel Dortmund gezeigt wird.

Die „Geschichte“ „handelt“ von fünf Personen, die sich plötzlich in einem Raum eingesperrt wiederfinden und dann „miteinander“ reden, bis sie irgendwann den Weltklimagipfel simulieren. Das „hä?“, das diese Beschreibung auslösen könnte, zieht sich durch das ganze kafkaesk inszenierte Stück, das sich irgendwie mit der Auflösung von Beziehungen und deren ständiger Simulation auseinandersetzen soll.

Wenn man das vorab weiß, dann lassen sich einige interessante Denkanstöße aus dem Stück ablesen. Als Science-Fiction-Leser weiß ich aber, dass sich Denkanstöße auch in gute und spannende Geschichten verpacken lassen. Abstraktion und wirre Effekte erscheinen mir dann wie kreative Faulheit.

Angespielt: NHL 16 (PS4-Spiel)

Es ist eine Weile her, dass ich mich das letzte Mal auf das virtuelle Eis begeben habe (ich glaube, es war NHL94), aber mit meiner neuen PS4 musste ich das einfach mal wieder probieren. Daher habe ich mir – gebraucht – NHL 16 besorgt und festgestellt, dass die alten Routinen durchaus noch greifen – zumindest nachdem ich die Steuerung von diesem komischen Skill Stick umgestellt hatte.

Das Spiel ist zwar gerade in der Defensive wesentlich komplexer geworden, aber einige nur knappe Niederlagen auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad wecken dann doch Hoffnung, dass ich da wieder reinkomme …

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.