Perry Rhodan 2900 und New York 2140 [Medienmenü 11/2017]

Diese Woche lässt sich medientechnisch wohl am Besten mit „viel lesen, ein bisschen spielen und wenig gucken“ zusammenfassen. Daher gibt es ganz einfach drei lange und einen kurzen Roman sowie ein Monstrum von Brettspiel.

Abgeschlossen: Seven Surrenders von Ada Palmer (Roman)

Der zweite Teil dieses zweiten Teils von Ada Palmers Terra Ignota-Reihe hat mir deutlich besser gefallen, als der erste Teil (des zweiten Teils). Hier geht es weniger um eine actionreiche Handlung, bei der einzelne Figuren im Mittelpunkt stehen, sondern um das große Ganze – und hier kann Ada Palmer glänzen.

Anhand von Reden und Verhandlungen schildert sie nach und nach den Niedergang(?) der sieben Hives. Dabei geht es um politische Ideen und Überzeugungen sowie die soziale Struktur der Zukunft; um Menschen und den Krieg, um Gott und die Vorsehung sowie die Abschaffung der Geschlechter.

In beiden Bänden mochte ich diese Abschnitte wesentlich lieber, als die eher handlungsgetriebenen Passagen. Grundsätzlich gibt es für beide Bände aber eine absolute Lese-Empfehlung. Eine ausführliche Besprechung findet ihr bei meinem Phantastik-Podcast.

Abgeschlossen: The Last Days of Night von Graham Moore (“Roman”)

Letzte Woche fehlten mir nur noch ein paar Minuten in dieser “Dramatisierung historischer Ereignisse”. Das Ende hat das Niveau des restlichen Buchs halten können, mich aber nicht vollkommen überzeugt. Hier hat Moore der Versuchung nachgegeben, alles komplett auszuerzählen.. Es gab sogar einen Moment, wo ich dachte: “Was für ein toller Schluss.” Leider war das aber eben noch nicht der Schluss.

Fast schon erleichtert war ich allerdings, als auf die Dramatisierung noch eine extrem umfangreiche Kommentierung des Autors folgte, welche Aspekte historisch verbürgt und welche fikiv sind. Dabei ist noch viel mehr davon wahr, als ich es vermutet hatte, wenn auch teilweise zeitlich und kausal etwas anders sortiert.

Wer sich also auch nur ein bisschen für die Geschichte von Wissenschaft und Industrie interessiert, sollte sich das Buch auf jeden Fall anschauen.

Gelesen: Das kosmische Erbe, Perry Rhodan Band 2900 (Heftroman)

Alle paar Jahre – meist bei runden Nummern – treibt es mich wieder zu der scheinbar endlosen Heftroman-Serie Perry Rhodan, die vor knapp 20 Jahren meinen Einstieg in das Genre begleitet hat. Vom Anfang der 1900-er bis in die 2100-er habe ich wirklich jeden Band gelesen, dann aber in meinem Auslandsjahr den Anschluss verloren und seitdem nicht wieder aufgegriffen. Mal schauen, wie das jetzt wird.

Band 2900 als Einstieg in den neuen Zyklus, der auf das große Highlight – Band 3000 – hinsteuert, hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen: Auf dem Merkur erwacht eine steinerne Armee der Laren, die zusammen mit der letzten Aussage der Superintelligenz ES auf eine große Bedrohung für das Sonnensystem und die Milchstraße hindeutet. Und so macht sich Perry Rhodan mal wieder auf die Reise…

Gespielt Gloomhaven (Brettspiel)

Was für ein Monstrum von Brettspiel: Nicht nur, weil die Verpackung gute 10 Kilo wiegt und vom Volumen her vielleicht vier oder fünf normalen Spielepackungen entspricht. Sie enthält auch mehr als 100 Szenarien, denen sich bis zu vier Mitspieler kooperativ stellen können. Angelegt sind diese Szenarien auf ca. 30 Minuten pro Mitspieler, wobei wir für unser erstes Szenario zu viert gut vier Stunden benötigt haben. Ich hoffe mal, dass sich das mit wachsender Routine noch reduziert…

Gloomhaven ist ein relativ klassischer Dungeon Crawler, in dem ein Spieler eine Figur übernimmt, die ihn dann über mehrere Szenarien hinweg begleitet. Hier nutzt das Spiel Legacy-Elemente, um eine übergreifende Rollenspiel-Kampagne zu simulieren. Die Kampfmechanismen sind eigentlich recht einfach gestrickt, für Komplexität und Denkbedarf sorgen stattdessen der relativ hohe Schwierigkeitsgrad und die notwendige Abstimmung unter den Spielern.

Angefangen: New York 2140 von Kim Stanley Robinson (Roman)

Aktuell lese ich den gerade von Kim Stanley Robinson erschienenen Roman New York 2140, der in derselben Timeline spielt, wie sein großes Sonnensystem-Epos 2312. Hier sind die Menschen allerdings noch nicht so weit in den Weltraum vorgedrungen, sondern müssen sich mit sehr irdischen Problemen auseinandersetzen: der Überflutung New Yorks.

Das Leben in der Stadt – oder zumindest dem Teil, den wir in dem Roman kennenlernen – spielt sich überwiegend in oberen Etagen der Wolkenkratzer ab. Die Menschen bewegen sich über Schwebebrücken oder mit Booten zwischen den Gebäuden, in denen die Menschen enge Gemeinschaften mit Aufnahme-Kommissionen und gemeinsamen Essenssälen bilden.

Die Geschichte hat noch nicht wirklich Fahrt aufgenommen, aber ich mag diesen etwas anderen Roman von Robinson jetzt schon sehr gerne. Weniger episch als Anderes von ihm, aber damit näher an den Figuren und der Welt. Gerade mit seinen vielen POV-Figuren schafft es Robinson daher schon auf den ersten Seiten, dem Leser ein breites Panorama zu vermitteln.

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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