Kategorie: Argumente

Mario Vargas Llosa über eine orientierungslose Moderne

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Feuilletonist oder selbsternannter bzw. zugeschriebener Intellektueller seinem Unbehagen über “das Internet”, “die Jugend” oder gleich “die Welt” Ausdruck verleiht. Ein weiterer Versuch stammt von dem peruanischen Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa.

In seinem Buch-Essay Alles Boulevard setzt sich Mario Vargas Llosa mit dem Ende der “Kultur” auseinander. Dabei wird schnell klar, dass er ein sehr klassisches Verständnig dieses Begriffs pflegt: Für ihn ist “Kultur” nicht allgemein jeder Ausdruck alltäglichen Lebens, sondern die formale künstlerische Manifestation, die sich selbst als eingebettet versteht in eine lange Geschichte und in die Tradition der entsprechenden Kunst.

In seiner Argumentation zum Ende der Kultur und der absoluten Boulevardisierung schießt er an zahlreichen Stellen über das Ziel hinaus und offenbart ein paradoxerweise äußerst eurozentrisches Weltbild, in dem er gar die kolonialen Begrifflichkeiten von “höheren” und “niederen” Kulturen verteidigt. Dies macht die Lektüre des Buches stellenweise äußerst anstrengend, ist jedoch selbst ein Ausdruck der tiefen Unsicherheit über die in seinen Augen orientierungslose Moderne, die er in dem Buch thematisiert.

Das Ende der Gewissheiten

Mario Vargas Llosa: Alles Boulevard (978-3518465264

Mario Vargas Llosa: Alles Boulevard (978-3518465264

[dc]V[/dc]argas Llosa beginnt seine Argumentation, indem er seinen Begriff der “Kultur” ausarbeitet. Diese ist für ihn nicht ein allgemeiner Begriff für Denkweisen, Routinen und Alltagsleben, sondern vielmehr eine spezifische soziale Sphäre. Diese ist von klaren Regeln, impliziten Erwartungen und definierten Formen geprägt, welche sich im Laufe der Zeit in der intellektuellen wie öffentlichen Debatte entwickeln.

Im Mittelpunkt der “Kultur” scheint für ihn dabei die “Kunst” zu stehen, also die Behandlung universeller menschlicher Zustände in der Form von Kunstwerken. Diese transportieren ihre Inhalte dabei nicht nur durch den unmittelbaren Ausdruck, sondern auch durch den Zusammenhang, in dem sie entstanden sind und in den sie gestellt werden. Was sie gegenüber dem heutigen “Entertainment” jedoch auszeichnet, ist ihr Anspruch auf zeitliche Transzendenz und Allgemeingültigkeit:

Der wesentliche Unterschied zwischen der vergangenen Kultur und dem heutigen »Entertainment« ist, dass früher ein Werk beanspruchte, die Gegenwart zu transzendieren und zu überdauern, in den kommenden Generationen lebendig zu bleiben, während die neuen Produkte hergestellt werden, um augenblicks, wie Kekse oder Popcorn, konsumiert zu werden und zu verschwinden. (S. 29)

Diese Dauerhaftigkeit und Beständigkeit sei der modernen Boulevardkultur abhanden gekommen. Vargas Llosa begrüßt zwar die allgemeinere Verfügbarkeit und breitere Zugänglichkeit von dem, was er Kultur nennt, wirft ihr jedoch gleichzeitig Beliebigkeit vor. Die stark formalisierte Kultur, welche nur mit einem hohen Maße an Vorbildung zu verstehen war, ist in seinen Augen der kurzfristigen Ausrichtung auf den aktuellen Geschmack der Menschen gewichen. Damit wird Kultur zwar offener aber eben auch undefiniert und dezentriert:

Wir wollten mit den Eliten aufräumen, denn das Privilegierte, Abwertende, Diskriminierende, das uns mit unseren egalitären Idealen allein schon aus diesem Begriff entgegenhallte, war uns moralisch zuwider, und im Laufe der Zeit haben wir auf verschiedene Weise diese exklusive Bande von Schulmeistern, die sich für etwas Besseres hielten und stolz Wissen. Werte und Geschmack für sich reklamierten, bekämpft und aufgerieben. Aber was wir erreicht haben, war ein Pyrrhussieg, ein Heilmittel, das schlimmer ist als die Krankheit: zu leben in einer verwirrten Welt, in der paradoxerweise, weil niemand mehr weiß, was sie eigentlich bedeutet, Kultur nun alles ist und nichts. (S. 69-70)

“Na und?”, könnte man jetzt fragen, “Warum soll denn Kultur nicht alles und nichts sein können? Nicht situativ und beliebig definiert und interpretiert werden und schließlich als die soziale Konstruktion aufgedeckt werden, die sie ist?”

Wir wissen so viel wie nie zuvor, was aber ist mit den großen Fragen?

[dc]F[/dc]ür Vargas Llosa ist die Antwort auf diese Fragen klar: Er sieht in der klassischen Kultur eine Art Spiritualität, die nach dem Verschwinden der Religion deren Platz einnehmen könnte. Für ihn ist “Kultur” ein Vehikel ethischer und moralischer Übereinkünfte, ein Ausdruck von Sinn und Bedeutung und damit schließlich von Orientierung. Sie bildet eine Grundlage für die freie Interaktion und die Entfaltung des Einzelnen. Sie schafft den notwendigen Rahmen für künstlerischen Ausdruck und gesellschaftliche Debatten und enthebt sie der kurzfristigen medialen Aufmerksamkeit, um für ein Mindestmaß an Stabilität zu sorgen:

Nie haben wir in einem an wissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Neuerungen so reichen Zeitalter gelebt wie heute, noch in einem, das besser gerüstet gewesen wäre, um Krankheiten, Unwissenheit und Armut zu besiegen; und gleichwohl waren wir vielleicht nie so ratlos, wenn es um fundamentale Fragen geht wie: Was tun wir auf diesem unserem Gestirn ohne eigenes Licht, wenn das bloße Überleben das einzige Ziel und die alleinige Rechtfertigung für das Leben ist? Bedeuten Wörter wie Geist, Ideal und Solidarität, Liebe und Lust, Kunst und Schöpfung, Schönheit, Seele, Transzendenz noch etwas, und wenn ja, was? Aufgabe der Kultur war es, eine Antwort auf solche Fragen zu geben. Heute ist sie dergleichen Verantwortung enthoben, denn wir haben aus ihr etwas sehr viel Oberflächlicheres und Flüchtigeres gemacht: eine Form des Zeitvertreibs für das große Publikum oder ein rhetorisches, okkultes und obskurantes Spielchen für eitle Zirkel von Akademikern und Intellektuellen, die der Gesellschaft die Schulter zeigen. (S. 214)

Für Vargas Llosa untergräbt die Boulevardisierung der “Kultur” die Grundlagen unserer modernen Welt. Noch sei vielen nicht bewusst, welche zentrale Rolle stabile Gewissheiten und etablierte Fundamente auch für uns moderne Menschen spielen. Schwindet nach der Religion – deren Verdrängung in das Private er explizit gutheißt – nun auch die Kultur fehlt uns in seinen Augen der Boden unter den Füßen.

