Von verfluchten Kindern und einer diktatorischen Bibliothek [Lesewoche 31/2016]

Eigentlich hatte ich ja gehofft, die zweite Urlaubswoche auch wieder so viel zum Lesen zu kommen, aber London war dann doch zu spannend und so waren es praktisch nur zwei Lesetage diese Woche. Dafür viel Gebummel durch Buchhandlungen und einige spannende Neuerwerbungen.

Außerdem habe ich in London die Theaterumsetzung von “The Curious Incident of the Dog in the Night Time” von Mark Haddon gesehen. Das war wirklich Theater von einem anderen Stern…

Nun aber zu Buchstaben auf Papier:

Begonnen und abgeschlossen: Harry Potter and the Cursed Child von J.K. Rowling (Theater-Skript)

In Schottland natürlich gleich vorbestellt und für den halben Preis bekommen, ist das Buch trotz seiner 350 Seiten schnell gelesen. Es ist eben tatsächlich ein reines Theaterskript mit Dialogen und einigen wenigen Regieanweisungen.

In erster Linie ist das Stück ein gigantischer Fanservice, in dem einige spannende Dinge verarbeitet werden: besonders das erwachsene Leben der Helden unserer Jugend. Abseits davon konnte mich die Geschichte nicht wirklich überzeugen, weil sie doch einige klaffende Logiklöcher hat.

Die Inszenierung im Londoner Palace-Theater möchte ich mir aber auf jeden Fall nächstes Jahr anschauen. Besonders nachdem ich in “The Curious Incident” gesehen habe, was im Londoner Westend möglich ist.

Angelesen: Germany: Memories of a Nation von Neil MacGregor (Non-Fiction)

Am besten versteht man sein eigenes Land vielleicht, wenn man einen Blickwinkel von außerhalb einnimmt. Deswegen stand das Buch von dem britischen Deutschlandkenner Neil MacGregor schon länger auf meiner Liste. Als Taschenbuch auf Englisch und zum Sonderpreis konnte ich dann wirklich nicht daran vorbei.

Das erste Kapitel ist auch schon äußerst interessant und zeigt an verschiedenen Triumphbögen in Frankreich und Deutschland das ambivalente Verhältnis “der Deutschen” zu ihrer Geschichte und ihrem Land auf.

Angelesen: The Invention of Nature von Andrea Wulf (Non-Fiction)

Das zweite Buch von meiner “Irgendwann”-Liste als Taschenbuch im Sonderangebot ist diese Biographie von Alexander von Humboldt. Im ersten Kapitel formuliert Andrea Wulf das Ziel herauszuarbeiten, wie bedeutend Humboldt für unser heutiges Verständnis der Natur als komplexes System war und ist.

Begonnen: Black Science Vol. 1: How to Fall Forever (Comic)

Auch erst ein paar Seiten habe ich von diesem spannenden Comic gelesen. Aber wenn in einer der ersten Sprechblasen bereits von “the perfect sequence of catastrophic decisions” die Rede ist, bin ich zuversichtlich, dass mir auch die weiteren Seiten gefallen werden.

Begonnen: Ink and Bone von Rachel Caine (Roman)

In dem Roman bin ich jetzt ungefähr bei der Hälfte und bislang gefällt er mir ziemlich gut. Er spielt zwar in unserer Zeit, aber in einer Welt, in der die Bibliothek von Alexandria nicht zerstört wurde. Stattdessen hat sie sich im Laufe der Zeit zu einer Art Staat mit dem Monopol über das geschriebene Wort entwickelt. Bücher sind normalen Bürgern verboten und werden geschmuggelt und auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Sie dürfen offiziell nur unter strengen Bedingungen in einer der Außenstellen der Bibliothek eingesehen werden.

Hauptfigur ist der junge Jess, der von seiner Schmugglerfamilie nach Alexandria geschickt wird, um dort eine Ausbildung zu durchlaufen und als Spion der Familie in der Bibliothek agieren zu können.

Bislang gefällt mir insbesondere die Konstruktion der Welt, in der Wissen zentralisiert und monopolisiert ist. Es überrascht mich aber, dass trotz fast zweitausend Jahren alternativer Entwicklung diese Welt unserer doch sehr ähnelt.

Wie geht es weiter?

Da ich diese Woche unterwegs bin, weiß ich nicht, wie viel ich zum Lesen komme. “Ink and Bone” sollte ich aber auf jeden Fall ebenso abschließen können wie den ersten Band von “Black Science”. Mal schauen, vielleicht komme ich auch dazu, mich einem der Sachbücher ausführlicher zu widmen.

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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