Erfolgreiche(?) Wissenschaft und lebendige Erdbeben [Lesewoche 34/2016]

Eine ereignisarme Woche, außer dass ich natürlich wieder viel zum Lesen gekommen bin. Daher heute kein Foto aber dafür umso mehr spannende Bücher. Ok, nicht ganz so ereignisarm für den geneigten Genre-Leser: Die Hugo-Awards sind vergeben. Ohne große Überraschungen und mit abgeschlagenen Puppies. Mehr zu den Hugos und drei ausführliche Rezensionen gibt es in meinem Podcast.

Abgeschlossen: Play it again von Alan Rusbridger

Am Ende schafft es Rusbridger, das Stück vor einem Publikum zu spielen. Nicht ganz im Plan, aber bei dem Jahr ist das keine Überraschung. Nach hinten heraus geht es dann doch immer mehr um das Stück und musikalische und technische Feinheiten, sodass ich einige Seiten hier zügig überblättert habe.

Nachhaltig in Erinnerung bleiben wird mir die Leidenschaft und Ernsthaftigkeit, die Rusbridger dem Klavierspielen entgegen bringt. Da macht es absolut nichts, dass er das Stück technisch nicht perfekt spielen kann. Seine Reise ist trotzdem ein voller Erfolg, da sie ihm dieses Hobby erneut geöffnet hat.

Abgeschlossen: Black Science Vol. 1

Es hat sich ein wenig gezogen, aber jetzt bin ich auch durch den ersten Band der Comic-Reihe Black Science durch. Einiges daran – Thema, Setting und die raue Atmosphäre – hat mir sehr gut gefallen, die erzählerische und graphische Umsetzung fand ich hingegen nicht immer gelungen: Einige etwas nachlässige Zeichnungen haben das Nachvollziehen der Personen – das mir sowieso immer schwer fällt – unnötig unübersichtlich gemacht. Dadurch geht gerade in den Actionszenen der Lesefluss leider etwas verloren.

Band 2 werde ich mir aber trotzdem zulegen. Ich weiß nur immer noch nicht, ob ich Comics lieber auf Papier oder digital lese…

Begonnen und abgeschlossen: Giants von Sylvain Neuvel

Das ging schnell: keine Woche nachdem ich das Rezensionsexemplar bekommen hatte, war ich auch schon durch. Ein sehr gut geschriebener Techno-Militär-Thriller, der etwas ungewöhnlich erzählt wird: Statt einer Prosaerzählung präsentiert der Autor Gesprächs-, Forschungs- und Untersuchungsprotokolle aus denen man sich als Leser die Geschichte selbst zusammenstellen muss.

Da die Story jedoch sehr einfach konstruiert ist, stellt das kein großes Problem dar. Inhaltlich greift Neuvel einige spannende Themen auf: Was darf Wissenschaft? Was passiert, wenn ein Staat eine übermächtige Waffe bekommt? Klassische Plots, aber in einem sehr modernen Gewand.

Eine ausführliche Rezension gibt es auf Weltenflüstern.

Begonnen: The Fifth Season von N.K. Jemisin

Wo wir gerade bei ungewöhnlichen Erzählweisen sind: N.K. Jemisins erster Band der neuen Reihe – gerade frisch Hugo-prämiert – erzählt große Teile seiner Geschichte in der zweiten Person Singular, spricht den Leser also direkt an. Am Anfang etwas irritierend, aber ich habe mich dran gewöhnt und jetzt macht es Spaß.

Die Geschichte dreht sich um eine Welt, in der verheerende Erdbeben regelmäßig die Zivilisation bedrohen und in der manche Menschen in der Lage sind, die Energie der Erde magisch zu verwerten. Was meist zu verheerenden Konsequenzen führt. Wie bei Jemisin üblich, nicht immer leicht zu lesen aber nach etwas Eingewöhnung gut nachzuvollziehen.

Weiter gelesen: The Hidden Pleasures of Life von Theodore Zeldin

Ein weiteres Essay gelesen: What can the rich tell the poor? Schöne Geschichte über Andrew Carnegie, der trotz seines finanziellen Reichtums sein Leben lang nach Anerkennung gierte. Die Moral, die Zeldin zieht, ist jedoch recht einfach: Wohlstand bemisst sich nicht in Geld allein. Nichts Neues, aber immer gut, wenn man mal wieder daran erinnert wird…

Wie geht es weiter?

Nächte Woche stehen auf jeden Fall weiter Jemisin und Zeldin auf dem Plan. Was danach kommt, weiß ich nicht genau und ob ich einen neuen Comic anfange, wird sich auch zeigen…

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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