Licht im dunklen Mittelalter

Das europäische Mittelalter gilt allgemein als eine dunkle Zeit für die Wissenschaft, in der Armut und religiöses Dogma sämtlichen wissenschaftlichen Fortschritt verhindert haben. Mit der Zerstörung der Großen Bibliothek von Alexandria (bis zum 5. Jahrhundert) und der Eroberung der Stadt durch die Araber (im Jahr 642) endete dieser Ansicht nach die Ära des wissenschaftlichen Denkens in Europa und das Zentrum der Gelehrsamkeit verlagerte sich in den Nahen Osten.

John Freely spürt in seinem Buch Aristoteles in Oxford nun der mittelalterlichen Wissenschaft in Europa nach. Dabei stellt er die These auf, dass das Mittelalter für die Wissenschaftt keineswegs eine verlorene Zeit war, sondern in den Jahrhunderten zwischen dem Niedergang des Römischen Reichs und der italienischen Renaissance wichtige Grundlagen für das gelegt wurden, was gerne als “wissenschaftliche Revolution” bezeichnet wird.

Der Beginn der europäischen Wissenschaft in der karolingischen Renaissance

John Freely: Aristoteles in Oxford (Klett-Cotta 2014, 978-3-608-94854-7)

John Freely: Aristoteles in Oxford (Klett-Cotta 2014, 978-3-608-94854-7)

Auch für Freely stellte der Verlust der umfangreichsten Sammlung des griechisch-europäischen Wissens in Alexandria eine Zäsur der Geistesgeschichte Europas dar. Nur wenige Schriften überlebten die Zerstörung der Bibliothek und die Eroberung der Stadt durch die Araber und wurden nach Konstantinopel gebracht. Doch dieses Eregnis leitet in seinen Augen keineswegs ein oftmals beschworenes “dunkles Zeitalter” ein:

So hinterließ das klassische Wissen im nachfolgenden frühen Mittelalter nur ein schwaches Licht – eben das, was dem Brand der großen Bibliothek von Alexandria entging. Auch wenn der damalige Wissensstand nicht sehr hoch war, so wurden doch erste Schritte in Richtung einer geistigen Wiederbelebung des Abendlandes unternommen. (S. 47)

Den wichtigsten dieser Schritte markierten für Freely die Bildungsreformen Karls des Großen, die oftmals unter dem Begriff der “karolingischen Renaissance” zusammengefasst werden: beispielsweise die Einrichtung einer Hofbibliothek mit kirchlichen wie klassischen griechischen Texten oder die Förderung der Gelehrtenarbeit in den Klöstern. Auch wenn hierbei höfische und elitäre Gelehrsamkeit im Mittelplunkt standen, legte die karolingische Renaissance den Grundstein für die Entwicklung allgemeinerer Bildungsbemühungen wie der Domschulen des 9. und 10. Jahrhunderts und schließlich der Universitäten. Vorerst blieben jedoch der kaiserliche Hof und kirchliche Einrichtungen die Zentren wissenschaftlicher Arbeit.

Inspiration durch die griechisch-islamische Wissenschaft

Ein weiterer wichtiger Faktor, der die europäische Wissenschaft des Mittelalters geprägt hat, war der immer stärkere Kontakt mit der islamischen Wissenschaft, die sich mitterweile insbesondere im Anschluss an die Arbeiten Aristoteles herausgebildet hatte:

Zum Beginn des zweiten Jahrtausends war aus der Kollision der Kulturen ein Kontakt, ja eine Begegnung der Kulturen geworden, denn die damals florierende islamische Wissenschaft floss in die im Abendland neu entstehende Wissenschaft mit ein, wobei nicht nur das von den Griechen Gelernte weitergegeben wurde, sondern auch die genuinen Werke islamischer Gelehrter. Die Auswirkungen waren enorm: Sobald die Lateiner über das griechisch-islamische Wissen verfügten, erlebte die abendländische Wissenschaft einen wahren Modernisierungsschub. (S. 74-75)

Die größte Barriere stellte dabei die Sprache dar: während die klassischen Texte und teilweise auch die darauf aufbauenden islamischen Arbeiten durchaus auf griechisch vorlagen, bedurfte es langwieriger Anstrengungen, diese auch der lateinisch geprägten höfischen und kirchlichen Wissenschaft zugänglich zu machen.

Die Emanzipation von Aristoteles und der Konflikt mit der Kirche

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Thomas von Aquin (Auszug aus einem Altarbild von Carlo Crivelli, 1476)

Eines der zentralen Probleme der europäischen Wissenschaft des Mittelalters waren die Widersprüche zwischen dem aristotelischen Weltbild und der kirchlichen Doktrin. Erst Thomas von Aquin gelang es im 13. Jahrundert diese in einer Form auflösen, welche es ermöglichte, wissenschaftliche Arbeit auf der Grundlage aristotelischer Ideen in Übereinstimmung mit der Glaubenslehre durchzuführen. Damit wurde es auch möglich, sich intensiver direkt mit den klassischen Arbeiten der Griechen auseinanderzusetzen:

Bis zum 12. Jahrhundert war die abendländische Kultur so weit gediehen, dass man sich nicht mehr mit den Werken der griechisch-arabischen Wissenschaft zufrieden geben wollte. Jetzt suchte man nach Übersetzungen direkt aus dem Griechischen. Man wollte das Wissen und Denken der klassischen und hellenistischen Philosophen und Wissenschaftler tiefer durchdringen. (S. 105)

Nachdem der Konflikt zwischen dem christlichen und dem aristotelischen Weltbild weitestgehend beigelegt war, begannen europäische Wissenschaftler nach und nach, die Ideen des Aristoteles aus einem empirischen Blickwinkel zu überprüfen. Die dabei auftretenden Widersprüche führten jedoch zu einem erneuten Aufbrechen einer Konfliktlinie zwischen Wissenschaft und kirchlichem Glauben. Gleichzeitig legten sie jedoch den Grundstein für den plötzlichen Aufschwung der empirisch basierten Wissenschaft:

Doch obwohl die höhere Bildung und die wissenschaftliche Forschung in Europa weiterhin im Aristotelismus wurzelten und viele Gelehrte in ihrem Denken darin verankert blieben, begannen bei Anbruch des 13. Jahrhunderts einige von ihnen, eine neue Naturphilosophie und eine wissenschaftliche Methode zu entwickeln, die sich auf Beobachtungen und Experimente stützte – ein Balanceakt am Rande des Konflikts mit der Kirche. (S. 136)

Einen Höhepunkt erreichte dieser Konflikt in der Entdeckung und des späteren empirischen Nachweises des heliozentrischen Weltbildes, welches das dominierende geozentrische Weltbild widerlegte: nicht die Erde, sondern die Sonne bildet das Zentrum der Bewegung der nahen Himmelskörper. Es war Nikolaus Kopernikus, der Mitte des 16. Jahrhunderts die mathematische Ausarbeitung dieser Theorie vorstellte, welche zu Beginn des 17. Jahrhunderts durch die Beobachtungen Galileo Galileis unterstützt wurde und schließlich im 18. und 19. Jahrhundert endgültig nachgewiesen werden konnte.

Freely macht in seinem Buch detailreich deutlich, dass die wissenschaftliche “Revolution” in Europa keineswegs revolutionär war, sondern die Konsequenz einer kontinuierlichen Entwicklung der wissenschaftlichen Arbeit auch in Europa. Die Konflikte mit der Kirche und der Verlust des Zugangs zu dem klassisch-griechischen Wissen mögen die Entwicklung verzögert haben, sie erzeugten aber nicht – wie oft kolportiert – ein “dunkles” Zeitalter, in dem das Licht der Wissenschaft vollkommen erlosch.

