Von einer dunklen Stadt und schwierigen Klavierstücken [Lesewoche 32-33/2016]

Letzte Woche waren wir auf dem A Summer’s Tale-Festival in der Lüneburger Heide. Da habe ich mich dann doch eher der Musik und dem guten Essen gewidmet als den Büchern. Dafür durfte ich diese Woche wieder nach Bielefeld pendeln und das bringt einige entspannte Lesestunden…

Abgeschlossen: Ink and Bone von Rachel Caine

Bin zum Ende hin bleibt “Ink and Bone” gut und spannend geschrieben. Es gibt auch noch mehr über die Welt und einige interessante Hintergründe zu entdecken. Dabei rückt das Thema Pflicht und Loyalität weiter in den Mittelpunkt und der Umgang der Bibliothek mit wahrgenommenen Bedrohungen und dem bibliothekarischen Fortschritt.

Insgesamt eine sehr befriedigende Lektüre. Band 2, Paper and Fire, ist gerade erschienen und wird sicherlich demnächst auf meinem Reader landen.

Begonnen und abgeschlossen: The Soul Standard von Caleb J. Ross, Axel Taiari, Nik Korpon und Richard Thomas

Ich weiß gar nicht so wirklich, warum ich mir das Buch gekauft hatte, denn weder sagten mir die Autoren etwas, noch hatte ich darüber gehört oder gelesen. Aber vier Kurzgeschichten in einer dystopischen zukünftigen Großstadt haben mich irgendwie angelacht. Und das war auch gut so.

In den vier Geschichten, die unabhängig voneinander angelegt sind aber in derselben Welt spielen und sich teilweise zeitlich überlappen, lernen wir die vier inoffiziellen Distrikte der Stadt kennen: Den Finanzbereich, das Rotlicht-Viertel (vllt. besser als “Unterstadt” übersetzt), die Vororte und die Geisterstadt.

In dieser Welt gilt Geld (“gold standard”) immer weniger und das alltägliche Leben wird über Gefallen bestritten (“soul standard”). Gleichzeitig spielen Organe, die offiziell und inoffiziell gehandelt werden, eine große Rolle für das Überleben der weniger Wohlhabenden.

Ein sehr eindrucksvolles Buch, in dem es die vier Autoren in sehr unterschiedlichen Geschichten schaffen ein konsistentes und sehr lebendiges Bild einer dystopischen Großstadt zu zeigen.

Weitergelesen: The Hidden Pleasures of Life von Theodore Zeldin

Ich habe jetzt auch wieder ein paar Essays in dem durchaus interessanten Buch von Theodore Zeldin geschafft: How can people lose their illusions about themselves?, What are alternatives to being a rebel? und What can the poor tell the rich?.

Seine wichtigste Aussage bisher ist die Selbständigkeit des Einzelnen, sein eigenes Leben zu leben und sich nicht von außen definieren zu lassen. Gleichzeitig ist es für ihn aber extrem wichtig, dieses eigene Leben ganz eng in den Kontext anderer Leben einzubetten. Also tiefgreifende Gespräche zu führen und so die Lebenswelten anderer kennen und verstehen zu lernen.

Das erscheint mir eine Kombination die sehr mit mir spricht. Ich bin gespannt, was sich noch so für Denkansätze ergeben…

Angefangen: Play it again von Alan Rusbridger

Aktuell lese ich mal etwas, das weder Genre noch Sachbuch ist, sondern ein äußerst spannender Bericht des ehemaligen Chefredakteurs und Herausgebers des britischen Guardian: Innerhalb eines Jahres versucht er als etwas eingerosteter Hobby-Pianist, die als extrem schwierig geltende Ballade Nr. 1 von Chopin zu lernen.

Es gibt aber nicht nur für mich etwas weniger interessante Überlegungen über das Stück oder das Klavierspielen, sondern auch viele spannende Reflexionen über das Musizieren und das Verhältnis zwischen Amateuren und Profis. Und dann ist Rusbridger eben auch noch Chefredakteur des Guardian und muss in dieser Zeit unter anderem die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen durch WikiLeaks koordinieren…

Wie geht es weiter?

Nächste Woche werde ich im Zug definitiv wieder viel zum Lesen kommen. Den Rusbridger dürfte ich also abschließen und auch ein neues Buch beginnen. Vermutlich den ersten Teil von N.K. Jemisins aktueller Reihe: The Fifth Season. Auch den Comic Black Science wollte ich wieder wieder vornehmen.

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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