Vier Ideen aus „Schwarmdumm“ von Gunter Dueck

Gunter Dueck: Schwarmdumm (Campus, 2015)

Gunter Dueck: Schwarmdumm (Campus, 2015)

Teams und Meetings stehen neben der Fixierung auf Kennzahlen im Mittelpunkt des modernen Managements. In seinem Buch Schwarmdumm befasdt sich der Mathematiker und ehemalige IBM-Topmanager Gunter Dueck mit genau diesen „Methoden“ und nimmt sie genüsslich auseinander:

  1. Unternehmen und Manager verlieren den Blick für wahre Exzellenz. Im Mittelpunkt steht nicht ein möglichst gutes Produkt oder eine hervorragende Dienstleistung, sondern ein relativer Vergleich mit den direkten Konkurrenten. So haben Unternehmen keinen objektiven Maßstab für Exzellenz, sondern denken ihre Produkte immer im Vergleich zu anderen Unternehmen. Das exzellent wird so zum gut genug.
  2. Unternehmen blicken auf Effizienz statt Exzellenz. Nicht das Produkt oder die Dienstleistung steht im Mittelpunkt des Unternehmens, sondern eine möglichst effiziente Organisation. So werden Mitarbeiter auf allen Ebenen chronisch überlastet und können nur noch reagieren, da ihnen für überlegtes agieren die Zeit und Energie fehlt. Das gilt insbesondere für Managementpositionen, die sich nur noch hektisch um akute Krisen kümmern können und den ruhigen Blick auf das Gesamtbild verlieren.
  3. Kennzahlenfixierte Anreizsysteme sorgen für kurzfristiges Abteilungsdenken. Anreizsysteme, die sich auf einzelne Kennzahlen in einem kleinen Verantwortungsbereich beziehen, bringen die Mitarbeiter dazu, ihre Arbeit genau auf diese Kennzahlen auszurichten und dabei den Blick auf das gesamte Unternehmen, das Produkt oder den Kunden zu verlieren. Es geht ihnen in erster Linie darum, dass sie selbst oder ihre Abteilung gut dastehen, nicht um eine Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen im Sinne des gesamten Unternehmens.
  4. Vielen Unternehmen fehlt die verbindende Vision, die allen Mitarbeitern eine klare Richtung vorgibt. Zentrale Aufgabe von Unternehmen ist die Koordination ihrer Mitarbeiter im Hinblick auf eine kollektive Anstrengung, ein großes Ganzes, ein gemeinsames Ziel. Dazu bedarf es einer gemeinsamen Vision, mit der sich alle grundsätzlich identifizieren können. Aus dieser Vision sollten sich dann auch die Leitlinien des Handelns im Unternehmen ergeben, sodass ständiges Mikromanagement unnötig wird.

Schwarmdumm ist sicherlich das Buch von Gunter Dueck, das bisher für das meiste Aufsehen gesorgt hat. Dabei ist vieles von dem, was er schreibt, keineswegs neu oder sonderlich innovativ. Gunter Dueck ist als ehemaliger Manager von IBM jedoch in der Lage, diese Ideen in eine Sprache zu übersetzen, die gerade in Unternehmen verstanden wird, und verfügt gleichzeitig über die notwendige Glaubwürdigkeit in diesen Kreisen. Er schreibt eben nicht aus dem akademischen Elfenbeinturm, sondern reflektiert sein eigenes Berufsleben. Zusammen mit seiner äußerst angenehmen und unterhaltsamen Schreibweise macht dies Schwarmdumm zu einem wichtigen Buch. Lesen.

Nils Müller
bringt nicht nur anderen Schreiben bei, sondern schreibt auch selbst leidenschaftlich gerne. Als Soziologe interessiert er sich für die Gesellschaft genauso wie für Wissenschaft und die Frage nach dem guten Leben. Er lebt und liest in Dortmund, Bielefeld und auf dem Weg im ICE. Mehr zu ihm gibt es unter nilsmueller.info

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