Gebt der Wissenschaft ihre Magie zurück!

Von außen betrachtet wirken die Naturwissenschaften wie ein Geheimbund, der sich in seiner eigenen Sprache mit Fragen befasst, die kaum ein Außenstehender nachvollziehen kann. Doch was, wenn wir Wissenschaft als eine menschliche Aktivität begreifen, die der Kunst nicht unähnlich ist: eine Annäherung an eine geheimnisvolle Welt, die der Mensch sich erfahrbar machen will?

Es ist noch nicht lange her, dass der Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer sich in einem Streitgespräch für Spiegel Online mächtig in die Nesseln gesetzt hat. Der äußerst kritische Tenor des Gesprächs gegenüber Wissenschaftsblogs und etablierten Einrichtungen der Wissenschaftskommunikation in Deutschland hat, wie zu erwarten, im Netz für zahlreiche Reaktionen gesorgt: Den vorgeschobenen Konflikt zwischen Journalismus und Blogs nehmen Markus Pössel, Alexander Gerber und Florian Freistätter enerviert auseinander und Sören Schewe demontiert den altbekannten Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit von Blogs.

So weit, so gewohnt. Der spannende Punkt dieses Gesprächs liegt in meinen Augen jedoch in den Aussagen Fischers zu dem etablierten System der Wissenschafts-PR und -Kommunikation, auf die beispielsweise Jens Rehländer reagiert. Auf den ersten Blick wirkt Fischers Aussage, “Das Nichtvermitteln von Wissenschaft wurde vom organisierten Nichtvermitteln von Wissenschaft abgelöst”, tatsächlich äußerst polemisch, doch wer sich ausführlicher mit seinen theoretischen Überlegungen zur Vermittlung von Wissenschaft an Außenstehende befasst, der kann den äußerst bedenkenswerten Hintergrund dieser Aussage erkennen.

Wissenschaft wirkt wie eine ungeliebte und irrelevante Parallelwelt, die nur Eingeweihten zugänglich ist

Eröffnung der Wiener Weltausstellung am 1. Mai 1873. Holzstich nach einer Zeichnung Vinzenz Katzlers.

Eröffnung der Wiener Weltausstellung am 1. Mai 1873. Holzstich nach einer Zeichnung Vinzenz Katzlers.

In seinem aktuellen Buch Die Verzauberung der Welt setzt sich Ernst Peter Fischer ausführlich damit auseinander, in welcher Weise die Erkenntnisse und die Faszination der Naturwissenschaften auch Außenstehenden vermittelt und deutlich gemacht werden können. Dabei äußert er unter anderem sein Unbehagen darüber, dass die Naturwissenschaften in den Kreisen, die in der Öffentlichkeit als intellektuell wahrgenommen werden, geringschätzig betrachtet oder zumindest geflissentlich ignoriert werden:

Es gehört zu den Peinlichkeiten in der öffentlichen Rede zur Kultur, dass immer noch die Frage aufgeworfen werden kann, ob die Naturwissenschaften zur Kultur gehören und zur Bildung von Menschen beitragen. (S. 202)

Dabei steht es außer Frage, dass die Wissenschaft nicht nur die technische Entwicklung vorangetrieben hat, sondern auch einen wichtigen Treiber der kulturell-geistigen Entwicklung insbesondere des letzten Jahrhunderts darstellt. Erinnert sei hier an die Wunder der ersten Weltausstellungen oder das Rennen um die Eroberung des Weltraums. Heute hat die Wissenschaft diese Ausstrahlung und Fanszinationswirkung in der Breite verloren. Sie wirkt vielmehr wie eine langweilige Geheimgesellschaft.

Ernst Peter Fischer: Die Verzauberung der Welt  (Siedler 2014, 978-3-88680-981-3)

Ernst Peter Fischer: Die Verzauberung der Welt (Siedler 2014, 978-3-88680-981-3)

Das führt dazu, dass wissenschaftliche Themen in der Öffentlichkeit kaum mehr diskutiert werden. Dabei soll es in solchen Debatten nicht um die Präzision einer neuen Messmethode oder die Angemessenheit eines teilchenphysikalischen Modells gehen, sondern um die Rolle der Wissenschaft in der Gesellschaft, um das öffentliche Interesse an den Ergebnissen ihrer Arbeit und die Entwicklung des gesellschaftlichen Systems Wissenschaft. Bislang stehen hier meist Fachwissenschaftler allgemein wissenschaftkritischen oder -ignoranten “Intellektuellen” gegenüber. Fischer erhofft sich hingegen die Entwicklung einer neuen Klasse wissenschaftlich wie kulturell gebildeter und gesellschaftlich aufmerksamer “Wissenschaftskritiker” in der Analogie zur klassischen Literaturkritik:

Wissenschaftskritiker sollten die Wissenschaft so wertschätzen und lieben wie Literaturkritiker die Literatur, und sie sollten ihre Ergebnisse (Fragestellungen, Relevanz, alternative Verteilung der Fördermittel) erörtern, um eine bessere Wissenschaft zu ermöglichen. (S. 231)

Damit eine fundierte öffentliche Diskussion in Gang kommt, müssen sowohl die Wissenschaft als auch die breitere Gesellschaft realisieren, worauf der französische Philosoph und Soziologie Bruno Latour bereits seit einiger Zeit hinweist: Wissenschaft ist mehr als nur die objektive Beobachtung, sie ist ein zentraler Teil unserer sozialen Welt und das geronnene Ergebnis von hunderten Jahren sozialer Aushandlungsprozesse. Und sie ist trotz aller Ansprüche der Objektivität bis heute geprägt von Leidenschaften und Emotionen. Der Umgang mit ihren Resultaten beeinflusst das Leben aller Menschen und muss somit unter allgemeiner Beobachtung stehen, die sich nicht auf wissenschaftsimmanente Kriterien beschränkt. Dass diese Sicht vielen Naturwissenschaftler fremd und vielleicht sogar bedrohlich erscheint, ist verständlich, erinnert jedoch daran, wie sehr sie sich bislang der öffentlichen Beobachtung entziehen konnten.

Um Außenstehende anzusprechen, muss die menschliche Dimension der Wissenschaft herausgestellt werden

Damit eine solche Debatte über die Wissenschaft und ihre Entwicklung in Gang kommen kann und Wissenschaftskritik nicht länger die Domäne polternder Verschwörungstheoretiker und esoterischer Pseudowissenschaftler bleibt, muss die Wissenschaft und insbesondere die Wissenschaftskommunikationen sich einer Sache besinnen:

Menschen sind primär nicht rational urteilende, sondern sinnlich wahrnehmende – also ästhetisch empfindsame Wesen, die sich ganz selbstverständlich darum bemühen, das Schöne in der Welt zu entdecken. (S. 10)

Diese Eigenschaft, das Streben der Menschen nach Schönem und dem sinnlichen wie geistigen Erfahren der Welt kann sich moderne Wissenschaftskommunikation zunutze machen, indem sie die handelnden Personen, ihre Gefühle und ihre Leidenschaften stärker herausstellt. Dabei geht es nicht um Starkult oder Homestories, sondern um die Möglichkeit, sich mit Menschen zu identifizieren, sich mit ihnen verbunden zu fühlen und von ihnen faszinieren zu lassen. All dies sind Dinge, die eine elegante Gleichung nur bei wenigen Personen zu leisten in der Lage ist:

