Der Doktor und der liebe Kleinkram [Medienmenü 15/2017]

Bei den Romanen bin ich irgendwie immer noch nicht wirklich gut dabei. Da es Heftromane, TV-Serien und Hörbücher gibt, ist im Medienmenü diese Woche trotzdem einiges zu lesen.

Angefangen: Doctor Who, Staffel 10 (TV-Serie)

Der Doktor ist zurück! Diesmal sogar mit zwei Companions! Neben dem doch eher schrägen Nardole, den wir schon aus dem letzten Christmas Special kennen, sammelt er in der ersten Folge der zehnten Staffel noch Bill auf, eine klassische menschliche Begleiterin, die mich doch sehr stark an Rose Tyler erinnert und mir unter anderem deswegen sehr sympathisch ist.

Ansonsten bin ich ob dieser ersten Folge ein wenig zwiegespalten: Die Faszination mit dem Doctor – gerade in der von Peter Capaldi verkörperten Version – ist wieder voll zurück, die Geschichte der Folge selbst fand ich hingegen überladen und fast schön über-inszeniert: Es passiert viel, es passiert schnell, es bleibt aber kaum Zeit, die eigentliche Geschichte zu erzählen. Die Episode wirkt dabei ein wenig wie ein All-you-can-eat-Buffet, die zeigen soll, dass Dr. Who für jeden etwas zu bieten hat, um neue Zuschauer einzufangen. Als “alter Hase” vermisse ich da die leisen Töne und das Erzählende.

Gelesen: Perry Rhodan 2904: Gerichtstag des Gondus von Leo Lukas (Heftroman)

Es geht weiter mit dem unsterblichen Helden und seiner Reise durch das goldene Reich. Leo Lukas ist schon lange im Team von Perry Rhodan dabei und da er im anderen Leben auch als Kabarettist tätig ist, gehören seine Beiträge immer zu den humorvolleren. Das blitzt in diesem Heft nur ab und an mal auf, da es eigentlich einen sehr ernsten, fast schon moral-philosophischen, Hintergrund hat – etwas, woran ich mich so explizit bei Rhodan tatsächlich nicht erinnern kann. Ich bleibe auf jeden Fall dran…

Gelesen: Hugo-nominierte Kurzgeschichten

Nach der Bekanntgabe der Nominierungen für den Hugo-Award dieses Jahr lese ich mich gerade durch die nominierten Kurzgeschichten und Novellettes und komme daher nicht zu längeren Romanen. Bei den Novelettes hat mich – Stand heute – Touring with the Alien von Carolyn Ives Gilman am meisten überzeugt, das stark an Arrival erinnert, die Aliens aber mit einer anderen Grundeigenschaft ausstattet.

Gesehen: Logan (Kinofilm)

Logan ist eigentlich aus der vorletzten Woche, ist da aber zwischen den ganzen Romanen verloren gegangen. Der Film erzählt den Abschluss der Geschichte um Logan – besser bekannt als Wolverine. Er schließt damit das Franchise und – vermutlich – auch die erste X-Men-Timeline im aktuellen Cinematic Universe.

(Leichter Spoileralert für den Beginn des Films!)
Man merkt dem Film dabei seine Funktion innerhalb des Erzähluniversums deutlich an, er hat mir jedoch grundsätzlich äußerst gut gefallen. Hugh Jackman und Patrick Stewart spielen hier mal nicht die kraftvollen Superhelden. Logan – alias Wolverine – ist vielmehr ein alternder gebrochener Held, der sich rührend um den mittlerweile dementen Charles Xavier kümmert, welcher mit seinen Anfällen eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Hier brilliert Patrick Stewart, der Xavier mit einer teilweise fast schon unerträglichen Intensität spielt – gerade wenn man das mit der lebendigen Figur aus den anderen Filmen vergleicht.
(/Spoileralert)

Für mich überlagert dieser Aspekt dann auch die eigentliche Geschichte vom Ende Logans, die routiniert – wenn auch vielleicht ein wenig zu brutal und zu lang – inszeniert wird. Und Marvel wäre natürlich nicht Marvel, wenn sie mit diesem Film nicht auch den Grundstein für ein potenziell neues Franchise gelegt hätten…

Angefangen: Lie to Me, Staffel 1 (TV-Serie)

Im TV gibt es bei uns aktuell die erste Staffel der Krimiserie (im weiteren Sinne) Lie to Me um Dr. Cal Lightman, einen Experten für das Erkennen von Lügen. Er und seine Kollegen nutzen Mimik und Microexpressions, um Lügnern und Betrügern auf die Spur zu kommen. Auch wenn ich es nicht immer logisch finde, wie sie zu ihren Fälle kommen, und leider nicht einschätzen kann, wie fundiert die dargestellten Zusammenhänge zwischen Mimik und Wahrheit tatsächlich sind, macht die Serie Spaß und schneidet auch durchaus auch die ein oder andere grundsätzlich relevante Fragestellung an.

Gehört: Meine geniale Freundin von Elena Ferrante (Roman/Hörbuch)

Wenn ich aktuell schon keine Romane lese, dann kann ich wenigstens einen hören. Und dann sogar einen außerhalb des Genres. Wobei der Tipp zu Meine geniale Freundin von Elena Ferrante doch wieder aus dem Genre kommt, nämlich immerhin von Kim Stanley Robinson.

Im ersten Band ihrer neapolitanischen Saga erzählt Elena Ferrante die (oder ihre eigene?) Geschichte eines jungen Mädchens aus Neapel. In den 1950er bzw. 60er Jahren wächst die junge Elena Greco in einem ärmlichen Viertel der Stadt auf und trifft auf die gleichaltrige Lila, von der sie sofort fasziniert ist. Zwischen Schule, Armut und (später dann) Jungs ergibt sich ein tiefer Einblick in die Welt des ärmlichen Neapels und die Schwierigkeiten, die mit einem Bildungsaufstieg verbunden sind. Wirklich lesenswert!

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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