Wissenschaft kommt schließlich nicht nur aus dem Kopf, sondern auch aus dem Herzen, und was liegt näher, als die beiden sich ergänzenden Quellen unseres Erkenntnisvermögens auch dann einzusetzen, wenn es darum geht, die Wissenschaft so zu vermitteln, dass etwas zu verstehen ist. (S. 206)

Wissenschaft muss nicht leichter erklärt, sondern in eine menschliche Qualität transformiert werden

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Eine stärkere Betonung der emotionalen und menschlichen Seite der Wissenschaft muss jedoch nicht bei einer Pesonalisierung stehenbleiben. Auch komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse können einem breiteren Publikum verständlich gemacht werden. Dabei wendet sich Fischer jedoch gegen die klassische Wissenschaftsvermittlung der vereinfachten Erklärung oder der Analogie. Ihm geht es nicht darum, dass Nicht-Wissenschaftler den Gedankengang der Forscher nachvollziehen oder das spezifische Modell in Ansätzen verstehen können. Er möchte das Gefühl und die Erfahrung vermitteln, die Wissenschaftler mit ihrer Arbeit verbinden:

Wenn Döblin sich beklagt, dass er den Kosmos nicht verstehen kann, weil er mit den mathematischen Begriffen nicht zurechtkommt, dann versucht er ein grundlegendes Bedürfnis durch ein unpassendes Argument zu rechtfertigen. Man muss ihm keinen Nachhilfeunterricht in Tensoranalysis geben. Man muss ihm ein Symbol oder ein Bild vorlegen, das seine Wahrnehmung anspricht, und zwar so, dass dabei das Bild des Kosmos entsteht, das Einstein versteht. (S. 219)

Dabei lässt sich vielleicht eine Analogie in der Übersetzung von Poesie in eine andere Sprache sehen: Anstelle ein Gedicht in eine vereinfachte Form der Ausgangssprache zu überführen, wählt der Übersetzer im Idealfall die Worte der Zielsprache, die vor deren kulturellen Hintergrund ähnliche Empfindungen hervorrufen. Ein schönes Beispiel für eine solche Übertragung aus der Wissenschaft findet Fischer in einem Brief Heinrich von Kleists aus dem Jahr 1800:

Dann schildert der Dichter, wie er sinnend durch ein gewölbtes Tor in die Stadt Würzburg gelangt, um sich plötzlich zu fragen, warum »sinkt wohl das Gewölbe nicht ein, da es doch keine Stütze habe«. Wir gewöhnlichen Sterblichen hätten vielleicht von Kräfteparallelogrammen und der Stabilität von Mörtel gesprochen und brav wissenschaftliche Grunde angeführt. Kleist jedoch denkt weiter: »Es steht, antwortete ich, weil alle Steine auf einmal einstürzen wollen«, und er gewinnt daraus sogar eine Hoffnung für sein Leben, nämlich die, »daß auch ich mich halten würde, wenn alles mich sinken läßt«. (S. 244)

Auch wenn es dem nüchternen Wissenschaftler unangemessen vorkommen mag, eine solche poetische Darstellung ist vielen Menschen näher, als eine abstrakt-mathematische. Natürlich ist eine solche Übertragungsleistung eine anspruchsvolle Aufgabe und wer sie auf sich nimmt, braucht einen Fuß in beiden Welten: in der Welt der abstrakten Ideen, der wissenschaftlichen Methodik und der Sprache der Mathematik ebenso wie in der Welt der ausdrucksstarken Bilder, der bedeutungsreichen Sprache und der menschlichen Emotionen. Er (oder sie) muss Staunen auslösen und Leidenschaften einfangen können, die in der wissenschaftlichen Diskussion als fremd angesehen und in den Bereich des Privaten verdrängt werden. Damit ändert sich dann möglicherweise auch das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation:

Bisher gilt Wissenschaft als schwer und die Vermittlung als einfach. Vielleicht ist es gerade umgekehrt. Vielleicht ist die Vermittlung von Wissenschaft schwer […]. (S. 261)

Hinter Fischers scharfen Aussagen zur Wissenschafts-PR steht demnach eine alternative Idee von der Vermittlung von Wissenschaft. Es braucht vermutlich keine Abschaffung des Bestehenden, aber vielleicht würde eine Betonung der von Fischer hervorgehobenen Seite in der Wissenschaftskommunikation dieser auch eine Aufwertung ihrer Rolle und ihres Status in der öffentlichen Diskussion bedeuten.

Die Vermessung der Welt und das Ende des gesunden Menschenverstandes?

Die Liste der Bücher, die sich mit dem digitalen Wandel auseinandersetzen, wird von Jahr zu Jahr länger. Mit Chistoph Kucklick hat sich nun auch der Chefredakteur der Zeitschrift GEO dieses Themas angenommen und einen sehr inspirierenderen Zugang gefunden: Er beschränkt sich nicht darauf, die Revolution der Wirtschaft oder der Medien zu propagieren, sondern nimmt den allgemeinen gesellschaftlichen Wandel in den Blick.

Dabei positioniert er sich weder auf der Seite der Digital-Enthusiasten noch auf der der kulturpessimistischen analogen Bewahrer, sondern nimmt eine angenehme Mittelposition ein, die die digitale Entwicklung im Allgemeinen begrüßt, jedoch auf mögliche Probleme und Fehlentwicklungen hinweist. So stehen im Mittelpunkt seines Buches Die granulare Gesellschaft drei Revolutionen: die Differenz-Revolution, die Intelligenz-Revolution und die Kontroll-Revolution. Dabei leitet er den titelgebenden Begriff der “granularen Gesellschaft” in erster Linie aus der Differenz-Revolution ab.

Die Differenzrevolution in der digitalisierten Gesellschaft

Christoph Kucklick: Die granulare Gesellschaft. (Ullstein 2014, 978-3-550-08076-0)

Christoph Kucklick: Die granulare Gesellschaft. (Ullstein 2014, 978-3-550-08076-0)

Das zentrale Merkmal des digitalen Wandels ist für Kucklick nicht der universelle Zugang zu Informationen, Unterhaltungsmedien oder dem “Long Tail” der Produkte, sondern die generierte Datenmenge:

Digitalisierung bedeutet vor allem: Wir selbst und unsere Gesellschaft werden auf neue Weise vermessen. Unser Körper, unsere sozialen Beziehungen, die Natur, unsere Politik, unsere Wirtschaft – alles wird feinteiliger, höher auflösend, durchdringender erfasst, analysiert und bewertet denn je (S. 10)

Dabei werden diese Daten nicht in der Form klassischer Umfragen oder Stichprobenerhebungen gewonnen, sondern ergeben sich in den meisten Fällen als Datenspuren aus unserem alltäglichen Handeln: Freundschaften in sozialen Medien, Positionsdaten von Smartphones oder Telemetriedaten des Autos.

Solchermaßen erhobene Daten können in unterschiedlicher Weise genutzt werden, um spezifische Informationen über Einzelne oder Gruppen zu gewinnen; beispielsweise die soziale Einbettung, alltägliche Mobilitätsmuster oder der persönliche Fahrstil. Diese Informationen können uns wiederum zurückgespiegelt werden und damit in unserem Handeln und Leben beeinflussen. Durch ihre vorgebliche “Objektivität” erhalten sie gar ein besonderes Gewicht:

Die schnellen Maschinen erzeugen einen enormen Druck. Wir werden »tiefen« Beobachtungen ausgesetzt, die wir angesichts der vermeintlichen »Objektivität« der Daten nur schwer abweisen können, und die uns rasche Verhaltensänderungen abnötigen. (S. 27)

Solche Informationen können durchaus in unserem Sinne sein, wenn sie unseren Interessen entsprechend eingesetzt werden. Gerade die Quantified-Self-Bewegung legt großen Wert darauf, die an sich selbst gemessenen Daten einzusetzen, um sich selbst besser zu verstehen oder das eigene Leben angenehmer, erfolgreicher oder was auch immer zu gestalten.

Daten über Individuen ermöglichen unvorhersehbare Mikrodiskriminierungen

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Gleichzeitig können diese Daten jedoch auch eingesetzt werden, um eine neue Form von Ungleichbehandlungen zu etablieren, die Kucklick “Mikrodiskriminierungen” nennt. Hierbei lösen sich etablierte Unterscheidungen auf der Basis grober und weitestgehend eindeutiger Kriterien wie Einkommen, Alter oder (biologisches) Geschlecht auf. Sie werden ersetzt durch komplexe Berechnungen auf der Grundlage zahlreicher Datenpunkte, welche für den Einzelnen nicht mehr nachzuvollziehen und zu überschauen sind:

Größere Gruppen wie etwa Besserverdienende oder Frauen lassen sich vorab gut definieren, die Kriterien sind eindeutig, sie sind allen Beteiligten transparent und die Gruppen selbst sind recht stabil. Zwar sinkt bei einzelnen Bürgern das Einkommen gelegentlich und manche Frauen wechseln ihr Geschlecht, aber insgesamt haben wir es mit verlässlichen Gruppen zu tun. Bei der algorithmischen Kalkulation ist dagegen unklar, wer jeweils zu weicher Gruppe gehört. Es gibt nichts oder nur wenig, worauf sich ein Bürger vorab einstellen könnte: Sein algorithmisch erstelltes Profil ist stets intelligent, im Sinne von überraschend – es ist nur schwer oder gar nicht nachzuvollziehen. (S. 138)

Diese Undurchschaubarkeit sorgt auf der Seite der betroffenen Menschen für ein extremes Maß an Unsicherheit, da sie die Resultate der Berechnungen in keiner Form im Voraus abschätzen können. Es kann sogar sein, dass der genaue Zeitpunkt der Berechnung eine zentrale Rolle spielt, weil sich nur wenig später ein auf den ersten Blick irrelevanter Datenpunkt verändern würde, der jedoch immense Auswirkungen auf das Resultat hat. Gruppenzuschreibungen und Erwartungen werden auf diese Weise zwar möglichweise “präziser” und “objektiver”, sie wirken jedoch gleichzeitig willkürlich und in noch höherem Maße fremdbestimmt.

Darüber hinaus kommt in diesem Fall den konkreten Berechnungsalgorithmen eine zentrale Bedeutung zu. Diese bestimmen dann noch stärker als bisher schon über die Höhe des Versicherungsbeitrags, die Besetzung einer Stelle oder die Steuerlast. Sind diese Berechnungsverfahren dann auch noch “Eigentum” der entsprechenden Unternehmen und nicht öffentlich einsehbar, verlagert sich Entscheidungsgewalt in hohem Maße in undurchschaubare und mit bestimmten Partikularinteressen im Hintergrund entwickelte Black Boxen. Kucklick schlägt zur Abschwächung dieses Problems die Einführung von “Algorithmenprüfern” in der Analogie zu Wirtschaftsprüfern vor. Ein Modell könnte auch die bereits etablierte Genehmingungspflicht für die Kalkulation von bestimmten Versicherungstarifen sein.

Institutionell gesetzte, explizite Regeln ersetzen situativ ausgehandelte Kriterien

Teil der Differenzmaschine Nr. 1 von Charles Babbage

Teil der Differenzmaschine Nr. 1 von Charles Babbage

Wenn sich Entscheidungsgewalt in Algorithmen verlagert, gilt es eine weitere Eigenschaft digitaler Systeme zu bedenken, die Kucklick zufolge zu einer Überforderungen der gesellschaftlichen Institutionen führt. (Dabei versteht er “Institutionen” im soziologischen Sinne allgemein als gesellschaftlich etablierte Regelsysteme.):

Wichtiger ist, dass sich digitale Maschinen mit alldem, was unsere Hirne belastet, nicht herumschlagen müssen. Sie operieren nicht mit Sinn, nicht mit Gefühlen und Wünschen, mit Hoffnungen und Sehnsüchten, sondern bloß mit Symbolen, mit Ziffern und Zeichen. Wofür diese stehen, ist ihnen egal. (S. 88)

Er befürchtet also, dass der “gesunde Menschenverstand”, die situative Aushandlung von Kriterien und das soziale Abwägen unterschiedlicher Faktoren und Argumente bei entsprechend automatisierten Entscheidungen zu kurz kommt. Auch wenn Unternehmen oder Bürokratien bereits heute über relativ starre Regelsysteme verfügen, besitzen die Schnittstellen, die mit den Kunden bzw. Bürgern interagieren, gewisse Spielräume, innerhalb derer sie ihre eigene Einschätzung der Situation vornehmen können. Auch wenn sich hier ein Einfallstor für (unbewusste) Diskriminierung beispielsweise nach Hautfarbe oder Alter findet, hat der Wechsel zu “objektiven” Entscheidungsalgorithmen einen Paradigmenwechsel in der gesellschaftlichen Ethik zur Folge:

Maschinen ticken anders. Ihre Regeln und Handlungsweisen müssen ihnen Buchstabe für Buchstabe einprogrammiert werden. Aus einer gesetzlichen Vorschrift muss eine exakt zu programmierende Vor-Schrift werden. Um diese verfassen zu können, müssen wir alle Regeln, auch die ethischen, vorab festlegen. (S. 154)

Jede Entscheidungsregel und jedes Kriterium muss dem Algorithmus fest vorgeben werden. Unvorhersehbare Kriterien oder spezifische Konstellationen von Faktoren können nicht länger ad hoc von – im Normalfall – sozial wie fachlich kompetenten Menschen abgewogen werden, sondern werden anhand der immer gleichen, vorgegebenen Berechnungsvorgaben zusammengeführt. Damit müssen komplexe Systeme impliziter Normen und das feine Gespür der meisten Menschen für die Angemessenheit von Entscheidungen explizit gemacht und in Algorithmen überführt werden. Es gilt dann nur mehr das Wort des Gesetzes und nicht mehr sein Sinn oder seine Intention.

Da wir keinerlei Institutionen haben, die solche wichtigen Debatten öffentlich auslösen und moderieren könnten, werden solche Entscheidungen aktuell in den Entwicklungsabteilungen zahlreicher Firmen getroffen und durchdringen nach und nach das fein gesponnene Geflecht unseres Gemeinwesens. Auf diese Weise werden Entscheidungen über unser Leben sicherlich “gleicher”, aber werden Sie auch gerechter?

Ich denke nicht, ich tue – wie Gewohnheiten unser Leben bestimmen

Wir gehen gerne davon aus, dass wir jederzeit bestimmen können, was wir als nächstes tun. Und trotzdem ertappt man sich immer wieder dabei, auf einmal zum Kühlschrank gelaufen zu sein oder schon wieder auf das Handy geschaut zu haben. Mindestens ebenso wichtig wie unsere bewussten Entscheidungen sind nämlich etablierte Gewohnheiten, die wir immer und immer wieder durchführen, ohne uns dessen bewusst zu sein.

Diesen Gewohnheiten geht der us-amerikanische Journalist Charles Duhigg in seinem Buch The power of habit – Why we do what we do in life and business (dt. Die Macht der Gewohnheit: Warum wir tun, was wir tun) nach. Dabei betont er, welchen großen Einfluss diese Gewohnheiten auf alle Bereiche unseres Lebens haben:

Most of the choices we make each day may feel like the products of well-considered decision making, but they’re not. They’re habits. And though each habit means relatively little on its own, over time, the meals we order, what we say to our kids each night, whether we save or spend, how often we exercise, and the way we organize our thoughts and work routines have enormous impacts on our health, productivity, financial security, and happiness. (S. xv-xvi)

Ohne es zu bemerken, bestimmen Gewohnheiten also über unser Leben. Wenn wir uns ihrer bewusst werden, können wie sie allerdings auch strategisch einsetzen, um gewünschte Verhaltensweisen zu etablieren und schlechte Angewohnheiten zu überwinden.

Die Architektur von Gewohnheiten

Charles Duhigg: The Power of Habit (Random House 2012, 978-1-4000-6928-6)

Charles Duhigg: The Power of Habit (Random House 2012, 978-1-4000-6928-6)

Gewohnheiten setzten sich in Duhiggs Augen im Kern aus vier Komponenten zusammen: Im Normalfall lässt sich ein Reiz identifizieren, der als Auslöser für eine bestimmte Gewohnheit dient. So fungiert beispielsweise das morgendliche Aufstehen oftmals als Auslöser für das Anschalten der Kaffeemaschine oder den Sprung unter die Dusche. Diese ausgelöste Aktivität beziechnet Duhigg als die eigentliche Routine, welche schließlich zu einer angestrebten Belohnung führt.

Etabliert werden solche Gewohnheiten durch einen Prozess, der der Konditionierung nicht unähnlich ist. Durch das möglicherweise bewusste Wiederholen bestimmter Aktivitäten in der Reaktion auf einen konkreten Reiz, lernt das Gehirn, dass auf diesen Reiz eine Belohnung folgt, und erzeugt so nach und nach ein automatisches Reaktionsmuster. Für Duhigg spielt dieses durch die Konditionierung entstehende Verlangen eine zentrale Rolle:

Only when your brain starts expecting the reward – craving the endorphins or sense of accomplishment – will it become automatic to lace up your jogging shoes each morning. The cue, in addition to triggering a routine, must also trigger a craving for the reward to come. (S. 51)

Gewohnheiten bewusst etablieren oder verändern

Macht man sich diese Struktur von Gewohnheiten – Reiz, Verlangen, Routine und Belohnung – bewusst, wird deutlich, wie diese genutzt werden kann, um ganz bewusst bestimmte Verhaltensweisen zu verändern oder neu zu etablieren:

Rather, to change a habit, you must keep the old cue, and deliver the old reward, but insert a new routine, That’s the rule: If you use the same cue, and provide the same reward, you can shift the routine and change the habit. Almost any behavior can be transformed if the cue and reward stay the same. (S. 62)

Gewohnheiten lassen sich also nicht “abschalten”, sie können aber in dem zentralen Punkt der Routine – also des eigentlichen Tuns – verändert werden. Dazu gilt es, sich des Reizes bewusst zu werden und dann, anstelle der unerschwünschten Routine, mit einer anderen Aktivität zu reagieren. Diese muss jedoch wiederum dieselbe Belohnung hervorrufen, wie die zu ersetzende Routine. Der nachmittägliche Gang in die Caféteria könnte dementsprechend – wenn er in erster Linie dem Drang nach sozialem Kontakt entspringt – durch ein kurzes Schwätzchen mit den Kollegen am Wasserspender ersetzt werden.

„Bestie“ oder „Virus“? Wie die Sprache unser Denken prägt

Die alljährliche Diskussion um das „Unwort des Jahres“ macht deutlich, dass Sprache mehr ist als ein neutrales Werkzeug, mit dem wir Informationen von einer Person zur nächsten übertragen. Vielmehr ist die Sprache ganz eng mit unserem Denken und unserem Handeln verknüpft. Ob jedoch die Sprache Voraussetzung für das Denken und wie stark sie unsere Sicht auf die Welt prägt, ist nach wie vor umstritten.

In ihrem Buch Das Alphabet des Denkens – Wie Sprache unsere Gedanken und Gefühle prägt setzen sich die beiden ZEIT(Wissen) -Journalistinnen Stefanie Schramm und Claudia Wüstenhagen mit der aktuellen Forschung in diesem Gebiet auseinander. Dabei gehen sie in ihrer Darstellung von dem grundlegenden theoretischen Konflikt der Linguistik aus, dem Gegensatz zwischen „Universalisten“ und „Relativisten“:

Die Universalisten meinen, dass allen Menschen dasselbe Sprachvermögen und dieselben universellen Grundregeln der Sprache angeboren seien. Zudem verfügten alle Menschen von Geburt an über ein und dieselbe «Sprache der Gedanken»: Mentalese oder Mentalesisch […] Daraus folgern die Vertreter dieser Theorie, dass die natürliche Sprache keinen Einfluss auf das Denken hat. Dem widersprechen die Relativisten aufs heftigste: Sie sind überzeugt, dass wir in natürlichen Sprachen denken und dass diese unser Denken prägen. Die natürlichen Sprachen wiederum bildeten die Welt nicht auf ein und dieselbe Weise ab, sie sind nicht universell, sondern relativ. Folglich dächten Menschen in verschiedenen Sprachen bis zu einem gewissen Grad unterschiedlich; unsere Weltsicht hänge damit auch von der Sprache ab, die wir sprechen. (S. 53)

Ausgangspunkt dieses Konflikts war die sogenannte Sapir-Whorf-Hypothese, die im Kern davon ausgeht, dass die Sprache, die Menschen sprechen, ihr Denken in hohem Maße forme. Insbesondere formuliert sie, dass bestimmte Phänomene nur dann gedacht werden können, wenn es für sie einen sprachlichen Ausdruck gibt. Dieser Hypothese stellten sich jedoch Autoren wie Noam Chomsky oder Steven Pinker entgegen – unterstützt von zahlreichen empirischen Erkenntnissen, die aufzeigen, dass dieser Zusammenhang wesentlich schwächer ist, als zu Beginn angenommen.

Die Macht der Sprache – ob nun relativistisch oder universalistisch

Stefanie Schramm & Claudia Wüstenhagen: Das Alphabet des Denkens (978-3-498-06062-6)

Stefanie Schramm & Claudia Wüstenhagen: Das Alphabet des Denkens (978-3-498-06062-6)

Der Konflikt zwischen Universalisten oder der Relativisten ist jedoch in erster Linie theoretischer Natur. In der aktuellen empirischen Forschung sind die Ergebnisse insoweit eindeutig, als dass sich ein Zusammenhang zwischen der Sprache und dem Denken der Menschen eindeutig konstatieren lässt. Dabei deuten die Resultate auf eine gemäßigt-relativistische Position hin:

Sprache ist kein Gefängnis, sie determiniert nicht das Denken […]. Doch sie lenkt die Aufmerksamkeit in bestimmte Richtungen. Mal mehr, mal weniger subtil. (S. 177-178)

Dabei wird insbesondere deutlich, dass die Sprache neben der reinen Bereitstellung von Konzepten und Begriffen eine weitere zentrale Funktion in unserem Denken übernimmt: das Auslösen von Erinnerungen, Emotionen und entwickelten Denkmustern:

Denn die Muttersprache entfaltet ganz unabhängig von ihren Farbbegriffen, Orientierungsmaßen, Zeitformen oder grammatischen Geschlechtern ihre Macht. Jenseits von Grammatik und Semantik legt sie einen emotionalen Resonanzraum in uns an, verwurzelt sich in unseren Gefühlen. Sie ist die Sprache, mit der wir aufgewachsen sind, deren Klang wir von der ersten Lebensminute an hörten. Ihre Worte halfen uns, uns die Welt zu erschließen und eine Identität zu finden. Es ist diejenige Sprache, in der die Eltern mit uns schimpften und Trost spendeten. Kein «I love You» oder «Je t’aime» kann uns das «Ich liebe dich» ersetzen. Keine Schimpfwörter treffen uns so hart wie jene unserer Muttersprache. (S. 175)

Hier wird besonders deutlich, dass Sprache nicht nur ein rationales Werkzeug zum Verstehen von Zusammenhängen und zur Übertragung von Information darstellt, sondern eben auch ein emotionales Ausdrucksmittel. Im Laufe unseres Lebens – und insbesondere in unserer Kindheit – haben wir gelernt mit Begriffen Emotionen zu verbinden. Wir haben erfahren, wie unser Umfeld auf unterschiedliche Formulierungen reagiert und vermittelt bekommen, welche Ausdrücke in welcher Situation angemessen oder unangemessen sind. Kommunikation via Sprache ist demnach ein komplexer sozialer Prozess, der von den Beteiligten ebenso bestimmt wird, wie von ihrem Kontext. Die „Wahrheit“ liegt hier anscheinend – wie so oft – in der Mitte; irgendwo zwischen Nature und Nurture (s. dazu auch Der tiefe Graben zwischen Wissenschaft und Gesellschaft).

Sprache als Werkzeug zur Manipulation und Datensammlung

Wenn Sprache bestimmte Emotionen hervorrufen und Denkweisen auslösen kann, wird sie zum interessanten Werkzeug für diejenigen, die andere dazu bringen wollen, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun. Die Autorinnen stellen mehrere Beispiele von Untersuchungen vor, die aufzeigen, wie sich durch die Nutzung bestimmter Begriffe die Reaktionen auf ansonsten identische Sachverhalte unterscheiden. Besondern eindrucksvoll ist dabei die Wahl von bestimmten Metaphern. So unterscheiden sich die von den Probanden vorgeschlagenen Lösungen für eine hohe Kriminalitätsrate je nachdem, ob der ansonsten identische einführende Text die Kriminalität mit mit einer „Bestie“ oder einem „Virus“ vergleicht. Das macht Metaphern  zu einem besonders geeigneten und unauffälligen Manipulationsmittel:

[…] Sprachbilder haben eine Tücke: Wer in den assoziativen Fäden eines Metaphernnetzes hängt, kann sich nur schwer wieder davon lösen. Die Gedankengänge und Schlussfolgerungen sind dann gebunden an die Bilder, die die Metaphern im Kopf erzeugen (S. 218)

Es verdichten sich mittlerweile sogar die Hinweise, dass wir bei der Wahrnehmung von Sprache schon einzelnen Phonemen – also kleinen Lauteinheiten – bestimmte Bedeutungen zuschreiben. Während das „i“ beispielsweise als klein wahrgenommen wird, steht das „o“ eher für groß. Solche Zuschreibungen laufen höchst unbewusst ab, lassen sich aber in unterschiedlichen Untersuchungen konsistent nachweisen.

Doch Sprache kann nicht nur zur Manipulation genutzt werden. Sie ermöglicht es auch, zentrale Informationen über uns zu erheben. So stellen die Autorinnen die Arbeit von James Pennebaker zu Pronomen vor:

In den kleinen, unscheinbaren Funktionswörtern liegt also eine Menge verborgen: Hinweise auf unsere Person – Geschlecht, Alter, sozialer Status – und auf unsere Persönlichkeit, ja sogar Indizien dafür, ob wir lügen und wen  wir lieben. Doch weil wir sie meist unbewusst benutzen und verarbeiten, brauchen wir Computerprogramme, um ihre Botschaft zu entschlüsseln. (S. 208)

Schramm und Wüstenhagen zeigen in ihrem Buch auf, dass unsere Sprache auf vielfältige Weise mit unserem Denken verbunden ist. Ob sie es nun wirklich determiniert ist dabei relativ egal, wenn empirische Untersuchungen zeigen, dass sie gezielt genutzt werden kann um Deutungen vorzugeben und durch statistische Analysen auch Informationen über uns als Person vermittelt. Doch eine emotionslose, objektive Sprache ist weder möglich noch wäre sie wünschenswert.

Der Rückzug aus der Gemeinschaft aus Angst vor dem Fremden

Klimawandel, Terroranschläge und die immer wieder aufwallende Wirtschaftskrise sind nur drei der aktuellen Entwicklungen, die den Eindruck erwecken, unsere Welt sei immer weniger kontrollierbar. Als Konsequenz wird der Rückzug in das Private und der Aufbau einer eigenen, überschaubaren Welt zu einem immer größeren gesellschaftlichen Phänomen. Auch der us-amerikanische Soziologe Richard Sennett beschäftigt sich in seinem aktuellen Buch Zusammenarbeit mit der abnehmenden Bereitschaft – und vielleicht auch Fähigkeit – der Menschen, sich auf kooperative oder gar kollektive Zusammenhänge einzulassen.

Für Sennett ist der Mensch grundsätzlich ein soziales Tier, dem die Zusammenarbeit und Kooperation mit anderne in die Wiege gelegt ist, wie er ausführlich anhand der frühkindlichen Entwicklung der Kooperationsfähigkeit erläutert. Im Anschluss zeigt er jedoch auf, wie die zentralen Grundlagen für unterschiedliche Formen der Kooperation – insbesondere solcher, welche nicht auf einem klar definierten Interessensaustausch oder etablierten Machtstrukturen basieren – immer weiter erodieren.

Rituale als Anker sozialer Einbettung

Richard Sennett: Zusammenarbeit (a href="http://www.amazon.de/Zusammenarbeit-Was-unsere-Gesellschaft-zusammenh%C3%A4lt/dp/3423348372/?tag=diekrise-21">978-3423348379)

Richard Sennett: Zusammenarbeit (978-3423348379)

Im Mittelpunkt von Sennetts Argumentation steht die Beobachtung, dass Kommunikation und Interaktion nicht in erster Linie auf der expliziten Inhaltsebene stattfinden, sondern stark von unterschwelligem Austausch und sozialen Erwartungen geprägt sind. Neben einer interessanten Kritik an der Vorstrukturierung der Kooperation durch digitale Werkzeuge wie das mittlerweile eingestellte Google Wave betont er dabei insbesondere die ordnende und strukturierende Funktion von Ritualen und Zeremonien.

Zeremonien entheben die Menschen gerade der Notwendigkeit, für sich selbst zu sprechen und den Menschen darzustellen, der sie sind. Die Teilnehmer finden Zugang zu einem größeren, gemeinsamen Ausdrucksbereich. (S. 130)

Auf diese Weise entlasten sie auf der einen Seite das Ich und auf der anderen Seite zeigen sie dem Einzelnen seine Zugehörigkeit zu etwas Größerem. So können sie an sich sinnlose Aktivitäten mit einem hohen Maß an Bedeutung und Befriedigung aufladen. Rituale binden den Einzelnen an seine Umgebung, sie machen ihn zugehörig und markieren seinen Status. So reduzieren sie Unsicherheiten und bieten Orientierung.

Solche Prozesse sind jedoch nur dann positiv zu bewerten, wenn die auf diese Weise geschaffene Zugehörigkeit des Einzelnen auf Augenhöhe geschieht. Sennett beschreibt hier, dass Rituale im Laufe der Zeit immer mehr zu Spektakeln geworden sind, an denen Einzelne nicht mehr selbst teilnehmen, sondern die sie passiv beobachten:

Aber schon damals war klar, dass etwas mit der Gemeinde und dem Individuum geschah, wenn Rituale in ein Spektakel verwandelt wurden. Das Spektakel verleiht der Gemeinschaft eine hierarchische Struktur, in der die Unteren zusehen und dienen, aber nicht als Individuen von eigenständigem Wert mitwirken (S. 150-151)

Zum Spektakel degradiert, stärkt das Ritual nicht mehr den Einzelnen in seiner sozialen Position, sondern unterwirft ihn einer etablierten Machtstruktur.

Rückzug aus Angst vor den Bedürfnissen Anderer

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Je mehr klassische Rituale zum Spektakel verkommen, desto weniger Struktur stiften sie für die direkte Interaktion auf Augenhöhe. Auf diese Weise verkomplizieren sie soziale Konfigurationen, in denen die unterschiedlichen Positionen nicht mehr klar definiert und erkennbar sind. Sie schwächen auch die eigene Position, die ebenso unscharf und unsicher wird. Damit beginnt der Rückzug aus dem Sozialen:

In der modernen Gesellschaft entsteht ein eigentümlicher Charaktertyp, ein Mensch, der mit anspruchsvollen, komplexen Formen sozialen Engagements nicht zurechtkommt und sich deshalb zurückzieht. (S. 241)

Besondere Bedeutung misst Sennet dabei der Angst der Menschen zu, die sich Denkweisen und Bedürfnissen ausgesetzt sehen, welche sie selbst nicht nachvollziehen und verstehen können. Diese wirken oftmals auf bedrohliche Weise fremd und lösen so eine Flucht- oder Vermeidungsreaktion aus. Statt sich also in der direkten Interaktion mit diesen Perspektiven auseinanderzusetzen, erfolgt eine Flucht in die formale Interaktion, welche durch abstrakte und an anderer Stelle bestimmte Kriterien geprägt wird. Dabei schwindet die Bereitschaft, sich auf überraschende und unbekannte Situationen einzulassen:

Wer den tausendsten industriell gefertigten Hamburger isst, kann von dem Geschmack nicht sonderlich begeistert sein, aber da er ihm vertraut ist, empfindet er ihn als angenehm. Ähnliches gilt für eine Couchpotato, die sich wohlfühlt, wenn sie mit halbem Auge Fernsehsendungen verfolgt, die ihre Aufmerksamkeit nicht wirklich fesseln. Beide erreichen einen hohen Wert auf der »Langeweile-Anfälligkeitsskala«. Sie wünschen sich eine Vertrautheit, die keine Überraschungen birgt. (S. 254)

Die Illusion der losgelösten Freiheit

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Für Sennett stellt dieser Rückzug, der durch Gleichgültigkeit oder Arroganz anderen Weltsichten gegenüber geprägt ist, den ultimativen Ausdruck des liberal-individualistischen Ideals dar. Er macht jedoch deutlich, dass dieses Ideal historisch und auch global als absolute Ausnahme zu werten ist.

Das autonome Individuum erscheint als frei. Doch aus der Sicht anderer Kulturen erscheint ein Mensch, der stolz darauf ist, andere nicht um Hilfe zu bitten, als eine zutiefst geschädigte Person, weil die Angst vor sozialer Einbindung sein Leben beherrscht. (S. 185)

Sie ist der Ausdruck einer europäischen Entwicklung, die in der Renaissance ihren Anfang nahm und sich in den letzten Jahrzehnten endgültig durchsetzen konte. Gleichzeitig machen die Komplexität gesellschaftlicher wie ökonomischer Zusammenhänge und die unzähligen wechselseitigen Abhängigkeiten eine Kooperation unterschiedlicher Menschen so unverzichtbar wie niemals zuvor – während sie ihre Grundlagen unterminieren. Dieses Spannungsverhältnis, verbunden mit der zunehmenden Unsicherheit – prägt für Sennett das Gefühl “unserer” Zeit:

Die Sehnsucht nach einer Solidarität, die inmitten ökonomischer Unsicherheit ein Gefühl der Sicherheit vermitteln könnte, führt heute zu einer radikalen Simplifizierung des sozialen Lebens: Abgrenzung gegen andere Gruppen, verbunden mit dem Gefühl, allein zu stehen und ganz auf sich selbst angewiesen zu sein. (S. 374)

Wie Leonardo da Vinci die moderne Wissenschaft vorweg nahm

Leonardo da Vinci (1452 – 1519) gilt als das Universalgenie der menschlichen Ideengeschichte. Besonders bekannt ist er für seine Kunst – allen voran natürlich das Abendmahl und die Mona Lisa. Auch als Ingenieur hat da Vinci bis heute einen Namen. Dass er auch als Wissenschaftler seiner Zeit teilweise um Jahrhunderte voraus war, ist jedoch erst in den letzten Jahren wirklich deutlich geworden. Lesen…

Das Land, das an seinen Tugenden zweifelt

Ein ungläubiges Raunen geht durch das Land, wenn mal wieder eine Umfrage zeigt, dass Deutschland und seine Einwohner in der Welt durchaus beliebt sind. Erst kürzlich kürte eine BBC-Umfrage Deutschland sogar zum beliebtesten Land der Erde – noch vor Kanada. Abgesehen von angemessener Bescheidenheit und der generellen Fragwürdigkeit entsprechender Umfragen, warum fällt es “den Deutschen” so schwer zu glauben, dass andere sie in einem durchaus positiven Licht sehen?

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Amanda Palmer über die Kunst des Fragens und den Sinn der Kunst

Eigentlich solltes es eines der einfachsten Dinge der Welt sein, andere Menschen um Hilfe zu bitten: die Nachbarn, wenn uns Mehl zum Backen fehlt, den Chef, wenn wir die spontane Hochzeit unseres besten Freundes besuchen wollen, oder die gute Freundin, wenn wir gerade ein wenig klamm sind, aber eine Autoreparatur ansteht. Der Frage, warum uns dies trotz einer guten Beziehung oder gar einer Freundschaft zu diesen Menschen oft so schwer fällt, geht die Musikerin Amanda Palmer in ihrer “thematischen Autobiographie” The Art of Asking nach.

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